Kleinstwagen : Mobil mit wenigen Pferdestärken

Sie heißen Dué First oder Aixam Coupé und haben gerade mal fünf PS: Einige City-Kleinstwagen stehlen auf dem Pariser Salon den großen Autos die Show.

Noch bis kommenden Sonntag zieht der Pariser Autosalon , die in diesem Jahr größte Publikumsmesse Europas, Hunderttausende Besucher in den Bann. Insgesamt werden an den 14 Messetagen mehr als 1,2 Millionen Menschen auf dem Gelände erwartet – nicht nur dank der großen, schnellen Automobile. So mancher kleine vermeintliche Nebendarsteller hat sich zum dicht umlagerten Messehöhepunkt entwickelt. Dazu zählt der neue Kleinwagen von Opel. Die Rüsselsheimer feiern in Paris mit musikalischen wie visuellen Shows die Publikumspremiere des Adam. Von Januar an soll er zu Preisen ab 11.500 Euro als Opel-Einstiegsmodell angeboten werden.

Weitaus unbekannter ist der Izis des Herstellers WallysCar. Was sich im ersten Moment nach einem kleinen Roboter anhört, der die Welt vom Schrott befreit, ist in Wirklichkeit der erste und einzige Autohersteller Tunesiens. Das in der Hauptstadt Tunis beheimatete Unternehmen sieht sich als Fertiger von Nischenfahrzeugen mit einer Produktionsleistung von 100 bis 3.000 Einheiten jährlich.

Der Izis ähnelt sehr einem Wrangler-Jeep, ist aber gerade einmal 3,30 Meter lang und 1,68 Meter breit. Der Zweisitzer hat eine aus Karosserie aus Fiberglas, für den Antrieb sorgt ein 1,4 Liter großer Vierzylindermotor mit 75 PS. In Nordafrika und Frankreich wird der Zwerg-Jeep ab 12.000 Euro verkauft.

Aus Frankreich selbst kommt der Leichtkraftwagen Aixam Coupé GTi. Auch mit Rallyestreifen auf der Karosse bleibt er ein maximal 45 km/h schnelles Stadtmobil. Auf dieses Tempo bringt ihn ein 0,4 Liter kleiner Zweizylinder-Dieselmotor mit 5,4 PS und einem Drehmoment von 14 Nm. Wendigkeit und Platzangebot sind die Stärken des drei Meter langen und 1,50 Meter breiten Aixam Coupé GTi. Lediglich vier Meter braucht der 350 Kilogramm leichte Wagen zum Wenden und in seinen Kofferraum passen unglaubliche 500 Liter Gepäck. Mit seinem 16 Liter fassenden Treibstofftank und einem Dieselverbrauch von drei Litern je 100 Kilometer sind über 500 Kilometer am Stück möglich. Sein Preis: 14.499 Euro.

Roadster im Kleinformat

Noch kürzer und schmaler als der Aixam ist der Dué First. Das in Frankreich ab 8.500 Euro erhältliche Microauto ist ganze 2,83 Meter lang und 1,49 Meter breit. Angetrieben wird der Kleinstwagen von einem ebenfalls 5,4 PS starken Zweizylinder-Diesel, der einen Hubraum von 0,5 Litern hat und maximal 17 Nm Drehmoment liefert. Der Verbrauch des wassergekühlten Dué liegt offiziell bei 3,6 Litern auf 100 Kilometer.

Wie besonders das Modell ist, zeigt ein Blick auf die Serienausstattungsliste. Dort sind unter anderem rote Heckleuchten, Rückfahrscheinwerfer und Anzeigen für Geschwindigkeit, Tankfüllung und Uhrzeit aufgeführt – Posten, die bei herkömmlichen Autos gar keine Erwähnung finden. Der Hersteller gibt für den Dué First eine Garantie von zwei Jahren.

Schon allein wegen der optischen Nähe zu einem legendären Sportwagen ist der PGO Cévennes mehr als nur eine Erwähnung wert. Der Roadster wirkt wie einem Porsche 956 Speedster aus dem Gesicht geschnitten. Allerdings ist er nur 998 Kilogramm schwer und misst 3,70 Meter in der Länge.

Im Gegensatz zu den anderen Zwergen der Pariser Automesse verfügt der PGO Cévennes allerdings über richtig viel Leistung. Der 1,6 Liter große Vierzylinder-Mittelmotor hat 184 PS und leistet maximal 240 Nm, die ein manuelles Sechsganggetriebe an die Räder bringt. Damit schafft der 1,74 Meter breite Zweisitzer bis zu 225 Kilometer pro Stunde. Den Verbrauch gibt PGO mit 7,6 Litern je 100 Kilometer an. Zu genauen Preisen schweigt der Hersteller bislang, doch dürften sie bei knapp 40.000 Euro beginnen.

Kommentare

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Mit Zweitakter nicht zu vergleichen

Zweitakter sind effizienter darin, aus wenig Hubraum große Leistung herauszuholen (bei Serienfahrzeugen grob maximal: 50 ccm -> 5 PS, 125 ccm -> 30 PS, 250 ccm -> 60 PS). Leider sind insbesondere mit den größeren Zweitaktern die heutzutage strengen Abgasnormen nicht mehr zu erfüllen. Der Zweitakter ist ein Auslaufmodell bis auf Nischenanwendungen, da einfach im Vergleich zu einem ähnlich dimensionierten Viertakter zu laut, zu spritfressend, zu dreckig.

5 PS aus 500 ccm bei einem Viertakter bzw. Diesel ist wirklich nicht viel, aber durchaus noch im Rahmen. Das Drehmoment ist durch Diesel ja auch höher. Zum Vergleich: ein heute übliches 125 ccm Viertakt-Leichtkraftrad hat zwar zwischen 10 und 15 PS, allerdings bei recht hohen Drehzahlen, das maximale Drehmoment liegt aber etwas niedriger als beim im Artikel beschriebenen 500 ccm Diesel.

Ineffizienz pur.

Natürlich ist ein Zweitakt-Motor nicht vergleichbar, aber auch ein 125er Viertaktbenziner liefert deutlich mehr.

Aber egal, nehmen wir mal die Hersteller-Werte als korrekt an. Dann stellen sich mir zwei Fragen:

1.) Mit 4kw betreibt man leichte Roller mit vielleicht 80-100kg Leergewicht. Der Duo First wiegt laut Hersteller 350kg. Also ca. das 3-3,5fache. Plus potentielle Beifahrer. 45 km/h Höchstgeschwindigkeit, ok, aber wie lange muss man den dafür beschleunigen? Irgendwo gibt's ja auch eine Untergrenze, wo man zum Verkehrshinderniss wird. Wie sieht's bei Steigungen aus?

2.) Wie zum Henker kann man einen Motor bauen der bei 3,57l auf 100km gerade mal 4kW leistet? Und das auch noch als Innovation verbuchen?

Mal zum Vergleich:
Das sind gerade mal 1,12KW Leistung pro Liter Diesel auf 100km. Der Polo Bluemotion aus 2006 mit einem 3 Zylinder Diesel verbraucht 3,8l auf 100km. Dafür leistet er aber auch bei gleicher Drehzahl (3000U/min) 59kW. Das sind 15,53kw pro Liter Diesel. Also um knapp Faktor 14(!) effizienterer "Treibstoffumsatz".

Das dürfte einer ineffizientesten Serienmotoren überhaupt sein. Haben wir echt noch soviel Erdöl über um uns solche Motoren leisten können?

Downsizing halt

Der Downsizing-Trend der letzten Jahre gibt diesen Weg doch vor!

Als BMW E34-Fahrer (Mein 520i ist BJ 1992) kann ich nur mit dem Kopf schütteln, wenn ein 1 Liter-Motor mit drei Töpfen, 75 PS Leistung und 6 Litern Benzinverbrauch als modern gilt - wenn ich daran denke, dass mein Motor (exakt doppelt so groß, doppelte Leistung) mit 9 Litern auskommt und vermutlich 3x so lange hält.

Nene, der 5 PS-Motor mit einem unfasslich schlechten Wirkungsgrad und einer ungeheuerlich schlechten Effizienz wird kommen. Der Umwelt zuliebe. Und nach 45.000 Km werfen wir das Ding in die Schrottpresse. nachhaltigkeit und so.

lol, wir werden mit dem Downsizing-Trend vollkommen verarscht.

Energieeffizienz zählt

Vergleicht man uninteressante Kennziffern kann man sich alles schönrechnen.

Sie haben schon recht das die Leistungseffizienz niedriger als die ihres Beispielmodells, des Polos, ist. Trotzdem interessiert doch vor allem die Energieeffizienz. Also wie viel Dieselenergie (Liter Diesel) brauche ich um 100 km zurückzulegen. Und diese ist nunmal etwas höher bei den im Artikel beschriebenen Kleinstwagen: 3.57 l vs 3.8 l Normverbrauch auf 100 km.

Mit Ihrer Berechnung einer 14-fachen Leistungseffizienz haben Sie es ja gerade bewiesen: Diese Leistung braucht niemand, denn sie verpufft größtenteils beim im Stau stehen und im höheren Luft- und Rollwiderstand bei höheren Geschwindigkeiten (>45 km/h). Schließlich kommt man mit dem Polo ja nicht 14 mal schneller ans Ziel.

Großer Irrtum

"Der Polo Bluemotion aus 2006 mit einem 3 Zylinder Diesel verbraucht 3,8l auf 100km. Dafür leistet er aber auch bei gleicher Drehzahl (3000U/min) 59kW."

Es ist ein großer Irrtum anzunehmen, dass ein Motor bei einer bestimmten Drehzahl stets seine maximale Leistung abgibt.
Im Leerlauf z.B. dreht sich der Motor, gibt aber keinerlei Leistung ab.
Oder wenn Sie auf der Landstraße zum konstant mit 100 km/h Dahingleiten nur 12 PS brauchen, dann wird über das Gaspedal geregelt der Motor auch nur 12 PS abgeben, und zwar unabhängig davon in welchem Gang sie fahren, denn wenn der Motor mehr Leistung abgäbe, würde ja zwangsläufig eine Beschleunigung stattfinden.

Wenn die maximale Leistung aber tatsächlich einmal abgerufen wird, z.B. beim Ampelstart oder beim Überholen liegen die Momentanverbräuche gerne auch mal bei mehr als 50 l/100km.

Der Unterschied zwischen einem niedrig motorisierten und einem hoch motorisierten Auto liegt also darin, dass in ersterem der Motor seine mögliche Leistung zu einem höheren Prozentsatz tatsächlich abgibt, während sich bei letzterem hauptsächlich der Motor dreht.

Da Motoren bei höherer Leistungsabgabe in der Regel effizienter arbeiten, sind die Verbräuche von kleineren Motoren bei gleicher Leistungsabgabe, wie es ja sein mus, wenn dieselbe Aufgabe erledigt wurde, in der Regel niedriger. Das ist der Anlass für das Downsizing.

Der Verbrauch ist wirklich indiskutabel

Man kann einen Renault Twingo mit einem etwas höheren Verbrauch fahren. Allerdings wiegt dieses Auto über eine Tonne und hat einen Motor mit 1,5 Litern Hubraum, der 84 PS leistet.

Wie es da möglich ist, dass ein 0,4 Liter-Dieselchen mit gerade mal 5,4 PS für den Antrieb eines Autochens von nur 350 Kilo Gewicht 3 Liter auf 100 Kilometer frisst, ist mir ein Rätsel.

Ich fahre jedenfalls einen Twingo mit - gemittelt über mehr als 40.000 Kilometer - einem Durchschnittsverbrauch von 3,69 Litern auf 100 Kilometer. Dabei ist dieses Auto noch mit jeder Menge Elektronik vollgestopft (Tempomat, ESP, ABS, Lichtautomatik, Scheibenwischerautomatik) und ist dabei nur etwas mehr als 2.000 Euro teurer als dieser Aixam.

Ich habe den Eindruck, dass diese Kleinstwagen der Gipfel der Ineffizienz und dabei auch noch maßlos überteuert sind.

Kleine Autos können auch größer sein

Wenn sie vorne andere Sitzaufteilungen im Bestellverhalten zulassen. Das wird heute nicht angeboten - noch nicht.
Der MINI Countryman macht es vor - schon heute kann die hintere Sitzbank für 2 oder 3 Personen geordert werden. Ganz einfach über die gewählte Ausstattung. Es geht eigentlich schon einfach.

Nur vorne haben die Hersteller noch ein Problem. Der MIA hat einen zentraler Vordersitz. Theoretisch ist es möglich, dass der Kunde über die Ausstattungswahl seine(n) Sitz(e) konfiguriert. Er kann dann wählen: 1 superkompfortablen Einzelsitz (fast wie ein Sofa) vorne mit Platz wie in der S-Klasse oder 2 Sitze nebeneinander mit Platz wie in einer Sardinendose. Hersteller entscheiden momentan dem Kunden nur die Sardinendosenwahl zu überlassen. Das ist fade. Das ist wenig innovativ.

Hohe PS-Zahlen sind im realen Verkehr überbewertet - aber noch ist es eine wichtige Orientierung für viele Kunden. Auch Kunden muss Zeit gelassen werden, andere Luxuswerte zu entdecken. Hersteller müssen andere Luxuswerte präsentieren und neue Geschäftsmodelle gestalten. Wandel benötigt immer Zeit. Aber es braucht sicher nicht jeder mit einem 5 PS Modell herumzufahren; 70 PS sind auch schon eine ganze Menge; es muss nicht immer über 100 PS bei Kleinwagen hinauslaufen. Es müssen sich aber andere Luxusorientierungen ergeben.