Google-RoutendienstMit dem Zug von Rostock nach Berlin über Hamburg

Google Maps' Routenplaner zeigt jetzt auch Bahnstrecken an, aber nur die der DB. Wer den Empfehlungen folgt, reist womöglich zu lange und zahlt zu viel. von 

Google Maps zeigt die Zugverbindung Rostock - Berlin, über Hamburg.

Google Maps zeigt die Zugverbindung Rostock - Berlin, über Hamburg.  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

Wer mit dem Zug von Rostock nach Berlin möchte oder von Siegen nach Frankfurt am Main , der verlässt sich besser nicht auf den neuen Routendienst von Google Maps. Auf Google Transit , so der Name, kann man sich seit Kurzem neben den schon länger gebräuchlichen Auto-Routen und Fußwegen auch Zugverbindungen anzeigen lassen. Start und Ziel der Reise eingeben, auf den Eisenbahn-Button klicken, fertig.

Doch so einfach ist es nicht. Eisenbahn ist nicht gleich Eisenbahn. Die Deutsche Bahn AG hat seit Langem private Konkurrenz auf dem Schienennetz. Etwa den InterConnex, der zwischen Rostock-Warnemünde und Leipzig verkehrt und dabei auch in der Bundeshauptstadt Halt macht. Google Transit kennt dieses Angebot nicht.

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Das kann zu absurden Suchergebnissen führen. Dem Reisenden, der von Rostock nach Berlin möchte, schlägt der Routendienst allen Ernstes vor, mit dem Intercity von Rostock nach Hamburg zu fahren und dort dann in einen IC oder ICE nach Berlin zu wechseln. Das dauert zwischen gut vier und nahezu fünfeinhalb Stunden. Zum Vergleich: Der InterConnex braucht für die Strecke zwischen den beiden Hauptbahnhöfen von Rostock und Berlin zwei Stunden und 32 Minuten.

Ein Ticket für 84 statt 19 Euro

Die Google-Empfehlung führt aber nicht nur zu Zeitverschwendung, sondern kostet den, der ihr folgt, auch noch überflüssig Geld. Das Ticket für den InterConnex gibt es ab 19 Euro, die Bahnfahrt via Hamburg mit zwei ICs kostet 84 Euro zum Normalpreis. Seltsamerweise listet Google Transit aber auch die kürzere DB-Verbindung mit Regionalexpress über Schwerin nicht auf, obwohl der Dienst die S-Bahn- und Regionalzugverbindungen der Deutschen Bahn eigentlich in seiner Datenbank hat.

Auch unser zweites Beispiel, die Strecke Siegen-Frankfurt, liefert ein zeitraubendes und überteuertes Google-Ergebnis. Der Dienst rät, über Bonn oder gar Köln zu fahren. Die kürzere Alternative – mit der Linie 40 der privaten Hessischen Landesbahn (HLB) ohne Umsteigen über Haiger, Wetzlar und Gießen nach Frankfurt – ignoriert Google.

Das Unternehmen räumt ein, dass der Dienst Lücken hat . "Wir wissen, dass Google Transit nicht vollständig ist", sagte eine Sprecherin. "Unser Ziel ist es, das bestmögliche Produkt zu bieten. Wir hoffen, dass die Verbindungen der lokalen Nahverkehrsbetriebe so schnell wie möglich eingebunden werden können."

Leserkommentare
  1. Das dies so sein sollte setzt voraus, dass der Nutzer ein Dummchen ist. Es gibt die offizielle Homepage der DB und da kann man sich seine Route zuverlässig anzeigen lassen und das meist auch mit Preisangabe und Sonderpreisen. Warum sollte also jemand Google zur Planung einer Fahrt mit der Bahn nutzen?

    7 Leserempfehlungen
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    ...weil man für eine Reise von A nach B bei Google (vermeintlich) sehr leicht einen Vergleich zwischen Autofahrt und Zugreise machen kann?

  2. ...weil man für eine Reise von A nach B bei Google (vermeintlich) sehr leicht einen Vergleich zwischen Autofahrt und Zugreise machen kann?

    Eine Leserempfehlung
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    • snoek
    • 19. Oktober 2012 9:04 Uhr

    Bei einem Vergleich von Auto und Bahn sind aber andere Kriterien entscheidend. Zum Beispiel der Preis, die Fahrtdauer oder die Anzahl der Umsteige in einen anderen Zug. Die Zeit, die man zum Umsteigen hat. Die Strecke ist doch letztlich völlig Wurscht, da auch ein Umweg kostengünstiger sein kann, wenn man ein paar Tage vorher einen Sparpreis bucht.

    ... sind sowohl die Auto-Alternativen in Weg, Zeit und Geld angegeben als auch die entsprechenden CO2-Vergleiche, also alles viel ausführlicher und wahrscheinlich genauer als bei Google Maps.

  3. Warum soll die Bahn sich darum kümmern, dass ihre Konkurrenten bei Google Transit angezeigt werden? Muss eine Aral-Tankstelle auch noch alle anderen Tankstellen samt aktueller Preise im Umkreis von 2 km angeben?

    Aber die ausgegebene Zugverbindung wundert mich gar nicht. Wegen der Streckensperrung zwischen Berlin und Rostock ist das Auto momentan eine echte Alternative. Und auf der Bahnseite erhält man manchmal auch seltsame Verbindungen.

    5 Leserempfehlungen
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    @hafensonne

    Weil die bahn kein einfaches unternehmen wie jedes andere ist, sondern ein halb-staatliches unternehmen, dass aus einer eindeutig vorteilhaften Position heraus handelt.

    Da die bahn nicht nur Züge betreibt, sondern auch das Schienennetz pflegt, vereint sie zwei konkurrierende Funktionen. Einerseits soll sie als Zugbetreiber mit den anderen Zugbetreibern konkurrieren, andererseits mit ihnen als Schienennetzbetreiber kooperieren. Das führt oft zu Interessenkonflikten.

    Hinzu kommt, dass die Bahn trotz aller Privatisierung aus ihrer halb-staatlichen quasi-monopolistischen Stellung heraus immernoch 90% der Schienen alleine befährt. Sie müssen also alle Verbindungsmöglichkeiten auf einem Portal finden, um von A nach B kommen zu können.

    Redaktion

    Liebe(r) hafensonne,

    Sie fragen: Warum soll die Bahn sich darum kümmern, dass ihre Konkurrenten bei Google Transit angezeigt werden?

    Nun, die Sache ist etwas komplizierter. Die Bahn ist nämlich eine Art Zwitterkonzern. Auf der einen Seite bietet sie Zugverkehr an, auf der anderen Seite ist sie Betreiber des Schienennetzes und der Bahnhöfe (DB Netz).

    Die DB Netz soll ihr Netz diskriminierungsfrei auch den Konkurrenten zur Verfügung stellen. Als solche muss sie auch die Konkurrenz-Verbindungen in ihren Fahrplänen ausweisen (der im Text erwähnte Paragraf). Wer ist nun der Google-Partner, die DB Netz?

    Mit dem im Text beschriebenen Problem zeigt sich wieder einmal, wie unsinnig in meinen Augen das Konzept des integrierten Bahn-Konzerns ist.

    • snoek
    • 19. Oktober 2012 9:04 Uhr
    4. .....

    Bei einem Vergleich von Auto und Bahn sind aber andere Kriterien entscheidend. Zum Beispiel der Preis, die Fahrtdauer oder die Anzahl der Umsteige in einen anderen Zug. Die Zeit, die man zum Umsteigen hat. Die Strecke ist doch letztlich völlig Wurscht, da auch ein Umweg kostengünstiger sein kann, wenn man ein paar Tage vorher einen Sparpreis bucht.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "...weil man..."
    • joesz
    • 19. Oktober 2012 9:06 Uhr

    und der Verfasser des Artikels zeigt sich uninformiert: Zwischen September 2012 und April 2013 ist die Zugverbindung zwischen Rostock und Berlin wegen Bauarbeiten nicht befahrbar. Als Alternative wird ein Zugersatzverkehr mit Bussen angeboten, was aber sehr strapaziös und umständlich ist. Von Rostock ist daher ist der Umweg über Hamburg gegenwärtig der beste Kompromiss.

    4 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    Lieber joesz, es gibt durchaus die Möglichkeit, mit dem Zug von Rostock nach Berlin zu kommen, ohne über Hamburg zu fahren - nämlich über Schwerin. Das geht mit dem InterConnex oder mit der DB.

    ...für diesen Hinweis!

    Ich hätte von der ZEIT eigentlich eine gründlichere Recherche erwartet. Sic transit gloria mundi...
    Vom Verfall des deutschen Qualitätsjournalismus einmal abgesehen zeigt der Artikel dann das Gegenteil, nämlich die tatsächliche Überlegenheit Googles gegenüber herkömmlichen Diensten.

    mit solidarischem Gruß,
    besorgter_mitbueger

  4. Wnn ich von Rostock nach Berlin fahren will. Suche ich mir im www eine Mitfahrgelegenheit und fahre für 10-15€ in 2-2,5 Stunden. Nebenbei kann man da noch ganz interessante Menschen kennenlernen. Funktioniert auch zwischen anderen Städten ;-)

    2 Leserempfehlungen
  5. denn man benötigt über Hamburg weniger Zeit als wenn man der Empfehlung der Bahnauskunft via Stralsund folgt.

    Also was soll dieser Artikel? Googlebashing die achtzigste? Da kann man echt nur den Kopf schütteln.

    Und der Hinweis zu Bahnkonkurrenten. Das wäre als würde die Zeit Redaktion Artikel der Süddeutschen empfehlen, weil die ein höheres Niveau erreichen. Mal drüber nachdenken Herr Breitinger!

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    Redaktion

    "Das wäre als würde die Zeit Redaktion Artikel der Süddeutschen empfehlen, weil die ein höheres Niveau erreichen."

    Ihr Vergleich trifft nicht zu - denn Google Transit ist kein Angebot der Deutschen Bahn AG.

    • TDU
    • 19. Oktober 2012 9:59 Uhr

    "Und der Hinweis zu Bahnkonkurrenten. Das wäre als würde die Zeit Redaktion Artikel der Süddeutschen empfehlen, weil die ein höheres Niveau erreichen."

    Die Zeit war nie öffentlich-rechtlich, und beansprucht keine Gebietsmonopol und keine Macht, Konkurrenten mit politischer Hilfe wegzudrängen. Z. B. Busverkehr. Und Preiserhöhungen anderer Anbeiter werden auch nicht in der Tagesschau mitgeteilt.

    Das gilt übrigens für Stromunternehmen und Krankenkassen genauso. Das Private ist doch im Hinblik auf die Marktstellung Alibi. VW behindert auch nicht andere Automobilwerke. die überzeugen durch Leistung, die die Nachfrage nach ihren Produkten eben höher ausfallen lässt.

    Und wenn Google suggeriert, "bei uns kriegen sie alles", sollte es zumindest Einschränkungen mitteilen.

    In Deustchland stimmt es hinten vorne nicht, bei der Abgrenzung zwischen öffentlich und Privat.

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    Sowohl Google als auch die Bahn sind börsennotierte Unternehmen die können anzeigen was sie wollen und Verträge abschliesen mit wem sie wollen.

    Allerdings sprechen sie mit ihrem Beitrag schon einen wunden Punkt an. Denn es gibt ja wirklich Menschen die dem Internet alles glauben und deshalb den eigenen Verstand abschalten. Aber dafür kann wiederum weder Google noch die Bahn etwas.

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  • Schlagworte Google | Bahn | Schwerin | Berlin | Hamburg | Rostock
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