BOmobilElektrowagen aus der Hochschule

Uniprojekte zeigen, wie auch abseits der etablierten Hersteller Elektrofahrzeuge entstehen können. Ein Team der Hochschule Bochum hat einen E-Kleintransporter entwickelt. von Marcel Sommer

Der mit Strom angetriebene Transporter BOmobil der Hochschule Bochum

Der mit Strom angetriebene Transporter BOmobil der Hochschule Bochum  |  © press-inform

Der Weg zum BOmobil der Hochschule Bochum gleicht einer kleinen Zeitreise. Bevor der Besucher den Hochschulbereich mitten im Bochumer Opelwerk betreten darf, muss er – dem amerikanischen Mutterkonzern GM sei dank – einen Werkssicherheits-Film aus grauer Vorzeit über sich ergehen lassen. Endlich auf dem Werksgelände angekommen, geht es vorbei an seit Jahrzehnten nicht mehr gestrichenen Wänden in eine Halle. Der Weg führt in eine entfernte Ecke, die sich durch einen Gitterzaun, mit Planen verhängt, von der restlichen Halle abgrenzt.

Ein Mitarbeiter öffnet ein schweres Schloss, und dann steht er da: der elektrisch angetriebene Kleintransporter mit dem Namen BOmobil. Der 1.200 Kilogramm schwere Pritschenwagen bietet Platz für zwei Personen und für eine Normgitterbox. Bis zu 500 Kilogramm können zugeladen werden. Entwickelt wurde er von einem Team um Projektleiter Heinz Zöllner, der einst zehn Jahre für Toyota in der Formel 1 tätig war. Bis zu 30 Hochschulabsolventen waren zur Hochzeit an der Entstehung des BOmobils beteiligt. Das Land Nordrhein-Westfalen , aber vor allem Opel förderten das Projekt.

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Das BOmobil hat im Vergleich zu direkten Konkurrenzprojekten anderer, finanziell wesentlich besser aufgestellter Hochschulen einen gewaltigen Vorteil: Es fährt. Bis zur Serienreife werde es aber noch ein bis zwei Jahre dauern, sagt Zöllner. "Das vorrangige Ziel war es, bis zur IAA Nutzfahrzeuge, also bis zum 12. September dieses Jahres, das BOmobil zum Fahren zu bekommen. Das hat mein Team geschafft, und darauf sind wir richtig stolz!"

Auf Basis des Opel Zafira

Dass sich mit Stolz allein kein Geschäft machen lässt, weiß Zöllner natürlich auch. Darum hat sich sein Team, das nicht nur in den letzten Tagen vor der IAA Überstunden schob, einiges einfallen lassen. Dazu zählt der sogenannte Skateboard-Aufbau, der durch Nieten und Kleben montiert wird und somit eine einfache Produktion in einem Manufaktur-ähnlichen Prozess ermöglicht. Außerdem haben die Tüftler ein Ladekabel integriert, das sich wie bei einem Staubsauger von selbst wieder aufrollt. Dem Erfindergeist scheinen keine Grenzen gesetzt.

Aufgesetzt wurde das BOmobil auf das Fahrwerk des Opel-Kompaktvans Zafira. In den Maßen weicht der E-Transporter allerdings ein wenig von seinem Komponentenspender ab. Er ist 4,13 Meter lang, 1,85 Meter breit und 1,65 Meter hoch – also vor allem einen halben Meter kürzer als der Zafira. Gleich geblieben sind Bremsanlage, Assistenzsysteme und Federbeine, welche im BOmobil zwar angepasst, jedoch derzeit viel zu hart eingestellt sind. Da helfen auch Sitze mit dem Ergonomie-Siegel "Aktion Gesunder Rücken" nicht mehr.

Der Kleintransporter wird durch zwei Radnabenmotoren angetrieben, die sich in den beiden 19 Zoll großen Hinterrädern verbergen. Sie liefern jeweils eine Leistung von 20 kW. Der Strom kommt aus einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie. Sie hat eine Kapazität von 30 Kilowattstunden, wiegt 380 Kilogramm und ist luftgekühlt. Um sie voll aufzuladen, soll man knapp acht Stunden brauchen.

Leserkommentare
  1. 1. Oje...

    "Außerdem haben die Tüftler ein Ladekabel integriert, das sich wie bei einem Staubsauger von selbst wieder aufrollt. Dem Erfindergeist scheinen keine Grenzen gesetzt."

    Wenn das Erfindergeist ist, dann steht es um Deutschland und das so hochgelobte Ingenieurstudium sehr viel schlimmer, als ich in meinen schlimmsten Alpträumen befürchten könnte :-))

    4 Leserempfehlungen
  2. "Außerdem haben die Tüftler ein Ladekabel integriert, das sich wie bei einem Staubsauger von selbst wieder aufrollt. Dem Erfindergeist scheinen keine Grenzen gesetzt".

    Wie sieht es denn mit der angekündigten Stromerhöhung von über 50 Prozent aus? 8 Std. laden und was zieht es?

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    Wie sieht es denn mit der angekündigten Stromerhöhung von über 50 Prozent aus?
    Sieht nach Panikmache der Springer-Presseausscheidungsorgane aus. Auf Welt Online wird fast jeden Tag eine neue Stromausfall-wird-unbezahlbar-wegen-der-bösen-Energiewende-Sau durchs BLÖD-Dorf getrieben.

    8 Std. laden und was zieht es?
    Wenn der Akku 30kWh hat wie im Artikel geschrieben, dann ziehts für eine komplette Vollladung vermutlich etwa 33kWh inkl. Lader-Verluste.

    Was zieht so ein Kleintransporter als Verbrenner?

  3. Tja, Elektroautos, das ist immer so ein Thema, prinzipiell gab es schon E-Transporter vor über hundert Jahren. Elektromotoren sind schon sehr gut entwickelt, die Dinge rund ums Auto auch, wurden hier ja auch übernommen. Was bleibt ist das Problem des Energiespeichers.
    Im Endeffekt also eher eine Spielerei, wie die Langstreckenmobile oder Rennmobile. Wenn auch sicherlich gut für die Studenten, sich dort Gedanken zu machen und diese umzusetzen.

    Den Bezug auf das Ladekabel und die Federung sehe ich daher fast schon symptomatisch ob der fehlenden Innovationen.

  4. ... dieser Art gibt's in Großbritannien seit 1889, als das erste elektrogetrieben "Milk Float" den Betrieb aufnahm. Die Haustürlieferung frischer Milch ist nach wie vor in weiten Teilen des Landes gang und gäbe, und die E-Mobile setzten sich als leiseste und effizienteste Art des Transports zumal in Wohngebieten und angesichts der frühen Morgenstunden der Auslieferung rasch durch. Mitte der 1960er Jahre war der Zenit mit zehntausenden dieser in der Regel 20 bis 30 km/h "schnellen", seit 1941 relativ standardisierten E-Mobile. Diese sind auch heute noch in großer Zahl im Einsatz, auch wenn viele Flotten auf Diesel-Transporter umgestellt haben. Eine zukunftsträchtige Konstruktion ist ein Milk Float mit Tauschakkus, das im Depot in nur wenigen Minuten „aufgetankt“ werden kann.
    Soviel zum Thema „Innovation im Opel-Werk“ …

    2 Leserempfehlungen
    • Flari
    • 25. Oktober 2012 14:49 Uhr

    Völlig ok, bzw. sehr schön, wenn Studenten mal praktisch an etwas arbeiten können, um Erfahrungen zu sammeln.
    Und wenn man in BO ist und dort ggf. nur Zafira-Teile gesponsort bekommt, ist das eben Pech.
    Aber dann sollte man sich doch wenigstens bei den Eigenkonstruktionen etwas nach diesen Vorgaben richten, wenn man damit auch noch an die Öffentlichkeit möchte.
    Ansonsten hätte es auch ein stationärer Versuchsaufbau getan.

    Was soll das, einen Frontantriebler auf Hinterradantrieb umzubauen?
    Vorne fallen Motor, Getriebe, Antriebswellen weg und erleichtern dort das Achsgewicht gewaltig.
    Und dann ist man auch noch stolz darauf, die Kabine weiter durch radikalen Kunststoffeinsatz zu erleichtern.
    Kein Wunder, dass dann dort die Federung zu hart ist.
    Und viel Spass bei Nässe mit Aquaplaning, Bremsverhalten in Kurven, etc..

    Der Akku ist selbstverständlich alleine zum Unfall-Schutz zwischen den Achsen anzuordnen, schiebt aber schon alleine den Schwerpunkt sehr weit nach hinten.
    Die Radnabenotoren hinten tragen noch weiter dazu bei.
    Ergebnis: Rund 400kg weniger zul. GG als der Original-Zafira und das bei einem Transporter!

    Von einer Rekupation lese ich auch auf der Uniseite nichts..
    Nicht einmal im reinen Schubbetrieb.
    Fürs Bremsen ohne Frontmotoren eh nicht machbar, obwohl gerade das für einen kleintransporter im Statdverkehr mit das wichtigste wäre.

    Also alles zusammen: Ein ziemlich unsinniges Spielzeug!

    4 Leserempfehlungen
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    Was soll das, einen Frontantriebler auf Hinterradantrieb umzubauen?
    Vermutlich, damit die Zuleitungen zu den Radnabenmotoren nicht durch die dauernden Lenkbewegungen belastet werden.

    Von einer Rekupation lese ich auch auf der Uniseite nichts..
    Nicht einmal im reinen Schubbetrieb.

    Das liegt daran, dass Rekuperation bei heutigen E-Autos selbstverständlich ist.
    Es gibt soweit ich weiß keinen Motorcontroller, der sie nicht unterstützt.

    Fürs Bremsen ohne Frontmotoren eh nicht machbar,
    Der Smart ed hat Heckantrieb und selbstverständlich Rekuperation.
    Warum soll das also bei diesem Transporter angeblich nicht machbar sein?

    Ich habe das BOmobil gestern auf der ecartec in München live gesehen. Von den Maßen her ist es nun mal ein _Klein_transporter und da reichen die 500kg Zuladung auch aus für alles, was ein Handwerker oder Bauhof-Mitarbeiter im städtischen Umfeld normalerweise herumfährt.

    Was auf jeden Fall noch fehlt sind Steckdosen für elektrische Laubbläser, damit diese unsäglichen 2-Takt-Krachmacher endlich verschrottet werden können :-)

    "Was soll das, einen Frontantriebler auf Hinterradantrieb umzubauen?"
    Das deshalb, weil der Antrieb erstens grundsätzlich nach hinten gehört, zweitens bei dem stürmischen Anfahrdrehmoment von Elektromotoren erst recht da hin sollte und drittens bei einem Nutzfahrzeug mit heckorientierter Beladung ohnehin nichts anderes in Frage kommt. Haben Sie mal erlebt, wie ein Zafira (und nicht nur der) mit kräftigem Dieselmotor seine Vorderreifen frißt?
    Daß ein VW Bulli vor 60 Jahren bei geringerem Leergewicht die doppelte Nutzlast aufweisen konnte, das sollte allerdings zu denken geben.

  5. Was soll das, einen Frontantriebler auf Hinterradantrieb umzubauen?
    Vermutlich, damit die Zuleitungen zu den Radnabenmotoren nicht durch die dauernden Lenkbewegungen belastet werden.

    Von einer Rekupation lese ich auch auf der Uniseite nichts..
    Nicht einmal im reinen Schubbetrieb.

    Das liegt daran, dass Rekuperation bei heutigen E-Autos selbstverständlich ist.
    Es gibt soweit ich weiß keinen Motorcontroller, der sie nicht unterstützt.

    Fürs Bremsen ohne Frontmotoren eh nicht machbar,
    Der Smart ed hat Heckantrieb und selbstverständlich Rekuperation.
    Warum soll das also bei diesem Transporter angeblich nicht machbar sein?

    Ich habe das BOmobil gestern auf der ecartec in München live gesehen. Von den Maßen her ist es nun mal ein _Klein_transporter und da reichen die 500kg Zuladung auch aus für alles, was ein Handwerker oder Bauhof-Mitarbeiter im städtischen Umfeld normalerweise herumfährt.

    Was auf jeden Fall noch fehlt sind Steckdosen für elektrische Laubbläser, damit diese unsäglichen 2-Takt-Krachmacher endlich verschrottet werden können :-)

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    • Flari
    • 26. Oktober 2012 21:28 Uhr

    Sorry, ich weiss zwar nicht, welche Spannung dort gefahren wird, um 300V sollten realistisch sein.
    Und dann reichen 10-16mm².
    Flexkabel halten auch nicht weniger aus, als Bremsleitungen.
    Allerdings ist es sehr schwer, eine originale Vorderradbremsanlage mit einem Radnarbenmotor zu kombinieren.
    In meinen Augen wäre es HIER erheblich sinnvoller, den/die E-Motor/e innen über Antriebswellen zu betreiben, auch wenn das etwas vom Wirkungsgrad im Langstreckenverkehr nimmt.

    Selbstverständlich unterstützen die meisten Controller die Rekuperation. Das interessante und oft etwas problematische ist allerdings die Steuerung, und die insb. in Bezug der Integration ins Bremssystem.
    Wann soll sie wie stark "arbeiten"?
    Will der Fahrer ausrollen? Geht es bergab und sie soll die Geschwindigkeit halten?
    Wie ist der Strassenzustand und die Lastverteilung? (Bei Glätte kann eine "stärkere" Bremswirkung durch Rekuperation auf nur eine Achse sehr gefährlich sein)

    Eine vorsichtige Berechnung zeigt, dass beim unbeladenen BOmobil und im neutralen Fahrzustand die Vorderachse 43% des Fahrzeuggewichtes aufnimmt, voll beladen 34%, bergab natürlich entsprechend mehr.
    Bei einer im Stadtverkehr häufig auftretenden Verzögerung von 3G ändert sich das auf 50% leer, bzw. ca. 44% voll beladen.
    Bis zur Vollbremsung steigt das auf knapp 70%.
    Alles natürlich wieder zzgl. einer evtl. vorhandenen Bergabkomponente.

    Weiter im nächsten Kommentar.

  6. Wie sieht es denn mit der angekündigten Stromerhöhung von über 50 Prozent aus?
    Sieht nach Panikmache der Springer-Presseausscheidungsorgane aus. Auf Welt Online wird fast jeden Tag eine neue Stromausfall-wird-unbezahlbar-wegen-der-bösen-Energiewende-Sau durchs BLÖD-Dorf getrieben.

    8 Std. laden und was zieht es?
    Wenn der Akku 30kWh hat wie im Artikel geschrieben, dann ziehts für eine komplette Vollladung vermutlich etwa 33kWh inkl. Lader-Verluste.

    Was zieht so ein Kleintransporter als Verbrenner?

  7. "Was soll das, einen Frontantriebler auf Hinterradantrieb umzubauen?"
    Das deshalb, weil der Antrieb erstens grundsätzlich nach hinten gehört, zweitens bei dem stürmischen Anfahrdrehmoment von Elektromotoren erst recht da hin sollte und drittens bei einem Nutzfahrzeug mit heckorientierter Beladung ohnehin nichts anderes in Frage kommt. Haben Sie mal erlebt, wie ein Zafira (und nicht nur der) mit kräftigem Dieselmotor seine Vorderreifen frißt?
    Daß ein VW Bulli vor 60 Jahren bei geringerem Leergewicht die doppelte Nutzlast aufweisen konnte, das sollte allerdings zu denken geben.

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  • Schlagworte Hochschule | Opel | Toyota | Akku | Elektroauto | Samsung
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