Billigauto : Wie Dacia ein Auto für 6.790 Euro baut

Ab Januar ist der Sandero zu haben – für unter 7.000 Euro. Wie kann Dacia zu diesem Preis ein Auto anbieten? Nur dank der niedrigen Löhne in Rumänien?
Der neue Dacia Sandero © Hersteller

"Billig? Da stehst du doch drauf!" Der Werbeslogan eines Telekommunikationsanbieters gilt auch für immer mehr Autokäufer – besonders dann, wenn sie selbst bezahlen: Unter den Top 20 der Privatzulassungen ist der Duster von Dacia eines der wenigen Importmodelle.

Die rumänische Renault-Tochter wird mit den neuen Modellen Lodgy, Dokker und Sandero wahrscheinlich noch beliebter werden. Die Zahl der produzierten Fahrzeuge steige gegenüber 2011 bis 2015 um jährlich fast zehn Prozent, prognostizieren die Experten der Beratungsfirma IHS Global Insight. Von einem solchen Wert können andere Autohersteller nur träumen. Auslöser des kräftigen Wachstums ist der günstige Preis. Hier hat Dacia den Nerv der Kundschaft getroffen.

Aber wie kann Dacia für den Sandero, der so groß ist wie der Volkswagen Polo, einen Grundpreis von nur 6.790 Euro aufrufen? Als Antwort verweisen viele gern auf die niedrigen Löhne im Produktionsland Rumänien . Aber das alleine reicht nicht. Auch andere Hersteller lassen Fahrzeuge in Ländern fertigen, in denen die Gehälter unter denen in Deutschland liegen. Bei Volkswagen im slowakischen Bratislava etwa laufen die schweren Geländewagen VW Touareg, Audi Q7 und die Karosserie des Porsche Cayenne vom Band.

Höhere Marge

"Der niedrige Preis der Dacia-Modelle lässt sich nur realisieren, weil entlang der gesamten Wertschöpfungskette konsequent gespart wird", erläutert Christian Kleinhans vom Beratungsunternehmen Berylls Strategy Advisors. Weglassen, lautet die Devise. Der Dacia-Vertrieb ist auf das Notwendigste reduziert. Händler müssen zum Beispiel keine aufwändig eingerichteten Verkaufsräume vorweisen. Oft stehen die Dacias einfach neben den Renault-Modellen. Ohne Showroom im Showroom, wie das bei Mini und BMW der Fall ist.

Reduziert ist auch das Auto selbst. Dacia setzt auf etablierte Zulieferertechnik und eine hohe Standardisierung. In den Basisversionen sind die Stoßfänger unlackiert – was viele Käufer nicht abschreckt, sondern vielmehr zum Zugreifen motiviert. Eine Schramme im grauen Plastik tut eben weniger weh als im Hochglanzschwarz. Wer allerdings eine scheinbar selbstverständliche Klimaanlage haben will, muss mindestens zur Ausstattungsvariante Ambiance greifen. Der plakative Einstiegspreis relativiert sich dann.

© ZEIT ONLINE

Dacia ruiniert sich mit den niedrigen Preisen keineswegs. Im Gegenteil. Wie Berylls Stategy Advisors ausgerechnet hat, ist der absolute Profit pro Auto zwar kleiner als bei der Konkurrenz, aber die prozentuale Marge, gemessen am Fahrzeugwert, ist höher (siehe Grafik).

Wichtig ist den Managern im französischen Mutterkonzern eher, dass Renault nicht kannibalisiert wird. So kann für den neuen Sandero zwar unter anderem der gleiche neu entwickelte Dreizylindermotor mit 898 Kubikzentimeter Hubraum bestellt werden wie im Renault Clio. Doch während der offizielle Verbrauch je 100 Kilometer im Clio bei 4,3 Litern Benzin liegt, beträgt er im Sandero 5,2 Liter. Der Grund: Dem Dacia fehlen die Start-Stopp-Automatik und die bedarfsgerechte Steuerung der Lichtmaschine.

Kommentare

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Das sehe ich auch so

Dass mit der Stoßstange sehe ich auch so. Eigentlich muss man in Deutschland von Zierleiste sprechen, denn stoßen kann man damit sicher nicht. Früher war zwar nicht alles besser, aber die Stoßstangen verdienten früher ihren Namen wenigstens noch. Leider wird in Deutschland ja gleich von Wertminderung gesprochen, wenn an der Zierleiste ein Kratzer zu sehen ist. Versicherungen, Lackierereien ect. freut es. Lassen sich doch so die Prämien erhöhen, greift man auf die Versicherung zurück. So oder so, der Kunde zahlt.

Gibt's auch woanders...

Die sogenannten Hochraumkombis, PKW-Derivate aus den Nutzfahrzeugsparten der Hersteller, sind vielfach mit grauen, unlackierten Stoßfängern zu haben (z.B. der Caddy von VW). Und oft gibt es die lackierten Stoßfänger, wenn man se dann doch haben will, dort einfach gegen Aufpreis, ohne, dass man gleich in eine höhere Ausstattungslinie mit haufig (unnötigem?) Chichi wechseln müsste...

Sachbeschädigung

"17. Es wäre mal an der ZEIT, dass ...

... ein Gericht leichte Beschädigungen am Stoßfänger, ihrer Funktion entsprechend, als nicht ersatzpflichtig ansieht und demnach von Versicherungen nicht bezahlt werden muss."

So einen Schwachsinn habe ich lange nicht mehr gelesen. Also quasi ein Freischein für Sachbeschädigung ohne Ersatzpflicht? Ich habe da ganz andere Prioritäten, was Gebrauchsgegenstände angeht. Darf ich dann auch entscheiden, was ich kaputt machen darf ohne dafür zu haften?

Erst denken, dann schreiben...aber dafür ist ja keine ZEIT.

Zierstangen

"Stoßstangen sind dafür da, leichte Stöße beschädigungsfrei aufzunehmen. Dies ist auch technologisch problemlos möglich."

Genau so ist es. Aber die Beseitigung dieser vorhersehbaren Schäden an den in Wagenfarbe lackierten Zierstangen, die mal Stoßstangen waren, ist erstens ein recht großes Geschäft, und zweitens ist die Mehrheit der Kundschaft in den ca. zwei Jahrzehnten, seit es dieses "Premium"-Feature vermehrt gibt, so konditioniert worden, dass ein Auto ohne lackierte Zierstangen als minderwertig angesehen wird.

Trotzdem günstiger

... aber trotzdem spielt der Anschaffungspreis eine enorm wichtige Rolle bei den Gesamtkosten des Autos. Der Artikel und Ihr Kommentar liefert eh schon eine intersannte Vergleichsbasis.

Der Sandero stellt sich laut Artikel auf die Ebene eines VW Polos, deswegen ziehe ich einen solchen in der Basisversion für den Vergleich heran.

Anschaffungspreisunterschied:
VW Polo - 12450 € (Liste)
Dacia Sandero - 6790 €
--> 5660 € Ersparnis

Bei einem Verbrauch von 5,2 Litern auf 100 km und bei einem Spritpreis von 1,70 € pro Liter kann ich den Sandero also schon 64.000 km fahren, bis ich den Polo mal angeschafft habe.

In der Steuer und auch in der Versicherung dürfte der Sandero zusätzlich günstiger sein, als der Polo.

Ich staue! Ich bin platt!! Das ist ja ... noch nie dagewesen!

Viele verweisen gern auf die niedrigen Löhne im Produktionsland - und hier tauchen auf einmal ganz andere Faktoren in der Liste auf!

(Neulich wurde im Fernsehen der Rückgang des griechischen Tourismus darauf zurückgeführt, dass die Zimmermädchen so teuer sind - folglich muss man nur deren Gehälter senken und ... *zack* alles Paletti ... )

Vor ein paar Tagen wurde der Begriff "Fachkräfte-Mangel" untersucht - und heute das!

On die INSM das gerne liest?

Aber ich - Glückwunsch.
Ich schicke den Link mal weiter an die nachdenkseiten,

Mag sein,

dass der Verzicht auf eine Klimaanlage unter Askese-Gesichtspunkten verlockend erscheint.

Nur: Eine heutige Klimaanlage (und ich denke nicht, dass diejenigen von Dacia da so eine große Ausnahme sind...) verbraucht eingeschaltet weniger Kraftstoff als ein geöffnetes Fenster. Und das Mehrgewicht... - gut, bei der (gewichtsmäßigen) Schuhschachtel Sandero fällt's natürlich etwas mehr auf, aber so wild ist das nicht mehr.

Vielleicht ...

"Eine heutige Klimaanlage verbraucht eingeschaltet weniger Kraftstoff als ein geöffnetes Fenster"

bei 120km/h +

Ich glaube nicht, daß eine offenes Fenster im Stadt- oder Landstraßenverkehr für den entsprechenden Mehrverbrauch sorgt.
Das dies bei hohen Geschwindigkeiten so ist, scheint mir klar.

Für mich gibts im Sommer nichts schöneres als mit offenen Fenstern + Schiebedach durch die Landschaft zu gurken.

Das war auch nicht gemeint

"Bei den modernen Autos müssen die Seiten-Scheiben nicht mehr mit grossem Energieeinsatz unten gehalten werden, wenn man sie offen halten möchte."

Es geht eher um Verwirblungsverluste bei offenem Fenster. Wie Kommentar Nr.29 richtig ausführt, hängt deren Bedeutung stark von der Geschwindigkeit ab.

Im Übrigen kann man natürlich auch ohne Klimaanlage durch die normale Belüftungsanlage Wind hereinlassen...

Korrekt

Offene Seitenscheiben erhöhen den Luftwiderstand durch Luftverwirbelungen und Staudruck - und das schon ab 80 km/h, nicht erst ab 120+ Ich kann mich noch an das Handbuch zu meinem R18 erinnern, da stand das sogar drin, dass offene Fenster den Verbrauch erhöhen.

@Bluemilk "..., zumal gerade Renault nie zuverlässige Autos baute und baut."
Ah, die guten alten Vorurteile. Schade, dass sich das in den letzten Jahren erheblich geändert hat. Aber hauptsache erstmal auf andere, nicht-"Premium"-Kundenverarsche-Fahrzeughersteller einschlagen. Ich hab mit meinem Renault keinerlei Probleme - und am Autobahnrand seh ich erheblich mehr "Premium"-Kisten deutscher Hersteller ...