MotorleistungWir müssen das Rennen um die höchste PS-Zahl stoppen

Ein Neuwagen hat im Schnitt 138 PS, so viel wie nie. Experte Dudenhöffer kritisiert im Gastbeitrag den PS-Drang: Er führe das Bemühen, CO2-Ausstoß zu senken, ad absurdum. von Ferdinand Dudenhöffer

Der VW Golf R ist die stärkste Ausführung des Modells, er hat 270 PS.

Der VW Golf R ist die stärkste Ausführung des Modells, er hat 270 PS.  |  © Volkswagen

Umweltschutz hin oder her: Deutschlands Neuwagenkäufer lieben starke Autos . War im Jahr 1995 ein neues Auto im Schnitt noch mit einem 95-PS-Motor ausgestattet, liegt heute die Leistung bei 138 PS. Nie zuvor hatten die Neuwagen so viele Pferdestärken unter der Haube.

Nur einmal in den vergangenen 17 Jahren wurde das "Gesetz von den steigenden PS-Zahlen" gebrochen: im Jahr 2009, als in Deutschland aufgrund der Abwrackprämie viele Kleinwagen gekauft wurden. Ansonsten galt Jahr für Jahr: Die PS-Zahlen der Neuwagen steigen. Der Trend wird anhalten, denn das Geschäft mit sportlichen Geländewagen, den SUVs, boomt, und die haben eben ein paar PS mehr.

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Aber nicht nur die SUVs treiben die PS-Statistik nach oben, sondern auch Klein- und Kompaktwagen, Mittelklasseautos und natürlich die Oberklasse-Fahrzeuge, die mit jeder neuen Generation stärkere Motoren erhalten. Die Autobauer leben im Zeitalter des PS-Benchmarking. Bringt eine Marke einen Neuwagen auf den Markt, muss er ein paar PS mehr als der Vorgänger und natürlich der Wettbewerber haben. Das nennt die Branche Fortschritt durch Benchmarking. Zum Glück hatte sich Thomas Alva Edison nicht mit Benchmarking befasst, sonst säßen wir heute noch bei Kerzenlicht – mit immer größeren Dochten. Ist also der Drang zu höherer Motorleistung eine Entwicklung in die falsche Richtung?

Es geht weder um Ferraris noch um weniger Sicherheit

Zunächst einmal: Ein leistungsfähiges Fahrzeug kann natürlich Sicherheit bieten, etwa wenn es zügig beschleunigen und somit den Überholvorgang ausreichend kurz halten kann. Außerdem führen mehr PS nicht zwangsläufig zu einem höheren Verbrauch. Und selbstverständlich ist es nicht sinnvoll, mit untermotorisierten Autos zu fahren. Ob ein Fahrzeug zu wenig PS hat, hängt vor allem vom Gewicht ab – die Ausstattung, egal ob für Komfort oder für Sicherheit, bringt mehr Gewicht ins Auto. Dabei muss aber die Frage erlaubt sein, ob jedes zusätzliche Element notwendig ist. Andererseits gibt es wahre PS-Kunstwerke auf den Straßen, etwa Ferraris. Niemand käme auf die Idee, unser Leben durch ein Verbot dieser in überschaubarer Zahl umherfahrenden Wagen ärmer zu machen.

Ferdinand Dudenhöffer
Ferdinand Dudenhöffer

Ferdinand Dudenhöffer ist Professor für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen und dort Direktor des Center Automotive Research (CAR).

Doch es geht bei der Kritik an den steigenden PS-Zahlen weder um einen Ferrari oder einen Porsche 911 Turbo noch darum, Komfort und Sicherheit einzuschränken. Angezweifelt wird vielmehr, ob in einem Alltagsauto und für die Alltagsstrecken im Schnitt 138 PS und mehr notwendig sind. Autofahrer neigen bei hohen Motorisierungen dazu, schneller und damit auch mit höherem Risiko zu fahren. Auf unseren Autobahnen brauchen wir keine Lichthupe-Piloten, die bis auf die Stoßstange auffahren und dann mit Vollgas zeigen, "wo der Hammer hängt".

Darum: Benötigt ein Wagen der oberen Mittelklasse auf unseren Straßen noch mehr als 215 PS? Oder ein Mittelklasse-Auto à la VW Passat noch mehr als die derzeitigen 167 PS? Brauchen wir wirklich noch mehr PS?

Die Hersteller antworten klassisch: Wenn der Käufer das schick findet, warum nicht? Mit modernen Motoren können wir uns ohne Mehrverbrauch die zusätzliche Motorleistung gönnen.

Schaut man sich die Entwicklung des Treibstoffverbrauchs an, scheint das Argument zu ziehen, zumindest auf den ersten Blick. Allerdings gelang die Entwicklung solch moderner Triebwerke nur unter Zwang. Denn zunächst wollten die Autobauer in einer freiwilligen Selbstverpflichtung bis 2008 den Verbrauch ihrer Fahrzeuge so senken, dass ein Neuwagen im Durchschnitt nur 140 Gramm CO2 je Kilometer emittiert. Doch vor allem die deutschen Hersteller hielten sich nicht an ihre Selbstverpflichtung.

Leserkommentare
  1. Ich lege im Monat gut 800km auf Autobahnen zurrück. Was man dabei erlebt lässt sich teilweise mit Worten nicht beschreiben. Autos, die bei weit über 200km/h nicht mal 10m Abstand voneinander haben um nur ein Beispiel zu nennen.
    Was mir aufgefallen ist, dass es zu 90% Firmenwagen und Vertreter sind, die auf der linken Spur heizen und drängeln. (Meistens Vw Passat, A6 Kombi usw.)
    Wenn es nicht direkt zu einem generellen Tempolimit kommt, dann muss man zumindest dafür sorgen, dass Firmenwagen sich an die Richtgeschwindigkeit halten.

    21 Leserempfehlungen
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    man heute "weit mehr" als 200 km/h "heizen"?
    Die staufreie(n) Strecke(n) würde ich gerne befahren.

    • quax74
    • 16. Oktober 2012 14:35 Uhr

    Bin auch Autobahnvielfahrer. Kann mich Ihrer Beobachtung nur anschließen. Genieße es immer, wenn ich rüber nach Österreich fahre. So entspannt und ungefährlich kann Autobahnfahren sein.

    • Quas
    • 16. Oktober 2012 15:12 Uhr

    Zum Thema Geschwindigkeitsbegrenzung und Sicherheit.
    Als Beispiel wurde Österreich genannt, ein kleiner Vergleich:

    Österreich: Einwohner = 8,5 Mio ; tödliche Unfälle auf der Straße pro Jahr = 679 (2008) -> Jeder 12.518 Bürger stirbt auf der Straße

    Deutschland: Einwohner = 81,9 Mio ; tödliche Unfälle auf der Straße pro Jahr 3382 (Juli 2011 - Juni 2012) -> Jeder 23.950 Bürger stirbt auf der Straße

    Anm. d. Red.: Bitte geben Sie Ihre Quellen an. Danke, die Redaktion/ds

    Die Unfallstatistik stammt von den jeweiligen Behörden. Also Augen auf, beim gemütlichen fahren durch Österreich. Ich bin ernsthaft davon überzeugt, dass jeder der "entspannt" über die Autobahnen brettert, ja auch bei 140 Km/h haben Sie genug kinetische Energie um viel Schaden anzurichten, irgendetwas falsch verstanden hat. Das führen einen Fahrzeuges hat niemals etwas mit "Entspannung" zu tun und genau dort sollte man ansetzen. Auto fahren ist und bleibt gefährlich und jeder sollte genug Reizen ausgesetzt sein, damit seine Sinne geschärft bleiben.

    Für mich war die Fahrt nach Belgien ein Horror, in Deutschland wurden meine Fähigkeiten gefordert und ich war aktiv und sicher unterwegs. Ab den Niederlande bin ich fast eingeschlafen, alle gleich schnell und nichts passiert. Das macht müde und fördert die Unkonzentriertheit. Klasse!

    • GDH
    • 16. Oktober 2012 15:16 Uhr

    Ich kann Ihre Beobachtungen voll nachvollziehen. Wenn Sie schreiben
    "Firmenwagen und Vertreter sind, die auf der linken Spur heizen und drängeln. (Meistens Vw Passat, A6 Kombi usw.)",
    muss aber noch mehr im Argen liegen:
    Diese Fahrzeuge sind vielleicht für Reisen mit 4-5 Personen und Gepäck notwendig. Oder auch zum Transport sperriger Gegenstände. Einen Vertreter (der ja meist alleine und mit wenig Fracht reist) mit sowas auszustatten erscheint mir völlig unsinnig.

    Zitat: "dann muss man zumindest dafür sorgen, dass Firmenwagen sich an die Richtgeschwindigkeit halten."

    Sorry, aber das grenzt ja wirklich schon an Neid vom feinsten. Und ich bin der letze, der mit der Neidkeule um sich schlägt. Aber beim Thema Dienstwagen müssten sich einige Mitbürger echt dem Schaum vor dem Mund abwischen, erst einmal relaxen und dann vielleicht erst posten. Wäääääh - diese bösen Dienstwagenfahrer, alle so böse...
    Abgesehen davon, wie soll man Ihre grandiose Idee denn umsetzen? Mit dem Verbrauch etwa? Das würde auch nicht funktionieren.
    Eine Frage noch, pro Monat 800km auf den Autobahnen unterwegs? Privat oder geschäftlich? Mit dem eigenen Fahrzeug zufrieden oder nicht?

    Anbei zum ursprünglichen Thema zurück: Ein hohes Drehmoment ist mir wichtiger!

    Es ist doch recht einfach. Vor ner Weile auf der Bahn gewesen, bedrängt und beleidigt worden von jemandem der offensichtlich einen Firmenwagen fuhr.
    Einfach Kennzeichen notieren (Daran erkennt man Firmenwagen sehr gut) und bei der Firma anrufen. Wie ich erfahren habe hören die das sehr ungerne und der Verursacher fährt seit dem keine dicken Firmenwagen mehr...
    Das trägt dann auch dazu bei, dass immer mehr Fahrzeuge mit dem Aufkleber: Fahrstil Ok? unterwegs sind.

    Ich freue mich schon auf 2013, da wird sich aufgrund des neuen Bußgeldkataloges vieles von selbst erledigen.

    die Fahrer auf der linken Spur waren tatsächlich alle bereit, Ihnen Beruf und Herkunft des Fahrzeugs zu verraten?

    • Fragend
    • 18. Oktober 2012 10:53 Uhr

    Auch sollten Autos über eine bestimmte Größe grundsätlich verboten sein! Jeeps und co in der Innenstadt? Das erhört nur die Gefahr ein unschuldiges Kind zu überfahren (man sieht ja schlechter, was da unten ist). Grundsätzlich gehören Autos mit hohem Ausstoss verboten! Was wollen wir unseren Kindern und Enkeln eines Tages erzählen. Wir wussten, dass wir die Welt zerstören, aber mein Mercedes hat doch soviel Anerkennung geerntet...

  2. die 160 PS meines A4 mit 8 l/100 km (Super).
    Früher: gleicher Verbrauch (Normalbenzin) beim Käfer mit 34 PS.

    3 Leserempfehlungen
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    • GDH
    • 16. Oktober 2012 15:35 Uhr

    Zusammenfassung: Sie haben trotz Jahrzehnten mit technischem Fortschritt Ihren Verbrauch nicht gesenkt. Was soll uns das jetzt sagen?

    • meander
    • 18. Oktober 2012 8:16 Uhr

    Und wie wäre es stattdessen mit einem schönen Audi, 75 PS und maximal 3 Liter Verbrauch auf der Autobahn? Oder 50 PS, vier Liter Verbrauch in der Stadt und ICE auf langen Strecken?

  3. man heute "weit mehr" als 200 km/h "heizen"?
    Die staufreie(n) Strecke(n) würde ich gerne befahren.

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    ist wohl eher, dass einige es versuchen, obwohl es nicht möglich ist, also bei 1 km freie Spur das Gas durchdrücken, um dann nach 20, 30 sek. wieder abzubremsen.

  4. Denn sie werden auch immer schwerer und das liegt an den immer höheren Sicherheitsstandards.

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    hilft in mehr als nur einer Hinsicht Ressourcen zu sparen.
    War es nicht Herr Dudenhöffer, der anhand des (damalig) neuen Golfes diesen Sachverhalt einleuchtend erklärt hat?
    Da die Einzelteile des Golfes (Von der Bremsanlage bis zur Sitzbefestigung) alle für das stärkste und schnellste Modell entwickelt werden, sind diese entsprechend schwer.
    (Logisch, wenn die Sitzhalterung eine Vollbremsung aus 250 km/h aushalten muß, ist sie entsprechend größer dimensoniert als die die nur für eine VB aus 150 km/h asugelegt ist)
    Werden die Massenfahrzeuge für ein Tempolimit optimiert, ist das KFZ 200 - 300 kg leichter, braucht weniger PS, um dase kleinere Gewicht fort zu bewegen, brauchen die Herstellung weniger Ressourcen und und und.
    Her mit dem Tempolimit, schont Ressourcen und Nerven gleichermaßen.

    Warum reden wir hier über PS und nicht über Verbrauch?
    Der neulich in Paris vorgestellte kleinstwagen mit unter 10PS verbraucht mehr als ein alter A2 3l mit mehr als der zehnfachen Leistung.
    Warum wird, wenn über Verbrauch gesprochen wird, meistens der auf 100km betrachtet und nicht der, der Real vom Nutzer über's Jahr entsteht.

    Die Umwelt freut es mehr, wenn ein 400PS suv das Ganze Jahr in der Garage steht, als wenn ein 5l Auto jeden Tag 100km "schrubbt"

    • quax74
    • 16. Oktober 2012 14:35 Uhr

    Bin auch Autobahnvielfahrer. Kann mich Ihrer Beobachtung nur anschließen. Genieße es immer, wenn ich rüber nach Österreich fahre. So entspannt und ungefährlich kann Autobahnfahren sein.

    22 Leserempfehlungen
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    ...auf deutschen Autobahnen, v.a. rund um München und Chiemsee: Die stechen mit jedweder Möhre und Höchstgeschwindigkeit über den Asphalt, täuschen links an um dann rechts zu überholen - bevor sie wieder in ihrer reduzierten Republik schleichen müssen.

    aber lassen Sie sich nicht täuschen: die Unfallzahlen auf österreichischen Autobahnen sind weitaus höher als in Deutschland.

    Das Problem liegt nicht in der Geschwindigkeit, sondern im unangepassten Verhalten. Auch mit 50 km/h mögen Sie bereits zu schnell unterwegs sein, wenn Glatteis oder dichter Nebel herrscht, oder wenn der Sicherheitsabstand nicht eingehalten wird.

    • spamme
    • 16. Oktober 2012 14:36 Uhr

    Jede Woche sind es gut 700 km bei mir auf der Autobahn, und man mit Recht sagen: es herrscht Krieg dort.

    Selbst wenn es sich vor einem staut, Autos bremsen, hängt der Benz oder Audi im Rückspiegel so nah, dass man sein Kennzeichen nicht mehr erkennen kann ... er möchte unbedingt vorbei, schließlich ist vor einem ja noch der Sicherheitsabstand - ungefähr 2 Sekunden Zeit, die er gewinnen würde ... so viel zum Thema vorrausschauendes Fahren ...

    Es ist schon erstaunlich, wie viele Sekunden Zeitgewinn es manchen wert ist, ihr Leben zu riskieren ... im Stau sieht man sich dann eh wieder.

    Ich bin für das Tempolimit, aber dann auch bitte mit mehr Kontrollen, auch des Abstands.

    Zusätzlich würde ich noch dafür plädieren, jeden Dienstwagen mit einem Aufkleber zu versehen, den ich schon bei ein paar Fahrzeugen gesehen habe: "Wie fahre ich? Tel.: xxxx xxxxxx" mit Durchwahl zu Firma.

    34 Leserempfehlungen
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    ... dass sie auch das Leben der anderen Gefährden ...

    Beides hat nichts mit Motorleistung, sondern mit Fehlverhalten zu tun! Man kann auch mit weniger Motorleistung ein Rambo sein. Dem problem Rambo werden Sie nur mit massiver ausweitung der Zivilstreifen gerecht!

    "How is my driving? Please call 1-800-EAT-SHIT"

    die ihre Fahrweise für die einzig wahre halten und jeden, der schneller als sie selbst fährt, für einen Todesraser halten. Mann nennt sie i.A. Oberlehrer.

    Merkwürdigerweise sind aber die BABs die mit Abstand sichersten Strassen Deutschlands. Und ebenso merkwürdigerweise fahre ich selbst seit 39 Jahren auf diesen Autobahnen herum und habe dort bisher weder einen Krieg noch einen Unfall mit eigener Beteiligung erlebt. Wohl aber schon zigmal die oben erwähnten Oberlehrer.

    In der Stadt sind mir dagegen schon mehrfach andere ins Auto reingefahren. Und Oberlehrer gibts da zu allem Überfluss auch noch.

  5. ... dass sie auch das Leben der anderen Gefährden ...

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    Antwort auf "Jede Woche"
    • redslug
    • 16. Oktober 2012 14:50 Uhr

    ...wie soll ich denn sonst einen 2,7 Tonnen schweren SUV durch den zähen Stadtverkehr auf überfüllten Ausfallstraßen bewegen, wenn nicht mit genügend Motorleistung und grünem Energieeffizienzsiegel?

    [/i]

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