ElektromobilitätDer Verbrennungsmotor hat noch lange Zukunft

Die Skepsis, wann der Elektroantrieb Benzin- und Dieselmotoren ersetzt, wächst. 28 Professoren für Kfz-Technik erwarten, dass der Verbrenner noch lange Standard bleibt. von Jürgen Rees

Ein Elektroauto auf dem Pariser Autosalon 2012

Ein Elektroauto auf dem Pariser Autosalon 2012  |  © Jacky Naegelen/Reuters

Das Elektroauto ist an sich eine prima Idee. Erdöl wird immer knapper, und an der Tankstelle ist der Kraftstoff schmerzhaft teuer. Zudem lässt sich die Klimaerwärmung kaum mehr leugnen. Doch das Elektroauto ist kein Selbstläufer. In Deutschland waren Anfang des Jahres gerade mal 4.500 Elektroautos zugelassen. Und das liegt nicht an der fehlenden staatlichen Förderung. Denn in Ländern wie den USA oder Frankreich , wo es üppige Zuschüsse zum Kauf von Elektroautos gibt, sind die Zahlen nicht wirklich besser.

Dabei sollen 2020 in Deutschland eine Million Elektroautos fahren. Das sieht zumindest der Plan der Bundesregierung vor. Aber der Wechsel zur Technik des Elektroautos gleicht einem riesigen Sprung für eine mehr als 100 Jahre alte Industrie. Weg von Kolben, Dichtringen und Ventilringen hin zu Elektrotechnik. Doch selbst Toyota , Hybridpionier mit der wohl längsten Erfahrung mit elektrischen Antrieben und ihrer Steuerung, meldete Anfang Oktober Zweifel an, ob batterieelektrische Elektroautos der richtige Weg in eine emissionsfreie Autozukunft sind. Jeder Hersteller will genauer wissen, ob der Kunde das auch will.

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Der will es aber offenkundig nicht. Denn vollwertige viersitzige Elektroautos wie der Nissan Leaf, der als Stromer eigentlich richtig Spaß macht, setzen den Fahrer unter Stress, wenn die Navi-Stimme plötzlich sagt: "Sie erreichen ihr Ziel vermutlich nicht." Der Weg ist dann zu weit, der Strom in der Batterie zu wenig. Wo ist die nächste Ladesäule? Doch selbst wer eine findet, braucht Geduld. Wie bei Benzin oder Diesel mal eben in Minutenschnelle den Akku auffüllen, funktioniert nicht.

Erst Hype, dann Katzenjammer

Kein Wunder, dass die Kunden bei Preisen von rund 36.000 Euro und Reichweiten von lediglich 140 Kilometer zurückhaltend sind. Außerdem gibt es nach wie vor nur wenige Elektroautos, die Kunden tatsächlich kaufen können. Wofür also sollte der Staat Steuergelder ausgeben, um Kunden zum Kauf eines Elektroautos zu verleiten.

So groß und übertrieben wie der anfängliche Hype um die Elektromobilität ist jetzt der Katzenjammer. Um die Diskussion zu versachlichen, haben 28 Professoren für Kraftfahrzeugtechnik unter dem Dach der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik (WKM) ihre Thesen zur Zukunft der Elektromobilität formuliert.

Die wichtigsten Ergebnisse sind:

1. Das Elektrozeitalter hat schon längst begonnen. Nur nicht bei den Autos, sondern bei den Elektrofahrrädern . Die Fachleute erwarten, dass die sogenannten Pedelecs und E-Bikes in den kommenden Jahren weiterhin zweistellige Zuwachsraten haben werden. Ein Grund: Sie sind vermehrt als Zweitfahrzeug bezahlbar, beanspruchen eine geringe Verkehrs- und Abstellfläche, sind an der heimischen Steckdose ladbar und für viele Strecken geeignet.

Im Jahr 2008 wurden rund 100.000 Pedelecs verkauft, 2009 waren es 150.000. Nach 200.000 in 2010 wurden 2011 sogar über 300.000 Fahrräder mit elektrischem Hilfsantrieb verkauft. Ende des Jahres könnten in Deutschland bereits mehr als eine Million Pedelecs existieren – in China sind es bereits mehr als 120 Millionen Stück.

Leserkommentare
  1. ich glaube, dass das größte Hindernis beim Voranschreiten der Elektromobilität die Batterien sind.
    Haltbarkeit ( Hohe Kosten bei Ersatz), Reichweite, Brand-bzw. explosionsgefahren sind nicht zufriedenstellend.

    Warum nimmt man sich nicht einfach mal die mit Strom fahrenden Busse als Beispiel?

    Man könnte zunächst mal eine Nord-Süd-Verbindungs-Autobahn bauen. Autos nehmen sich während der Fahrt von oben oder von unten über die Fahrbahn Strom ab.

    Oder auch Elektrische Zahnbürsten z.B. laden sich kontaktlos auf.

    Dann benötigte man keine Stromspeicher.

  2. Ich setze für die Zukunft auf den Range-Extender. Er verbindet die Vorteile des Verbrennungsmotors (Reichweite, Flexibilität) mit den Vorteilen des Elektroantriebs (Effizienz, Energierückgewinnung).

    Range-Extender-Motoren, die ausschließlich dazu dienen einen bordeigenen Generator anzutreiben, könnten wesentlich einfacher und damit billiger ausfallen als heutige Verbrennungsmotoren. Das benötigte Drehzahlband ist kleiner, Lastwechsel fallen kaum ins Gewicht. Das ließe sich ohne aufwendige, variable Ventilsteurungen und anfällige Einspritzsysteme realisieren.

    Gleichzeitig ließe sich die Bremsenergie über leistungsstarke und einfach herzustellende Kondensatoren schnell speichern und beim Start (beispielsweise an der Ampel) sofort wieder nutzen.
    Teure, schwere und Leistung fressende Zahnradgetriebe und Kupplungen werden nicht mehr benötigt.

    Wie immer werden die Stückzahlen den Preis bestimmen. Konstruktionsbedingt werden sich Autos mit Range-Extender, die auch keine großen Batterien benötigen, letzten Ende billiger herstellen lassen als Autos mit reinen Verbrennungsmotoren.

    Eine Leserempfehlung
  3. seltsam, gestern las ich Nachrichten in Norwegen über die Entwicklung der Nutzung von Elektroautos. Das liest sich da ganz anders. 2% aller Neuzulassungen sind Elbils (Elektroautos). Dies bei den Entfernungen in Norwegen und bei weit weniger dichter Infrastruktur. In manchen Städten in China sind heute Elektroautos als Taxis vorgeschrieben. 28 Professoren können sich irren. Wie teuer wird Benzin in 18 Jahren sein? Wie schnell wird sich die Technik entwickeln? Jetzt eine Aussage für 2030 zu machen halte ich für sehr gewagt.

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    Das Besondere an Norwegen ist wohl die Verfügbarkeit von billigem Strom aus Wasserkraft. Davon haben die im Überfluß, verwenden ihn sogar zum Heizen. Deswegen wird sich das E-Auto dort auch öfter als bei uns mal rechnen, wobei 2% der Neuzulassungen jedoch wirklich keinen Anlaß bieten, in Euphorie zu verfallen. Das werden wohl vorrangig Zweit- und Drittfahrzeuge sein, mit denen gewisse Transportaufgaben eben auch zu erledigen sind, ohne daß sie aber das "richtige" Auto in der Garage voll ersetzen könnten.

    Wie hoch war die steuerliche Begünstigung gleich?
    Beim Nissan Leaf imho 17.000€.

    • tobmat
    • 10. Oktober 2012 15:53 Uhr

    Norwegen ist allerdings nicht vergleichbar. Die haben nicht nur billigen Strom, sondern die E-Autos sind so stark subventioniert, das sie billiger sind als herkömmliche Autos. Bei einem Nissan-Leaf kann der Steuervorteil zu einem vergleichbaren Verbrenner bis zu 17.000€ ausmachen.

  4. Das Besondere an Norwegen ist wohl die Verfügbarkeit von billigem Strom aus Wasserkraft. Davon haben die im Überfluß, verwenden ihn sogar zum Heizen. Deswegen wird sich das E-Auto dort auch öfter als bei uns mal rechnen, wobei 2% der Neuzulassungen jedoch wirklich keinen Anlaß bieten, in Euphorie zu verfallen. Das werden wohl vorrangig Zweit- und Drittfahrzeuge sein, mit denen gewisse Transportaufgaben eben auch zu erledigen sind, ohne daß sie aber das "richtige" Auto in der Garage voll ersetzen könnten.

  5. Beim "reinen" Elektroauto ist nun mal die Batterie alles entscheidend. Der Fortschritt und Preisverfall von Lithium Akkus aufgrund von Mobilgeräten ist auch einer der Hauptgründe, warum die BEVs in den letzten Jahren so ein Comeback erlebt haben.

    Fakt ist: Ein reines E-Auto reicht als Gesamtsystem weder wirtschaftlich noch von den Fahrleistungen her an einen Verbrenner heran - kein Wunder, dass kaum einer die Dinger kauft

    Der Markt für E-autos explodiert in dem Moment, in dem die Batterien günstig genug werden. Da fehlt noch in etwa eine Größenordnung im P/L Verhältnis. Bis das so weit ist können 30 Jahre vergehen, vielleicht aber ists schon bald so weit.

    • Kanzel
    • 08. Oktober 2012 22:07 Uhr

    gewonnen aus erneuerbarer Energie - das ist ist Zukunft!

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    ... mag "erneuerbare Energie" sein? Hat Physikerin Merkel den Energieerhaltungssatz alternativlos für ungültig erklärt?

  6. ... tut gut daran, auch weiterhin zigtausende Euro für Marketing auszugeben. Und die deutschen Journalisten tun gut daran, wie vorliegend, der deutschen Autoindustrie dabei zu helfen. Denn man stelle sich vor, immer mehr Autokäufer würden sich fragen, warum denn beim Bremsen die gesamte Energie in Form von Wärme an die Umwelt abgefackelt werden muss, wenn man sie doch -zumindest partiell- zurückgewinnen könnte.

    Ich jedenfalls steige jeden Tag in meinen Toyota Yaris Hybrid. Hat mich nach gutem Verhandelt voll ausgestattet 18.000 Euro gekostet. Verbraucht in der Stadt selbst gemessene 4,1 Liter pro 100 km, trotz Automatik, Klima und Tagfahrlicht. Selten muss ich an die Zapfsäule, und dann lache ich mich kaputt über die Leute mit ihren Schrankwänden von Audi und Porsche.

    Wie lange dieser Marketing-Trick allerdings noch funktioniert, sei dahingestellt. Hoffentlich möglichst lange, unserer Wirtschaft zuliebe. Und unseren schlafmützigen Ingenieuren.

    • hermie9
    • 08. Oktober 2012 22:51 Uhr

    Wie schon #6 schreibt, ist Norwegen überhaupt nicht zum Vergleich geeignet. Die haben Riesenmengenöl und Wasserkraft zum Abwinken, der Staat hat z.B. keine Schulden. Strom kostet etwa die Hälfte wie hier. Praktisch jedes Haus hat Elektroheizungen (zumindestens als Ergänzung), außerdem schwimmen die Normalnorweger in Geld. Also wie gesagt, Vergleich sinnlos.

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