Ein Elektroauto auf dem Pariser Autosalon 2012 © Jacky Naegelen/Reuters

Das Elektroauto ist an sich eine prima Idee. Erdöl wird immer knapper, und an der Tankstelle ist der Kraftstoff schmerzhaft teuer. Zudem lässt sich die Klimaerwärmung kaum mehr leugnen. Doch das Elektroauto ist kein Selbstläufer. In Deutschland waren Anfang des Jahres gerade mal 4.500 Elektroautos zugelassen. Und das liegt nicht an der fehlenden staatlichen Förderung. Denn in Ländern wie den USA oder Frankreich , wo es üppige Zuschüsse zum Kauf von Elektroautos gibt, sind die Zahlen nicht wirklich besser.

Dabei sollen 2020 in Deutschland eine Million Elektroautos fahren. Das sieht zumindest der Plan der Bundesregierung vor. Aber der Wechsel zur Technik des Elektroautos gleicht einem riesigen Sprung für eine mehr als 100 Jahre alte Industrie. Weg von Kolben, Dichtringen und Ventilringen hin zu Elektrotechnik. Doch selbst Toyota , Hybridpionier mit der wohl längsten Erfahrung mit elektrischen Antrieben und ihrer Steuerung, meldete Anfang Oktober Zweifel an, ob batterieelektrische Elektroautos der richtige Weg in eine emissionsfreie Autozukunft sind. Jeder Hersteller will genauer wissen, ob der Kunde das auch will.

Der will es aber offenkundig nicht. Denn vollwertige viersitzige Elektroautos wie der Nissan Leaf, der als Stromer eigentlich richtig Spaß macht, setzen den Fahrer unter Stress, wenn die Navi-Stimme plötzlich sagt: "Sie erreichen ihr Ziel vermutlich nicht." Der Weg ist dann zu weit, der Strom in der Batterie zu wenig. Wo ist die nächste Ladesäule? Doch selbst wer eine findet, braucht Geduld. Wie bei Benzin oder Diesel mal eben in Minutenschnelle den Akku auffüllen, funktioniert nicht.

Erst Hype, dann Katzenjammer

Kein Wunder, dass die Kunden bei Preisen von rund 36.000 Euro und Reichweiten von lediglich 140 Kilometer zurückhaltend sind. Außerdem gibt es nach wie vor nur wenige Elektroautos, die Kunden tatsächlich kaufen können. Wofür also sollte der Staat Steuergelder ausgeben, um Kunden zum Kauf eines Elektroautos zu verleiten.

So groß und übertrieben wie der anfängliche Hype um die Elektromobilität ist jetzt der Katzenjammer. Um die Diskussion zu versachlichen, haben 28 Professoren für Kraftfahrzeugtechnik unter dem Dach der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik (WKM) ihre Thesen zur Zukunft der Elektromobilität formuliert.

Die wichtigsten Ergebnisse sind:

1. Das Elektrozeitalter hat schon längst begonnen. Nur nicht bei den Autos, sondern bei den Elektrofahrrädern . Die Fachleute erwarten, dass die sogenannten Pedelecs und E-Bikes in den kommenden Jahren weiterhin zweistellige Zuwachsraten haben werden. Ein Grund: Sie sind vermehrt als Zweitfahrzeug bezahlbar, beanspruchen eine geringe Verkehrs- und Abstellfläche, sind an der heimischen Steckdose ladbar und für viele Strecken geeignet.

Im Jahr 2008 wurden rund 100.000 Pedelecs verkauft, 2009 waren es 150.000. Nach 200.000 in 2010 wurden 2011 sogar über 300.000 Fahrräder mit elektrischem Hilfsantrieb verkauft. Ende des Jahres könnten in Deutschland bereits mehr als eine Million Pedelecs existieren – in China sind es bereits mehr als 120 Millionen Stück.