MobilitätFahrrad statt Dienstwagen

Eine kleine Firma will den Dienstwagen durch Elektrofahrrad-Flotten ersetzen. Das Modell bringt dem Firmengründer Preise. Doch wo bleibt die Kundschaft? von Andrea Reidl

Radfahrer in Berlin

Radfahrer in Berlin  |  © Fabrizio Bensch/Reuters

Eigentlich müsste Ulrich Predigers Auftragsbuch voll sein. Seine Firma LeaseRad vermietet moderne Fahrräder mit und ohne Elektroantrieb als Firmenfuhrpark. Statt mit dem Auto könnten Mitarbeiter per Velo zur Arbeit und zum Kunden fahren. Das ist gesund, nachhaltig, kostengünstig und trifft den Zeitgeist.

Doch der Ansturm bleibt aus. Zurzeit sind es vor allem kleine Unternehmer und Selbstständige wie Anwälte, Ärzte oder Architekten, die mit Prediger Verträge abschließen. Sie bestellen für ihre Mitarbeiter zwei, drei E-Bikes oder Pedelecs. Großaufträge für 40 oder 50 Räder, wie die einer Frankfurter Wohnungsgesellschaft und eines Verkehrsbetriebs aus dem Münsterland, sind die Ausnahme.

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Dabei ist das Interesse grundsätzlich vorhanden. Großunternehmen aus der IT-Branche, Banken und Behörden lassen sich beraten und fordern bei LeaseRad auf sie zugeschnittene Konzepte an. Doch liegt ihnen der Vertrag vor, fragen sie nach Fördermitteln oder nach Gebrauchträdern. "Für Fahrräder will niemand Geld ausgeben", klagt Prediger. Obwohl eine Velo-Flotte günstiger ist als ein Dienstwagen . Least der Unternehmer einen Geschäftswagen für rund 20.000 Euro, erhält er bei LeaseRad dafür in etwa zehn E-Bikes oder zwanzig hochwertige herkömmliche Räder.

Predigers Ansprechpartner kennen die Vorteile. Sie wissen, dass Fahrräder wirtschaftlicher sind und radelnde Mitarbeiter weniger Fehlzeiten aufweisen. "Aber Deutschland ist immer noch ein Autoland und der Geschäftswagen ein Statussymbol", sagt Prediger. Dieses Image fehlt dem Fahrrad noch. Aber der Wertewandel in der Geschäftswelt hat bereits begonnen. Wie Branchenkenner berichten, ist es selbst in der konservativen Bankenbranche mittlerweile salonfähig, mit hochwertigen Rädern oder Pedelecs zum Termin zu erscheinen.

Schwerer als der vermeintliche Imageverlust wiegt für viele Unternehmen jedoch die fehlende Steuerersparnis bei einer Fahrradflotte. Seit Jahrzehnten subventioniert der Staat Dienstwagen. Für jedes Fahrzeug im Fuhrpark kann der Arbeitgeber den Kredit oder die Leasingrate steuerlich absetzen. Nutzen Mitarbeiter den Dienstwagen regelmäßig für private Zwecke, müssen sie lediglich ein Prozent des Listenpreises monatlich versteuern.

An dieses Steuersparmodell haben sich die Unternehmer gewöhnt. Prediger will es auch auf seine Fahrzeugflotten anwenden. Das darf er aber nicht. "Ein entsprechender Gesetzesvorschlag im Bundesrat wurde abgelehnt", sagt er. Seit drei Jahren versucht er mit Mitstreitern aus der Fahrradbranche zu erreichen, dass Geschäftsautos und Geschäftsräder vom Fiskus gleichberechtigt behandelt werden. Bislang ohne Erfolg. Jetzt hofft er auf eine positive Entscheidung der Landesfinanzämter. In den kommenden Wochen wollen sie eine Entscheidung treffen.

Leserkommentare
  1. ...und verbrauchen nur bei der Herstellung Ressourcen. Allerdings ging es dann mit Kundenbesuchen oder mit dem Pflegen von Bedürftigen etwas gemächlicher.

    ...wundert sich dieser Schlaumeier aus dem Artikel wirklich, dass seine "Idee:-)" nicht so recht angenommen wird ???

  2. Und statt "Sprinter" fahren die Servicemitarbeiter mit Lastenrädern zum Kunden, nachdem das zentnerschwere Ersatzteil drei Tage lang mit der Pferdekutsche unterwegs war.

    • Hassias
    • 15. Oktober 2012 13:45 Uhr

    ich bin wirklich kein Mensch der gerne auf anderen Rumhaut. Ich selbst fahre auch mit dem Fahrrad auf die Arbeit und auch zu meinen Kunden/Klienten aber ich stelle hier im Betreib eine absolute Sonderfall dar, da mein Wohnort nur 2,5 Kilometer vom Arbeitsort entfernt liegt. Alle meine anderen Kollegen haben anreisen von ca. 10 Kilometern. Also total unsinnig die das mit dem Fahrrad erledigen zulassen. Was denkt sich denn der Unternehmer im Winter zu verleasen? Das gute Wetter gibt es sicherlich nicht im Leasing inklusive. Also ist die Idee gut aber im falschen Land. Gehe nach Florida oder Dubai dort schein 365 Tage/Jahr die Sonne. Sry für die harte Kritik aber nicht jede Idee ist es wert gleich einen Artikel drüber zu schreiben

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    Wo leben sie denn ? 2,5 Km mit dem Rad geht aber 10 km nicht ?!

    Mein Weg ins Büro sind knapp 10 km und da gibt es überhaupt kein Problem 25 bis 30 Minuten mit einem guten Rad ohne E- Unterstützung. Mit e-Bike reden wir über dann über 15 bis 20 Minuten pro Fahrt...

    Exakt so lange dauert die Fahrt in der normalen Rushhour Morgens und Nachmittags mit dem Auto auch, wenns gut läuft...ansonsten eher länger, Stichhwort Parkplatzsuche etc...

    Stichwort Wetter, naß bin ich bisher in fast einem Jahr erst zwei-drei mal geworden, obwohl ich auch im Winterhalbjahr gefahren bin. Außerdem gibt es heute moderne Funktionskleidung, die sowohl Regen als auch Kälte abhalten kann...
    Oder Kombinationsmöglichkeiten mit dem ÖNVP...

    Umziehen im Büro sollte dann auch kein Problem sein, zur Not geht das dann auch auf dem WC, das wohl in jedem Büro zur Verfügung steht.

    Natürlich ist mir auch klar, das bei gewissen Berufen Arbeiten oder gewissen Termine sich nicht nur mit Fahrrad erledigen lassen, aber bei Büro Berufen doch schon sehr oft.

    Aber wie ein user schon zu Recht schrieb, Deutschland ist immer noch ein typisches Autoland, mit dem Auto als wichtiges Statussysmbol etc..

    Es ist Zeit für ein modernes Mobilitätskonzept und eine faire, steuerliche Förderung aller Verkehrsmittel und somit auch des umweltfreundlichen Fahrrades
    Es fehlt aber leider u.a. auch immer noch der politische Wille, ein zukunfstfähiges Mobilitätskonzept umzusetzen, statt weiter fast nur aufs Auto zu setzen.

    10 Kilometer Anfahrt zur Arbeit, täglich, sind wunderbares Training. Manche schaffen das jeden Tag und bei jedem Wetter, inklusive Glatteis, dann mit Spikes. Wenn nicht 3 Berge mit 200 Metern Steigung dazwischen sind, ist das überhaupt kein Problem. Es ist entspannend, und es spart nicht nur das Geld fürs Benzin, sondern auch fürs Fitnessstudio.
    Wer mit dem Fahrrad vorfährt, stellt seine Tatkraft praktisch unter Beweis.
    Wer mit der Luxuskarosse vorfährt, zeigt, dass er das Geld seiner Kunden für Bequemlichkeit ausgibt!!!
    Es gibt Dinge, die man wirklich schwer per Fahrrad transportieren kann. Aber lange nicht so viele, dass das die tägliche Blechlawine rechtfertigen würde. Und es gibt auch Lastenräder mit Hilfsantrieb.
    Überigens: die zehn Kilometer schafft ein trainierter Mensch in zwanzig bis dreißig Minuten, wenn es einigermaßen eben ist. Ich kenne Leute, die auf einer stark befahrenen Straße durchaus öfter eine Dreiviertelstunde für die gleiche Strecke brauchen. Für weniger Trainierte kommt es aufs Gleiche heraus! - Und oft ist man auf kurzen Strecken per Rad eben wirklich schneller.

    Bei 38 Grad im Schatten und 70 Grad in der Sonne und extremer Humidity kann man dort von April bis Oktober kein Fahhrad fahren. Da kann man mit Mühe und mit sehr viel Wasser im Handgepäck und mit Funktionskleidung (T-Shirt, Shorts, Flipflops, Sonnenschutz Faktor 50, Cap) ein, zwei Kilometer gehen.

  3. Die Initiative entspricht dem Kenntnisstand eines durchschnittlich gebildetem Menschen, der innerhalb einer Industrienation aufgewachsen ist. So wie Mobilität zur Zeit begriffen wird, hat sie weder Vorbildcharakter, noch ist sie in irgendeiner Art und Weise geeignet, den drängenden Umwelt- und Ressourcenfragen zu begegnen. Wir haben unseren Großeltern den Vorwurf gemacht, sie wären menschenverachtend und rassistisch und uns verantwortungsvoll um eine menschlichere Erziehung unserer Kinder bemüht. Jetzt wissen wir, was peak of oil und CO2 bedeuten und der politische und persönliche Handlungswille ist kaum zu spüren - die Ignoranz eines Todkranken, der Kredite verprasst für Bunga Bunga und Status.
    Ich lebe in einer ländlich-schwarzen Region, die Wege zur Arbeit bestreite ich mit dem Rad, nehme mein Material mit und besuche "Kunden". Die Strahlkraft ist enorm und reicht von vermuteten Alkoholsünden über Spielschulden. Auf die Idee, dass ich das bei meinem Gehalt trotzdem hip finde und nur auf Seiten wie copenhagencyclechic.com nach entsprechender Bestätigung suchen müsste, kommt keiner. Das geht auch als Silberrücken und ist bei entsprechendem Statussymbol, man kann hier auch fünfstellige Beträge investieren, total PC und ein bisschen sexy.

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    Auf dem Land ist ab spätestens 21J. das Auto angesagt, alles andere ist ein "Sonderlingleben".

    Es lässt sich aber rechtfertigen, wenn der Wind/Wetter/Regen/Schnee-Radler bekanntermaßen vermögend ist. Dann schlägt ihm gleich Bewunderung ob seiner Konsequenz und Sportlichkeit entgegen.

    Die Omis, die mangels Zweitwagen, mit dem Rad einkaufen fahren, bekommen keinen Respekt. Joo, auf dem Land sind die Rollen klar verteilt.

    Aber kein Grund, weder dort noch in der Stadt (wo man zunehmend auch die Anzugradler mit Helm sieht /besser so als mit Auto/) auf das Rad zu verzichten. Sooo schöne Beine (gilt für Frauen UND Männer) bekommt man sonst selten :-)

  4. 5. [...]

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    ...

  5. Ich glaube, es geht gar nicht darum, alle Menschen zu Radfahrern (oder Wanderern) zu machen. Aber einige Fakten dazu: Laut verschiedener Studien sind 50% aller mit dem PKW zurückgelegten Wege kürzer als 5km (z.B. http://www.kiel.de/leben/...), also absolut fürs Radfahren geeignet. Im typischen Stadtverkehr ist das Fahrrad bis 5 km das schnellste Verkehrsmittel, erst Recht, wenn man die meist notwendige Parkplatz mitrechnet (also kein Argument für Steinzeit-Verkehr). Außerdem belegt eine Studie des Europäischen Fahrradverbandes ECF (http://www.ecf.com/press_...), dass wenn alle EU-Länder nur den heutigen Radverkehrsanteil von Dänemark hätten, wir bereits HEUTE 26% der Gesamtvorgaben der CO2-Einsparung der EU für das JAhr 2050 für den gesamten Transportbereich inkl. PKW und LKW erreicht hätten. Übrigens ist Dänemark nicht für 100% Sonnenscheindauer bekannt.
    Aber wie so oft beginnt Verhaltensänderung eben im Kopf und braucht Zeit. Von daher: Schön, dass es solche Unternehmer gibt und auch reflektierte Redakteure, die darüber schreiben.

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    Wie überraschend, dass der europäische Fahrradverband so etwas herausgefunden hat... ;)

  6. Wo leben sie denn ? 2,5 Km mit dem Rad geht aber 10 km nicht ?!

    Mein Weg ins Büro sind knapp 10 km und da gibt es überhaupt kein Problem 25 bis 30 Minuten mit einem guten Rad ohne E- Unterstützung. Mit e-Bike reden wir über dann über 15 bis 20 Minuten pro Fahrt...

    Exakt so lange dauert die Fahrt in der normalen Rushhour Morgens und Nachmittags mit dem Auto auch, wenns gut läuft...ansonsten eher länger, Stichhwort Parkplatzsuche etc...

    Stichwort Wetter, naß bin ich bisher in fast einem Jahr erst zwei-drei mal geworden, obwohl ich auch im Winterhalbjahr gefahren bin. Außerdem gibt es heute moderne Funktionskleidung, die sowohl Regen als auch Kälte abhalten kann...
    Oder Kombinationsmöglichkeiten mit dem ÖNVP...

    Umziehen im Büro sollte dann auch kein Problem sein, zur Not geht das dann auch auf dem WC, das wohl in jedem Büro zur Verfügung steht.

    Natürlich ist mir auch klar, das bei gewissen Berufen Arbeiten oder gewissen Termine sich nicht nur mit Fahrrad erledigen lassen, aber bei Büro Berufen doch schon sehr oft.

    Aber wie ein user schon zu Recht schrieb, Deutschland ist immer noch ein typisches Autoland, mit dem Auto als wichtiges Statussysmbol etc..

    Es ist Zeit für ein modernes Mobilitätskonzept und eine faire, steuerliche Förderung aller Verkehrsmittel und somit auch des umweltfreundlichen Fahrrades
    Es fehlt aber leider u.a. auch immer noch der politische Wille, ein zukunfstfähiges Mobilitätskonzept umzusetzen, statt weiter fast nur aufs Auto zu setzen.

    Antwort auf "Oh man wie naiv"
  7. Das zeigen schon einige der bisherigen Kommentare. "Es regnet doch mal" oder "was ist im Winter". Ich fahre seit 30 Jahren 15 km Arbeitsweg plus berufliche Termine im Anzug und hatte damit noch nie Probleme.

    Aufwachen werden die Leute erst, wenn es zu spät ist.

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