Radfahrer in Berlin © Fabrizio Bensch/Reuters

Eigentlich müsste Ulrich Predigers Auftragsbuch voll sein. Seine Firma LeaseRad vermietet moderne Fahrräder mit und ohne Elektroantrieb als Firmenfuhrpark. Statt mit dem Auto könnten Mitarbeiter per Velo zur Arbeit und zum Kunden fahren. Das ist gesund, nachhaltig, kostengünstig und trifft den Zeitgeist.

Doch der Ansturm bleibt aus. Zurzeit sind es vor allem kleine Unternehmer und Selbstständige wie Anwälte, Ärzte oder Architekten, die mit Prediger Verträge abschließen. Sie bestellen für ihre Mitarbeiter zwei, drei E-Bikes oder Pedelecs. Großaufträge für 40 oder 50 Räder, wie die einer Frankfurter Wohnungsgesellschaft und eines Verkehrsbetriebs aus dem Münsterland, sind die Ausnahme.

Dabei ist das Interesse grundsätzlich vorhanden. Großunternehmen aus der IT-Branche, Banken und Behörden lassen sich beraten und fordern bei LeaseRad auf sie zugeschnittene Konzepte an. Doch liegt ihnen der Vertrag vor, fragen sie nach Fördermitteln oder nach Gebrauchträdern. "Für Fahrräder will niemand Geld ausgeben", klagt Prediger. Obwohl eine Velo-Flotte günstiger ist als ein Dienstwagen . Least der Unternehmer einen Geschäftswagen für rund 20.000 Euro, erhält er bei LeaseRad dafür in etwa zehn E-Bikes oder zwanzig hochwertige herkömmliche Räder.

Predigers Ansprechpartner kennen die Vorteile. Sie wissen, dass Fahrräder wirtschaftlicher sind und radelnde Mitarbeiter weniger Fehlzeiten aufweisen. "Aber Deutschland ist immer noch ein Autoland und der Geschäftswagen ein Statussymbol", sagt Prediger. Dieses Image fehlt dem Fahrrad noch. Aber der Wertewandel in der Geschäftswelt hat bereits begonnen. Wie Branchenkenner berichten, ist es selbst in der konservativen Bankenbranche mittlerweile salonfähig, mit hochwertigen Rädern oder Pedelecs zum Termin zu erscheinen.

Schwerer als der vermeintliche Imageverlust wiegt für viele Unternehmen jedoch die fehlende Steuerersparnis bei einer Fahrradflotte. Seit Jahrzehnten subventioniert der Staat Dienstwagen. Für jedes Fahrzeug im Fuhrpark kann der Arbeitgeber den Kredit oder die Leasingrate steuerlich absetzen. Nutzen Mitarbeiter den Dienstwagen regelmäßig für private Zwecke, müssen sie lediglich ein Prozent des Listenpreises monatlich versteuern.

An dieses Steuersparmodell haben sich die Unternehmer gewöhnt. Prediger will es auch auf seine Fahrzeugflotten anwenden. Das darf er aber nicht. "Ein entsprechender Gesetzesvorschlag im Bundesrat wurde abgelehnt", sagt er. Seit drei Jahren versucht er mit Mitstreitern aus der Fahrradbranche zu erreichen, dass Geschäftsautos und Geschäftsräder vom Fiskus gleichberechtigt behandelt werden. Bislang ohne Erfolg. Jetzt hofft er auf eine positive Entscheidung der Landesfinanzämter. In den kommenden Wochen wollen sie eine Entscheidung treffen.

"Vielleicht sind wir zu früh"

In der Zwischenzeit hat Prediger in seinem Unternehmen das Angebot "Jobrad" gestartet. Damit können Arbeitgeber ihren Mitarbeitern zu neuen Rädern verhelfen, müssen aber kaum Geld ausgeben. Das Prinzip ist simpel: LeaseRad agiert als Mittler zwischen Fahrradhändler und dem jeweiligen Unternehmen. Der Arbeitnehmer sucht sich beim Händler sein Wunschrad aus und schließt mit seinem Arbeitgeber einen Überlassungsvertrag für das Velo. Er bekommt es dann im Geschäft, ohne dafür zu bezahlen. Stattdessen behält sein Chef jeden Monat einen Teil des Gehalts ein, stockt es um eine geringe Summe auf und überweist den Betrag an LeaseRad.

Mit diesem Modell darf der Arbeitgeber die Leasingrate steuerlich absetzen. Für den Arbeitnehmer wird das Rad je nach Höhe des Zuschusses zwischen 20 und 50 Prozent günstiger. Außerdem darf er sich alle drei Jahre ein neues Velo aussuchen, und es ist versichert.

Für seine innovativen und nachhaltigen Geschäftsideen wurde Prediger in den vergangenen vier Jahren mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt den Utopia-Award und den KarmaKonsum Gründer-Award. Doch auf Dauer genügt das nicht, die Konzepte müssen sich auch rechnen. "Vielleicht sind wir zu früh mit unserer Idee", überlegt Prediger laut. "Vielleicht brauchen die Unternehmer noch etwas Zeit." Bis dahin bleibt ihm nur eines: Durchhalten.