Alternativer AntriebKias erster Hybrid überzeugt

Kia macht den nächsten Schritt im Kampf gegen VW und bringt ein Hybridauto auf den Markt. Die Technik im Passat-Rivalen Optima ist besser als die Verarbeitungsqualität. von Wolfgang Gomoll

Kia Optima Hybrid

Kia Optima Hybrid  |  © Hersteller

Die Hybrid-Version des Kia Optima gibt die Vorhut. Die elektrifizierte Mittelklasse-Limousine aus Südkorea enthält schon jetzt Technologien der kommenden Kia-Hybridmodelle. Dabei ist der Aufbau des Parallel-Hybrids für Kenner der E-Szene nicht wirklich überraschend: Zwischen dem Verbrennungsmotor und der Sechsgang-Automatik steckt ein 30 kW starkes Elektroaggregat. Der zwei Liter große Benziner kann mittels einer hydraulischen Kupplung vom Antriebsstrang getrennt werden, dann übernimmt der Elektromotor den Vortrieb. Die Systemleistung beträgt 190 PS.

Beim Anfahren ist der elektrische Antrieb auf sich alleine gestellt, ehe nach einigen Metern der Verbrenner sich dazu schaltet. Große rein elektrische Reichweiten sind mit diesem System nicht möglich – Kia gibt als Wert 1,5 Kilometer an – aber darum geht es bei solchen Vollhybriden auch nicht. Im Mittelpunkt steht die harmonische Zusammenarbeit von Elektro- und Verbrennungsmotor mit dem Ziel, den Verbrauch möglichst gering zu halten.

Anzeige

Der Hybrid-Optima schafft das ganz gut. Wenn es bergab geht oder beim sogenannten Segeln wird der Verbrenner zuverlässig abgekoppelt und bei Bedarf unmerklich wieder zugeschaltet. Ist die Beschleunigung sehr gering, versucht der E-Motor die Geschwindigkeit so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Das zahlt sich vor allem auf ebenen Autobahnetappen aus. Energiefluss und Fahrmodus werden im zentralen Display zwischen den beiden Rundinstrumenten angezeigt. Sind die kleinen Balken verschwunden, ist der Benzinmotor abgeschaltet.

Batterie verkleinert den Kofferraum

Wer den Verbrauch weiter optimieren möchte, kann am Lenkrad den grünen Knopf drücken. Damit schaltet der Fahrer den 1,7 Tonnen schweren Wagen in den Eco-Modus. Dann wird früher hochgeschaltet, und das Gaspedal reagiert weniger direkt. Außerdem bremst der Motor weniger, wenn man vom Gas geht. Damit unterstützt der Motor indirekt die Rekuperation, also die Bremskraftrückgewinnung. Damit die Akkus auch immer genug Kraft haben, erfüllt der Starter auch die Funktion des Generators und lädt die Batterie bei Bedarf.

Die Systemleistung reicht im Optima Hybrid für ein Höchsttempo von 192 km/h, nach 9,4 Sekunden hat sich die Tachonadel von 0 auf 100 bewegt. Offiziell braucht der Wagen auf 100 Kilometer 5,4 Liter Benzin. Diesen Wert verfehlte der Optima in unserem Test zwar, aber die im Schnitt erreichten 7,7 Liter gehen angesichts der leicht hügeligen Strecke mit einigen Beschleunigungsphasen in Ordnung.

Komfort ist die große Stärke des 4,84 Meter langen Optima. Platz ist mehr als genug. Die Bein-, Kopf- und vor allem die Kniefreiheit im Fond hat das Niveau der nächsthöheren Klasse. Lediglich das Kofferraumvolumen ist durch die Lithium-Polymer-Batterie, die sich hinter den nicht umlegbaren Rückenlehnen befindet, auf 381 Liter minimiert.

Leserkommentare
  1. Schon in den Vorspann kommt ein (unhaltbarer) Nachteil dieses Nicht-VDA-Produkts. Dabei dürfte die Verarbeitung wie bei allen Kia-Hyundai-Produkten über alle Zweifel erhaben sein, wie Herr Winterkorn und die Siebenjahresgarantie gern bestätigen werden. Die PressInform-Referenz Passat gibt es allerdings mit großzügiger Zweijahresgarantie. Und das auch nur, weil es die pöhse EU per 1.1.2002 so vorgeschrieben hat. Sonst wären die VDA-Kisten noch immer mit überwältigender Sechsmonatsgarantie ausgestattet

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Gab ja auch andere Medien, die über scharfkantige Türen geschrieben haben. Das Handelsblatt witzelt: "Auch die schnittige Karosserie ist durchaus wörtlich zu nehmen. Eine Beifahrerin stößt sich an einer scharfen Kante, die unzureichend von einem Gummi geschützt ist."

    • Quas
    • 12. Oktober 2012 21:03 Uhr

    Ich beschäftige mich sehr gern mit dem Thema der alternativen Antriebe und finde es interessant das gelernte Wissen im Alltag dann auch auf der Straße zu sehen oder hier über die Fahrzeuge etwas zu lesen. Ich finde es klasse, dass die Herstellter mehr und mehr auf Hybride setzen und die Vorteile des KERS und der Elektromotoren nutzen.

    Die Daten enttäuschen dann aber doch, 1.7 Tonnen Leergewicht und ein Verbrauch von 7,7 Litern auf 100Km klingt paradox.
    Ein aktueller Audi A4 (Diesel) ist leichter und sparsamer. Es ist einfach traurig, das man sich scheinbar im Kreis dreht, der Vorteil des Elektromotors wird vom zusätzlichen Gewicht scheinbar komplett verschluckt. Oder aber der Verbrennungsmotor arbeitet sehr ineffizient. Normalerweise sollte das aber nicht der Fall sein, da man diesen ständig im optimalen Bereich laufen lassen kann.

    Am Ende stellt sich mir die Frage:

    Aus welchem Grund sollte ich mir dieses Fahrzeug kaufen?

    Ich kann keinen Fortschritt erkennen..

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Mein Fahrzeug ist schwerer und mit Sicherheit auch komfortabler, verbraucht aber trotzdem weniger Sprit.

    Lediglich bei richtigen Schleichfahrten könnte das Fahrzeug punkten. Aber hier düngt mir, dass das kleine Batteriechen da auch nicht lange mitmacht und dann trotzdem der Benzinmotor gefordert ist.

  2. Gab ja auch andere Medien, die über scharfkantige Türen geschrieben haben. Das Handelsblatt witzelt: "Auch die schnittige Karosserie ist durchaus wörtlich zu nehmen. Eine Beifahrerin stößt sich an einer scharfen Kante, die unzureichend von einem Gummi geschützt ist."

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/jz

  3. Entfernt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/jz

    Antwort auf "Ihr Beißreflex..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Autor kritisiert sachlich die Verarbeitungsqualität, der Kommentator stellt jeden als "zu blöd" hin, der keine scharfen Kanten an seiner Autotür möchte.

    Ich frage mich, wen dieser Wagen überzeugen soll. Optisch ist das Blech IMO schon gelungen, aber mich interessiert eher das Interieur, und wenn die Verarbeitung und Materialien dort nicht stimmen, dann schau ich mir den nächsten Wagen an. Der Kofferraum ist mit unter 400 Litern indiskutabel, die Kraftstoffkosten sind bei einem 3.0-Liter Diesel von Audi mit 313 PS auch nicht höher. Mal wieder ein Hybrid, der nur in einer minimalen Nische mit viel Stop-and-Go Verkehr ökonomisch sinnvoll ist, wo viel elektrische Energie beim Bremsen zurückgewonnen werden kann. Im unrealistischen NEFZ Fahrprofil kann er sicher massig Punkten...

  4. Ich find die Koreanischen Modelle in letzter Zeit alle Toll. Mein schönstes fahrgefühl, in sachen neumodelle Probe fahren, verrate ich hier lieber keinen. Korea ist im schönformen eines Autos, welt weil spitze geworden!!

  5. Mein Fahrzeug ist schwerer und mit Sicherheit auch komfortabler, verbraucht aber trotzdem weniger Sprit.

    Lediglich bei richtigen Schleichfahrten könnte das Fahrzeug punkten. Aber hier düngt mir, dass das kleine Batteriechen da auch nicht lange mitmacht und dann trotzdem der Benzinmotor gefordert ist.

    Antwort auf "Fortschritt?"
  6. Wenn ich im C-Klasse meines Vaters 7 Liter verbrauche verlangt er (zurecht) Diesel nachzufüllen. Normalerweise fahren wir um die 5,5l... Für 7,7l brauche ich keinen Hybrid, sorry.

  7. Der Autor kritisiert sachlich die Verarbeitungsqualität, der Kommentator stellt jeden als "zu blöd" hin, der keine scharfen Kanten an seiner Autotür möchte.

    Ich frage mich, wen dieser Wagen überzeugen soll. Optisch ist das Blech IMO schon gelungen, aber mich interessiert eher das Interieur, und wenn die Verarbeitung und Materialien dort nicht stimmen, dann schau ich mir den nächsten Wagen an. Der Kofferraum ist mit unter 400 Litern indiskutabel, die Kraftstoffkosten sind bei einem 3.0-Liter Diesel von Audi mit 313 PS auch nicht höher. Mal wieder ein Hybrid, der nur in einer minimalen Nische mit viel Stop-and-Go Verkehr ökonomisch sinnvoll ist, wo viel elektrische Energie beim Bremsen zurückgewonnen werden kann. Im unrealistischen NEFZ Fahrprofil kann er sicher massig Punkten...

    Antwort auf "Ach Gottchen, ..."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Kia | Alternative Antriebe | Hybrid | Südkorea
Service