CO2-GrenzwerteDie Autoindustrie jammert zu Unrecht

Neue Daten zeigen: Die Autohersteller werden keine Mühe haben, die strengen Klimavorgaben einzuhalten. Die Politik könnte ambitionierter sein. von 

Wer wissen will, was Schadstoff-Grenzwerte für die Autoindustrie bringen, muss in die Statistik schauen. Beispiel BMW : Anfang des Jahrhunderts stieß die Flotte des bayerischen Autoherstellers jahrelang etwa die gleiche Menge an Kohlendioxid aus. Mal waren es 204 Gramm je Kilometer, mal waren es 199 Gramm. Ähnlich war es bei VW und Audi , wenn auch auf niedrigerem Niveau.

Die Hersteller taten jahrelang sehr wenig, um ihre Flotten zu modernisieren – obwohl sich die Branche schon Ende der neunziger Jahre freiwillig dazu verpflichtet hatte, den Ausstoß von CO2 bei ihren Neuwagen bis 2008 auf durchschnittlich 140 Gramm je Kilometer zu senken.

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Erst als die Europäische Union den Herstellern per Verordnung strenge Grenzwerte aufzwang, setzte ein Innovationsboom ein. Plötzlich schafften es die Hersteller, die CO2-Emissionen spürbar zu senken. Das zeigt unsere erste Grafik recht anschaulich.

Entwicklung der CO2-Emissionen von 2001 bis 2011, Neuwagen in der EU

© ZEIT ONLINE

Das Schaubild basiert auf Zahlen des International Council on Clean Transportation (ICCT) , einer unabhängigen Nonprofit-Organisation, die erforscht, wie der Verkehr die Umwelt beeinträchtigt. Das ICCT hat die Daten Anfang dieser Woche in seinem Handbuch European Vehicle Market Statistics Pocketbook 2012 veröffentlicht.

Die Grafik zeigt sehr deutlich, wie die Verordnung aus Brüssel wirkte: Bis zum Jahr 2007 waren die Werte etwa bei Audi recht konstant, bei Mercedes-Benz und Audi stiegen sie ab 2005 sogar an. Deutliche Rückgänge machen sich erst ab 2007 bemerkbar. Damals wuchs die Kritik an der nicht erfüllten Selbstverpflichtung der Autobranche, in der EU begann die Debatte über verbindliche Grenzwerte. Seitdem haben kleinere Motoren, aber vor allem Spritspartechniken dafür gesorgt, dass die Autos weniger Kraftstoff verbrauchen.

Der Fahrer spart Geld

Denn CO2-Ausstoß und Verbrauch hängen direkt miteinander zusammen. Wird ein Liter Diesel verbrannt, entstehen 2,64 Kilogramm CO2, bei einem Liter Benzin sind es 2,33 Kilogramm. Entsprechend wird die Grenze von 140 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer erreicht, wenn ein Auto nicht mehr als sechs Liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht. Wird der Ausstoß des Wagens auf 95 Gramm CO2 je Kilometer gesenkt, könnte sein Fahrer pro 100 Kilometer fast zwei Liter Benzin sparen. Die klaren EU-Vorgaben kommen also auch dem Autofahrer zugute, der Geld an der Tankstelle spart.

Die Daten des ICCT zeigen, wie die Autohersteller bis zum Jahr 2011 ihren CO2-Ausstoß gesenkt haben: BMW etwa auf 150 Gramm je Kilometer, VW auf 136 Gramm, Mercedes-Benz auf 162 Gramm. Unter dem Strich haben die Neuwagen in der gesamten EU im vergangenen Jahr durchschnittlich 135,7 Gramm CO2 je Kilometer ausgestoßen.

Damit ist das Ziel von 130 Gramm, das Brüssel vorschreibt, fast schon erreicht. "Die CO2-Regulierung durch die EU hat die jährliche Reduktion der Emissionen deutlich beschleunigt", sagt Peter Mock, Geschäftsführer von ICCT Europe. "Die Automobilbranche wird den Grenzwert für 2015 unterschreiten und den Grenzwert für 2020 voraussichtlich gut erreichen."

Leserkommentare
  1. nachvollziehbar beschrieben-also bitte weniger Auto fahren und den neuen noch zu produzierenden Autos nach und nach mehr Gesundheit verordnen, auch den LKW und Schiffen und Flugzeugen.

  2. ...noch unsere Portemonnais aufweichen: Versucht sie eines oder beides von beidem, werden wir sie in die Pleite schicken.

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    • jwiemer
    • 30. Oktober 2012 17:12 Uhr

    ... in Richtung Pleite marschiert (wie hier -nicht nur beim Leser zeitjahre- oft der Wunsch Vater des Gedankens scheint), dann vereinigen sich die Arbeitslosen mit denen der Airlines und aller anderen bösen Industrien. Weitermachen kann man bei den Strompreisen (keine Ausnahmen für die Industrie) --> wozu Aluminiumwerke , Stahlhütten und andere in D?
    LH ist schon (nicht nur, aber auch) Dank staatlicher Eingriffe auf dem besten Weg nach unten.

    CO2 Reduktion scheint auch mir wichtig; aber D sollte nicht so verbissen den Musterschüler geben und freiwillig die Industrie exportieren, die bisher einzig in Europa noch "den Laden am Leben hält".

    • Zack34
    • 30. Oktober 2012 20:39 Uhr
  3. Im Artikel ist zu lesen, dass beim Verbrennen eines Liters Benzin 2,33 kg CO2 freigesetzt würde.
    Das Umweltbundesamt geht von 2,78 kgCO2e / Liter Benzin aus, siehe http://www.umweltdaten.de... (Seite 53 des Dokuments).

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    Redaktion

    Hallo eridon25,

    auf Seite 108 des von Ihnen verlinkten Dokuments steht es korrekt:

    "1 Liter Benzin = 2,33 kg CO2 (ifeu 2006)" - entscheidend ist dabei der dahinter stehende Hinweis: "ohne Vorkette".

    • jwiemer
    • 30. Oktober 2012 17:12 Uhr

    ... in Richtung Pleite marschiert (wie hier -nicht nur beim Leser zeitjahre- oft der Wunsch Vater des Gedankens scheint), dann vereinigen sich die Arbeitslosen mit denen der Airlines und aller anderen bösen Industrien. Weitermachen kann man bei den Strompreisen (keine Ausnahmen für die Industrie) --> wozu Aluminiumwerke , Stahlhütten und andere in D?
    LH ist schon (nicht nur, aber auch) Dank staatlicher Eingriffe auf dem besten Weg nach unten.

    CO2 Reduktion scheint auch mir wichtig; aber D sollte nicht so verbissen den Musterschüler geben und freiwillig die Industrie exportieren, die bisher einzig in Europa noch "den Laden am Leben hält".

    2 Leserempfehlungen
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    ...und stattdessen vorsintflutliche, tonnenschwere Fossilmobile baut, die ressourcenmordend von Stau zu Stau rasen, meist allein besetzt, die hat den Schuß nicht gehört - noch nicht - und befindet sich dabei in bester Gesellschaft mit dem Rest der von Ihnen erwähnten Industriezweige, es gibt genug sinnvolle! Arbeit auf der Welt, man muß sie nur finden wollen.

  4. Wenn man diese Lobbyisten wie Wissmann etc. hört, dann ist die Insutrie schon seit mindestens 20 Jahren kurz vor der Pleite und verkauft kein einziges Auto mehr.
    Die Autoindustrie hat sich vehement gegen ALLE Verschärfungen der Abgaswerte gewehrt, Lobbyisten in Stellung gebracht und den Untergang des Abendlandes beschworen.

    Nachdem die Grenzwerte dann festgelegt waren, haben die meisten Hersteller diese meist schon 2 Jahre vorher eingehalten. Damit mussten sie zugeben, dass das ganze Geschrei nichts als Panikmache war. So ist es auch jetzt wieder!

    VW hat ja schon gesagt, dass es die Grenzwerte, die ab 2014 gelten, für die meisten seiner Fahrzeuge, schon jetzt einhalten kann.

  5. Redaktion

    Hallo eridon25,

    auf Seite 108 des von Ihnen verlinkten Dokuments steht es korrekt:

    "1 Liter Benzin = 2,33 kg CO2 (ifeu 2006)" - entscheidend ist dabei der dahinter stehende Hinweis: "ohne Vorkette".

    Eine Leserempfehlung
  6. aber mit diesen Autos machen die Konzerne keine großen Gewinne. Es gibt schon einige Kleinwagen, die einen Ausstoß von unter 100g/km Co2 haben, aber wer will schon mit einem "so kleinen Auto" ohne Komfort, dass zudem nicht so sicher ist wie eine dicke Limo ist fahren. Das ist es zumindest was uns von dem Marketingabteilungen eingetrichtet wird.

    Der Kunde entscheidet oft selber in welche Richtung es geht und die meisten Kunden entscheiden sich nunmal nicht für ausreichend groß und verbrauchsarm. Vor 30 Jahren sind die meisten noch Golf 1 gefahren, heute würden die meisten nicht den Polo wählen, obwohl der bei gleicher Größe mehr Komfort bietet. Nicht das Angebot bestimmt die Nachfrage, obwohl das Marketing es immer wieder versucht, sondern andersrum.

    Eine Leserempfehlung
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    Sie sagen:

    "Es gibt schon einige Kleinwagen, die einen Ausstoß von unter 100g/km Co2 haben, aber wer will schon mit einem "so kleinen Auto" ohne Komfort fahren".

    Nun, der neue Golf den man ja jetzt schon kaufen kann, hält die neuen Grenzwerte, die erste in 3 Jahren gelten, locker ein.

    Die Motoren zur Markteinführung verbrauchen nach offiziellen Angaben 3,8 Liter Diesel bei 99 g/km CO2 (als 1,6 l TDI mit 105 PS) beziehungsweise 4,8 Liter Benzin bei 112 g/km CO2 (als 1,4 l TSI mit 140 PS).

    Der Golf ist kein Kleinwagen, sicherer als alle seine Vorgänger und außerdem ein Massenmodell, mit dem VW richtig gutes Geld verdient!

  7. Sie sagen:

    "Es gibt schon einige Kleinwagen, die einen Ausstoß von unter 100g/km Co2 haben, aber wer will schon mit einem "so kleinen Auto" ohne Komfort fahren".

    Nun, der neue Golf den man ja jetzt schon kaufen kann, hält die neuen Grenzwerte, die erste in 3 Jahren gelten, locker ein.

    Die Motoren zur Markteinführung verbrauchen nach offiziellen Angaben 3,8 Liter Diesel bei 99 g/km CO2 (als 1,6 l TDI mit 105 PS) beziehungsweise 4,8 Liter Benzin bei 112 g/km CO2 (als 1,4 l TSI mit 140 PS).

    Der Golf ist kein Kleinwagen, sicherer als alle seine Vorgänger und außerdem ein Massenmodell, mit dem VW richtig gutes Geld verdient!

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    Das mit dem Komfort im Kleinwagen war eigentlich ironisch gemeint. Natürlich erreicht VW auch beim Golf die Werte von 2015, aber noch lange nicht im Flottenmix. Wenn mehr Kunden den 100Kg leichteren Polo nehmen würden, um sich alleine durch die Weltgeschichte zu fahren könnte der Flottenmix schon viel geringer sein. Die meisten Kunden wollen aber keinen Polo, weil der z.B zu wenig Status, Sicherheit etc. bietet. Meiner Meinung nach wird dieses Denken von den Marketingabteilungen der Unternehmen gesteuert. Wenn die Kunden sich mal überlegen würden, was sie wirklich brauchen, dann hätten wir nicht diese alberne Diskussion über Grenzwerte, Tempolimit und Co. Wie ich heute gelesen habe scheinen Frauen da auch vernünftiger zu sein, sie wählen ihr Auto nach Nutzenkriterien, während Männer einen auf dicke Hose machen. Finde leider keine andere Quelle: http://www.autobild.de/ar...

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  • Schlagworte Audi | BMW | Autoindustrie | Fiat | Mercedes-Benz | Peugeot
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