Verkehrssicherheit : Wir brauchen keine Panikmache vor Falschfahrern

Die "Bild" spricht von der "Geisterfahrer-Plage", die Polizeigewerkschaft fordert Umbauten an Autobahnen. Eine völlig übertriebene Diskussion, meint Matthias Breitinger.

"... kommt Ihnen ein Falschfahrer entgegen": Diesen Satz kennt man aus dem Radio. Er ist durchaus nicht selten: Etwa 1.700 bis 2.000 solcher Meldungen gibt es jährlich bei der Polizei und dann auch im Verkehrsfunk. Sie können nicht immer Schlimmes verhindern. Am Wochenende starben auf der Autobahn A46 bei Meschede im Sauerland fünf Menschen, als ein Geisterfahrer mit hohem Tempo frontal auf ein entgegenkommendes Auto fuhr.

Danach ist eine Diskussion über mögliche Maßnahmen entbrannt, die künftig Geisterfahrten verhindern sollen. "Herr Ramsauer, was tun Sie gegen Geisterfahrer?" , fragt die Bild und spricht von der "Geisterfahrer-Plage". Das Bild, das die Zeitung da zeichnet, ist jedoch völlig übertrieben. 2.000 Falschfahrer-Meldungen mögen viel erscheinen – doch das wären rein rechnerisch 5,5 pro Tag, auf einem Autobahnnetz von insgesamt fast 13.000 Kilometern.

Die Wahrscheinlichkeit, selbst einmal einem Falschfahrer zu begegnen, ist damit relativ gering. Wenn es passiert, ist das Risiko, ums Leben zu kommen, hoch – prallen zwei Autos mit je 130 km/h aufeinander, sind die Überlebenschancen extrem gering. Doch die meisten Geisterfahrten verlaufen glimpflich und ohne Unfall.

Ruf nach Krallen

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen das deutlich: Auf deutschen Autobahnen ereigneten sich im vergangenen Jahr 18.290 Unfälle mit Personenschaden – davon gerade einmal 101 Zusammenstöße mit entgegenkommenden Fahrzeugen. 18 Menschen kamen dabei ums Leben, das sind vier Prozent aller 453 Menschen, die insgesamt 2011 bei einem Autobahnunfall ihr Leben ließen. Wesentlich häufiger sind tödliche Zusammenstöße mit entgegenkommenden Fahrzeugen auf Landstraßen – doch da werden kaum laut Maßnahmen gefordert.

Nun aber will die Polizeigewerkschaft an Autobahnabfahrten sogenannte Krallen installieren. Sie beschädigen bei Autos, die dort in verkehrter Richtung fahren, die Reifen und verhindern so die Weiterfahrt. Natürlich kann man einen zerrissenen Reifen besser in Kauf nehmen als Schwerverletzte und Tote.

Dennoch ist die Forderung übertrieben. Nicht nur angesichts der geringen Zahl an Geisterfahrer-Unfällen. Deutschland hat rund 2.000 Autobahnabfahrten – es wäre unverhältnismäßig teuer, alle mit solchen Metallzacken auszurüsten. Außerdem hätten dann Polizei oder Feuerwehr im Notfall Probleme, die präparierten Auffahrten in der Gegenrichtung zu befahren.

Kommentare

31 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

etwas oberflächlich

dahingeschrieben, wie ich finde. Lapidar zu sagen, dass es kein risikofreies Leben gibt, ist hier nicht hilfreich. Es gibt Risiken, die müssen nicht sein und die sollte man vermeiden. Natürlich sterben auf Landstraßen mehr Menschen bei Zusammenstößen mit entgegenkommenden Fahrzeugen. Das liegt daran, dass dort ständig Fahrzeuge entgegenkommen - schon bemerkt? Auf der Autobahn dagegen sollte mir kein Fahrzeug entgegenkommen, darauf möchte ich mich verlassen können. Ich möchte auch nicht so gerne passiver Teilnehmer eines erweiterten Selbstmordes sein. Die Idee mit dem Nagelbrett auf der falschen Auffahrt hat doch was. Wieso denn nicht. Für Rettungsfahrzeuge und Polizei ließe sich sicher eine Lösung finden, das ist ein konstruiertes Problem. Was ich auch sagen möchte: Etwas seriöser sollte dieses Thema schon behandelt werden.

Keine Garantie

Lieber peter42hb,

das Risiko ist halt minimal, darum ist die Debatte über Anti-Geisterfahrer-Maßnahmen überflüssig. Die Gefahr, dass Ihnen beim Gehen auf dem Bürgersteig ein Dachziegel auf den Kopf fällt, ist vermutlich größer.

Die von Ihnen geäußerte Garantie, dass Ihnen auf der Autobahn niemand entgegenkommt, kann Ihnen eben keiner geben. Ein Restrisiko verbleibt immer, den 100-Prozent-Rundumschutz im Leben kann man nicht bieten.

Im übrigens bleibt Ihnen immer noch die freie Wahl, Autobahnen zu meiden und über Landstraßen zu fahren. Die sind laut Statistik aber gefährlicher als Autobahnen.

Es geht mir um vermeidbar und unvermeidbar

Lieber Matthias Breitinger, ich kann Ihrer Logik ja grundsätzlich folgen. Wenn jemand auf der Autobahn einfach wendet, lässt sich das nicht verhindern, das Gleiche gilt für den herabfallenden Dachziegel. Das ist dann tatsächlich allgemeines Lebensrisiko. Unvermeidbar.

Dass jemand die falsche Auffahrt nutzt, versehentlich oder mit Absicht, lässt sich möglicherweise schon verhindern. Vielleicht auch mit einem vertretbarem Kostenaufwand. Haben Sie da wirklich ernsthaft recherchiert? Wie ist die Situation in anderen Ländern? Ihre Meinung ist mir da einfach zu wenig unterfüttert. Aber Danke für das freundliche Feedback.

Re: Keine Garantie

"Die Gefahr, dass Ihnen beim Gehen auf dem Bürgersteig ein Dachziegel auf den Kopf fällt, ist vermutlich größer."

Lieber Matthias Breitinger,

das war jetzt aber ein Schnellschuss. *gg
Selbst die Gefahr, von einem Eiszapfen oder einer Dachlawine getroffen zu werden, dürfte schon um zwei Zehnerpotenzen geringer sein.
Von einem Dachziegel auf den Kopf weiss Google zumindest sehr, sehr wenig..

Vieles ist vermeidbar...

...aber mit viel zu hohen Kosten verbunden. Es gibt genug Studien die das Menschenleben mit Geld bewerten. Sie könnten die Krankenhäuser besser machen (für jeden Patienten nen Chefarzt?). Sie könnten ein Tempolimit einführen. Sie könnten dies und jenes. Nur ist alles mit Kosten verbunden.
Genau aus dem Grund lohnt sich eine Investition hier nicht. Die Kosten sind viel zu hoch. Dies wird aus dem Artikel gut deutlich, auch dadurch, das Zahlen zu den Verkehrstoten benannt werden.

Viel mehr hätte ich hier Kommentare erwartet die sich darüber lustig machen, das man noch Sachen kommentiert die in der Bild stehen und das es doch selbstverständlich ist, dass wir hier keine weiteren Sicherheitsvorkehrungen treffen sollten.