"... kommt Ihnen ein Falschfahrer entgegen": Diesen Satz kennt man aus dem Radio. Er ist durchaus nicht selten: Etwa 1.700 bis 2.000 solcher Meldungen gibt es jährlich bei der Polizei und dann auch im Verkehrsfunk. Sie können nicht immer Schlimmes verhindern. Am Wochenende starben auf der Autobahn A46 bei Meschede im Sauerland fünf Menschen, als ein Geisterfahrer mit hohem Tempo frontal auf ein entgegenkommendes Auto fuhr.

Danach ist eine Diskussion über mögliche Maßnahmen entbrannt, die künftig Geisterfahrten verhindern sollen. "Herr Ramsauer, was tun Sie gegen Geisterfahrer?" , fragt die Bild und spricht von der "Geisterfahrer-Plage". Das Bild, das die Zeitung da zeichnet, ist jedoch völlig übertrieben. 2.000 Falschfahrer-Meldungen mögen viel erscheinen – doch das wären rein rechnerisch 5,5 pro Tag, auf einem Autobahnnetz von insgesamt fast 13.000 Kilometern.

Die Wahrscheinlichkeit, selbst einmal einem Falschfahrer zu begegnen, ist damit relativ gering. Wenn es passiert, ist das Risiko, ums Leben zu kommen, hoch – prallen zwei Autos mit je 130 km/h aufeinander, sind die Überlebenschancen extrem gering. Doch die meisten Geisterfahrten verlaufen glimpflich und ohne Unfall.

Ruf nach Krallen

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen das deutlich: Auf deutschen Autobahnen ereigneten sich im vergangenen Jahr 18.290 Unfälle mit Personenschaden – davon gerade einmal 101 Zusammenstöße mit entgegenkommenden Fahrzeugen. 18 Menschen kamen dabei ums Leben, das sind vier Prozent aller 453 Menschen, die insgesamt 2011 bei einem Autobahnunfall ihr Leben ließen. Wesentlich häufiger sind tödliche Zusammenstöße mit entgegenkommenden Fahrzeugen auf Landstraßen – doch da werden kaum laut Maßnahmen gefordert.

Nun aber will die Polizeigewerkschaft an Autobahnabfahrten sogenannte Krallen installieren. Sie beschädigen bei Autos, die dort in verkehrter Richtung fahren, die Reifen und verhindern so die Weiterfahrt. Natürlich kann man einen zerrissenen Reifen besser in Kauf nehmen als Schwerverletzte und Tote.

Dennoch ist die Forderung übertrieben. Nicht nur angesichts der geringen Zahl an Geisterfahrer-Unfällen. Deutschland hat rund 2.000 Autobahnabfahrten – es wäre unverhältnismäßig teuer, alle mit solchen Metallzacken auszurüsten. Außerdem hätten dann Polizei oder Feuerwehr im Notfall Probleme, die präparierten Auffahrten in der Gegenrichtung zu befahren.