Dass Kraftstoffe aus Mais oder Zuckerrohr nicht die ultimative Antwort bei der Suche nach Alternativen zu Erdölprodukten sind, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Aus umweltpolitischen wie nahrungsmittelpolitischen Gründen will nun auch die Europäische Union den Einsatz solcher Treibstoffe begrenzen und spricht sich dafür aus, die Förderung von sogenannten Treibstoffen der zweiten und dritten Generation auszubauen. Da vor allem die Anbaukonkurrenz unter der Schlagzeile "Tank statt Teller" regelmäßig diskutiert wird, arbeiten weltweit Unternehmen daran, auf andere Arten natürlich nachwachsende Kraftstoffe zu erzeugen.

Ein Unternehmen in den USA erprobt gerade, wie man synthetische Kraftstoffe mithilfe von speziellen Mikroorganismen herstellt. Die Biotech-Firma Joule aus Massachusetts arbeitet seit mehreren Jahren daran, mithilfe von Sonnenenergie aus CO2 und Brauchwasser flüssige Treibstoffe zu gewinnen. Basis sind die gerade mal drei Tausendstelmillimeter großen Einzeller, die speziell für das Verfahren gezüchtet sind.

Die winzigen Mikroben befinden sich in dünnen transparenten Röhren. Die Sonnenstrahlen regen die Einzeller zur Photosynthese an. Dabei wandeln die Mikroben – vereinfacht gesagt – Kohlendioxid und Wasser in Kohlehydrate und Sauerstoff um. In dem von Joule entwickelten Prozess bilden die genetisch veränderten Mikroorganismen aber keine neuen Zellen, sondern stellen Ethanol und langkettige Kohlenwasserstoffverbindungen, sogenannte Alkane, her. Diese bilden die Grundlage für flüssige Kraftstoffe. Joule trennt den erzeugten Kraftstoff vom Wasser und bereitet ihn auf.

Gleiche Eigenschaften wie bekanntes Bio-Ethanol

Für den Fertigungsprozess nutzt das Unternehmen neben dem Sonnenlicht das CO2 aus industriellen Abfällen und Salz- oder Abwasser. Das neue Produkt habe dieselben chemischen Eigenschaften wie das bekannte, aus Biomasse hergestellte Bioethanol und könne darum problemlos fossilem Benzin beigemischt werden, erläutert Joule.

In einem zweiten Schritt arbeiten die Firmenforscher auch an der Produktion von nachhaltigem Dieselkraftstoff; die Prozesse sind ähnlich. Eine Stärke des nachwachsenden Dieselkraftstoffs ist seine Reinheit. Der synthetisch erzeugte Kraftstoff ist schwefel- und aromatenfrei – im Gegensatz zu Mineralöldiesel, der ein Gemisch aus verschiedensten Kohlenwasserstoff-Verbindungen darstellt. Außerdem enthält der von Joule erzeugte Dieselkraftstoff viele unverzweigt aufgebaute Kohlenwasserstoffe, ist also leicht entzündbar. Seine chemische Beschaffenheit ermöglicht eine unbegrenzte Zumischung zum fossilen Diesel.

In einer kleinen Pilotanlage in Texas hat Joule bereits bewiesen, dass das Verfahren funktioniert, und hat sich das Verfahren patentieren lassen. Darauf wurde der deutsche Autohersteller Audi aufmerksam. Die Volkswagen-Sparte erhofft sich von dem System große Chancen für die Gewinnung nachhaltig erzeugter Kraftstoffe. Joule und Audi bauen derzeit im sonnenreichen US-Bundesstaat New Mexico auf unfruchtbarem Boden eine Demonstrationsanlage auf. Der deutsche Autobauer hat sich die Exklusivlizenz im Automobilsektor gesichert.