Seine Herkunft kann der neue Lancia Flavia kaum verbergen. Der offene Viersitzer entspricht bis auf das italienische Firmenlogo dem Chrysler 200 Convertible, und dieser wiederum ist vom Grundaufbau her weitgehend identisch mit dem Vorgängermodell Chrysler Sebring Cabrio. Mit dem neuen Lancia setzt sich die Allianz von Fiat und Chrysler fort, die 2009 eingegangen wurde. Seit gut einem Jahr vertreibt die Fiat-Marke Modelle von Chrysler unter ihrem Namen. Nach den umgelabelten Modellen Voyager und Thema ist der Flavia das dritte Modell im US-italienischen Bunde.

Der Lancia Flavia bietet zum verhältnismäßig günstigen Preis von 36.900 Euro eine Komfortausstattung mit Ledersitzen, die sich teils elektrisch verstellen lassen, mit einer Klimaautomatik, Festplattennavi und vollelektrischem Stoffdach. Das lässt sich allerdings nur im Stand öffnen und schließen. Dennoch bekommt man das alles – zusammen mit einem üppigen Platzangebot – in dieser Liga sonst kaum für unter 50.000 Euro.

Die Insassen finden im Flavia deutlich mehr als ausreichend Platz, sowohl vorn wie im Fond. Dafür sorgen die Gesamtlänge von 4,95 Metern und der enorme Radstand von 2,77 Metern. Der Kofferraum ist mit 377 Litern ordentlich dimensioniert, auch wenn sich bei geöffnetem Dach das Volumen auf 198 Liter verringert. Das Fahrwerk, bestehend aus McPherson-Federbeinen vorn und einer Mehrlenkerhinterachse, ist komfortabel, die Lenkung nicht allzu schwammig.

Der Motor passt nicht zum Wagen

Die Dimensionen des Fahrzeugs und sein Leergewicht von über 1,7 Tonnen deuten darauf hin, was der Flavia in erster Linie sein will: ein Cruiser. Ein Wagen, mit dem man gemütlich herumgondelt, etwa die Riviera entlang. Mit Fahrdynamik ist es nicht weit her. Dazu passt der Motor. Die Chrysler-Ausgabe des Modells in den USA enthält einen vergleichsweise leistungsstarken 3,6-Liter-V6- Motor mit 211 kW (283 PS). Die europäische Variante muss dagegen mit einem 2,4 Liter großen Vierzylinder auskommen, das aus der Daimler-Chrysler-Kooperation stammt und in die Jahre gekommen ist.

Er sollte einst als sogenannter Weltmotor eine günstige Basis für zahlreiche Produkte von DaimlerChrysler sein und besonders in den USA und Asien die Mittelklassekunden erfreuen, die keine großen Ansprüche haben. Leider hat sich daran ohne Zugaben wie Direkteinspritzung oder Aufladung nichts geändert. Der Vierzylinder leistet 125 kW (170 PS) und erreicht bei 4.500 Umdrehungen pro Minute ein Drehmoment von 220 Nm.

Insbesondere in der Kombination mit der trägen Chrysler-Automatik erzeugt das Triebwerk auf Dauer aber Frust. Der Motor ist laut, und Leistungsabrufe des Fahrers werden erst mit großer Verzögerung umgesetzt. Das passt einfach nicht zu einem Fahrzeug, das ein schicker Cabrio-Cruiser sein möchte. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt der laut aufheulende Motor in knapp elf Sekunden. Der Verbrauch ist mit versprochenen 9,4 Litern auf 100 Kilometer angesichts des Gebotenen auch mehr als akzeptabel.

Was angesichts der edlen Innenausstattung ebenfalls überrascht, ist die unzeitgemäße Sicherheitsausstattung. Vier Airbags, ESP und ABS sind in dem Lancia dabei, doch üblicherweise hat ein Hersteller, der für ein Modell Ledersitze und Klimaautomatik bietet, auch Fahrerassistenzsysteme im Sortiment. Für den Flavia sind hingegen weder Einparkhilfe noch Rückfahrkamera oder Abstandstempomat verfügbar. Auch ein Xenonlicht lässt sich nicht dazu bestellen. So wird es der Lancia Flavia trotz seines fairen Preises schwer haben.