Autoklassiker : Oldtimer als Massenware

Viele der 30 Jahre alten Automodelle sind noch in Scharen als Gebrauchte unterwegs und wirken wenig liebenswert. Hat sich die Idee des Oldtimers überholt?
Der Mercedes-Benz 190 wurde erstmals 1982 gebaut, also vor 30 Jahren. © Daimler

Ein klassisches Auto ist ein Stück Kultur. Etwas, das mit seiner Erscheinung an längst vergangene Zeiten erinnert. Also etwa ein Ford Sierra, dessen erste Exemplare seit diesem Jahr die Oldtimer-Würde genießen? Oder ein 190er Mercedes, der in jeder Innenstadt immer noch täglich gesichtet wird? Das Modell hatte seine Premiere vor 30 Jahren, zählt nach der offiziellen Definition also ebenfalls zu den Oldtimern. Im kommenden Jahr gesellt sich die zweite Generation des VW Golf dazu, bis heute ein ganz gewöhnlicher Kauf für geldklamme Führerscheinneulinge.

Der Schritt der Oldtimer in die achtziger Jahre fühlt sich für nicht wenige Liebhaber von Autoklassikern seltsam an – eben weil die Autos keine Raritäten mehr sind. Schließlich steht gerade dieses Jahrzehnt auch für einen großen Wandel im Automobilbau. Bis dahin verschwanden alte Fahrzeuge recht zügig vom Rost zerfressen auf dem Schrottplatz. Die wenigen Überlebenden gerieten in die Hände von Liebhabern, und der seltene Anblick einer solchen Preziose berührte jeden.

Doch dann entdeckten die Hersteller Rostvorsorge und Konservierung. Die Jahre 1980 bis 1985 läuteten eine Ära ein, in der traditioneller Gammel den Fahrzeugen immer weniger anhaben konnte, sagt der Restaurierungsexperte Matthias Kemmer. Die Folge: Die Zahl der Überlebenden wuchs, und die Wahrnehmung eines alten Autos als Klassiker stellte sich immer später ein – wenn überhaupt.

Vielfalt als Problem

Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) bestätigen diese Entwicklung. Im Jahr 2011 waren noch rund 22.000 Fahrzeuge mit der Erstzulassung im Jahr 1980 unterwegs, die acht Jahre älteren Autos des Baujahrs 1972 kamen ebenfalls auf etwa 22.000 Exemplare. Über lange Zeit wurden also ähnlich viele Klassiker gerettet. Mal waren es etwas mehr, mal etwas weniger.

Doch ab den Baujahren der achtziger Jahre änderte sich das. 27.000 Autos mit Erstzulassung 1982 weist das KBA für 2011 aus, von den Neuwagen des Jahres 1986 fahren noch mehr als 71.000. Für die Folgejahre erhöhen sich die Zahlen extrem: 106.000 Fahrzeuge mit Erstzulassung 1987, vom 89er-Jahrgang sind es 206.000, aus 1990 sogar 320.000 Stück. Bereits die Zahl noch fahrender 1995er-Jahrgänge durchbricht die Millionen-Grenze.

Szene-Kenner wie Marius Brune vom Marktbeobachtungsunternehmen Classic Data können sich daher vorstellen, dass der Gesetzgeber die 30-Jahre-Grenze zur Einstufung als Oldtimer in Zukunft verändert. "Möglich wäre, dass man die Grenze auf 40 Jahre erhöht – oder dass eine feste Grenze gezogen wird", sagt Brune. Das würde dann bedeuten, dass es ab einem bestimmten Jahrgang keine "echten" Oldtimer mehr gibt.

Doch das ist nur ein Problem jener Autos, die in den kommenden Jahren zum Oldtimer werden. Hinzu kommen die seit den achtziger Jahren immer kürzeren Modellzyklen und die zugleich immer größer werdende Modellvielfalt. Wer einst einen Käfer in Schwung bringen wollte, konnte darauf vertrauen, dass sich über die Jahrzehnte einige Teile gar nicht oder kaum änderten – irgendwo fand sich immer ein passendes Ersatzteil. Käfer war eben Käfer.

Kommentare

52 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Problemchen

also ich muss sagen dass ich als ich diesen Kommentar als erstes gelesen hatte dasselbe gedacht habe,

zuviele Autos halten zu lange, deswegen Oldtimer-Begriff aufgeweicht?
wo soll denn da ein Problem sein, hurra möchte man schreien, endlich hält mal was länger

klingt wie 'im ÖPNV hat man gar nicht richtig Platz mehr, so viele Leute fahren mit'
oder drastischer überspitzt 'wann gibt es endlich mal wieder Krieg oder abgebrandte Häuse? meine Briefmarken von 1955 sind noch gar nicht selten'

die Definition von Oldtimer kann man doch anpassen,
wenn es allein um diese Nostalgie geht

@19 - wenn Sie einmal genau nachdenken(?), ist genau das ...

... meine Kritik an Kommentar #1:
"Was wollen Sie der Gemeinde ...
... eigentlich mitteilen?"

Bezüglich #1:
Null Aussage, da keine Argumente - ich hatte immerhin noch nachgefragt, wie das mit dem Luxus zu verstehen sei....
Also, die Chance auf eine Erklärung und argumentativ beizutragen.

[...]

Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jp

6 Jahre, 100 000 km und 8000€ später...

Wieder mal nichts als populistisches Bla, Bla, Bla.
Als ich 2006 meinen 230TE/123 gekauft habe, hat mich jeder noch doof angesehen, denn da war das nur ein alter Gebrauchtwagen. Heute, 6 Jahre und 100 000 km - aber auch 8 000 € später ist aus dem Verbrauchtwagen ein seltener Klassiker geworden. Laut KBA gibt es nicht mal mehr 3000 angemeldete Fahrzeuge in Deutschland. Wann haben Sie das letzte mal einen 123er Kombi wirklich fahren sehen (und es war nicht meiner...). Schon eine Weile her? So wird es auch den 2er Golf, dem W201 und vielen anderen ergehen. Man darf ja nicht vergessen, das wirklich gute Exemplare, die auch die Kriterien für ein H-Kennzeichen erfüllen könnten langsam selten werden. Die nächsten 10 Jahre werden wohl die meisten in Afrika ihren Dienst tun, oder auf dem Schrott landen. Hinzu kommt, das es sich nur für die wenigsten Fahrzeuge lohnen wird, ein "H" zu beantragen, da die jetzt noch hinzu kommenden alle G-Kat oft besser als Euro 1 haben werden, und regulär zugelassen günstiger kommen.
Und noch ein Wort zur Umwelt - ich fahre mit LPG. Verbrennt sauberer, aber selbst wenn nicht, möchten wir doch bitte alle Fachwerkhäuser abreisen und gegen Schaumstoffmonster ersetzen, die KFW-XY Standard erfüllen. Ach, Mist, Kulturgut? Ja?! Und beim Auto nicht?

Re: Energie sparen mit alten Wagen

Zitat:
"Die meiste Energie im Lebenszyklus eines Wagens wird zu dessen Herstellung "verbraucht". So gesehen ist es sinnvoll und fast umweltfreundlich zu nennen, einen alten Wagen zu fahren."

Das ist einfach nur Unsinn, wird aber von unwissenden Foristen nicht nur gerne kopiert, sondern sogar immer weiter gesteigert.

Betrachtet man die Produktion (und Entsorgung) eines einzelnen PKW, fallen gute 2/3 der erforderlichen Energie für die Rohstoffgewinnung an, lediglich knapp 1/3 für Fahrzeugherstellung und Recycling.
Betrachtet man den Warenkreislauf, hat hier die (einmalige) Rohstoffgewinnung nichts mehr verloren.

Nach dieser http://www.eu-transport.o... und anderen Studien entfallen auf die reine Herstellung eines "Pkw pro Tonne" das Energieäquivalent von 1.200 bis 1.500 Liter Benzin, oder 1.000 bis 1.300 Liter Diesel.

Bei einem PKW mit 1.000kg Leergewicht und einem Verbrauch von 8l(Benzin)/100km bedeutet das z.B., dass nach 150.000km die Herstellung nur noch mit ca. 10% in die Energiebilanz eingeht.
Vebraucht das Neufahrzeug 15% weniger Sprit, geht spätestens nach ca. 100.000km die Energiebilanz ins Plus.

einige Haken

nach Ihrer Darstellung braucht es ja kaum mehr als heute 2000-3000 Euro zur Produktion, früher mit noch kleineren Gewicht, noch geringerem Ölpreis umso weniger,
was ist dem dem restlichen Autopreis bis zu 30.000 Euro und noch mehr?

Fließbandarbeiter und Forscher und Manager wollen auch essen und wohnen und selber Auto fahren, Werbeplakate werden verklebt, dicke Autohäuser und Verwaltungszentralen und Autowerke hingestellt,
all das muss man doch letzlich auch einrechnen,

ein Auto produziert sich nicht von selber, und der reine Gewinn ist auch nicht so extrem hoch, obwohl man ihn selbst dann einrechnen könnte,
ist schließlich auch Verschmutzung wenn ein Aktionär sich die nächste 100m-Jacht kauft,

Kosten Produktion zu Kosten Betrieb dürfte fairer sein,
50/50

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also da machen Sie es sich mit dem reinen Produktionsaufwand etwas leicht, wobei selbst die Rechnung etwas optimistisch ist,

keinerlei Rohstoffimporte mehr? warum wird das im PDF nicht eingerechnet? doch eher Wunschvorstellung

ein Neuwagen muss erstmal 100.000 km laufen, gibt auch Unfälle..

einmal können Sie vom Wechseln reden, meinetwegen von 10 auf 8 Liter,
aber dann nicht 3 Jahre später erneut wechseln, irgendwann muss auch ein Auto seine 15 Jahre abgefahren werden,
ständig neue Autos mit je nur 50.000 km, das wäre in der Summe auch schlecht

Selektive Wahrnehmung?

Zitieren wir den Meister (Dieter Teufel, einen der Autoren der von Ihnen genannten Studie) doch einfach selber:

„Nehmen wir einmal an, ein Autofahrer lässt sein altes Fahrzeug verschrotten und kauft mit Hilfe der Prämie das gleiche Modell in Form eines Neuwagens. Der verbraucht aber in der Regel mehr Treibstoff und setzt dadurch mehr CO2 frei als das zehn Jahre alte Vorgängermodell. Zwar sind die Motoren sparsamer geworden, aber die Wagen haben mehr Leistung, sind schwerer und viel aufwändiger ausgestattet. Man fährt mit Klimaanlage, hat auch tagsüber das Licht an, ist auf Autobahnen schneller unterwegs. Das macht die Einsparung zunichte. Wenn jemand seinen alten Wagen gegen ein höherklassiges Fahrzeug tauscht, ist die Bilanz natürlich noch schlechter.“

Nachzulesen hier: http://www.zeit.de/online...

Im Übrigen wage ich die Prognose, dass die genannte Untersuchung aus dem Jahr 1999 heute deutlich stärker zugunsten einer langen Nutzungsdauer ausfiele.

Re: einige Haken

Von Produktionskosten habe ich an keiner Stelle geschrieben.
Ich fände es allerdings erstaunlich, wenn in einem Dacia Sandero mit 1.100kg für 6.800,-€ Endpreis 2-3 tausend Euro für Energie stecken sollte. :-))

Natürlich dürfen Sie persönlich in die Energiemenge zur Produktion einen utos reinrechnen, was Sie gerade lustig sind.
Nur wenn es hier um einen Energievergleich Herstellung-Verbrauch geht, wenden Sie doch bitte den gleichen Massstab für den Sprit.
Also von der Rohölsuche bis in Ihren Tank, einschliesslich aller Tankerunfälle, Essoplakate und Studienkosten der Kinder der Grosstante des Tankstellenpächters..

In der verlinkten Kurzstudie sind in der "Herstellungsenergie" 7,5% Erhöhung für Ersatzteile/Reparaturen für das dortige Beispiel eingeflossen, wobei solche natürlich sowohl für Neuwagen, als auch Oldtimer gelten, aber insgesamt auf die Laufleistung umzurechnen sind.

Dass ein Totalschaden die Energiebilanz eines Fahrzeuges zu Ungunsten der Herstellung verschiebt, brauchen Sie niemanden erklären. *gg

Ich selber bin Oldtimerfan und Besitzer...
Ich habe auch keinesfalls ein Verschrotten von Altfahrzeugen empfohlen, sondern lediglich etwas ehrlichere Zahlen gebracht, mit denen sich jeder die Energiebilanz (s)eines Fahrzeuges mit bekanntem Gewicht, Verbrauch und Laufleistung in einem sehr groben Rahmen ausrechnen kann.

Re: Selektive Wahrnehmung?

Zitat:
"Im Übrigen wage ich die Prognose, dass die genannte Untersuchung aus dem Jahr 1999 heute deutlich stärker zugunsten einer langen Nutzungsdauer ausfiele."

An den "Ergebnissen" von Herrn Teufel + Co habe ich nicht das geringste Interesse.
Den Link hatte ich lediglich als Zahlengrundlage gebracht, da die von mir benutzten Zahlen dort leichter nachvollziehbar sind, als in einer wissenschaftlichen 500-Seiten Berechnung, aus der sie diese Studienersteller entnommen haben dürften.

Prinzipiell arbeiten alle Hersteller bei steigenden Energiepreisen an Methoden, bei der Herstellung Energie einzusparen.
Es ist also eher davon auszugehen, dass aktuell weniger Energie pro "Autotonne" für die Herstellung verbraucht wird, als 1999, soweit man von "Exoten" oder Elektrofahrzeugen absieht.

Allerdings müssen diese natürlich auch wieder in Relation zu ihren aktuellen Verbräuchen betrachtet werden.

Dacia

"Ich fände es allerdings erstaunlich, wenn in einem Dacia Sandero mit 1.100kg für 6.800,-€ Endpreis 2-3 tausend Euro für Energie stecken sollte. :-))"

die Rechnung haben Sie selber aufgestellt mit Öl pro kg,
und das Billigauto wiegt ja nunmal auch ne Menge

richtig ist aber wiederum, dass ein Dacia zu diesem Preis
5x umweltfreundlicher ist als ein Golf für 35.000

eben nach meiner Sicht eine direkte Korrelation zum Preis,

wenn man natürlich das eingesparte Geld für Kreuzfahren oder sonst wie auf den Kopf haut, erzeugt das letztlich auch wieder CO2..
oder besser umweltfreundlich einsetzen

Komisch....

Zitat:
"die Rechnung haben Sie selber aufgestellt mit Öl pro kg,
und das Billigauto wiegt ja nunmal auch ne Menge"

Sie haben den Energievergleich auf Primärenergieebene in keinster Weise verstanden.
Mit dem Preis hat das nichts im Geringsten zu tun und niemand baut Autos mit hochversteuertem Benzin..

Beispiel: 1.400 Liter Benzin entsprechen rund 12.000kWh.
Aus 12.000kWh in Form von einem Mix aus Braunkohle, Uran, Steinkohle, Erdgas machen die E-Werke um 4.000kWh Strom..
Und mit dem Strom wird dann in der Autoindustrie gebaut..
Und für diese 4.000kWh zahlt die Industrie dann z.B. um 400,-€.

Zitat:
"richtig ist aber wiederum, dass ein Dacia zu diesem Preis
5x umweltfreundlicher ist als ein Golf für 35.000"

Was hat denn Umweltfreundlichkeit mit dem Preis zu tun?

Energievergleich

"Was hat denn Umweltfreundlichkeit mit dem Preis zu tun?"
stellen Sie sich absichtlich dumm?
von Anfang an geht es um Benzinverbrauch/ Energie/ Umweltfreundlichkeit:
"So gesehen ist es sinnvoll und fast umweltfreundlich zu nennen, einen alten Wagen zu fahren."

Ihre Rechnung ist, dass ein Neuwagen nur so und so viel Energie zur Produktion benötigt, also mit 2 Liter an der Tankstelle zu vergleichen ist,

ich sage Ihnen, dass Sie nirgendwo 1200 Liter abliefern können und dafür ein nagelneues Auto geschenkt bekommen,
sondern dafür 10.000 bis 100.000 Euro bezahlen müssen, was entsprechend mehr, mindestens 6000 Liter entspricht

vergleichen Sie die Kosten in Euro eines Neuwagen zum Benzin,
dann wird es sinnvoll

und das Geld ist keine abstrakte Größe auf den Papier,
Geld an den Auto-Hersteller/ teils an den Staat für Steuern führt auch mehr oder weniger zu Energieverbrauch

Energieverbrauch

...
"Es ist also eher davon auszugehen, dass aktuell weniger Energie pro "Autotonne" für die Herstellung verbraucht wird, als 1999, soweit man von "Exoten" oder Elektrofahrzeugen absieht."
...
Das wage ich zu bezweifeln, denn bis heute hat sich allein der Aluminiumanteil bei der Produktion seit Mitte/Ende der 90er etwa verdoppelt.
http://www.umweltlexikon-...

...
"Prinzipiell arbeiten alle Hersteller bei steigenden Energiepreisen an Methoden, bei der Herstellung Energie einzusparen."
...
Ersetzen Sie im zweiten Teil des Satzes 'Energie' durch 'Kosten'.
Tatsächlich kommt man Großverbrauchern hierzulande sehr weit entgegen.

Re: Energieverbrauch

"Das wage ich zu bezweifeln, denn bis heute hat sich allein der Aluminiumanteil bei der Produktion seit Mitte/Ende der 90er etwa verdoppelt."

Ja und?
Die Aluminiumherstellung ab "Bauxitgrube" bis zum reinen Aluminium kostet pro Gewichtseinheit rund das dreifache an Energie, wie vom Eisenerz zum Stahl.
Allerdings wiegt Aluminium auch nur ein Drittel von Stahl..
..Ein Grund, es einzusetzen...
Allerdings müssen tragende Teile aus Alu meist etwas dicker sein, als aus Stahl..
Also doch etwas mehr Energieeinsatz fürs Alu?

Wenn man nur "neues" Alu nimmt, und dieses nur uf das eine Autoleben rechnet, ja.
Aber weiss jemand, ob seine neuen Alufelgen nicht doch früher schon einmal Getränkedosen waren?

Gussteile, wie Zylinderköpfe, Motorblöcke, Kupplungsglocken, Getriebe- und Differentialgehäuse aus Altmetall kosten aus Alu WENIGER als ein Drittel der Energie, die bei Gusseisen notwendig ist.
Alublech kostet aus Recyclingsmaterial (bei gleicher Stärke) weniger als ein Viertel der Energie, die für Stahlblech benötigt wird.

............

"Doch dann entdeckten die Hersteller Rostvorsorge und Konservierung. Die Jahre 1980 bis 1985 läuteten eine Ära ein, in der traditioneller Gammel den Fahrzeugen immer weniger anhaben konnte, sagt der Restaurierungsexperte Matthias Kemmer. Die Folge: Die Zahl der Überlebenden wuchs, und die Wahrnehmung eines alten Autos als Klassiker stellte sich immer später ein – wenn überhaupt."

Ausgerechnet die Automarke, die bei relativ neuen Modellen ein Rostproblem hat, wie andere Hersteller in den 70ern, kommt als Titel Foto daher........

Mercedes und Rost

Bezogen auf die Marke Mercedes mit Rostproblemen haben Sie Recht. Es rosten die E-Klassen seit 1990 und von den C-Klassen, den B-Klassen und dem Vito als Spitze des Schrotts will ich gar nicht schreiben. Das abgebildete Auto enstand noch in einem langen Konstruktionsprozess nach bewährter Daimler-Manier. ich habe zwei neue 190er besessen und beide neu gekauft. Jeweils in 3 Jahren 125.000 km gefahren. Das war nicht alles pure Freude - aber doch Zuverlässigkeit pur. Das war eben die Zeit vor Schrempp mit dem fatalen Shareholder-Value-Wahn! Wer so ein Teil in sehr gutem Zustand von einem Rentner/Pensionär bekommen kann legt die Grundlage für einen attraktiven Oldtimer. Die K-Jetronik wird von Bosch-Diensten beherrscht. Ich habe dieses Auto 1988 in Australien gefahren. Oft wurde ich damals angesprochen:"Who did this phantastic design?"Meine antwort: "Es war Bruno Sacco!" Dieses Auto ist, wie andere Sacco-Schöpfungen, zeitlos schön - vielleicht auch langweilig. Ja deswegen....
Allen diesen blutarmen Strategen, die die Szene von derZulassungsstatistik her beurteilen wollen, sei gesagt: "Ihr habt vom Youngtimer so wenig Ahnung, wie ein Gesundheitspolitiker vom Krankheitsverlauf individueller Patienten!" Kulturgut wird immer neu geschaffen. In 50 Jahren gehört der Golf VII auch dazu - trotz aller Elektronik!

Vor Fahrtantritt bitte Update durchführen

Womöglich werden zukünftige, mit noch mehr Elektronik bestückte Neuwagen nur noch zu starten sein, wenn man auch ständig das neueste Update durchgeführt hat (begleitet vom nervigen Gurtpiepser). Oder bald werden Autos mit mehr als 20 Jahren auf dem Buckel gar verschrottet werden - mit der Begründung, das Fahren eines solch alten Wagens sei volkswirtschaftsschädigend (spätestens alle vier Jahre ein neues kaufen!). Dann werden die Leute wieder auf Pferdekutsche oder hochmotorisierte E-Fahrräder umsteigen.