Verkehrssicherheit : Unterwegs mit eingebautem Tempolimit

Assistenzsysteme könnten künftig das Tempo automatisch auf die erlaubte Höhe begrenzen. Das wäre ein Segen für die Sicherheit, aber wohl ein Problem für den Datenschutz.

Wenn der Speedlimiter einsetzt, entsteht ein Gefühl der Machtlosigkeit. Beim Tritt aufs Gaspedal passiert – nichts. Die Motorleistung, elektronisch abgeregelt, wächst nicht mehr. Die Tachonadel verharrt an einer vorher selbst gewählten Stelle, zum Beispiel bei 130 km/h auf der Autobahn. Erst, wenn das Pedal zum Bodenblech durchgedrückt wird – etwa in einer Notsituation – kann weiter beschleunigt werden.

Fast unbeobachtet von der Fachpresse koppeln viele Hersteller in ihren neuen Modellen den Tempomaten an dieses Zusatzinstrument. Mal wird es auf Englisch Speedlimiter genannt, mal auf Deutsch Geschwindigkeitsbegrenzer. Zu finden ist die Technik beispielsweise im Volkswagen Golf VII , dem Hyundai i30 oder dem Dacia Lodgy . Sie könnte mit anderen Assistenzsystemen verbunden werden, insbesondere mit der Verkehrszeichenerkennung. Damit wäre die Höchstgeschwindigkeit automatisch aufs erlaubte Maß begrenzt.

Diese Kombination ist zwar noch nicht bestellbar, aber auch keine Utopie mehr. Ein klares Indiz für die schnelle Einführung dieser "Intelligent Speed Assistance" ist das Schema, nach dem die Prüforganisation Euro NCAP bei ihren Crashtests die Fahrzeugsicherheit bewertet. Von 2013 an gibt es hier zusätzliche Punkte für Autos, die so ein kombiniertes System haben. Wer es einschaltet, könnte in der Stadt maximal 50 km/h fahren – die weit verbreitete Angewohnheit, das erlaubte Höchsttempo mit einer Mindestgeschwindigkeit zu verwechseln und immer um 20 km/h aufzustocken, hätte ein Ende.

Darf man den Fahrer bevormunden?

Die Grundsatzfrage ist dabei, wie weit Fahrassistenzsysteme ins Selbstbestimmungsrecht des Fahrers eingreifen sollen und dürfen. Die Antwort fällt durchaus unterschiedlich aus. In Schweden etwa zeichnet sich eine gesellschaftliche Mehrheit für eine nicht abschaltbare automatische Geschwindigkeitsbegrenzung ohne Überstimmungsmöglichkeit ab. In Deutschland ist man weitaus kritischer. Volkswagen-Vertreter sagen ausdrücklich und wiederholt, dass man den Fahrer auf keinen Fall bevormunden wolle und die Verantwortung fürs Fahrzeug immer beim Menschen hinterm Lenkrad belasse.

"Aus diesem Grund sind sämtliche Assistenzsysteme ein- und ausschaltbar und auch jederzeit übersteuerbar", erklärt Stefan Gies, der Leiter der Pkw-Fahrwerkentwicklung bei Volkswagen , die Firmenpolitik. Zudem sei nicht ganz auszuschließen, dass eine Verkehrszeichenerkennung unter widrigen Wetterbedingungen falsch abliest.

Dieses Problem ist auch ZEIT ONLINE bei diversen Testwagen unterschiedlicher Hersteller aufgefallen. Verkehrszeichenerkennungen arbeiten meistens richtig, aber zu oft noch falsch, um sie direkt an den Speedlimiter zu binden. Trotzdem schwingt in allen Gesprächen mit der Autoindustrie Zuversicht mit: Gerade die Sensortechnik sowie die dazugehörige Steuerungssoftware machen schnelle und große Fortschritte.

Kommentare

53 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Firlefanz

Noch mehr Elektroschrott im PKW?

Überlegen wir also. Einparkhilfe mit Rückfahrkamera, egal ob Nachrüstsatz oder schon im Serienwagen drinne. So ausgestatte PKW dürften also keine Parkrempler mehr verursachen. Weit gefehlt!
Wer nicht parken kann, der baut auch mit den Dingern eine wunderschöne Skulptur aus Blech, Chrom und Plastik.

Auch simplere Helferlein verfehlen die erhoffte Wirkung in Gänze. Man sieht es fast tagtäglich, bei bestem Königswetter ( taghell und kein Wölkchen weit&breit ) Automobilisten welche mit angeschalteter Nebelschlussleuchte ihr Fahrerkönnen zum Besten geben.
Das da eine blaue Lampe neben der Tachoanzeige leuchtet wird mit stoischer Ignoranz abgestraft.

Überhaupt, zumindest wöchentlich dürfen wir in der Zeitung lesen da hat wieder ein wahrer Held den Vorwärts- mit dem Rückwärtsgang verwechselt. Alternativ das Gas- mit dem Bremspedal.
Idiotensicher war gestern! Solchen Verkehrsteilnehmern wird der Aufpreis von noch mehr Elektroschrott im Auto auch nicht helfen, Perlen vor die Säue werfen nennt man das im Volksmund.

[...]

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Kommentare, die als frauenfeindlich wahrgenommen werden können. Danke, die Redaktion/jp

Erst einmal vor der eigenen Tür kehren?

"welche mit angeschalteter Nebelschlussleuchte ihr Fahrerkönnen zum Besten geben.
Das da eine blaue Lampe neben der Tachoanzeige leuchtet wird mit stoischer Ignoranz abgestraft."

Die blaue Kontrollleuchte ist dem Fernlicht vorbehalten.
Für die Nebelschlussleuchte schreibt die StVZO eine gelbe Kontrollleuchte vor.
(Nur damit Sie sich nicht wundern, warum man Sie bei Nebel dauernd anblinkt.)

Re: 3. Mehrverbrauch

Bisher ist nicht geplant, dass so ein System auch automatisch auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit abbremst..
Ebensowenig wird es automatisch auf die maximal erlaubte Geschwindigkeit beschleunigen.
Sie dürften also auch weiterhin weitgehend selber bestimmen, wie unvernünftig Sie fahren und welche Beschränkungen Sie vorsätzlich übertreten.

Wegen solchen Poltern lese ich die Autoartikel immer gerne

Sie tun ja so als würde man sie vom Thron stoßen wollen.
Ich halte solche automatischen "Speedlimiter" auch für höchst problematisch. Zum einen aus den angesprochenen Datenschutzbedenken, zum anderen weil ich darauf einfach keine Lust habe.

Allerdings muss man ehrlicherweise dazu sagen, dass die wenigsten schweren Unfälle durch nervöse Zappelbienen, die Sie aus den Folgen von "Der 7-Sinn" aus den 60er Jahren kennen, verursacht werden, sondern vielmehr von Leuten wie Sie, die sich für Nikki Lauda halten.

Wonach soll den die Geschwindigkeit beurteilt werden?

Der Tacho ist rund 10% ungenau, deshalb fahre ich immer 10% mehr um mir nicht eine Klage wegen Nötigung einzuhandeln und um die Ohren vom Hupkonzert zu entlasten.Es macht mir nichts aus die Regeln einzuhalten, aber ein mindestmaß an Gesellschaftlicher Toleranz dafür müsste erst geschaffen werden.

Sind Sie denn schon mal mit 66Km/h durch eine

Autobahnbaustelle gefahren? Erst fahren ihnen die LKW bis auf 10cm an die Stoßstange dann gib´s wildes Hup und Lichthupgewitter und schließlich brettern die LKW mit 90Km/hauf der Standspur an Ihnen vorbei.Das habe ich schon mehrfach erlebt ich kann nur sagen das einhalten der Geschwindigkeitsbeschränkung ist oft eines der letzten großen Abenteuer unserer Zeit.

Lesen Sie nochmals nach...

Der Tacho ist nicht 10% ungenau, er kann evtl. maximal dies sein. Stellen Sie ihr Auto auf den Prüfstand und sie werden feststellen, dass die Dinger gar nicht so ungenau sind (bei mir zeigt der Tacho 52 bei 50 km/h an).
Und auch ein weiterer Blick in die Gesetzestexte mag hilfreich für sie sein: Das Tempolimit beschreibt die maximal erlaubte Geschwindigkeit, nicht das Mindesttempo.

Ist schon Intressant wie hier Argumentiert wird,

das ich Gesetze breche wenn ich nach Tacho 55 statt 50 Km/h fahre usw. um mal Klarzustellen ich sehe mich nicht als Raser habe noch nie auch nur 1 Punkt wegen zu schnellen fahrens bekommen und seit 25 Jahren überhaupt keine Verwarnung abgesehen von einer vergessenen Parkscheibe erhalten.--- mein Argument das es eventuell nicht unproblematisch ist langsam zu fahren ist aber ganz real, siehe Handelsblatt: -Hermann Fedrowitz vom Adac geht noch einen Schritt weiter. Probleme mit „Kriechern“ gebe es nicht nur auf Schnellstraßen, sondern auch innerorts: „Langsamfahrer rufen bei vielen anderen Verkehrsteilnehmern Aggressionen hervor. Wer zum Beispiel in einer Tempo-50-Zone 49 fährt, provoziert dadurch mitunter riskante Überholmanöver.“ Viele „Schleicher“, meint Fedrowitz, wollten durch ganz exaktes Einhalten von Tempolimits erzieherisch wirken.

Eine solche Einstellung sei gefährlich, sagt Adac-Sprecher Dieter Wirsich. Die Folgen solcher „erzieherischer Maßnahmen“: Behinderungen, Unfälle, Staus, höhere Umweltbelastung und mehr Lärm durch Bremsen und Anfahren. „Schulmeisterei ist eine ganz schlimme Sache, die im Straßenverkehr nichts zu suchen hat“, sagt auch der Vorsitzende des deutschen Fahrlehrerverbandes, Gerhard von Bressendorf. Wer auf einen solchen „Oberlehrer“ trifft, solle sich unter keinen Umständen provozieren lassen und Abstand zu ihm halten.

Quelle : Auszug aus dem Handelsblatt 22.03.2005.
http://www.handelsblatt.c...

Abenteuerlich!

55 statt 50 zu fahren ist sicher eher eine lässliche Sünde. Aber ein Gesetzesbruch ist es allemal. Und dazu kommt, dass es dabei ja meistens nicht bleibt.

Da war vor Jahren mal ein Mann, der sichtlich genervt hinter mir herfuhr. Ich fuhr ca. 45, erlaubt waren 50. Warum fuhr ich nur 45? Weil mein Vordermann dasselbe tat. Dann kam ich an eine Einmündung und hielt an einem Stoppschild an. Knall, saß mir der ungeduldige Herr auf der Anhängerkupplung. Und war der Meinung, ich hätte nicht anhalten dürfen, weil ja kein Querverkehr kam.

Hab ich also durch absichtliches, böswilliges, erzieherisches Einhalten von Regeln einen Unfall provoziert?

Und was für eine perverse Ansicht ist es, Leuten zu unterstellen, sie hielten sich nur an Gesetze, um andere zu zwingen, dasselbe zu tun? Möchten Sie einen Straftatbestand dafür einführen? So was wie "vorsätzliches Einhalten von Gesetzen zu Lasten Dritter"?

Ah, das sollte eine Antwort auf meinen Kommentar sein

Zufällig hab ich es dann doch gesehen, obwohl Sie nicht die "Antworten"-Funktion benutzt haben.

Den Artikel habe ich gelesen. Da steht u.a.: "So könne es geahndet werden, wenn jemand ohne vernünftigen Grund zu langsam fahre und dadurch eine Behinderung darstelle." ich nehme an, darauf beziehen Sie sich?

Diesen Satz beziehe ich auf Leute, die z.B. auf der Autobahn 70 fahren obwohl das nicht nötig ist. Innerorts 50 zu fahren, weil man nicht schneller fahren darf, halte ich persönlich für einen sehr vernünftigen Grund. Und bei viel Verkehr, in unübersichtlichen Bereichen mit vielen Fußgängern, Radfahrern oder Kindern ist es sogar sehr vernünftig NICHT 50 zu fahren, sondern durchaus auch mal etwas langsamer. So steht es im Übrigen auch in der StVO (50 innerorts ist die maximal zulässige HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT nicht eine Richtgeschwindigkeit).

Ich habe das richtig gelesen...

Es hilft natürlich beim Verständis, wenn man sich an gewisse Grundregeln der Orthographie und Interpunktion hält. Aber ich habe Ihren Beitrag wörtlich gelesen und jetzt noch einmal.

Ich kann ihn nach wie vor nicht anders interpretieren, als dass Sie sich die von Ihnen zitierte Meinung zueigen machen. Sonst hätten Sie sich auf irgendeine Weise davon distanzieren müssen. Vollkommen unverständlich ist auch Ihre Behauptung, es sei damit zu rechnen, dass Verkehrsrichter aus dem Befolgen von Gesetzen ein irgendwie geartetes Delikt konstruieren.

Mehrverbrauch

"Für den Umweltschutz ein Segen"? Wenn die Autos bei jedem Schild bremsen, anstatt ausrollen zu lassen oder eine absehbar kurze Geschwindigkeitsbegrenzung mit möglichst wenig Energieverlust zu passieren? Zweifel!

Verkehrsregulierung widerspricht fast immer dem Energiesparen. Das gilt natürlich in besonderem Maße für künstliche Hindernisse (Ampeln, Kreisel -- alles, was zum Bremsen zwingt).

Ich bremse an Verkehrszeichen stark ab...

...seit ich vor zwei Jahren trotz Bremsen, aber eben "hintermannfreundlich", in Meck-Pomm 100m hinter dem 120er Schild mit 135 geblitzt wurde. Seither weiss ich : die Bundesländer haben unterschiedlich lange "Toleranzzonen" - in Meck-Pomm darf der Blitzer bereits 100m hinter der Geschwindigkeitsbeschränkung stehen, im heimischen Bayern erst nach 200m.

Respekt zu Ihrem Mut,

ich bin da doch vorsichtiger, mehrfach habe ich erlebt das auf der Autobahn 60 Km/h wegen Straßenglätte oder Nebel angezeigt war und ich der einzigste war der darauf reagiert hat.Das ist so wie mit einem Dreirad auf dem Nürburgring bei der Formel 1.Insbesondere bei Nebel gib´s immer wieder Leute mit 180 auf der linken Spur, aber mit Nebelschlußleuchte wegen des dichten Nebel.

Nebelschlussleuchte

lt. wikepedia:
"Gemäß deutscher Straßenverkehrsordnung (StVO) § 17 Abs. 3 dürfen Nebelschlussleuchten nur benutzt werden, wenn die Sichtweite durch Nebel weniger als 50 m beträgt (§ 17 Abs. 3 Satz 5 StVO). Das ist in Deutschland der Abstand der Leitpfosten am Rand von Landstraßen und Autobahnen bei gerader Streckenführung, wodurch diese geeignet sind, die Sichtweite festzustellen. Die Sichtbehinderung darf nicht durch Regen oder Schneefall verursacht sein.

In § 3 der StVO gibt es zusätzlich folgende Bestimmung zur Höchstgeschwindigkeit bei Nebel: wenn die Sichtweite durch Nebel bedingt weniger als 50 m beträgt (die gleiche Voraussetzung wie für die Benutzung der Nebelschlussleuchte), darf die Geschwindigkeit max. 50 km/h betragen. Daher ist bei korrekter Benutzung der Nebelschlussleuchte maximal eine Geschwindigkeit von 50 km/h zulässig."
Ergo dürfte man bei eingeschalteter Nebelschlussleute nur 50 km/h fahren.
Im Winter bei Schneefall beobachtete ich viele Fahrzeuge neueren Produktionsdatum ohne eingeschaltende Scheinwerfer. Gerade weiße oder silbernde Fahrzeuge sah man erst sehr spät. Erst dachte ich die Fahrer seien zu blöd ihr Licht einzuschalten, aber eigentlich verließen sie sich nur auf die Automatik. Das nur zum Thema dieser sogenannten Helferlein.

Dann aber bitte auch angepasste Speed-Limits!

Wenn man im Gegenzug dann Geschwindigkeitsbegrenzungen so ämdert, dass die typischen 20% mehr nicht von vornherein abgezogen sind, wäre der Speed-Limiter durchaus eine angenehme Sache. Schilder hingegen, die "60" zeigen, damit dann alle wenigstens nur 80 statt 100 fahren, sind dann kontraproduktiv.

Des weiteren ist die ständige Kommunikation eines solchen Geräts mit einer Zentrale oder zumindest der Umgebung (Baustellen, variable Geschwindigkeitsregelungen) als kritisch zu bewerten, denn sie besitzt ein hohes Missbrauchspotenzial.