Wirtschaftsförderung : EU macht geschwächter Autoindustrie Hoffnung

Autokonzerne müssen wegen der Schuldenkrise Werke schließen. Jetzt sicherte EU-Industriekommissar Tajani Hilfe zu. Doch seine Versprechen bleiben unkonkret.

EU-Industriekommissar Antonio Tajani hat angesichts drohender Werksschließungen Hilfen für die geschwächte Autoindustrie angekündigt. Tajani will das Förderbudget für Technologieentwicklung in diesem Sektor aus dem EU-Forschungsbudget von 2014 bis 2020 auf zwei Milliarden Euro verdoppeln. Versprechen konnte der Industriekommissar aber noch nichts: Die Hauptstädte und das Europaparlament verhandeln noch über den künftigen europäischen Haushalt.

Tajani kündigte an, dass die Kommission für Elektrofahrzeuge bis zum Sommer 2013 einen Standard für Ladestationen für Elektrofahrzeuge vorgibt. Derzeit gibt es unterschiedliche Steckersysteme. Tajani sagte außerdem, er wolle noch vor dem Jahresende eine Richtlinie auf den Weg bringen, um in der EU finanzielle Anreize für klimafreundliche und energieeffiziente Fahrzeuge wie Elektroautos zu vereinheitlichen. Elektroautos gelten als Zukunftsmarkt, allerdings gibt es noch große Probleme etwa bei Preis, Reichweite und Infrastruktur.

Der Automarkt in Westeuropa hat als Folge der Schuldenkrise seit Längerem Überkapazitäten. Hersteller wie Ford und Peugeot wollen Werke schließen, bei Opel steht der Standort Bochum zur Disposition. Ford, Peugeot und Opel sind vor allem in Europa aktiv und daher von der Entwicklungsförderung abhängig.

Die Krise macht das Personal zunehmend nervös: Erst am Mittwoch hatten Arbeiter aus einem von der Schließung bedrohten Ford-Werk in Belgien vor dem Ford-Werk in Köln randaliert.

Problem Freihandelsabkommen

Zudem holen asiatische Konkurrenten wie die südkoreanischen Hersteller Hyundai und Kia in Westeuropa immer mehr auf. Länder wie Frankreich machen dafür auch ein EU-Freihandelsabkommen mit Südkorea verantwortlich und sprechen von einem unfairen Wettbewerb.

Im Hinblick auf die Freihandelsabkommen verlangte der Industriekommissar, dass die europäische Autoindustrie nicht zu stark unter Druck gerät. "Wir dürfen Schlüsselsektoren wie die Automobilindustrie nicht für vermeintliche Handelsvorteile auf anderen Gebieten 'opfern'", sagte er. Er forderte eine detaillierte Folgenabschätzung und reale Vorteile für die Industrie.

Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

wieso Hilfe

für einen so nicht mehr in die Zeit passenden Industriezweig?

Bevor hier geholfen wird:

Luxus und normale Fortbewegung unterscheiden-

nur Fahrzeuge die der Umwelt und Sicherheit gerecht werden
mit einbeziehen-

da würde kaum noch ein Bedarf an Unterstützung existieren.

Der Verbraucher ist der der die vernünftigen Fahrzeuge nicht erwirbt und die Industrie stellt sich halt wieder auf den Kundenwunsch ein.

Das ist der Fehler.

Es ist radikal, aber muss sein

Der Automobil-Industrie Rettung zu zu sichern, ist ein Fehler. Viel mehr sollte man sich auf die Einforderung von Geldern von den Banken konzentrieren.
Bei der Automobil-Industrie sieht es nun einmal so aus, dass sie zu lange sich ins gemachte Nest gesetzt hatte. Die Autoindustrie ist nun einmal kein Wirtschaftstreiber mehr, und die Euro-Krise als Grund für eine Rettung zu nehmen, ist lächerlich. Die Politik müsse konsequent mit der Autoindustrie eine Veränderung ihrer Handlungsstruktur überarbeiten, denn die Automobil-Krise, ist eine Krise falscher und zukunfts-inkompatibler Entscheidungen der Verantwortlichen, die nun auch tausende Arbeitslose zu verantworten haben werden. Wieso jemandem helfen, der die Möglichkeiten hatte und noch hat, aus der Krise 2008/09 zu lernen?
Wichtig wird es sein, dass die Automobil-Industrie umstrukturieren muss, entsprechende Strategien können ein Auffangen der Arbeiter ermöglichen, wenn in neue Kern-Kompetenzen gedacht und weitergebildet wird.

Bei Konkurrenz kommt die 180° Drehung

Also mal abgesehen von der Frage, ob motorisierter Individualverkehr die Zukunft ist, ist es schon irgendwie irre ironisch, dass die westliche Industrie jetzt über den Freihandel heult, seit sie ernsthaft Konkurrenz bekommt.

Wieviele Länder sind nochmal völlig am Boden, weil man ihnen weder gestattet eine eigene Industrie durch z.B. Schutzzölle aufzubauen, noch ihre eigenen Bevölkerungen mit ihren fruchtbaren Böden zu ernähren?

Wieviele Länder hat man über IWF, Weltbank und WTO noch tiefer in die Armut getrieben?

Und jetzt, wo es auf einmal Konkurrenz gibt, darf der plötzlich gar nicht mehr so tolle Freihandel die eigene Industrie nicht benachteiligen?

"Ich mach mir die Welt..." Sie wissen schon.

Ich mach mir die Welt...

Ihr Posting ist dafür ein schönes Beispiel.
Mal davon abgesehen, dass die Idee eine eigene Industrie hinter "Schutzzöllen" aufzubauen in der Regel schief geht, haben sie offensichtlich die Diskussion um das Freihandelsabkommen mit Südkorea - davon redet Wissmann - nicht verfolgt.
Sonst wüßten sie, dass das Problem in der schlechten Verhandlung seitens der EU lag, die zwar die Gegenseitigen Zollschranken aufhob, aber nichts gegen die nicht-tariffären Handelshemmnisse unternahm, die in Süd-Korea weiter bestehen.
Der Witz ist nun, dass Süd-Korea seinen Markt seit jeher eher nicht-tariffär abgeschottet hat, während die EU ein Gleichgewicht durch Zölle erzielen wollte. Die Zölle sind jetzt weg, die Hindernisse auf der anderen Seite sind noch da. Das ist kein Problem des Freihandels sondern einer schlechten Verhandlungsführung.

Freihandel ist wichtig, aber differenziert

Freihandel kann auch dazu führen, dass eigene Unternehmen der Volkswirtschaft nicht mehr lukrativ arbeiten können. Auch in Deutschland ist das wohl in einigen Branchen der Fall.

Auf der Welt entstehen Autofabriken in großer Anzahl; nach Japan drängt nun Südkorea in den Export und danach wohl auch China. Sie wollen auch in der EU verkaufen, was natürlich ist. Da diese Auto keine Luxusmarken sind (noch nicht), haben Luxusmarken damit weniger ein Probelm. Für Luxusmarken ist der Freihandel wichtig. Ist es aber keine Luxusmarke, wird nüchtener von Strukturanpassung gesprochen, damit die Fabriken schlicht wieder rentabel produzieren können. Fabriken müssen so schließen, damit der Rest mit besserer Auslastung arbeiten kann. Einen KIA/HYUNDAI muss Mercedes, BMW und AUDI wohl weniger fürchten, wie Ford, FIAT, SEAT, SKODA, PSA. Die chinesische Welle wird irgendwann auch noch kommen, dann wird erneut von Strukturanpassungen und zu vielen eutopäischen Autofabriken gesprochen werden.

Wenn Volkswirtschaften aber schlicht immer mehr importieren und immer weniger selbst exportieren, woher soll das Geld denn dann kommen, um all die schöne Warenwelten bezahlen zu können ? Deutschland hat hier weniger Probleme, zahlt aber auch einen immer höheren Preis. Südeuropäische Staaten sind hier schon völlig demoralisiert. Hier ist die Härte des sog. Freihandels voll spürbar. Entweder schafft die EU es etwas zu lindern, oder sie wird an den starken Unterscheiden zerbrechen.