CarsharingTeilzeitauto sucht Zuhause

Carsharing-Firmen fehlen Stellflächen in der Stadt. Ein neuer Anbieter in Berlin versucht, den Autos ihr Zuhause beim Mieter zu geben – gegen Ermäßigung. von Susanne Kilimann

Rund 5.000 Autos stehen in Deutschland zurzeit zur Teilzeitnutzung bereit – vom Kleinwagen bis zum Transporter. Solches Carsharing gibt es in mehr als 270 Städten und Gemeinden. Karlsruhe hat dabei die mit Abstand höchste Teilzeitauto-Dichte pro Einwohner, wie eine Untersuchung unlängst ergab.

Doch die Zahl der Autos, die Carsharing-Anbieter zur Verfügung stellen, könnte vielerorts weitaus größer sein, sagt Gabi Lambrecht vom Bundesverband CarSharing . "Es fehlt an Stellplätzen im öffentlichen Raum, um die Fahrzeuge dort anzubieten, wo sie am häufigsten nachgefragt werden: in den dichtbesiedelten Innenstadtlagen."

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Der Bundesverband hofft daher seit Längerem, dass das Straßenverkehrsgesetz und die Straßenverkehrsordnung geändert werden, damit Kommunen öffentliche Carsharing-Parkplätze ausweisen können. Dann könnten falsch abgestellte Fahrzeuge abgeschleppt werden, auf Kosten des Halters. Positive Signale habe es im Sommer bei einem Treffen des Verkehrsausschusses gegeben, sagt Lambrecht. Doch ein konkreter Gesetzentwurf ist weiterhin nicht auf dem Weg.

Der Wirt muss den Wagen pflegen

In Berlin ist der Bezirk Pankow vorgeprescht und hat rund 80 Stellplätze im öffentlichen Raum explizit für die Fahrzeuge von Carsharing-Unternehmen ausgewiesen, also diese dafür reserviert. Das erlaubt die Berliner Landesbauordnung schon seit einigen Jahren. In anderen Bundesländern gibt es diese Möglichkeit bisher nicht.

Jetzt geht in der Hauptstadt ein weiterer Teilzeitauto-Anbieter an den Start – einer, der den Stellplatzmangel auf eine andere Weise lösen will. Er sucht für jedes seiner Autos einen Wirt und ein Zuhause. "Hosts" nennt das Unternehmen CiteeCar diese Nutzer, die für das Mietauto einen privaten Stellplatz als Basisstation kostenfrei zur Verfügung stellen. Dort können dann andere Nutzer das Fahrzeug abholen. Wie bei den klassischen Anbietern muss der Wagen auch wieder dorthin gebracht werden. Der Parkplatzspender darf ihn natürlich auch nutzen.

Der Host muss sich allerdings außerdem verpflichten, bestimmte Serviceleistungen zu übernehmen. Seine Aufgabe ist es, das Auto zu Inspektionen, Wartungsarbeiten und zum saisonalen Reifenwechsel in die Werkstatt zu bringen und regelmäßig auch durch die Waschanlage zu fahren. Als Gegenleistung werden ihm Sonderkonditionen eingeräumt. Er darf das Mietfahrzeug früher reservieren als andere Nutzer und kann einige feste Termine im Monat buchen, an denen dann kein anderes Carsharing-Mitglied auf das Auto zugreifen kann.

Leserkommentare
    • omoser
    • 05. November 2012 11:41 Uhr

    Über diesem Artikel sollte klar und deutlich das Wort ANZEIGE stehen. Liest sich wie ein gekaufter Beitrag dieser Carsharing Firma. Was soll das?

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    • RGFG
    • 05. November 2012 11:51 Uhr

    Ich fand den Artikel informativ, weil er ein aktuelles Thema aufgreift und es nicht nur bei der Meldung belässt, sondern ein wenig auf den Hintergrund eingeht. Deswegen merkt man auch, dass das alles ein bisschen kompliziert sein dürfte - und es wird interessant sein, wie sich das in der Praxis bewährt.

    Dass die Firma genannt wird - so what? Da ist mir die Substanz in dem Artikel deutlich wichtiger.

    Kann RGFG nur zustimmen. Der Artikel ist wirklich informativ und das man die Firma nennen kann/muss wenn die ein wirklich interessantes Modell gegen die Parkplatznot der Carsharing-Anbieter hat ... warum nicht.

    Grundsätzlich finde ich das aber nur eine Notlösung. Viel besser finde ich die Carsharing-Modell wo es egal ist, wo das Auto abgestellt wird. Mit Smartphone und Internetnutzung kann so sich jeder immer anzeigen lassen wo ein Auto in der Nähe frei ist... So kann man nur von A nach B fahren und muss nicht zurück nach A. Momentan problematisch ist hier nur, dass die Oneway-Carsharing-Anbieter teurer sind als die bei denen man wieder an den Start zurück muss :(

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten und verzichten auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

    • RGFG
    • 05. November 2012 11:51 Uhr

    Ich fand den Artikel informativ, weil er ein aktuelles Thema aufgreift und es nicht nur bei der Meldung belässt, sondern ein wenig auf den Hintergrund eingeht. Deswegen merkt man auch, dass das alles ein bisschen kompliziert sein dürfte - und es wird interessant sein, wie sich das in der Praxis bewährt.

    Dass die Firma genannt wird - so what? Da ist mir die Substanz in dem Artikel deutlich wichtiger.

    Antwort auf "Anzeige"
  1. Mir ist nicht klar auf welcher Grundlage Kommunen öffentlichen Raum an private Unternehmen vergeben können.
    Jeder Bürger muss einen Parkplatz suchen und sich einen Parkschein ziehen. Ein x-beliebiges Unternehmen bekommt dagegen den öffentlichen Raum geschenkt.

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    Ein privates Auto wird aber oft nur von 1 manchmal 2 selten von mehreren genutzt ... und steht oft die meiste Zeit des Tages ungenutzt herum.
    Ein Carsharing-Auto wiederum wird von vielen Bürgern genutzt und entlastet so den drohenden Verkehrsinfarkt in Städte. Ebenso werden im Endeffekt Parkplätze eingespart, da die Nutzer von Carsharing-Angeboten Ihr eigenes Auto im Idealfall einsparen und so keinen eigenen Parkplatz blockieren.

    • Untoter
    • 05. November 2012 12:36 Uhr

    Sie haben von jedem Parkplatz ,der für Car Sharing Systeme reserviert wird, mehr Platz auf der Straße. Ein Car Sharing Auto wird häufiger bewegt als ein Privatfahrzeug, das in der Regel 23 Stunden irgendwo rumsteht und Parkplätze belegt.

  2. Kann RGFG nur zustimmen. Der Artikel ist wirklich informativ und das man die Firma nennen kann/muss wenn die ein wirklich interessantes Modell gegen die Parkplatznot der Carsharing-Anbieter hat ... warum nicht.

    Grundsätzlich finde ich das aber nur eine Notlösung. Viel besser finde ich die Carsharing-Modell wo es egal ist, wo das Auto abgestellt wird. Mit Smartphone und Internetnutzung kann so sich jeder immer anzeigen lassen wo ein Auto in der Nähe frei ist... So kann man nur von A nach B fahren und muss nicht zurück nach A. Momentan problematisch ist hier nur, dass die Oneway-Carsharing-Anbieter teurer sind als die bei denen man wieder an den Start zurück muss :(

    Antwort auf "Anzeige"
  3. Ein privates Auto wird aber oft nur von 1 manchmal 2 selten von mehreren genutzt ... und steht oft die meiste Zeit des Tages ungenutzt herum.
    Ein Carsharing-Auto wiederum wird von vielen Bürgern genutzt und entlastet so den drohenden Verkehrsinfarkt in Städte. Ebenso werden im Endeffekt Parkplätze eingespart, da die Nutzer von Carsharing-Angeboten Ihr eigenes Auto im Idealfall einsparen und so keinen eigenen Parkplatz blockieren.

    Antwort auf "Was hab ich davon?"
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    Car-Sharing ist nichts anderes als Mietwagen. Das ein Car-Sharing Auto (Vielleicht) zwei bis drei mal öfter genutzt wird, macht daraus noch kein öffentliches Gut. An den wirklichen "Spots" müssen private Nutzer hohe Preise für Parkhäuser/Stellplätze zahlen. Wieso sollen Car-Sharing-Fahrzeuge davon ausgenommen werden? Da steckt doch eher so ein verstecktes politisches Argument von der Zweitrangigkeit von allem Privaten dahinter - oder? Gerade die hochverschuldeten Kommunen sollten der Bewirtschaftung öffentlichen Raum sehr sorgsam umgehen. Wenn ich dann für 10h 15€ bezahle, sollten es die Car-Sharer auch tun. Wenn das Modell dann günstiger ist, wird es sich durchsetzen. Und als Steigerung ihrer Forderung, kommen dann die nächsten und wollen für Ihre E-Autos kostenlos stundenlang an den Hotspots aufladen. Derweil kann dann die Ehefrau des Drittwagenbesitzers mit gutem Gewissen (ich fahre umweltfreundlich!) im Herzen der City shoppen gehen!

    • Mike M.
    • 05. November 2012 13:27 Uhr

    ...verstopft nicht die Straße. Wieso Carsharing den drohenden Verkehrsinfarkt in den Städten verhindern soll, ist mir auch nicht ganz klar. Diese PkWs sind doch gerade besonders viel auf der Straße. oft werden sie von Leuten gefahren, die sonst einen bus nehmen würden. Parkplätze sind ein rares Gut. Man sollte nicht bestimmte Halter irgendwie bevorzugen.

  4. Der Ansatz dieser Firma (CiteeCar) ist o.k. Und ich empfind diesen Beitrag auch nicht als Werbung für eine Firma, sondern als Hinweis, wo es beim Car-Sharing "klemmt"! Zurückweisen muß man die "Forderungen" des Lobby-Vereins Car-Sharing nach bevorrechtigter Bereitstellung von Parkraum für die Flotten deren Mitglieder. Die wollen doch Geld verdienen - dann sollen sie den Parkraum kaufen aber nicht im Sinne einer "besseren Welt" durch Car-Sharing zu Lasten der übrigen Verkehrsteilnehmer "haben wollen". Ich bin gern bereit, für Behinderte bevorrechtigten Parkraum zu "opfern". Jemand der sein Geschäftsmodell nicht zu Ende denkt, sollte sich schämen aber nicht im klassischen Looby-Stil fordern!

    • Untoter
    • 05. November 2012 12:36 Uhr

    Sie haben von jedem Parkplatz ,der für Car Sharing Systeme reserviert wird, mehr Platz auf der Straße. Ein Car Sharing Auto wird häufiger bewegt als ein Privatfahrzeug, das in der Regel 23 Stunden irgendwo rumsteht und Parkplätze belegt.

    Antwort auf "Was hab ich davon?"
  5. Die Car-Scharing unternehmen wollen keine Parkplätze - Sie wollen Priveligierte Parkplätze. Also Parkplätze die NUR von Ihnen genutzt werden können - folglich dann öfter leerstehen. Ob häufiger leerstehende Parkplätze wirklich die Lösung für ein Parkplatzproblem sein können, bezweifel ich irgendwie, auch wenn Carsharing-Autos vielleicht mehr Fahrten absolvieren als Besitzautos.

    Ich halte das für eine sehr gefährliche Entwicklung wenn Firmen jetzt anfangen können dem normalen Bürger die öffentlichen Parkplätze wegzukaufen. Dieser zahlt ja die Kfz Steuer UND in vielen Innenstädten die Parkgebühren.

    Ich bin kein großer Fan von Autos in den Innenstädten, aber das hier ist trotzdem eine gefährliche ordnungspolitische Entwicklung, da Sie Firmen -und nichts anderes sind diese Unternehmen- gegenüber Privatmenschen ein Vorrecht einräumen!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Sucht | Auto | Fahrzeug | Kia | Carsharing | Berlin
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