Dem Überbringer schlechter Nachrichten wird gelegentlich für eben diese Nachrichten die Schuld gegeben – auch wenn er selten etwas dafür kann. Jetzt hat es Ferdinand Dudenhöffer erwischt, den langjährigen Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Zweifelsohne ist Dudenhöffer kein Unbekannter. Er leitet an der Uni das Center Automotive Research (CAR). Es berechnet regelmäßig die Rabatte , die Autohersteller und Händler den Autokäufern einräumen. Diese Studien werden gern in Medien zitiert – die neue Ausgabe der AutoBild , die am Freitag erscheint, schreibt etwa, für den neuen Golf VII seien aktuell bis zu 22 Prozent Rabatt drin. Die Preisnachlässe waren laut CAR in den letzten Wochen auf zunehmend hohem Niveau. Für Dudenhöffer ist das ein klares Zeichen für die wachsende Krise der Autobranche.

Sie ist inzwischen auch in Deutschland angekommen. Im September lag die Zahl der Neuzulassungen elf Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats. Um bei fallender Nachfrage die Absatzzahlen dennoch stabil zu halten, müssten Hersteller den Kunden beim Preis gewaltig entgegen kommen – und das tun sie auch, sagt Dudenhöffer.

Scharfe Töne schlagen jetzt Dudenhöffers Kritiker an – offenbar hat der Autofachmann den Finger in die Wunde gelegt. Burkhard Weller, Chef der gleichnamigen Autohauskette, ist nicht zimperlich: In einem offenen Brief bezichtigt er Dudenhöffer "Unwahrheiten" zu verbreiten und so die Branche "massiv" zu schädigen.

Dudenhöffer: VW ist "scheinheilig"

Dudenhöffers Berichterstattung würde die Verbraucher täuschen, so Weller. Die Interessenten tauchten mit entsprechenden Erwartungen über Rabatte beim Autohändler auf und würden dort "völlig enttäuscht". Im schlimmsten Fall würden sie gar den Kauf eines Neuwagens verschieben. Wellers Klage gipfelt in der Aussage, dass Dudenhöffer gar "volkswirtschaftlichen Schaden" anrichte. 

Unterstützung erhält Weller von prominenter Seite: Volkswagen begrüßt Wellers Brief offen und schließt sich der Kritik "voll und ganz" an. Kein Wunder, schließlich richtet sich Wellers Angriff vor allem gegen Dudenhöffers Behauptung, es habe schon kräftige Nachlässe von bis zu 27,5 Prozent auf den neuen Golf VII gegeben. Der kann bislang nur vorbestellt werden  – die Auslieferung beginnt erst am 10. November. Die hohen Preisabschläge könnten ein Zeichen dafür sein, dass das Interesse nach dem neuen Wagen weniger groß ist als von VW erhofft. Doch Hersteller und Weller bestreiten die Rabatte in dieser Höhe.

Dudenhöffer weist die Vorwürfe zurück : "Nachweislich wurde der VW Golf VII bei Internetvermittlern bis zum 26. September mit Prämien bis zu 27,5% Rabatt angeboten", schreibt der Universitätsprofessor und führt als Beleg Werbetexte mehrerer solcher Vermittler an. Für die Analyse der Rabattsituation im deutschen Automarkt werte sein Institut jeden Monat mehrere Tausend Datensätze aus, erklärt er. Es liefere "ein wissenschaftlich fundiertes, objektiv überprüfbares Incentive-Bild über den deutschen Automarkt".

Sicherlich kann man Dudenhöffer vorhalten, dass er teilweise von Maximalrabatten spricht, für die der Kunde bestimmte Bedingungen erfüllen muss. Doch darauf habe er in den Studien hingewiesen, sagt Dudenhöffer. Er wirft VW "Scheinheiligkeit" vor: "Offensichtlich will derjenige, der den Rabattwettbewerb mit hohen Händlerprämien anschürt, sich bei demjenigen darüber beklagen, der dieses Verhalten mit objektiv nachzuvollziehenden Marktdaten wissenschaftlich analysiert."