RessourcenWegen Elektroautos geht uns der Strom nicht aus
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Laden, wenn die Nachfrage gering ist

Trotzdem – das ist eines der Ergebnisse von Net-Elan – sollten Elektroautos nicht ausgerechnet dann geladen werden, wenn ohnehin schon viel Nachfrage im Stromnetz herrscht. Das Gegenteil wäre gut, sagt Jochen Linßen, Ingenieur am Forschungszentrum Jülich: "Eine Verschiebung der Ladung in die Nacht erhöht die Zahl möglicher Elektrofahrzeuge deutlich."

Theoretisch lässt sich ungefähr die Hälfte des für 2030 prognostizierten Ladebedarfs durch überschüssigen Windstrom decken – gäbe es nicht einen Engpass bei den Transportkapazitäten der Übertragungsnetze. Ohne einen weiteren Ausbau könnten lediglich acht Prozent des Windstroms, der sonst ungenutzt verpuffen würde, durch ein gesteuertes Beladen in Batterien gespeist werden. Eine Quote, die laut Net-Elan mit weiteren Leitungen auf 24 Prozent angehoben werden kann.

Doch unabhängig davon, ob Windstrom oder allgemeiner Strommix: Eine sinnvolle Ladestrategie ist eine Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende im Auto. Die wird aller Wahrscheinlichkeit nicht in den urbanen Ballungszentren beginnen, wo Ladesäulen rar oder zugeparkt sind und das Auto ohnehin nicht erste Wahl ist. Die frühen Käufer von Fahrzeugen, die an der Steckdose betankt werden, sollten dafür eine Garage haben. Und die Kaufkraft für einen teuren Zweitwagen wie einen BMW i3 oder Renault Zoe. Es wird also zuerst in den Vororten und Speckgürteln surren.

Wasserstoff aus Windstrom

Ebenso unproblematisch wird die Versorgung von Elektroautos sein, die ihren Strom aus einer Brennstoffzelle beziehen und darum Wasserstoff tanken. H2-Mobility , eine Initiative von Industrieunternehmen und der staatlichen Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW), veröffentlicht ehrgeizige Absatzprognosen für Wasserstoffautos: 2020 könnten 400.000, 2030 sogar 1,8 Millionen Fahrzeuge auf den Straßen sein.

In Fachkreisen werden dabei insbesondere die Potenziale der Offshorewindkraft hervorgehoben. Mit überschüssigem Strom könnte Wasserstoff erzeugt werden. Schon ein kleiner Teil dieses Wasserstoffs würde als Kraftstoff für die sehr optimistische Annahme von 1,8 Millionen Fahrzeugen ausreichen. Zudem sieht es auch hier nach heutiger Lesart eher nach niedrigeren Absatzzahlen aus.

Autoindustrie und Staat äußern sich zurzeit betont skeptisch zur Elektromobilität. Mühsam versuchen die Pressestellen, die in der Öffentlichkeit durch Prototypen, Ankündigungen und Pilotprojekte geweckte Euphorie wieder einzufangen. Es ist aber keineswegs ausgeschlossen, dass es zu einem Boom der Elektromobilität kommt, der die aktuellen Prognosen als gezielte Tiefstapelei enttarnt.

Die Branche erwartet weltweit steigende Verkaufszahlen fürs Auto an sich: von rund 65 Millionen im vergangenen Jahr auf 90 Millionen in 2020 und 130 Millionen in 2030. Alle brauchen Energie zum Fahren. Dass das Rohöl aus Bohrloch und Ölsanden sowie Erdgas auf lange Sicht ökonomisch konkurrenzfähig sind, darf bezweifelt werden. Denn darum geht es am Ende: um die Kosten des Autofahrens.

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Leserkommentare
    • alkyl
    • 19. November 2012 18:39 Uhr

    dass Hochöfen neuerdings elektrisch beheizt werden.

    2 Leserempfehlungen
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    aber vermutlich sind damit Lichtbogenöfen gemeint. http://de.wikipedia.org/w...

    • alkyl
    • 19. November 2012 18:44 Uhr
    Eine Leserempfehlung
  1. sind Giga,-Megawattstunden. So etwas wie ESM auf elektrisch.

  2. Redaktion

    Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben den Schreibfehler korrigiert.

  3. heute glaubt man es gibt genug Welt für Wohlstand für alle und der Strom geht uns nie aus. Was wird man morgen glauben?

    • Kauri
    • 19. November 2012 19:42 Uhr

    Dieser beitrag war ja an Banalität nicht zu überbieten! Sind denn die ZEIT-Leser schon so von der Bildung abgekommen, als daß eine simple Multiplikation von geschätzten 400.000 E-Autos x 20kWh/100 km x 10.000 km/Jahr nicht mehr möglich ist? Braucht man dafür Institute, die dann noch eine Banalität draufsetzen und die Ladung in den wenig Strom nachfragenden Nachtstunden empfehlen? Das Thema hatte wir doch auch schon in den 70er Jahren bei den elenden Nachtspeicherheizungen, die heute keiner mehr will. ich glaube der gleichen Banalität und einer Angst vor China ist überhaupt die Chimäre E-Auto zu verdanken.
    Sind das die Auswirkungen von jahrelang verfehlter Bildungspolitik odre die ersten Vorahnungen von Bologna?

    2 Leserempfehlungen
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    Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Danke, die Redaktion/mo.

    Bei realistischeren 15 kwh/100k u. 10000 km/a komme ich auf 60 TWh/a.
    Das ist z Z der Mehrertrag des Zubaus bei EE-Strom von zwei Jahren - also nicht besonders viel.
    Außerdem wären 40 Mio E-Autos sehr unrealistisch.

  4. 7. [...]

    Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Danke, die Redaktion/mo.

    2 Leserempfehlungen
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    ... wenn es ihnen nur um Fakten geht können sie doch glatt 80 % der Inhalte sofort in den papierkorb klicken !!! Die Bereiche Wissen, Gesellschaft und Meinung kann die redaktion ganz streichen. Schön wäre es allerdings, wenn nicht jeder Mist als fakt verbreitet werden würde. Würde vieles erleichtern und viel zeit für sinnvolle Zeitvertreibe schaffen.

  5. Bei realistischeren 15 kwh/100k u. 10000 km/a komme ich auf 60 TWh/a.
    Das ist z Z der Mehrertrag des Zubaus bei EE-Strom von zwei Jahren - also nicht besonders viel.
    Außerdem wären 40 Mio E-Autos sehr unrealistisch.

    2 Leserempfehlungen
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    • wd
    • 19. November 2012 22:23 Uhr

    Und damit die Dinger dann auch mit PV-Strom aufgeladen werden, dürfen sie bei Sonnenschein nicht fahren oder jeder Wagen hat einen sofort austauschbaren Akku, der nur bei Sonnenschein aufgeladen werden darf.
    Oder jeder Parkplatz ist mit einer Stromversorgung zu versehen, die nur bei Sonnenschein oder Wind funktioniert. Das gibt ein tolles Beschäftigungsprogramm. Finanzierung: Entweder die zusätzliche Mobilitätsabgabe von weiteren 5ct/kWh auf die Stromrechnung oder die obligatorischen zusätzlichen 1000€/Jahr Kraftfahrzeugsteuer für jedes Auto, das nicht mit Strom betrieben wird. Das gibt viele Arbeitsplätze
    (Satire aus)

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte BMW | Strom | Bundesregierung | Bundeswirtschaftsministerium | Auto | Diesel
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