Für den, der schon ab und zu in einem Elektrofahrzeug unterwegs war, hat das Prozedere inzwischen den Aaaah-Effekt verloren. Wer sich aber im nächsten Jahr einen Ford Focus Electric als erstes Auto mit E-Motor anschafft, wird eine neue Erfahrung machen: Man drückt den Startknopf und nichts ist zu hören. Das zweite Aha-Erlebnis kommt kurz danach: Der Wagen hat einen ordentlichen Schub, schon bei der Anfahrt. Schließlich steht auch beim Elektroaggregat im Focus Electric das volle Drehmoment vom Start weg bereit.

Das sieht in diesem Fall 250 Newtonmeter, die das 107 kW starke Aggregat liefert. Die Leistung entspricht 145 Pferdestärken. Sie treiben den Wagen auf bis zu 135 km/h. Den Strom dafür bekommt der Elektromotor von einer Lithium-Ionen-Batterie, die unter der Rückbank installiert ist. Sie nimmt dem Kofferraum deshalb etwas an Ladevolumen – der Preis, den man für das lokal emissionsfreie Fahren bezahlt.

Fahren wir also los, im ersten rein elektrisch betriebenen Pkw von Ford. Der Hersteller verspricht eine Reichweite von 160 Kilometern je Batterieladung. Entscheidend ist aber die tatsächliche Angabe im Cockpit-Display. Sie ähnelt der Batterieanzeige in einem Smartphone. An diesem kühlen Spätoktober-Morgen zeigt die Graphik noch 86 Kilometer an, dann muss die Focus Electric an die Steckdose. Handelt es sich um die übliche 220-Volt-Variante, ist die Batterie mit ihren 23 kWh Kapazität nach etwa acht bis neun Stunden wieder voll. Hat man Starkstrom zu Verfügung, geht das Ganze in etwa der Hälfte der Zeit.

Schmetterlinge fürs effiziente Fahren

Das Playstation-ähnliche Display mit einem Tacho in der Mitte und zwei konfigurierbare Displays links und rechts davon geben dem Stromer einen futuristischen Touch. Ansonsten unterscheidet sich der Ford Focus Electric kaum von seinem Bruder, der mit einem herkömmlichen Motor betrieben wird. Auch hier sind die Sitzkissen etwas zu kurz geraten, die Mittelkonsole mit Radio ist ebenfalls etwas verspielt.

Die elektrische Servolenkung könnte etwas direkter sein, doch man kann trotzdem das 1.644 Kilogramm schwere Fahrzeug recht zielsicher um die Kurven dirigieren. Nur wenn man eine Kehre ambitioniert zu nehmen versucht, merkt man dem Auto an seiner Trägheit an, dass es rund 300 Kilogramm mehr wiegt als die Version mit Verbrennungsmotor. Kein Wunder: Allein der Lithium-Ionen-Akku wiegt 272 Kilo.

Ohne optische Spielereien im Cockpit kommt heutzutage offenbar kein Elektromobil mehr aus. Was beim Honda Insight grüne Blätter sind, sind beim Focus Electric Schmetterlinge: Je mehr Falter im Display zu sehen sind, umso effizienter ist der Fahrer unterwegs und umso größer ist die Reichweite. Das System zeigt natürlich auch den Ladezustand der Batterien an, ebenso wie viel Strom die Klimaanlage verbraucht. Balkendiagramme informieren den Fahrer, wie ökologisch sein Fahrstil ist und wie gut man beim Bremsen rekuperiert. Geplant ist auch eine App, mit der man den Ladevorgang der Batterie überwachen kann.

Ford will den Focus Electric ab Mitte 2013 in Deutschland ausliefern, in den USA ist er schon zu haben. Dort kostet das Modell mindestens 39.200 Dollar, das sind etwas mehr als 30.500 Euro. Für Deutschland nennt Ford noch keinen Preis, doch dürfte er mit dem üblichen Euro-Aufschlag mindestens 5.000 Euro höher sein als sein Pendant in Nordamerika . Interessant wird nur die Erklärung für diese Preisgestaltung.