Zuvor hatte Lancia in regelmäßigem Rhythmus wunderschöne und oftmals sogar charismatische Fahrzeuge hervorgebracht. Die goldenen Jahre der Marke lagen in den fünfziger und sechziger Jahren und verbinden sich mit Modellnamen wie der Aurelia-Reihe oder dem Fulvia. Eine Fulvia-Retrostudie sorgte auf der IAA vor einigen Jahren für Aufsehen. Doch ohne passende Plattform gab es keine Neuauflage. Auch der 100. Geburtstag der Marke ging 2006 spurlos an dem dünnen Produktportfolio vorbei.

Vor vier Jahren setzten Fiat und die Lancia-Markenführung auf ein neues Kompaktmodell, das der Kompaktklasse jedoch völlig entwachsen war. Überraschenderweise bekam das zu groß gewordene Modell den traditionsreichen Namen, hat aber mit dem Achtziger-Jahre-Delta nicht den Hauch gemein. Mit einer Länge von rund 4,50 Metern und bevorzugten Dieselmotoren bis 200 PS macht der neue Lancia Delta auf Crossover-Lifestyle-Kombi. Das ist in den achtziger Jahren schon beim größeren Fiat Croma mächtig schief gegangen.

Es bleibt abzuwarten, wie – und ob – sich Lancia als unscheinbarste Fiat-Marke in den nächsten Jahren entwickeln wird. Es scheint, dass Fiat-Chef Sergio Marchionne sich künftig verstärkt auf seine Nobelmodelle von Alfa Romeo und Maserati konzentrieren will. Zwar dementierte ein Fiat-Sprecher Berichte, wonach Fiat die Marke Lancia einstellen wolle. So war ein Marchionne-Zitat interpretiert worden: "Wir müssen uns von der Illusion verabschieden, dass wir Lancia neu aufbauen können."

Doch es sieht zumindest ganz danach aus, als wolle der Fiat-Konzern nicht mehr nennenswert in die Marke investieren. Damit dürfte sich Lancia darauf beschränken, Chrysler-Fahrzeuge unter dem eigenen Namen in Europa zu vertreiben. Doch der Lancia Flavia , eine europäische Version des Chrysler 200, wird nur als Cabriolet mit betagter Technik angeboten. Da bringt ein Kampfpreis dann auch nichts mehr, insbesondere nicht für eine selbsternannte Edelmarke.

Der Lancia Thema ist zwar ein deutlich verbesserter Chrysler 300, doch richtig gut läuft das Geschäft mit dem Mittelklasse-Modell nicht. Der Lancia Voyager ist im Markt nicht nennenswert vorhanden. Und für die nächsten Jahre hat Lancia nichts Neues in der Hinterhand. Zudem verkauft Lancia seine Modelle insbesondere in Südeuropa, und diese Märkte werden sich in den nächsten Jahren nicht erholen. Dort, wo derzeit Geld zu holen ist – vor allem in Asien , Russland oder Südamerika – ist Lancia nicht vertreten.