Lexus LSIn der Exoten-Limousine wartet der Klima-Concierge

Die japanische Marke Lexus hat ihr Flaggschiff überarbeitet, erstmals gibt es eine Sportvariante. Die Nobellimousine kann mit 7er-BMW und Audi A8 locker mithalten. von Wolfgang Gomoll

Lexus LS

Lexus LS  |  © Hersteller

Die Lichtshow beim Einsteigen und Starten des Lexus LS hat etwas von einem Wellness-Tempel. Je nachdem, welchen Schritt der Inbetriebnahme man gerade vollzieht, werden verschiedene Teile des Autos illuminiert. Das reicht von den Türgriffen bis hin zum Handschuhfach. Zum kompletten Nirwana fehlen beim Druck auf den Zündschlüssel eigentlich nur noch esoterische Klänge. Der Komfort des Kunden steht an oberster Stelle.

Aber auch sonst lassen die japanischen Innenraum-Spezialisten von Lexus viel Liebe zum Detail erkennen: Das Holzlenkrad ist nach der traditionellen japanischen Shimamoku-Technik gefertigt. Dabei werden verschiedenfarbige laminierte Hölzer in 67 Produktionsschritten zusammengefügt. Sage und schreibe 38 Tage dauert diese Prozedur. Damit sich alle Insassen im LS der Toyota-Nobeltochter wohlfühlen, haben die Ingenieure auch an der Klimaanlage nicht gespart. Nicht nur die Luft-Temperatur, sondern auch die Sitzkissen und das beheizbare Lenkrad werden individuell abgestimmt – dafür sorgt der "Klima-Concierge", wie die Lexus-Designer den Wohlfühl-Service getauft haben.

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Die vordere Reihe blickt auf einen grandiosen 12,3-Zoll-LED-Bildschirm. Selbst der 7er BMW hat da nur zehn Zoll zu bieten. Bei den Instrumenten orientiert sich Lexus ebenfalls an den Münchnern: Je nach gewähltem Fahrmodus – Eco, Comfort, Normal, Sport oder Sport S+ – verändern sich die TFT-Rundinstrumente. Passagiere im Fond können sich auf Wunsch einen Film auf Blu-Ray-Disc anschauen, dazu klappt dann wie im Flugzeug ein Bildschirm aus dem Dach herunter.

Währenddessen kann man sich vom gründlich arbeitenden Massagesitz kneten lassen, der sogar beim Fahren zu hören ist. Das liegt vor allem an der unglaublichen Ruhe, die im Innenraum des 5,09 Meter langen Luxuskreuzers herrscht. Doch so gut sich der Innenraum und die technischen Innovationen im Vergleich zu den hiesigen Oberklasselimousinen schlagen, leistet sich der Lexus auch kleinere Schwächen. Die Position auf den bequemen Vordersitzen ist so hoch, dass einem beim Losfahren unwillkürlich das Volkslied Hoch auf dem gelben Wagen in den Sinn kommt.

Sportlicher Hybrid mit 445 PS

Dafür schluckt der LS Unebenheiten zuverlässig und hat seine Stärken im entspannten Gleiten. Denn obwohl das Fahrwerk überarbeitet wurde, ist es einen Schuss zu weich und hat eine Neigung zum Nachwippen. Die harmonischste Einstellung ist der Modus Sport S+. Dann wird die Lenkung direkter, der Motor spricht besser an und die Karosserie liegt ruhiger. Das gilt auch für die Ausstattungslinie F-Sport, die einen Zentimeter tiefer liegt und aktive Wankstabilisatoren hat.

Auch optisch ist die F-Sport-Variante der schneidigste der LS-Familie: Der Kühlergrill sieht mit seinem Wabengitter sportlicher aus als Querlamellen der zivileren LS-Varianten. Dazu hat der LS F-Sport prächtige 19-Zoll-Räder. Sein Achtzylinder-Motor mit 388 PS kann sich auch im Vergleich mit der deutschen Premium-Konkurrenz sehen lassen. Die weiche Laufruhe passt zur Gleiter-Attitüde des LS.

Doch der wahre Stolz der Lexus-Ingenieure ist der LS 600h, die Hybrid-Version des Modells. Die Kombination aus einem 394 PS starken Verbrennungsmotor und einem Elektro-Aggregat mit 224 PS ergibt eine Systemleistung von 445 PS, die dem 2,3 Tonnen schweren Wagen zu sportlichen Fahrleistungen verhelfen: In nur 6,1 Sekunden schafft er den Spurt von 0 auf 100 km/h. Die Leistung hat ihren Preis: Trotz Hybridtechnik liegt der Durchschnittsverbrauch bei 8,6 Litern je 100 Kilometer. Aber das ist angesichts des Gesamtpakets aller Ehren wert.

Kein Wunder, dass sich rund 85 Prozent der deutschen LS-Käufer für den Stromer entscheiden. Der hat aber mit rund 109.000 Euro seinen Preis. In der günstigsten Version kostet der Lexus LS rund 92.800 Euro. Entsprechend ambitioniert wirken die Ziele von Lexus: 1.300 Fahrzeuge will der Hersteller im nächsten Jahr in Europa verkaufen, etwa zehn Prozent davon in Deutschland. Ab dem 2. Februar 2013 wird sich zeigen, ob der LS diese Erwartung erfüllt. Auch dann bleibt die Limousine hierzulande ein Exot – anders als etwa in Nordamerika . Dort laufen die Edel-Ableger von Toyota besser und bieten Audi , Mercedes und BMW durchaus ernsthaft Paroli. In Deutschland müssen die drei vorerst nicht zittern.

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Leserkommentare
  1. ... noch ohne eine Verbrennungsmotor geben würde, währe ich vor Begeisterung total aus dem Häuschen :)!

    2 Leserempfehlungen
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    ... est Omen.

    • Zack34
    • 02. Dezember 2012 19:12 Uhr

    Sie währen...

  2. ... est Omen.

    Eine Leserempfehlung
    • Zack34
    • 02. Dezember 2012 19:12 Uhr

    Sie währen...

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    ... lange "wärt" ;-)

  3. ... lange "wärt" ;-)

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Hauptsache..."
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    • Zack34
    • 02. Dezember 2012 22:07 Uhr

    wird endlich guht. ,-)

    • Zack34
    • 02. Dezember 2012 22:07 Uhr

    wird endlich guht. ,-)

    Antwort auf "Was ..."
  4. Verletzungsrisiko bei Unfällen?

    • geezer
    • 03. Dezember 2012 21:22 Uhr

    Einen Normverbrauch von 8,6 l/100km schafft der aktuelle BMW 750i ganz ohne Hybrid - und hat dabei noch einen vollwertigen Kofferraum.

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    • nr-3
    • 05. Dezember 2012 12:43 Uhr
    • zappp
    • 05. Dezember 2012 8:21 Uhr

    in Deutschland.

    Und dafür braucht man auch mindestens sieben verschiedene Motorversionen, damit Vorstandvorsitzender, Vorstand, Bereichsleiter, Abteilungsleiter usw. jeweils standegemäss aber sorgfältig voneinander differenziert motorisiert werden können. Gleicher Luxus für alle darf nicht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte BMW | Audi | Toyota | Lexus | Europa | Nordamerika
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