An den Details wird noch getüftelt. Denkbar wäre, Biosensoren zu installieren, welche Gesundheitsdaten wie Blutdruck und Atemfrequenz messen und Warnsignale geben, wenn sich eine kritische Situation anbahnt, sagt Citysax-Geschäftsführer Matthias Bähr. In den nächsten Monaten sollen Probanden in München und in der ländlichen Umgebung der bayerischen Hauptstadt die Assistenztechnik testen. Dann wird sich zeigen, wie die anvisierte Zielgruppe mit den Mobilitätshilfen zurechtkommt.

Bestehende und ganz neue Dienstleistungsangebote sollen die beschriebenen technischen Hilfsmittel ergänzen. Dazu zählt Carsharing. Weil die seniorengerechte Umrüstung des Autos für die meisten Interessenten viel zu teuer wäre, könnten Leihautoanbieter entsprechende Fahrzeuge in ihren Fuhrpark aufnehmen. Ungeklärt sind bisher aber logistische Fragen, etwa wie der gehbehinderte Carsharing-Nutzer zum Auto oder das Auto zum Nutzer kommt.

Die Projektentwickler wollen zudem einen Notfalldienst in ihre Mobilitätsinfrastruktur integrieren. Im Mittelpunkt steht dabei das Smartphone als "Healthphone". Darüber könnte man etwa einen Service kontaktieren, wenn ein älterer Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel an der falschen Station ausgestiegen ist und die Orientierung verloren hat. Oder wenn er sich wegen plötzlicher Gesundheitsprobleme nicht imstande sieht, die Fahrt alleine fortzusetzen. Dazu könnte das "Healthphone" die von den Biosensoren gemessenen Werte empfangen, auswerten und bei bedrohlichen Werten den Notfalldienst verständigen.

Senioren auf dem Segway

Dass Menschen im hohen Alter durchaus eine Affinität zur Technik haben und diese für sich nutzen können, bestätigen die Erfahrungen, die die Experten im Evangelischen Geriatriezentrum Berlin gemacht haben. "Bei uns an der Klinik haben wir viele Innovationen erprobt, vom Rollator mit Navigationssystem bis hin zum Videochat für Senioren", sagt Elisabeth Steinhagen-Thiessen, die Leiterin des Geriatriezentrums. "Die meisten neuen Geräte wurden von den Älteren mit großem Interesse aufgenommen – vorausgesetzt, der Nutzen war klar erkennbar."

Mobilität und alternde Gesellschaft – dieser Komplex ist ein Topthema auch für die Mitarbeiter des Hamburger Trendbüros, einer Beratungsfirma rund um Fragen gesellschaftlichen Wertewandels. Sie sehen darin die Chance für so manche Geschäftsidee der Zukunft. Dabei haben die Trendanalysten aber vor allem die sogenannten Silver Ager im Blick, also die jüngeren Alten. Sie könnten künftig zum Beispiel mit einem Segway mobil sein statt mit dem Rollator spazieren zu gehen.

"Für ältere Senioren könnte ich mir eher Chauffeurdienste statt eines Carsharing-Modells vorstellen", sagt Trendbüro-Beraterin Josefine Sporer. "Gute Chancen sehe ich auch für ein Sammeltaxi-Konzept. Vor allem für alte Menschen im ländlichen Raum wäre das nicht nur eine kostengünstige Alternative zum klassischen Taxi." So ein Sammelfahrzeug könnte auch Gelegenheit bieten, Kontakte zu Gleichaltrigen zu knüpfen und sich zu gemeinsamen Unternehmungen zu verabreden, meint Sporer. "Das wäre so eine Art Party-Bus für Senioren."