Mobile SeniorenMit dem Rollstuhl ins Auto, mit dem Segway statt dem Rollator

Senioren wollen auch im hohen Alter mobil bleiben. Wie sich dafür Rollator, Auto und öffentliche Verkehrsmittel verknüpfen lassen, erarbeitet ein Forschungsprojekt. von Susanne Kilimann

Bis ins hohe Alter ein selbstständiges Leben führen – wer möchte das nicht? Oft scheitert dieser Wunsch an der mangelnden Mobilität. Im Haus kann ein Treppenlift helfen, wenn die Kräfte schwinden und Gelenke schmerzen. In öffentlichen Verkehrsmitteln sind barrierefreie Einstiege eine Errungenschaft für alle, die ihre Wege mit einer Gehhilfe zurücklegen müssen.

Doch was ist, wenn der Fußweg zur nächsten Bushaltestelle mit dem Rollator kaum bewältigt werden kann? Mobil zu bleiben, scheitert oft daran, dass ein problemloser Wechsel vom einen Fortbewegungsmittel zum anderen nicht möglich ist. Oder: Wie kann man am gesellschaftlichen Leben teilhaben, wenn die Fahrt ins Theater, der Besuch bei Freunden wegen ausgedünnter Fahrpläne in ländlichen Gebieten zum kräftezehrenden Abenteuer wird?

Anzeige

Solche Fragen stellen sich nicht zuletzt, weil die Menschen in Deutschland immer älter werden und der Bevölkerungsanteil der Alten stetig steigt. In einem von der Bundesregierung geförderten Projekt, "Personalisierte Mobilität, Assistenz und Service Systeme in einer alternden Gesellschaft" (PASSAge) , arbeitet ein Verbund von Wissenschaftlern und Unternehmen jetzt an einer nahtlosen Mobilitätskette, mit der auch betagte Senioren beweglich bleiben. Das Ziel: eine "sozio-technische" Infrastruktur, das zum einen die individuelle Mobilität fördert und zum anderen die Zugänglichkeit öffentlicher Verkehrsmittel für ältere Menschen sichert. Das Rezept: die Vernetzung von bereits existierenden Assistenz- und Serviceangeboten, Technik und Dienstleistungen.

Mit dem Rollstuhl ins Auto

Zentrales Element ist das Auto, wie Thomas Bock, der Projektkoordinator von der Technischen Universität München , erklärt. Er ist überzeugt, dass auch Menschen mit massiven Bewegungseinschränkungen aktive Autofahrer sein können – vorausgesetzt, sie verfügen über ein Fahrzeug, das mithilfe spezieller Assistenzausstattung die körperlichen Einschränkungen ausgleichen kann.

Eine Alltagshilfe könne ein Rollator sein, mit dem sich dank spezieller Steuerungsfunktionen Haus- und Autotüren ohne jeden Kraftaufwand öffnen lassen, erläutert Bock. Für Rollstuhlfahrer könnten Autoinnenräume so gestaltet werden, dass man mit dem Rollstuhl von hinten über eine Rampe ins Auto fährt, die Bewegungshilfe zum Fahrerplatz manövriert, wo sie sich einfach und sicher arretieren lässt. Der Rollstuhlfahrer müsste nicht einmal aufstehen, um hinterm Steuer Platz zu nehmen – und käme ganz ohne fremde Hilfe aus. 

Für den Bau einer Flotte solcher Kleinstwagen, die speziell auf Menschen mit altersbedingten Einschränkungen zugeschnitten sind, ist als Projektpartner Citysax Mobility beteiligt. Das ist ein Dresdner Unternehmen, das vor drei Jahren mit dem Bau eines selbstentwickelten Elektroautos an den Start gegangen ist. Eine auf Reha-Technik spezialisierte Firma wurde mit der Innenraumgestaltung der Projektautos betraut.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Artikel Auf einer Seite lesen
    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Bundesregierung | MIT | München
    Service