Nesthäkchen werden stets umhegt und gepflegt, stehen andererseits oft im Schatten ihrer älteren Geschwister und müssen alles besser machen. In einer ähnlichen Position befindet sich auch der Adam. Der Opel-Kleinwagen erscheint knapp elf Jahre nach dem Mini und fünf Jahre nach dem Fiat 500 und hat keine Ahnen, die für automobile Reminiszenzen herhalten können. Trotzdem will Opel gerade den beiden Platzhirschen bei den lifestylebewussten Käufern den Rang ablaufen.

Um es vorweg zu nehmen: Der kleine Adam macht seine Sache gut. Das fängt schon beim Design an: Der 3,70 Meter lange Dreitürer spricht mit seiner rundlichen Form die "Ach-ist-der-süß"-Käufer an, ohne zu verspielt zu wirken. Dafür sorgen die kurzen Überhänge, die Kanten auf der Motorhaube und in den Flanken. Das ergibt ein stimmiges Gesamtbild.

Allerdings ist das in der Ich-pimpe-mein-Handy-Generation nur ein Schlüssel zum Erfolg. Darum gibt es zwölf größtenteils peppige Karosseriefarben, die mit drei Dach-Kolorationen kombinierbar sind. Außerdem hat der Käufer weitere Möglichkeiten, den Adam nach seinem Geschmack zu verfeinern, etwa mit farbigen Spangen für den Kühlergrill oder lackierten Clips in den Felgen. 31 Rad-Felgen-Varianten und Größen bis hin zu 18 Zoll stehen zur Wahl. Wer da nichts findet, dem ist nicht zu helfen. Die Idee wird schon beim Fiat 500 praktiziert, ist aber für die Zielgruppe ansprechend.

Ich seh' den Sternenhimmel

Im Innenraum geht die Qual der Wahl weiter. Auch dort können sich die Individualisierungswilligen austoben und eine von 19 Dekorleisten auswählen. Diese lassen sich wie eine Handyschale auch im Nachhinein noch austauschen. Von einfarbigem Lack bis Pünktchen-Muster ist alles dabei. Den Vogel schießt der Dachhimmel mit dimmbaren LED-Dioden ab. Der Fahrer kann per Knopfdruck aus acht verschiedenen Farbtönen wählen. Da kommt definitiv Luxus-Feeling auf – so etwas hat auch Rolls-Royce im Angebot.

Auch sonst fühlt man sich im Adam wohl. Die Verarbeitung des Innenraums ist ansprechend. Die Instrumente sitzen in Rundinstrumenten, wie man sie aus sportlichen Autos kennt. Nur die beiden Lenkradhebel aus Hartplastik, die vom Astra stammen, stören die schicke Optik etwas.

Das neue, deutlich reduzierte Steuerungssystem mit schmucken Drehknöpfen und einem Sieben-Zoll-Touchscreen ist Opel gelungen. Man kann sein Smartphone einbinden, Musik von dort abspielen und bequem über den Touchscreen steuern. Eine vom Hersteller bereitgestellte App übernimmt die Navigation. Das ist ein echter Fortschritt zur Uralt-Optik beim bisherigen Opel-Navi.

Brummiger Motor

Platz ist im Adam vorn wahrlich genug, und dort sitzt man auch auf bequemen Sesseln. Im Fond jedoch wird es schon ziemlich eng, und auf dem unbequemen Bänkchen möchte man höchstens Kurzstrecken als Mitfahrer zurücklegen. Fairerweise muss man aber hinzufügen, dass das Platzangebot im Mini und im Fiat 500, welche Opel als Konkurrenz sieht, auch nicht besser ist.

Der Kofferraum des Adam ist mit 170 Liter Volumen kaum der Rede wert. Zum Vergleich: Der Kleinwagen Volkswagen Up bietet 251 Liter Laderaum, der Kia Picanto 200 Liter, der Fiat 500 immerhin 185 Liter. Aber es gibt auch Kleinwagen mit weniger Stauraum als der Adam, etwa der Renault Twingo. Was beim Adam aber wirklich stört, sind die 81 Zentimeter hohe Ladekante und die enge Luke.

Auf der Straße macht der Adam ebenfalls eine gute Figur. Die Lenkung fühlt sich zwar leicht synthetisch an und gibt etwas wenig Rückmeldung über die Straßenbeschaffenheit. Sie ist aber direkt genug, um den Adam exakt um die Ecken zu bringen. Das schafft der Wagen mit dem Sportfahrwerk auch ziemlich flink. Allerdings hat die Athletik ihren Preis. Der Kleinwagen mit seinen 17-Zoll-Reifen poltert auf schlechten Straßen bisweilen ein wenig. Den Bandscheiben droht aber noch keine Gefahr.

"Äddäm", nicht Adam

Der von uns getestete 1,4-Liter-Motor mit 64 kW (87 PS) Leistung ist zwar nicht state of the art , kommt mit dem 1.135 Kilogramm schweren Gefährt aber gut zurecht. Das Geräuschniveau ist relativ niedrig, nur bei höheren Drehzahlen wird das Aggregat hörbar brummig. Hier würde ein modernes Sechsganggetriebe Abhilfe schaffen. Immerhin verfügen die Eco-Flex-Varianten (355 Euro Aufpreis) über eine Start-Stopp-Automatik. Damit unterbietet der Adam die Marke von 120 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer. Neue Dreizylinder-Benzinmotoren verspricht Opel für den Adam allerdings erst für Ende nächsten Jahres.

Der Opel Adam kommt Mitte Januar 2013 auf den Markt. Die Preise beginnen bei 11.500 Euro. Opel hatte von vornherein nicht das Ziel, wie der VW Up unter der Marke von 10.000 Euro zu starten. Dafür bietet der Adam auch mehr: Serienmäßig sind schon in der Basisversion ein Radio, elektrische Fensterheber, ABS, ESP und Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung dabei. Die höherwertige Ausstattungslinie Jam ab 13.400 Euro hat zudem eine Klimaanlage an Bord. Außerdem bekommt der Käufer einen Tempomat, ein CD-Radio mit USB- und Bluetooth-Schnittstelle, elektrisch verstellbare Außenspiegel und ein Lederlenkrad. Die Basisversionen enthalten jeweils einen 70-PS-Motor mit 1,2 Litern Hubraum.

Die oben beschriebene Möglichkeit, das Dach farblich vom Rest des Wagens abzuheben, bietet erst die Topausstattung namens Slam. Sie verfügt auch über das Sportfahrwerk und eine Wärmeschutzverglasung. Dafür sind mindestens 14.290 Euro fällig; mit dem 87-PS-Motor und Start-Stopp-Automatik kostet der Adam Slam 15.495 Euro.

Allerdings ist ein schlechter ausgestatteter Mini One nicht unter 15.650 Euro zu haben. Ein Fiat 500 mit ähnlich starkem Motor schlägt mit mindestens 14.900 Euro zu Buche, und einen Audi A1 gibt es nicht unter 20.250 Euro. Zudem bietet der Adam mit einem automatischen Parkassistenten inklusive Toter-Winkel-Warner (580 Euro Aufpreis) oder einer Lenkradheizung Zubehör, das man sonst nur in höheren Klassen findet. Gut gemacht, Opel. Nur "Äddäm", wie die Opel-Manager den Namen gesprochen wissen wollen – das kommt einem dann doch schwer über die Lippen. Schließlich ist der Wagen komplett in Deutschland gefertigt.