Smartphone im AutoHandy weg vom Steuer

In den USA nutzt jeder zweite Autofahrer unter 30 Jahren das Smartphone während der Fahrt. Und in Deutschland? Hierzulande ist wenigstens das Gesetz eindeutig. von Wolfgang Gomoll

Smartphones sind heutzutage allgegenwärtig. Vor allem jüngere Menschen stehen über die hochgerüsteten Mobiltelefone ständig mit dem Internet und Freunden in Kontakt, nutzen soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter auf ihrem Smartphone. Allerdings unterbrechen immer mehr Nutzer nicht einmal am Lenkrad ihre Smartphone-Kommunikation, wie eine alarmierende Studie im Auftrag der großen amerikanischen Versicherung State Farm zeigt.

Demnach benutzen 48 Prozent aller Autofahrer im Alter zwischen 18 und 29 Jahren das Internet, während sie am Steuer ihres Autos sitzen. Damit hat sich die Zahl der Internet-Nutzer am Lenkrad gegenüber der letzten Untersuchung erheblich erhöht: 2009 betrug ihr Anteil 29 Prozent. Befragt wurden rund 1.000 Autofahrer.

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Die Unfallzahlen sind ebenso besorgniserregend. In den USA wurden 3.092 Personen bei Verkehrsunfällen getötet, bei denen der Fahrer durch das Smartphone abgelenkt war, über 400.000 wurden bei solchen Unfällen verletzt. Auch dieser Trend zeigt nach oben. In Deutschland hat das Kraftfahrtbundesamt im vergangenen Jahr 400.000 Handy-Verstöße registriert.

E-Mails lesen, Facebook verfolgen

Doch was zieht die Aufmerksamkeit der jungen Fahrer auf sich? Bei der in den USA erhobenen Studie gaben 43 Prozent der Befragten an, dass sie während der Fahrt E-Mails checken – elf Prozentpunkte mehr als vor drei Jahren. Soziale Netzwerke wie Facebook folgen mit 36 Prozent. 2009 waren es noch 21 Prozent. Die Konsequenz daraus ist für viele klar: Mittlerweile mehren sich die Stimmen, die nach Gesetzen rufen, um die Nutzung von Smartphones während der Fahrt stärker zu reglementieren. Zwei Drittel der Befragten in der US-Studie gaben aber auch an, dass ihrer Meinung nach bestehende Gesetze zur Handynutzung am Steuer kaum durchgesetzt würden.

In Deutschland ist die Sache aber eindeutig. Nicht nur das Telefonieren ohne Freisprechanlage ist einem Autofahrer während der Fahrt verboten, sondern schlicht die Nutzung jedweder Funktion eines Mobiltelefons, wenn es dabei "aufgenommen oder gehalten" werden muss. So steht es in Paragraf 23 der Straßenverkehrsordnung (StVO).

Also darf der Fahrer auch keine SMS eintippen oder im Telefonbuch des Handys eine Nummer heraussuchen. Dazu muss man zunächst anhalten und den Motor abstellen. Letzteres bedeutet aber zugleich: Wer an der roten Ampel wartet, darf ebenfalls nicht das Smartphone nutzen – außer, der Motor ist aus. Das Handyverbot während der Fahrt gilt übrigens auch für Radfahrer.

Bußgeld ab 40 Euro droht

Wer sein Mobiltelefon als Navi benutzt, darf die Navigationsfunktion während der Fahrt nicht bedienen. Das Oberlandesgericht Köln entschied sogar, dass man nicht einmal einen Anrufer wegdrücken darf. Dafür sollte der Fahrer 50 Euro Strafe zahlen. Auch das Ablesen der Uhrzeit vom Display oder das Lesen einer SMS verstößt laut Oberlandesgericht Hamm gegen die StVO, wenn man dazu das Telefon aufnimmt. Richter fanden es aber zulässig, ein Handy vom Ablagefach in die Mittelkonsole umzulagern.

Verstöße werden laut der StVO mit einem Bußgeld geahndet, der Regelsatz beträgt 40 Euro. Ab diesem Betrag erhält der Fahrer auch mindestens einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei. Und selbst wenn das Smartphone in einer Halterung steckt, kann es fatal enden, wenn der Fahrer sich mehr mit dem Telefon als mit dem Verkehr beschäftigt. Kommt es zu einem Unfall, gehen die Richter in der Regel von einer groben Fahrlässigkeit aus. Dann muss der Fahrer für den Schaden oft teilweise selbst aufkommen. Es gibt zwar Kfz-Kaskoversicherer, die den Schaden auch bei grober Fahrlässigkeit ausgleichen, manche schränken diesen Schutz aber gerade bei einer verbotenen Handynutzung am Steuer ein.

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Leserkommentare
  1. Der zitierte Paragraph stellt die Benutzung eines Mobiltelefons nur dann unter Strafe, wenn es dazu aufgenommen oder gehalten werden muß. Solange es schräg vor mir in der fahrzeugseitig serienmäßigen Freisprecheinrichtung hängt begehe ich keinen verstoß dagegen, wenn ich darauf rumtippe (oder die Spracheingabe verwende).

    Natürlich sollte ich im Unfall-Falle nicht sagen "nein, ich habe die Bremslichter meines Vordermannes nicht gesehen, da ich gerade eine Nachricht geschrieben habe, aber das IPhone steckte ja schließlich in der Halterung". Denn das wird dann auch ohne explizites Handyverbot ein Problem werden. Aber solange mir die Benutzung nicht nachgewiesen werden kann habe ich da auch kein Problem.

  2. So ist es: Jeder, der sein Telefon während der Fahrt benutzt, erhöht damit sein Unfallrisiko, das gilt auch für Freisprecheinrichtungen. Entscheidend ist dabei der Anteil der Aufmerksamkeit, der dem Gespräch mit einem "unsichtbaren" Gesprächspartner gewidmet wird. Diese Aufmerksamkeit fehlt auf der Straße.

    Ich bin dazu übergegangen, Autofahrer mit Handy am Ohr auf ihr Vergehen hinzuweisen, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin. Wenn die Polizei ihrer Aufgabe unzureichend nachkommt, hilft vielleicht mehr soziale Kontrolle.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Etwas übertrieben"
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    Ich frage aus ehrlichem Interesse. Wie bedeuten Sie dem Fahrer, dass es ein Fehlverhalten begeht ohne dass es aggressiv rüberkommt?

  3. Ich frage aus ehrlichem Interesse. Wie bedeuten Sie dem Fahrer, dass es ein Fehlverhalten begeht ohne dass es aggressiv rüberkommt?

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    Zwei entsprechende Situationen fallen mir im Moment ein:

    Ein Lastwagen wendet auf einer Straße, muss dazu rückwärts fahren. Ich auf dem Rad warte einige Meter hinter ihm. Als er quer zu mir steht, sehe ich, dass er telefoniert. Ich mache eine Geste mit der Hand ("Handy am Ohr") und signalisiere ein Auflegen des "Hörers". Das wird sofort verstanden und hat in diesem Fall gut funktioniert.

    Das andere Mal hat ein Fahrerin mich beim Abbiegen geschnitten und ich konnte durch eine Vollbremsung gerade noch den Zusammenstoß vermeiden. Als sie das Fenster öffnet, um sich zu entschuldigen, sage ich ihr, sie solle als Erstes nicht mehr am Steuer telefonieren, damit so etwas nicht mehr passiert. Denke, das hat ihr zumindest zu denken gegeben.

    • ruggero
    • 28. November 2012 16:56 Uhr

    Ich lebe in Italien und meine Landsleute hier telefonieren ständig und vergessen dabei sehr häufig was um sie herum im Verkehr passiert.
    Junge Menschen, die mit 45 über die Landstraße eiern, in der linken Hand das Handy, in der rechten die Zigarette, nicht blinken, plötzliche Vollbremsungen machen sind keine Seltenheit. Viele Leute sind beim Fahren mit so vielen Aktivitäten beschäftigt, daß sie zur Gefahr für sich und andere werden.

    Die Gesetze sind streng, die Strafen hoch. Aber hier sieht man selbst Polizisten unangeschnallt, mit Handy und Zigarette in den Händen fahren.

  4. ....ich habe ein Smartphone gegen ein Auto getauscht ! Meine alte Möhre hats nicht mehr über den TÜV geschafft und der Sohn meiner Freundin wollte unbedingt das Samsung SIII haben ....tja, war ein guter Tausch.
    Bei den Youngsters ist ein eigenes Auto nicht mehr so beliebt, scheint mir !

  5. 14. Warum

    muss man denn während der Fahrt unbedingt telefonieren, oder noch schlimmer simsen? Mein Handy bleibt während der Fahrt in der Tasche, zumal wenn die Strecke kurz ist. Auf längere Fahrten telefonier ich in der Pause. Wo ist das Problem? Also ich bin strikt gegen telefonieren beim autofahren, wegen mir kann das gar nicht hoch genug bestraft werden. Harte Worte, aber wenn ich das so seh wie die Leute fahren mit Handy in der Hand oder am Ohr, krieg ich Angst. Genauso seh ich´s übrigens auch bei Alkohol!

    Eine Leserempfehlung
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    Das ist doch Gesetz, oder? Lernt man so in der Fahrschule.
    1. Motor an.
    2. Handy an.
    3. Losfahren.
    4. Anschnallen.
    Schon oft beobachtet.

  6. Es gibt genug Leute im Strassenverkehr, die zu wenig den eigenen Kopf verwenden und sich zu sehr von den elektronischen "Helferlein" abhängig machen.
    Die Kantonspolizei Uri erwischt je Monat ein-zwei Autofahrer, die mitten im Gotthardstrassentunnel wenden, obwohl das absolut verboten ist. Die Fahrer sind stur ihrem Navigationsgeräten verfolgt, die aufgrund eines Fehlers das Umkehren angewiesen haben. Da bleibt wirklich nur die Aufforderung an alle Verkehrteilsnehmer, diese Spielereien auszuschalten bzw. ihren Gebrauch auf ein vernünftiges Mass zu reduzieren und dafür das Hirn einzuschalten. Im Beispiel Gotthard-Strassentunnel heisst das: Wenn ich stundenlang nur auf der einen Autobahn fahren muss, dann kann ich das Ding zwischendrin auch mal abschalten oder einfach mal vergessen, was es da vor sich hin piepst. Gilt für eigenständige Navis, Navis im Smartphone und was weiss ich (Autoradio sollte angeschaltet bleiben, dann weiss man, ab wo man im obligatorischen Gotthard-Stau stecken bleibt).
    Mir wird jedesmal übel, wenn ich von Dingen lese, die zu einem "intelligenterem Auto" führen sollen: Je mehr solche technologischen Gadgets in die Fahrt mit dem Auto hieneinspielen - das gilt auch für die Verwendung des Mobiltelefons und möglicher toller Apps fürs Autofahren-, desto weniger wird vom Fahrer das eigene Gehirn verwendet!

    2 Leserempfehlungen
  7. Ncht nur beim Autofahren ist das Handy eine Gefahr und Plage.Über die Hälfte der Verkehrsteilnehmer sind beim Autofahren mit den Verkehr gefährteten Dingen beschäftigt. Wer beim Autofahren dieses verfluchte Ding benützt sollte mit Fahrverbot nicht unter 3 Jahre bestraft werden. Denn sie/er nimmt die Gefährdung anderer billigend in Kauf. Auch wird bei diesem Gerät immer wieder vergessen, dass sich das verdammte Ding zu einer elektronischen Fussfessen entwickelt hat. Doch ganze Generationen und Nationen, haben sich mit Begeisterung in die Sklaverei begeben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Soziale Netzwerke | Autofahrer | Bußgeld | Euro | Facebook | Internet
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