MarkttransparenzTankstellen müssen Preise künftig melden

Das Bundeskartellamt soll künftig die Spritpreise zentral erfassen und den Autofahrern online verfügbar machen. Ob sich so Wucher verhindern lässt, ist offen. von afp, reuters, dapd und

Die etwa 14.000 Tankstellen in Deutschland müssen ihre jeweiligen Spritpreise künftig ans Bundeskartellamt melden. Der Bundestag beschloss, dass das Amt eine Preismeldestelle einrichtet. Die Angaben sollen für die Verbraucher online abrufbar sein und so preisgünstiges Tanken ermöglichen.

Autofahrer sollen auch per Computer, Smartphone oder Navi auf die Daten dieser Stelle zugreifen können.

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Damit reagierte die Regierung auf extreme Preissprünge an den Zapfsäulen, die in kurzer Zeit nacheinander von verschiedenen Gesellschaften umgesetzt wurden. Besonders im Sommer hatten Höchstpreise an den Zapfsäulen den Unmut der Autofahrer erregt und den Verdacht genährt, die Mineralölkonzerne manipulierten die Preise. Die Regierung stellte in einer Untersuchung fest, dass die Betreiber zwar keine Preise absprechen, aber ein marktbeherrschendes Oligopol bilden.

Das Bundeskartellamt will nach den Vorstellungen von Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt auch eine eigene Smartphone-App für die Suche nach der kostengünstigsten Tankstelle anbieten. Sie solle kostenlos sein.

Auch Strom und Gas

Das Prinzip ist nicht neu: Schon jetzt lassen sich über Dienste wie clever-tanken.de , tankcheck.de oder den Benzinpreis-Service von T-Online Preise vergleichen. Mehrere Portale bieten Smartphone-Apps an, die die Benzinpreise im Umkreis anzeigen und den Autofahrer auch per Karte zur gewünschten Tankstelle lotsen. Die Betreiber waren jedoch bisher nicht verpflichtet, ihre Preise zu melden, taten dies aber im eigenen Interesse freiwillig.

Die sogenannte Markttransparenzstelle des Kartellamtes soll auch die Preisbildung auf dem Markt für Strom und Gas überwachen, allerdings nur auf der Stufe des Großhandels. Ziel ist es auch hier, etwaige Wettbewerbsverstöße oder Marktmanipulationen aufdecken zu können.

Weniger restriktiv als in Österreich

Das Modell orientiert sich jetzt an Österreich , wo allerdings bislang keine große Preisdämpfung zu beobachten war. In Österreich ist es den Tankstellenbetreibern jedoch nur möglich, die Preise einmal am Tag zu ändern. Diese Schranke gibt es im deutschen Gesetz nicht.

Der ADAC lobte den Beschluss für die Markttransparenzstelle als das richtige Mittel, den Wettbewerb zugunsten der Verbraucher zu steigern. "Gut informierte und preisbewusste Verbraucher sind ein wichtiger Faktor für einen besseren Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt", sagte ADAC-Präsident Peter Meyer.

Ursprünglich sollten auch die Großhandelspreise an Raffinerien offen gelegt werden. Doch dies wurde in den Gesetzesberatungen im Parlament als zu bürokratisch fallen gelassen. Damit entfiel auch der Widerstand der Mineralölindustrie.

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Leserkommentare
  1. Mehr fällt mir zu derartigen Spielchen kaum ein. Der Hauptabzocker bei den mehrfach besteuerten Benzinpreisen
    verbreicht dem Volk ein Placebo. Lächerlich

  2. Sorry, aber ich bin jemand, der weder sein Mobiltelefon im Auto einschaltet, noch ein Navigationsgerät zur täglichen Fahrt zum Arbeitsplatz benötigt. Ich brauche nämlich täglich meine volle Konzentration im Straßenverkehr, weil offenbar jeder Zweite nur noch mit seinem Handy beschäftigt ist, statt auf die anderen Verkehrsteilnehmer zu achten.

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    • 2eco
    • 09. November 2012 11:53 Uhr

    "Ich durfte neulich 5Ct mehr pro Liter zahlen und das, obwohl die große Anzeige (nach der man ja die Tankstelle auswählt) immer noch den niedrigeren Preis angezeigt hat als ich an der Kasse war."

    Ich habe gehört, dass es vollkommen unmöglich ist die Preise Zuhause oder auf der Arbeit zu checken. Das geht NUR wenn man im Auto sitzt UND gleichzeitig fährt.

    • 2eco
    • 09. November 2012 11:51 Uhr
    19. Vertrag

    "Ich durfte neulich 5Ct mehr pro Liter zahlen und das, obwohl die große Anzeige (nach der man ja die Tankstelle auswählt) immer noch den niedrigeren Preis angezeigt hat als ich an der Kasse war."

    Da haben Sie sich leider übers Ohr hauen lassen. Rechtlich waren Sie eindeutig im Recht! Im Gegensatz zum Supermarkt kommt der Vertrag nicht erst an der Kasse zu Stande, sondern in dem Moment, wenn Sie das Benzin zu dem angezeigten Preis in den Wagen füllen.

    Im Supermarkt kann die Kassiererin bei einem Preisfehler den korrekten Preis verlangen, bei einer Tankstelle geht das nicht.

    Antwort auf "Augenwischerei"
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    • Jove
    • 09. November 2012 22:02 Uhr

    Danke für Ihren Hinweis, aber da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt: Der Preis an der Zapfsäule selbst (sagen wir 165,9) selbst wurde auch abgerechnet (somit korrekt). Aber an der Anzeige, die von der Straße aus sichtbar ist (wie im Bild zu diesem Artikel dargestellt) stand immer noch 160,9. Ich habe auch den Tankvorgang nach ca. 20l abgebrochen, als mir die Differenz aufgefallen ist.

    • 2eco
    • 09. November 2012 11:53 Uhr

    "Ich durfte neulich 5Ct mehr pro Liter zahlen und das, obwohl die große Anzeige (nach der man ja die Tankstelle auswählt) immer noch den niedrigeren Preis angezeigt hat als ich an der Kasse war."

    Ich habe gehört, dass es vollkommen unmöglich ist die Preise Zuhause oder auf der Arbeit zu checken. Das geht NUR wenn man im Auto sitzt UND gleichzeitig fährt.

    Antwort auf "Mobiltelefon am Steuer"
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    • 2eco
    • 09. November 2012 11:55 Uhr

    sorry falsches Zitat ausgewählt. Bin gerade mit 220 auf der Autobahn unterwegs, da kann man sich schnell verklicken ;-)

    • 2eco
    • 09. November 2012 11:55 Uhr
    21. Zitat

    sorry falsches Zitat ausgewählt. Bin gerade mit 220 auf der Autobahn unterwegs, da kann man sich schnell verklicken ;-)

    Antwort auf "Handy am Steuer"
    • Slater
    • 09. November 2012 14:07 Uhr

    "Auf der Hinfahrt zur Arbeit ist der Spritpreis 4 -7 Cent teurer als Nachmittags bei der Heimfahrt."
    wenn man das irgendwann mal begriffen hat, ist das doch nicht mehr so schwer und versteckt gemein, damit kann ein Tankstellenbetreiber/ Konzern höchstens die ganz unaufmerksamen 'erwischen' und selbst dann gilt: wieso sollte er morgens abzocken wollen/ können und nachmittags auf einmal nicht mehr?

    es liegt allein am Aufkommen des Verkehrs, viel Nachfrage = höherer Preis,
    manchen macht das nichts aus, die sind froh wenn morgen weniger andere mit anstehen,
    manche erwischt es natürlich mit leeren Tank genau zur falschen Zeit

    soll der Einheitspreis gelten?
    sollen auch Kinos die ganze Woche über die gleichen Preise verlangen, kein Familientag mehr?
    keine Happy Hour in Lokalen, keine billigen Telefonkosten am Wochenende usw.?

  3. Der VOrstoß ist einfach wieder einmal lächerlich!!!

    Ewig wurden die Preisabsprachen unter den Tankstellen und Ölmultis bekämpft. Man muss sich das einmal genau ansehen. So können jetzt durch die tolle Online Plattform auch der Ölmulti und seine Tanken die Plattform nutzen und die Preise gegenseitig anpassen. Ich dachte man wollte die gegenseitige Preisanpassung unterbinden...

    Der Vorstoß ist ebenso lächerlich wie die tolle App. Leider gibt es immer noch viel zu viele Benachteiligte, die wegen einem Cent Ersparnis je Liter noch mal schnell 10 Kilometer zur billigen Tanke fahren.
    Schlimemr sind jedoch diejenigen, die extra noch einmal zur gerade billigen Tankstelle von zu Hause aus losfahren um Geld zu sparen. Bei denen ist auch nicht angekommen, dass An- und Abfahrt auch was kostet und man besser auf dem sonst notwendigen Weg einfach tankt...

    • Jove
    • 09. November 2012 22:02 Uhr

    Danke für Ihren Hinweis, aber da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt: Der Preis an der Zapfsäule selbst (sagen wir 165,9) selbst wurde auch abgerechnet (somit korrekt). Aber an der Anzeige, die von der Straße aus sichtbar ist (wie im Bild zu diesem Artikel dargestellt) stand immer noch 160,9. Ich habe auch den Tankvorgang nach ca. 20l abgebrochen, als mir die Differenz aufgefallen ist.

    Antwort auf "Vertrag"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, AFP, dapd, tst
  • Schlagworte Bundeskartellamt | ADAC | Andreas Mundt | Autofahrer | Bundestag | Computer
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