VerkehrsinfrastrukturDie Straße leuchtet und teilt sich mit

Die Niederländer probieren eine "intelligente Fernstraße" aus: Leuchtstoff in der Fahrbahn speichert Licht für die Nacht, und Informationen bekommt der Fahrer auch noch. von Susanne Kilimann

Computerzeichnung der leuchtenden Fahrbahn

Computerzeichnung der leuchtenden Fahrbahn  |  © Studio Roosegaarde

Wer auf der Autobahn durch Belgien oder die Niederlande gefahren ist, weiß: Die beiden Benelux-Länder haben schon vor Jahrzehnten ihre Fernstraßen mit einem dichten Laternennetz versehen. Belgien hat seine Straßen beinahe lückenlos beleuchtet, in den Niederlanden wurden immerhin fast 1.000 von rund 2.300 Autobahnkilometern mit Straßenlampen ausgestattet. Das Ziel ist, die Zahl schwerer Unfälle zu senken.

Mit Sparnotwendigkeiten und selbstverordneten CO2-Reduktionszielen lässt sich das Lichtspektakel allerdings schlecht vereinbaren. Darum haben die Belgier den Anteil der beleuchteten Fernstraßen in den vergangenen Jahren drastisch reduziert, und die Holländer haben begonnen, konventionelle Straßenlaternen durch LED-Technik zu ersetzen.

Anzeige

Nun geht Daan Roosegaarde einen großen Schritt weiter. Der Lichtdesigner, dessen Kunstwerke schon in der Londoner Galerie Tate Modern und im Tokioter Nationalmuseum zu sehen waren, hat sich ein innovatives Konzept zur Straßenbeleuchtung ausgedacht: Er will herkömmliche Straßenmarkierungen durch solche mit einem lichtempfindlichen Pulver ersetzen. Tagsüber speichert das Material das Sonnenlicht, bei Dunkelheit lässt die aufgenommene Energie die Markierungen extrem hell leuchten. Bis zu zehn Stunden sollen die Streifen das dunkle Rollfeld aus eigener Kraft illuminieren, erläutert der kreative Niederländer.

Test in Brabant

Ein ähnliches lichtempfindliches Material sei bereits in den Zaubertafeln zum Einsatz gekommen, mit denen Kinder in den siebziger Jahren spielten, sagt Roosegaarde. In Zusammenarbeit mit einem Farbenhersteller habe er das Pulver lediglich weiterentwickelt, sodass es sich jetzt "beinahe radioaktiv" verhalte. In Zeiten des energiepolitischen Umdenkens rechnet sich der Designer gute Chancen für die Idee aus.

Für sein "Smart Road Design" hat Roosegaarde zusammen mit seinem Kooperationspartner, einem Spezialisten für Infrastruktur-Management, kürzlich den niederländischen Design-Preis für das beste Zukunftskonzept gewonnen. Im kommenden Sommer wird die Idee der selbstleuchtenden Straßen sogar realisiert – zunächst allerdings nur auf ein paar Hundert Metern Autobahn in der niederländischen Provinz Brabant.

Energieverbrauch und -kosten zu senken, ist allerdings nur ein Ziel, das Roosegaarde mit seinem Alternativentwurf verfolgt. In seiner Vorstellung werden die Straßen künftig ihre Nutzer mit allerhand Informationen versorgen. So könnten beispielsweise mit speziellen Farben Schneeflockensymbole auf den Asphalt gezeichnet werden, die erst dann leuchten, wenn die Temperatur unter zwei Grad Celsius sinkt. So könnten Fahrer vor Eisglätte gewarnt werden.

Leserkommentare
  1. Ich kann mir nicht vorstellen, dass leuchtende Bodenmarkierungen und Sicherheitshinweise positiv dazu beitragen, andere Verkehrsteilnehmer besser zu sehen und zu erkennen; Zumal diese gleich gut oder schlecht beleuchtet bleiben wie jetzt.

  2. Die Idee der aktiv leuchtenden Fahrbahnmarkierung ist zunächst einmal gut. Allerdings hat sie einen Haken: Sie generiert die Illusion einer erhöhten Sichtweite, weil die Straße weit zu erkennen ist. Dadurch können sich die Geschwindigkeiten erhöhen.

    Eventuelle Hindernisse bleiben aber unbeleuchtet und damit unsichtbar, was das Unfallrisiko eher erhöht. Außer man geht davon aus, dass Autobahnen per Definition hindernisfrei sind.

    Gäbe es dieses Problem nicht, könnte man das Ganze auch noch eleganter lösen, d.h. ohne komplizierte Energiespeicherfarben.

    Man müsste "lediglich" relativ einfache Fluorezenzfarben auf die Straßen auftragen und die Scheinwerfer um UV-Lampen erweitern, z.B. mit Energiesparlampen.

    Das unsichtbare UV-Licht würde von den Farben in sichtbares Licht umgewandelt werden, die Straße leuchtet. Gleichzeitig wird der Gegenverkehr nicht geblendet, weil UV unsichtbar ist. Auch Nebel könnte aus diesem Grund durchdrungen werden, ohne für den Fahrer Licht zu reflektieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Hickey
    • 27. November 2012 12:39 Uhr

    ist nicht gut fürs Auge.

    Außerdem ist diese Umsetzung noch stromfressender, da gerade UV-Lampen einen hohen Verbrauch haben.

    Die "normalen" handelsüblichen UV-Leuchtstoffröhren habe keinen hohen bzw. gezielten Wirkungsgrad, so dass ein Beleuchten der Straße mit diesen Lampen nur einen schwachen Leuchteffekt herbeiführt.

    Kann aus Erfahrung sagen, dass sich meine Durchschnittsgeschwindigkeit auf beleuchteten Autobahnabschnitten deutlich erhöht. Mit dem richtigen Auto macht das richtig Spass.. leider^^

    Auch die fluoriszierenden Elemente sind nur auf den ersten Blick eine gute Idee (insb. die Schneeflocken). Aber auch hier gilt: Je deutlicher ich die eine Sache sehe, umso weniger achte ich auf den Rest. Rehe und Wildschweine fluoreszieren leider nicht, rennen aber trotzdem gelegentlich mal über die Strasse.

    Besser ist da der Ansatz der PKW Industrie mit Head-Up Displays, Onboardradar und sonstigen visuellen&elektronischen Helferlein. Da lässt sich in den kommenden Jahren weitaus mehr Potential rausholen als mit den Schneeflocken.

    Unterm Strich: Die Idee ist zwar gut, aber 20 Jahre zu spät dran.

    ... fährt man besser nicht zu schnell sonst wird man sehr schnell geblitzt.

    • Hickey
    • 27. November 2012 12:39 Uhr

    ist nicht gut fürs Auge.

    Außerdem ist diese Umsetzung noch stromfressender, da gerade UV-Lampen einen hohen Verbrauch haben.

    Die "normalen" handelsüblichen UV-Leuchtstoffröhren habe keinen hohen bzw. gezielten Wirkungsgrad, so dass ein Beleuchten der Straße mit diesen Lampen nur einen schwachen Leuchteffekt herbeiführt.

    Antwort auf "Riskanter Ansatz"
  3. Kann aus Erfahrung sagen, dass sich meine Durchschnittsgeschwindigkeit auf beleuchteten Autobahnabschnitten deutlich erhöht. Mit dem richtigen Auto macht das richtig Spass.. leider^^

    Auch die fluoriszierenden Elemente sind nur auf den ersten Blick eine gute Idee (insb. die Schneeflocken). Aber auch hier gilt: Je deutlicher ich die eine Sache sehe, umso weniger achte ich auf den Rest. Rehe und Wildschweine fluoreszieren leider nicht, rennen aber trotzdem gelegentlich mal über die Strasse.

    Besser ist da der Ansatz der PKW Industrie mit Head-Up Displays, Onboardradar und sonstigen visuellen&elektronischen Helferlein. Da lässt sich in den kommenden Jahren weitaus mehr Potential rausholen als mit den Schneeflocken.

    Unterm Strich: Die Idee ist zwar gut, aber 20 Jahre zu spät dran.

    Antwort auf "Riskanter Ansatz"
  4. 5. Hmm...

    "Unsere Ideen umzusetzen kostet mehr, als herkömmliche Straßen zu bauen – aber immer noch weniger, als eine neue Erde zu erschaffen."

    Nun, das grenzt den finanziellen Rahmen auch nicht unbedingt ein..

    Bleibt noch die Frage nach der Haltbarkeit: nach wie vielen Jahren muss nachgebessert werden, und was macht man im Winter, wenn Matsch&Eis sich auf den Leuchtstreifen häufen?

    • Flari
    • 27. November 2012 12:59 Uhr

    "was macht man im Winter, wenn Matsch&Eis sich auf den Leuchtstreifen häufen?"

    Immerhin haben Sie nicht gefragt, wie man unter dem Schnee oder Eis die Schnee und Eiswarnungen erkennen soll..

  5. Neben der Verkehrssicherheit und den Energiekosten sollte man auch nicht vergessen, dass zuviel nächtliche Beleuchtung auch andere negative Auswirkungen haben kann. War ja auch schon von ZO thematisiert worden:

    http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-02/leserartikel-lichtsmog-umwelt

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Autobahn | Belgien | Elektroauto | Indien | MIT | Niederlande
Service