AutomarktImagewechsel macht SUV erfolgreich

Das Negativbild vom Sprit saufenden Monster-Geländewagen verblasst: Der Marktanteil der SUV wächst kräftig. Warum sind sie immer beliebter? von 

Das Konzept des VW Taigun, eines geschrumpften Tiguan auf Basis des Kleinwagens Up

Das Konzept des VW Taigun, eines geschrumpften Tiguan auf Basis des Kleinwagens Up  |  © Volkswagen

Die Provokation ist 2,16 Meter breit, wiegt mit Gepäck drei Tonnen und parkt in zweiter Reihe am Mühlenkamp in Winterhude. Hier, in einer belebten Hamburger Einkaufsstraße, blockiert der schwarze Range Rover Sport den Weg der Radfahrer, Linienbusse und Autos. Er nimmt den Fußgängern, die auf die andere Seite wechseln wollen, die Sicht. Aber nur für ein paar Minuten. Dann steigt die Fahrerin mit einem kaffeegefüllten Pappbecher in der Hand ein und macht mit ungerührter Miene Platz. Das Klischee ist perfekt: Der Geländewagen, auf Neudeutsch SUV ( Sports Utility Vehicle ), ist übergewichtig, wird rücksichtslos bewegt – und er ist mutmaßlich versoffen.

Dieses Negativbild aber wandelt sich rasant. "SUV-Hasser sind inzwischen die Ausnahme", sagt der Autodesign-Professor Lutz Fügener von der Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Pforzheim. Die Verkaufszahlen geben ihm Recht. Autokäufer scheinen SUV zu lieben. Der Anteil der Geländewagen an den gesamten Pkw-Neuzulassungen in Deutschland stieg von vier Prozent vor zehn Jahren auf 15 Prozent im laufenden Jahr, das Fahrzeugsegment hat sich also fast vervierfacht.

Anzeige

Die Verkaufsrenner sind dabei nicht die schweren Geländewagen-Kolosse, mit denen der Boom Ende der neunziger Jahre angefangen hat. Die absoluten Zulassungszahlen von Autos wie dem Porsche Cayenne, dem Audi Q7 oder dem BMW X5 waren immer gering. Vielmehr dominieren immer kleinere SUV das Segment: Die Topseller des Jahres 2012 sind der Volkswagen Tiguan, der Nissan Qashqai und der BMW X3.

Hochgelegter Kombi

Die Autoindustrie hat die Botschaft der Interessenten verstanden: Die Käufer wollen die Vorteile des SUV, ohne die Nachteile – etwa einen hohen Verbrauch – mitnehmen zu müssen. "SUV sind praktisch und vermitteln Sicherheit", erklärt Fügener den Erfolg. Das Rezept ist simpel. Die hohe Sitzposition bringt Übersichtlichkeit und erleichtert den Einstieg, das Design vermittelt Robustheit.

Der Allradantrieb, an sich ein Merkmal von Geländewagen, fliegt in aller Regel raus. Stellvertretend für diese Entwicklung steht die Offroad-Variante des Fiat Panda. Für bergige Regionen wurde jüngst der neue Panda 4x4 vorgestellt, der sich dort traditionell großer Beliebtheit erfreut. Für alle anderen reicht die Version Trekking, die zwar Gestaltungselemente des 4x4 übernimmt, mit reinem Frontantrieb aber leichter, preisgünstiger und sparsamer ist als der 4x4.

In die gleiche Kerbe schlägt der kürzlich im brasilianischen Sao Paulo präsentierte Volkswagen Taigun. Während die Wolfsburger beim Namen offenbar einfach Scrabble mit dem Tiguan gespielt haben, bildet bei Technik und Design der Kleinwagen Up das Vorbild. Mit 3,86 Meter Länge, einem aufgeladenen Ein-Liter-Dreizylindermotor und Frontantrieb wird die Studie Taigun sehr wahrscheinlich ab 2014 tatsächlich zu kaufen sein – Volkswagen möchte ungern dem Dacia Duster allein das Feld überlassen.

Der rumänische Geländewagen aus der Renault-Gruppe vereint im Moment nämlich alle Trends in diesem Segment. Wer ihn nur mit Frontantrieb bestellt, hat letztlich einen hochgelegten Kombi mit ausgestellten Kotflügeln. Als einziger Nachteil aus der SUV-Welt bleibt die große Stirnfläche, die Autobahnfahrten vergleichsweise teuer, weil spritfressend macht.

Leserkommentare
  1. "Die" merken das nicht einmal! Und Sie hält man günstigstenfalls für einen armen Irren.
    Seien Sie tapfer. Ich bin bei Ihnen.

    5 Leserempfehlungen
  2. "Der Marktanteil der SUV wächst kräftig. Warum sind sie immer beliebter?"

    Weil sie verschiedene Funktionen haben, neben dem praktischen Nutzen, der zumeist nur für Förster und Bauern relevant ist, sind sie der automobile Ausdruck verschiedener gesellschaftlicher Trends, und sollen etwas signalisieren:

    1. Platz da, hier komm ich!
    2. Das Auto ist mein Schutzraum gegen das rauer werdende soziale Klima.
    3. Guck mal, ich kann mir das leisten!

    26 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    weder ein förster noch ein bauer kann mit einem suv etwas anfangen. ist ein stadtauto, wie die zulassungszahlen belegen.

    Einer geht noch :)

    .....
    4. Ich bin sportlich, robust und durchsetzungsfähig, mich hält so schnell nichts auf, ganz wie mein Auto.

  3. 11. Bequem!

    Wer jemals versucht hat im Alter die Bodenblech-Sitzposition einer MB/BMW/Audi-Limousine
    halbwegs würdevoll zu verlassen, weiß die Vorteile eines SUV´s zu schätzen!

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Im Alter denke ich daran meinen Sportwagen doch noch tiefer zu legen. Hält fit. :)

    Dafür brauchts keinen SUV, ein kleiner MB Smart oder A-Klasse reicht da auch.

  4. Im Alter denke ich daran meinen Sportwagen doch noch tiefer zu legen. Hält fit. :)

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Bequem!"
  5. 13. naja...

    SUV´s werden kleiner, aha.
    Immerhin will ja auch der kleine Mann halbwegs adäquat bewaffnet am Krieg teilnehmen...

    Form follows function.

    7 Leserempfehlungen
    • thbode
    • 12. November 2012 23:59 Uhr

    - für die Unbelehrbarkeit der Menschen, die in der Summe dazu führt dass der Planet ruiniert wird.
    Dieser infantile Spaß im SUV zu thronen ist einfach nur lächerlich, langweilig und durchschaubar. Für diesen Mist machen wir 8 Milliarden Ameisen, von denn jede denkt dass ausgerechnet sie ausnahmsweise keinen echten Beitrag lesiten muss, sondern die "anderen" oder "die Regierung", alles kaputt. SUV sind natürlich nicht das einzige Problem auf der Welt (da gäbe es noch Frau Merkel, die Schlagerparade, die FDP, usw.) aber ein untrügliches Zeichen dafür dass man alle Hoffnung fahren lassen sollte...

    16 Leserempfehlungen
  6. Viele SUV-Fahrer können wahrscheinlich lang und breit über den drohenden Klimawandel referieren. Rein statistisch gesehen muss es so sein.
    Fazit: Ein erheblicher Teil der Bevölkerung predigt Wasser und trinkt Wein. Sozusagen eine Abstimmung mit den Reifen, was die Klimapolitik anbelangt.

    6 Leserempfehlungen
  7. 16. Outing

    [...]

    Ja, ich HASSE SUVs. Man sollte sowas gesetzlich Berufsgruppen vorbehalten, die sie auch brauchen. Oder den Innenstadtzugang verbieten. Aber wer würde sie dann noch fahren?

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/jp

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    . . .gute Idee. Die Innenstädte mit diesen Raumfordernden von arroganten und infantilen Zeitgenossen bewegten Klötzen frei zuhalten ist völig im grünen Bereich. Ich hasse SUV´s nicht, ich finde die Idee , die hinter denen steckt, und sie selber albern. Dabei interessiert mich weder der Preis dieser Dinger noch ihre tatsächlicher Nutzen. Aber was heißt schon Nutzen, ein SUV wird bis auf wenige Ausnahmen im Gelände versagen, für jede Innenstadt zu groß sein und kommt albern designed daher. Wir haben einige Probleme zu lösen und beschäftigen uns mit solchen Quatsch. Und das in voller Absicht. Lasst echt jede Hoffnung fahren. Jede Spezies hat ihre Grenze bei der Möglichkeit zu überleben. Wir auch, trotz SUVVVVVVVVVVVVVVVVV ;-)

    "Man sollte sowas gesetzlich Berufsgruppen vorbehalten, die sie auch brauchen. Oder den Innenstadtzugang verbieten."

    Was haben Sie dagegen, wenn Leute für die Stadt kürzere und dafür höhere Autos bevorzugen? Gerade in der Stadt ist das doch entschieden sinnvoller als lange Flundern.

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jp

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte BMW | Volkswagen | Audi | Fiat | Porsche | SUV
Service