Befürworter von Tempo 30 hoffen zudem auf weniger Verkehrslärm. Auf Asphalt kann der Geräuschpegel laut Lärmexperten um zwei bis drei Dezibel sinken, wenn die Geschwindigkeit von 50 auf 30 Stundenkilometer gedrosselt wird. Auf Kopfsteinpflaster sind sogar bis zu sechs Dezibel möglich. Eine Reduktion um drei Dezibel entspricht einer Halbierung der Schallintensität, hat also den gleichen Effekt wie eine Halbierung der Verkehrsmenge. Allerdings empfindet das menschliche Ohr die Wirkung nicht in diesem Umfang.

In Bristol können die Fachleute diese These nicht bestätigen: Eine signifikante Reduzierung des Lärmpegels fanden die Forscher dort nicht. Die Wirkung von Tempo 20 auf den Verkehrslärm sei "vernachlässigbar", heißt es im Evaluationsbericht .

Uneindeutig auch das Ergebnis Luftqualität: Ein fließender Verkehr bei 20 miles per hour stoße weniger schädliche Abgase aus, sagt Anna Semlyen von der britischen Kampagne " 20's Plenty For Us " . Eine Studie habe gezeigt, dass Autofahrer bei Tempo 30 deutlich seltener schalten und bremsen müssten. Dadurch sinke der Spritverbrauch und entsprechend der CO2-Ausstoß – um zwölf Prozent.

Mediziner setzen auf Tempo 20

Doch auch hier kann Bristol die Hoffnungen nicht mit Daten untermauern. "Der Effekt auf die Luftqualität ist zu gering, um messbar zu sein", fassen die Forscher ihre Ergebnisse zusammen. Auch das deutsche Umweltbundesamt ist skeptisch. Bei einer langsameren Fahrweise werde zwar weniger Feinstaub aufgewirbelt, sagt ein Sprecher. Aber Verbrennungsmotoren würden dann vermehrt umweltschädliche Stickstoffoxide ausstoßen.

Immerhin räumen die Fachleute aus Bristol ein, dass sich die Luft auf lange Sicht bessern könne, wenn Tempo 20 noch mehr Menschen dazu bringe, aufs Auto zu verzichten.

Das ist wohl die interessanteste Erkenntnis aus den Pilotstädten: Ein niedrigeres Tempolimit macht Radfahren und zu Fuß Gehen attraktiver. In Bristols Tempo-20-Bezirken wurden 20 Prozent mehr Strecken mit dem Fahrrad zurückgelegt und 23 Prozent mehr zu Fuß.

Das Tempolimit nehme vielen Bürgern die Angst, als Radfahrer oder Fußgänger gegen die Autos zu bestehen, folgert Semlyen von 20's Plenty . Das könne sich gar positiv auf das Gesundheitssystem auswirken: Wenn mehr Autofahrer aufs Rad umstiegen, verbessere sich die Gesundheit der Anwohner. Die öffentlichen Gesundheitskosten würden sinken. Darum spricht sich auch die britische Vereinigung National Heart Forum für Tempo 20 aus.