Tempo 30 in StädtenUnd plötzlich ist Radfahren attraktiv
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Berlin als Ausnahme

Glaubt man dem Verkehrsclub Deutschland, dann kann Tempo 30 in Städten auch die Verkehrssicherheit erhöhen. Berechnungen der Verkehrsexperten zeigen: Wer mit 50 Stundenkilometern bremse, brauche 27,7 Meter bis zum Stillstand. Bei Tempo 30 betragen Reaktions- und Bremsweg zusammen nur 13,3 Meter. Meter, die über Menschenleben entscheiden können.

Doch auch hier sind die Ergebnisse aus der Praxis nicht klar. Zwar ging in Portsmouth die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Personen um 22 Prozent zurück – mehr als in anderen Kommunen. Allerdings stieg die Zahl der Toten und Schwerverletzten leicht an. Die Forscher halten die Zahlen aber für zu gering, um Aussagekraft über Erfolg oder Misserfolg von Tempo 20 zu haben.

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Oliver Carsten, Professor für Verkehrssicherheit am Institute for Transport Studies der Universität Leeds, relativiert die Hoffnung auf sichtbare Effekte von Tempo 20. Er verweist darauf, dass etwa in Portsmouth auf vielen engen Straßen schon vorher kaum schneller als 20 miles per hour gefahren wurde. Folglich könnten die Folgen der Umstellung gar nicht so enorm sein, sagt Carsten.

Mehr Lebensqualität

Ähnlich argumentieren Kritiker in Deutschland. In Berlin gelte auf mehr als drei Viertel der Straßen bereits Tempo 30, in München seien es 80 Prozent. Darum brauche man eine neue Regel gar nicht, meint der ADAC .

Für Anja Hänel vom Verkehrsclub Deutschland sind München und Berlin allerdings Ausnahmen. "Viele andere Städte sind noch längst nicht so weit", sagt die Verkehrsexpertin. Neue Schilder, Umbaumaßnahmen, Papierkram: Die enorme Bürokratie und zusätzliche Kosten würden sie von Tempo-30-Zonen abhalten.

Teuer muss es aber nicht zwangsläufig werden. Die britischen Kommunen bauten die Straßen nicht mit großem Finanzaufwand um. Sie stellten lediglich Schilder auf und malten das neue Tempolimit auf die Straße.

Für den Verkehrsclub Deutschland ist das allerdings nur ein Anfang. Er hält es für wünschenswert, bei generellem Tempo 30 die Straßen neu zu gestalten. Nicht, um das Tempolimit durchzusetzen, sondern um die Lebensqualität zu erhöhen.

Anmerkung: Die Angaben zur Lärmpegelentwicklung wurden nach Veröffentlichung exakter formuliert.

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Leserkommentare
  1. Das halte ich für ein Gerücht. Der Gemischverbrauch rechnet sich Hubraum mal Drehzahl.
    Bei Tempo 50 kann ich im Auto im 5ten Gang rollen, bei Tempo 30 braucht es aber den dritten Gang. Der Spritverbrauch steigt deutlich.

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    beschleunigen um an der nächsten Ecke wieder abzubremsen brauch sie defintiv mehr Energie!

    Es waere unsinnig und voellig ueberfluessig bei 30 kmh im 3. Gang zu fahren. Versuchen sie's doch mal im 5., und Sie werden sehen, es geht, und der Verbrauch geht drastisch runter. Ich mache das schon jahrelang so in unserer kleinen Stadt, wo es sich nicht lohnt, schnell zu fahren.

    • Flari
    • 15. November 2012 15:15 Uhr

    Darf man fragen, wieviel Sie in der Stadt verbrauchen?
    Mit einem Benziner und ca. 1,5 Tonnen Leergewicht sollten Sie mit 2,5 Litern auf 100km auskommen.
    Nach Herstellerangaben, die die meisten Leute für geschönt halten, brauchen Sie dort aber schon das drei bis vierfache!
    Und auf die sich ergebende Durchschnittgeschwindigkeit sogar das fünffache.
    Also 20-25% fürs fahren, der ganze Rest zum beschleunigen, bremsen und im Stau stehen..

    • Raistal
    • 15. November 2012 16:55 Uhr

    sinkt die Drehzahl – wenn man nur 30 fährt – und damit der Verbrauch.

    gerne, aber nur wenn Alternativen geboten werden. NUR Fahrrad ist keine Lösung. KOSTENLOSER NAHVERKEHR (schont Umwelt, Innenstadt und Nerven!!!)

    • sauce
    • 15. November 2012 23:33 Uhr

    Benzinverbrauch gleich Hubraum mal Drehzahl? Und darum kann man bei Tempo 30 keinen Sprit sparen????
    Na super ! .... die meisten mir bekannten Automodelle verfügen über eine Drehzahlanzeige - bei Tempo 30 kann man die Drehzahl genausogut (eigentlich besser! )niedrig halten als bei Tempo 50. Evtl. erfordert das ein bißchen Übung wenn man bisher zu den "Aufheulern" gehörte. Möglich ist das auf jeden Fall und spart auch Sprit - außer man nutzt jede 50er-Zone für einen Kavaliersstart um der Umwelt mitzuteilen, wie genervt man von der Geschwindigkeitsbegrenzung ist

    • TDU
    • 15. November 2012 14:33 Uhr

    Gerne, aber nicht am Raster ausgerichtet. 4 spurig oder breite Fahrbahnen, abends oder über Tag mit Tempo 30?. Da wird man ja eher nervös. Und mit der Umgestltung ist gut. In einer schönen udn rihigen Strasse fährt man sicher eher freiwiilig langsam.

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    • xl
    • 15. November 2012 17:18 Uhr

    Ihr Argument verfängt nicht, hätten Sie den Artikel (und alle Studien die es zu diesem Thema seit Jahren gibt) gelesen, wüssten Sie das es nicht um Tempo 30 auf mehrspurigen Ringstrassen geht. Vielmehr geht es darum das Prinzip der 30er Zonen umzukehren und nur noch in Ausnahmen (also zB auf o.g. Ringstrassen) Tempo 50 zuzulassen.

  2. wie in Berlins Innenstadt wäre wünschenswert für alle Innenstädte. Selbst auf den breiten Strassen in Berlin wo 50 km/h erlaubt sind gibt es häufig durch die Bussspuren oder direkte eigene Möglichkeiten mit dem Fahrrad gut unterwegs zu sein und auch der Nahverkehr nimmt ohne Probleme Fahrgäste mit Zweirädern mit.

  3. 5. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    nimmZeit - sehr gut ! Ich mag gute Satire :)

    Kürzlich hab' ich einige Artikel zum Thema Nahverkehr in Hamburg gelesen - da tauchte immer wieder eine durschschnittliche Geschwindigkeit von 23km/h im innerstädtischen Autoverkehr auf, gleich viel wie die U-Bahn.
    Bus und Fahrrad kommen jeweils auf 15km/h, mehr, wenn man sportlich und/oder lebensmüde ist.

    Da relativieren sich die Horrorvorstellungen eines Hr. Ramsauer.

    Liebe Grüße

    denton

    [...]

    In ruralen Regionen würde ein gesenktes Tempolimit nicht viel Unterschied machen, in urbanen Regionen gibt es öffentliche Verkehrsmittel - die auch ein "Leistungsträger" nutzen kann.

    Und den ÖPNV könnte man mit dem Geld, das man durch geringere Straßenschäden einspart, weiter fördern.

    Der Kommentar zu Arbeitslosen und Beamten verdient wohl keine Antwort.

    Gekürzt. Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/au.

    Danke

    @nimmZeit: Ihr Kommentar bestätigt sämtliche Vorurteile über übermotorisierte "Platz Da jetzt komm ich!"-Raser, die sich in maßloser Selbstüberschätzung für die Elite der Gesellschaft halten (was aber höchstens für die Quote der verursachten Schwerstunfälle zutrifft), aufs passendste! War Ihr Kommentar ernst gemeint, oder wollten Sie das forsche Auftreten solcher Leute parodieren?

  4. Ein sehr interessanter Artikel!

    Fragen mir doch mal andersrum:

    Was bringt Tempo 50? Ist man damit in der Stadt wirklich schneller? Und wenn ja, um wie viel?

    Wer mag kann sich mal diese tolle Produktion anschauen: http://vimeo.com/41982043

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    • lxththf
    • 15. November 2012 15:23 Uhr

    und es würde mich rund 40Min. am Tag mehr kosten mit Tempo 30. Nein danke, die möchte ich anders verbringen.

    Wie riesig ist die Stadt, durch die Sie fahren?

    • slash83
    • 15. November 2012 14:47 Uhr

    Ich bin froh um den Trend zum Fahrradfahren. Jedoch weiß ich nicht ob Englands Städte hierfür wirklich ein Vorbild sein können. Ich bin kürzlich von Konstanz nach London gezogen und empfinde London nicht wirklich als fahrradfreundlich (Genauere Ausführungen hierzu in meinem Blog: http://www.marcelmuench.d...).

    Das Problem ist doch, dass viele Menschen gerne das Fahrrad benutzen wollen, jedoch die Infrastruktur und Auto-zentrierte Kultur eine enorme Hürde darstellt. Hier ist denke ich Deutschland noch viel besser als England - ungeachtet der Tempo 30 Zonen.

    Bisher sind es noch wenige Pioniere, die das Fahrrad als Alternativtransport zum Auto auch für berufliche Zwecke verwenden. Es bleibt zu hoffen, dass dadurch eine stärkere Bewegung in Schwung kommt die letztlich zu einer nachhaltigen Veränderung unseres Infrastrukturdesigns führt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ja, bei meinem letzten Besuch in London habe ich auch geschmunzelt, als mir mein Fahrrad fahrender Bekannte Londons Straßen als fahrradfreundlich preisen wollte.

    Hier in Kopenhagen wählt man einen anderen Weg: die Straßen sind zwar alle Tempo 50, dafür wird das Auto massiv politisch bekämpft: Hauptstraßen zu Fußgängerzonen erklärt, ganze Stadtteile ohne Parkplätze, und nur mit teuren Parkhäusern, gebaut. Auf der anderen Seite baut die Stadt zweispurige "Fahrradhighways" mit Luftpumpen und "Abstoßhilfen"; in den ÖPNV werden Millionen investiert. Allerdings ist Dänemark politisch schon seit langem ein Pro-Fahrrad und Anti-Auto Land.

    Soll heißen, die Auswirkungen auf die Fahrradfahrerquote durch ein Tempolimit halte ich auch für eher gering. Da müsste man härtere Geschütze auffahren.

  5. 8. 23km/h

    nimmZeit - sehr gut ! Ich mag gute Satire :)

    Kürzlich hab' ich einige Artikel zum Thema Nahverkehr in Hamburg gelesen - da tauchte immer wieder eine durschschnittliche Geschwindigkeit von 23km/h im innerstädtischen Autoverkehr auf, gleich viel wie die U-Bahn.
    Bus und Fahrrad kommen jeweils auf 15km/h, mehr, wenn man sportlich und/oder lebensmüde ist.

    Da relativieren sich die Horrorvorstellungen eines Hr. Ramsauer.

    Liebe Grüße

    denton

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Peter Ramsauer | ADAC | CSU | Umweltbundesamt | Autofahrer | Feinstaub
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