ZEIT ONLINE: Warum hatten Sie überhaupt ein Ersatzrad dabei?

Semsch: Ich war skeptisch, ob das Pedelec die extremen Bedingungen problemlos meistern würde. Außer Frost und Hagel hatten wir alles an Wetter, was man sich vorstellen kann. Wir fuhren monatelang bei über 40 Grad Celsius durch sehr trockene Gegenden. In anderen Regionen war es sehr schwül, ein anderes Mal fuhren wir durch 30 Zentimeter hohes Wasser. Zwar ist sämtliche Technik wasserdicht gekapselt. Aber ich wollte nicht mitten im Nirgendwo des australischen Outbacks mit einem Elektrofahrrad stehen bleiben und es nicht reparieren können.

ZEIT ONLINE: Hat das Pedelec denn zwischendurch gestreikt?

Semsch: Nein. Die Technik funktionierte einwandfrei. Ich hatte die üblichen Pannen: sieben Platten, eine gebrochene Speiche, einen kaputten Kettenspanner, zwei Kettenwechsel, mehr nicht.

ZEIT ONLINE: Sie hatten allerdings auch eine große Eskorte, die Sie begleitete.

Semsch: In einem Geländewagen haben mich meine Frau und ein Kameramann begleitet. Meine Singapurreise hatte ich selbst gefilmt. Das war sehr zeitaufwändig. Dieses Mal wollte ich mich aufs Radfahren konzentrieren. In dem Wagen transportierten wir das Ersatzrad, vier Akkus für jedes Rad und auf dem Dach die Sonnenkollektoren als Energiequelle für die Akkus.

ZEIT ONLINE: Den Strom produzierten Sie in erster Linie selbst?

Semsch: Außerhalb der Städte gab es über Hunderte von Kilometern überhaupt keine Gelegenheit, Akkus aufzuladen. Und wenn, dann hätten unsere Pausen nicht gereicht, um alle aufzuladen. In Europa braucht man das nicht. Dort findet man immer eine Möglichkeit, Akkus aufzuladen.

ZEIT ONLINE: Kamen Sie auf dem Pedelec an Ihre Leistungsgrenze?

Semsch: Natürlich. Bei 40 Grad unterwegs zu sein, ist auch auf einem Pedelec extrem anstrengend. Außerdem war die bereits erwähnte 7.000-Kilometer-Tour mit Gegenwind ein ziemlicher Kraftakt – mental wie körperlich. Die Gegend war topfeben, und die Straße verlief in einer endlosen Geraden dahin. Es gab keine Abwechslung. Ich habe die Striche in der Mitte der Straße gezählt, um mich abzulenken.

ZEIT ONLINE: Sie haben vor und nach Ihrer Reise einen Leistungscheck gemacht. Wie fit waren Sie nach Ihrer Rückkehr?

Semsch: Ich habe in der Zeit fünf Kilogramm abgenommen. Ich habe meinen untertourigen Bereich trainiert und mich auf der Leistungsskala um vier Prozentpunkte verbessert. Zum Supersportler bin ich nicht geworden. Aber das war auch nicht mein Ziel.