Australien per Rad"Bei 40 Grad ist es auch auf einem Pedelec extrem anstrengend"

Maximilian Semsch hat auf einem Pedelec Australien umrundet. Im Interview schildert er, wie sich die Technik über 16.000 Kilometer bewährte und woher er den Strom nahm. von Andrea Reidl

Maximilian Semsch repariert sein Pedelec während seiner Australien-Umrundung.

Maximilian Semsch repariert sein Pedelec während seiner Australien-Umrundung.  |  © Frank Richter

ZEIT ONLINE: Mit dem Pedelec einmal rund um Australien , ist das nicht eher eine Rentnertour?

Maximilian Semsch: Das ist ein klassisches Vorurteil, das ich oft von Freunden und Fremden zu hören bekam. Aber es stimmt nicht. Ein Pedelec fährt nur, wenn man selbst tritt. Zudem war die Australientour keine klassische Fahrradreise, eher ein Experiment, eine lange Testfahrt.

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ZEIT ONLINE: Sie sind vier Jahre zuvor von München nach Singapur pedaliert. Was ist der entscheidende Unterschied zwischen herkömmlichem Fahrrad und Elektrorad bei solchen Touren?

Semsch: Die Reichweite. Ich bin mit beiden Rädern durchschnittlich acht Stunden am Tag unterwegs gewesen. Mit meinem normalen Rad fahre ich etwa 15 km/h. Mit dem E-Bike schaffe ich 21 km/h. Die Tagesetappe ist länger, aber abends bin ich genauso platt wie mit einem normalen Rad.

ZEIT ONLINE: Andere Pedelec-Fahrer schildern genau das Gegenteil: dass sie abends nicht völlig erledigt sind.

Maximilian Semsch
Maximilian Semsch

Maximilian Semsch ist 29 Jahre alt. Vor acht Jahren ging er das erste Mal auf Weltreise. Als er drei Jahre später nach München zurückkehrte, beschloss er, Abenteurer zu werden. Über seine Radreise von München nach Singapur drehte er einen Dokumentarfilm, den er als DVD verkauft. Am 1.1.2012 startete er seine Australientour und kam nach 187 Tagen wieder an seinem Ausgangspunkt in Sydney an.

Semsch: Das hängt davon ab, wie stark mich der Motor unterstützt. Bei dem Bosch-Motor, der an meinem Rad verbaut ist, kann ich zwischen zwölf verschiedenen Stufen wählen, von Eco bis Speed. Die Einstellung wirkt sich unmittelbar auf den Stromverbrauch und damit auf die Reichweite aus. Meine Frau hat mich zeitweise auf einem Zwilling meines Rads begleitet. Wir fuhren dieselbe Geschwindigkeit, sie hat aber eine höhere Unterstützung gewählt. Deshalb brauchte sie bedeutend mehr Strom als ich.

ZEIT ONLINE: Einen längeren Reichweiten-Test gab es noch nie. Wie hoch war Ihr Akkuverbrauch an einem durchschnittlichen Tag?

Semsch: Was ist auf so einer Reise überhaupt Durchschnitt? Der Akkuverbrauch richtete sich stets nach den Bedingungen. Ich hatte Richtung Norden 7.000 Kilometer orkanartigen Gegenwind. Radfahrer aus der Gegenrichtung sind auf herkömmlichen Rädern mit 30 km/h an mir vorbeigezischt, ich kam selbst mit Motor nur langsam vom Fleck. In der Zeit habe ich vier Akkus am Tag leer gefahren.

ZEIT ONLINE: Ohne Motor wären Sie...

Semsch: ... mit Sicherheit zwei, drei Monate länger unterwegs gewesen.

ZEIT ONLINE: Wie reagierten die Australier unterwegs auf Ihr Pedelec?

Semsch: Viele nannten mich einen Betrüger, weil ich gar nicht selber fahren würde. Ich habe die Leute dann eingeladen, auf dem Ersatzrad eine Runde zu drehen. Einige haben das gerne angenommen und kamen mit einem breiten Grinsen im Gesicht von ihrer kleinen Runde zurück.

Leserkommentare
  1. Super,

    dass Herr Semsch das in Australien ausprobiert hat und bewiesen hat, dass man mit dem Bosch-Antrieb Abenteuer in neuen Kilometerdimensionen im 21. Jahrhundert erleben kann. Einfach klasse.

    Ich habe großen Respekt vor dieser Leistung und nenne das SPORTLICH.

    Es war schon immer so, dass neue Technologien, Sportarten, Trends, Limonadengeschmacksrichtungen,... bauernschlaue Hinterwäldler (von denen es wirklich zu viele gibt) zu großspurigen Kommentaren angespornt hat.

    Das ist völlig normal und einfach großartige Unterhaltung.

    Daher: weiter so ;-)!

    Selbst die Australier sind in Puncto "Betrug" lernfähig. Warum also nicht auch die leistungsgeilen Deutschen?

    via ZEIT ONLINE plus App

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Hickey
    • 03. Januar 2013 11:16 Uhr

    kann ich das nicht wirklich als eine sportliche Leistung ansehen.

    Im Urlaub in Indoesien haben wir am Bromo/Tengger Gebiet einen Trekker mit Rad getroffen und auf die Frage woher er kommt, war die Antwort Frankreich.

    Natürlich standen wir erst verdutzt da und haben uns gefragt ob der Typ wirklich aus Frankreich losgeradelt ist, aber er hat uns die ganze Story erzählt...seit 1 1/2 Jahren unterwegs, über 30000km bereits gefahren und je nach Strecke schafft er 200km mit nem normalen Trekkinrad mit einer Rohloff Nabenschaltung ohne E-Motor...

    Das ist wirklich eine Leistung.

    Ich mache aber Ausnahmen, Menschen mit wenig Zeit die so ein vorhaben durchziehen wollen, bleibt wohl nichts anderes übrig als Hilfen aller Art in Anspruch zu nehmen.

    Sein Test in Australien war für ihn und die Firma gut, zeigt mir persönlich aber keine Massenkompatibilät, da man mit einem Pedelec fast gänzlich auf ordentliche Straßen angewiesen ist.

    PS: Auf dem Großglockner sterben regelmäßg Menschen, ich war 2011 auf dem Glockner und eine Woche vor und eine Woche nach uns sind je 2 Menschen dort in den Tod gestürzt.

  2. bin ich gefahren. Allerdings immer nur auf dem Arbeitsweg in Deutschland und ohne Begleitfahrzeug und Ersatzakkus.

    • Hickey
    • 03. Januar 2013 11:02 Uhr

    sind oft nicht in der Lage am Verkehr teilzunehmen ohne für Zusatzgefahr zu sorgen.

    Was der Sinn eines 30kg schweren Pedelecs für die alte Omi ist, die nichtmal ihre Einkaufstüten ordentlich tragen kann(muss sie auch nicht mehr), erschließt sich mir nicht.

    Für mich stellen diese Fahrräder in Kombination gerade mit älteren Menschen, eine Gefahr im Straßenverkehr dar.

    Antwort auf "Falsche Rubrik"
    • Hickey
    • 03. Januar 2013 11:16 Uhr

    kann ich das nicht wirklich als eine sportliche Leistung ansehen.

    Im Urlaub in Indoesien haben wir am Bromo/Tengger Gebiet einen Trekker mit Rad getroffen und auf die Frage woher er kommt, war die Antwort Frankreich.

    Natürlich standen wir erst verdutzt da und haben uns gefragt ob der Typ wirklich aus Frankreich losgeradelt ist, aber er hat uns die ganze Story erzählt...seit 1 1/2 Jahren unterwegs, über 30000km bereits gefahren und je nach Strecke schafft er 200km mit nem normalen Trekkinrad mit einer Rohloff Nabenschaltung ohne E-Motor...

    Das ist wirklich eine Leistung.

    Ich mache aber Ausnahmen, Menschen mit wenig Zeit die so ein vorhaben durchziehen wollen, bleibt wohl nichts anderes übrig als Hilfen aller Art in Anspruch zu nehmen.

    Sein Test in Australien war für ihn und die Firma gut, zeigt mir persönlich aber keine Massenkompatibilät, da man mit einem Pedelec fast gänzlich auf ordentliche Straßen angewiesen ist.

    PS: Auf dem Großglockner sterben regelmäßg Menschen, ich war 2011 auf dem Glockner und eine Woche vor und eine Woche nach uns sind je 2 Menschen dort in den Tod gestürzt.

    Antwort auf "Betruuug!?"

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  • Schlagworte Akku | E-Bike | Australien | Geländewagen | Motor | Strom
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