AutoindustrieGünstig CO2 einsparen ist möglich

Die CO2-Grenzwerte erhöhen die Fertigungskosten drastisch, klagt die Autobranche. Kostenanalysen zeigen: Der Aufpreis lässt sich leicht kompensieren. von 

Die Autoindustrie wehrt sich gegen die EU-Grenzwerte für den CO2-Ausstoß von Neuwagen – und macht auch vor Panikmache nicht Halt. Nirgends kann man den Endkunden so empfindlich treffen wie beim Geldbeutel, und das nutzen die Hersteller weidlich aus. Um 30 bis 40 Prozent dürften sich die Herstellungskosten erhöhen, um nach heutigem Stand der Technik die CO2-Ziele der EU für 2020 zu erreichen, warnte unlängst BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess . Die Botschaft war klar: Entsprechend teurer müssten die Autos mit dem blau-weißen Logo dann werden.

Doch diese Größenordnung scheint – zumindest für die gesamte Branche – deutlich zu hoch gegriffen. Tatsächlich dürften die zusätzlichen Herstellungskosten wesentlich geringer sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse, die der International Council on Clean Transportation (ICCT) vorgenommen hat. Demnach müssen je Fahrzeug weniger als 1.000 Euro in neue Technologien investiert werden, um im Jahr 2020 das Ziel von 95 Gramm CO2-Emissionen pro Kilometer zu erreichen. Das ist der Grenzwert, den die EU-Kommission vorschlägt.

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Die Ergebnisse basieren auf sogenannten tear-down -Kostenstudien. Dafür werden die jeweiligen Fahrzeugtechnologien in ihre Einzelteile zerlegt, denn meist unterscheiden sich innovative Technologien von den bereits heute verbauten nur in wenigen Teilen. Für diese werden Produktionsprozesse und Kosten ermittelt. So lasse sich detailliert und transparent abschätzen, wie hoch die Fertigungskosten einer neuen Technologie in der Zukunft sein werden, sagt Peter Mock, Geschäftsführer von ICCT Europe.

Große Einspar-Schritte vollzogen

Er geht zudem davon aus, dass die tatsächlichen Kosten sogar noch etwas niedriger liegen werden. Die genannte Schätzung von weniger als 1.000 Euro sei konservativ gerechnet, sagt Mock. Erstens wurde für die Rechnung unterstellt, dass die neuen Technologien ausschließlich in Deutschland zu hiesigen Material- und Lohnkosten gefertigt werden – das ist aber wenig realistisch. Zweitens könne die künftige Weiterentwicklung von Technologien die Kosten weiter senken.

Der Schritt von 130 auf 95 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer sieht zunächst groß aus, er entspricht einer Verringerung um 27 Prozent. Machbar sind solche Sprünge sehr wohl, wie aktuelle Fahrzeugmodelle belegen. Der Ford Focus etwa stößt mit seinem neuen, kleineren Direkteinspritzer-Turbobenziner und Start-Stopp-System laut ICCT 31 Prozent weniger CO2 aus als der Focus des Jahres 2010 – und das bei konstant gebliebenem Gewicht und identischer Leistung. Auch die Emissionen des aktuellen Audi A3 sind um 29 Prozent niedriger als die 2010er-Version des Modells.

Der europäische Herstellerverband ACEA kommt auf ähnliche Werte. In einem Workshop des EU-Parlaments Ende November nannte ACEA-Generalsekretär Ivan Hodac ebenfalls die Größenordnung von 1.000 Euro zusätzlichen Investitionen pro Fahrzeug, um eine 30-prozentige CO2-Reduktion zu erreichen. Der Verband bezeichnet die Investitionskosten als "sehr hoch".

Leserkommentare
    • 可为
    • 06. Dezember 2012 17:53 Uhr

    wieviel mehr CO2 bei der Herstellung der neuen CO2 sparer so anfällt. Ich möchte beim Anblick von 2Tonnen gegossenem, gewalzten oder druck-gespritzten Metall, Kunststoff, Gummi und Glas (am besten noch Hybrid mit dicken Hochleistungsakkus) die nach 5 Jahren eingestampft werden immer gerne Zweifeln dass der Verbrauch den entscheidenden Umweltschaden ausmacht...

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    • pekka
    • 17. Dezember 2012 23:25 Uhr

    Oder eher ein Versuch…
    http://www.volkswagen.de/...
    Da gibt es von VW die Zahlen für 2011. Auf Seite 84 finden sich dann die Werte für die direkten CO2-Emissionen. 2011 betrugen sie 533,61 kg/Fz. (Oder Gesamt emittiertes CO2: 984,41 kg/Fz.
    Das verfährt man in 5 Jahren dann doch relativ leicht…
    Für BMW findet man die Zahlen hier:
    http://www.bmwgroup.com/d...
    Da sind es dann 860 kg/Fz.

    • Sikasuu
    • 06. Dezember 2012 18:10 Uhr

    Ich habe ein Anrecht (steht das nich sogar im GG?) auf meinen 2t "Panzer" mit 230km/h Endgeschwindigkeit und 10l Verbrauch. Wenn der teurer wird, gib es eine Revolution!
    .
    Kleinere Autos unter 1 Tonne sind nicht standesgemäss, haben keinen Imagewert und sind "per se" unsicher! Damit bringen wir uns nur um.

    Den CO² Austoß zu begrenzen ist schlimmste Ökodiktatur von diesen Klimawandelschwindlern.
    .
    Das muss man doch mal sagen dürfen.
    .
    Meint
    Sikasuu
    (Wer in diesem Betrag IRONIE findet, darf sie behalten!)

    Eine Leserempfehlung
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    • 可为
    • 08. Dezember 2012 14:44 Uhr

    zeigen, wie sehr sie das nicht tun^^
    Laut Auto-Bild jagt so ein Cayenne unter Volllast auf der AB schon mal 60l durch - da wird der Leopard II zur ernsthaften Alternative...

  1. Wichtig ist es nur den Kunden genauer und korrekter über den Spritverbrauch zu informieren. Der NEFZ gehört nicht nur überarbeitet, sondern auch ausgeweitet. Der Kunde muss mehr Zahlen bekommen. Welche über den Benzinverbrauch in Gebieten mit vielen Steigungen, wie er sich bei Zuladung erhöht etc. Mehr als Stadt/Land/Gemittelt sind dem Kunden zuzumuten. So 10 Zahlen etwa sollten es schon sein.

    Nun zu den Grenzwerten: Es ist absoluter Humbig die zu machen. Autos die selten fahren, müssen weniger effizient sein, sie sollten aber Energieeffizient hergestellt werden. Ein Hybrid wäre hier geradezu Umweltverschmutzung. Da der Kunde ein Interesse am geringen CO2 Ausstoß hat, und der CO2 Ausstoß physikalisch an den Verbrauch gekoppelt ist, ist die Quotenregelung absolut überflüssig und als Überregulierung anzusehen. Das auf Benzin die CO2 Zertifikate kommen, darüber könnte man nachdenken.
    Die Konzerne bauen was die Kunden wollen, da kann man eigentlich nicht zweifeln. Nur wenn Sie es nicht täten, wäre eine Quote sinnvoll.

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    aber solange es nicht Vorschrift ist sind diese Autos, die sparsam sind und wenig verbrauchen überdurchschnittlich teuer. Da werden nicht nur 1000€ draufgeschlagen sondern gleich mal das 3fache. Ich bin mir z.B sicher, dass eine Zylinderabschaltung keine großen Kosten für das Unternehmen darstellt, VW lässt sich diese jedoch mit 400€ gegenüber dem gleichen Motor ohne Zylinderabschaltung bezahlen und sie ist nicht in der niedrigsten Ausstattung wählbar.

    Viel wichtiger als all diese Spielerein wäre jedoch ein Umdenken bei den Konsumenten.

  2. ... aber man sollte trotzdem nicht vergessen, dass Auto Fahren immer die Umwelt zerstört, nicht nur durch das Benzin, das man verfährt. Öko geht nur ohne Auto. Ist alles ein Handel mit dem Gewissen.

  3. aber solange es nicht Vorschrift ist sind diese Autos, die sparsam sind und wenig verbrauchen überdurchschnittlich teuer. Da werden nicht nur 1000€ draufgeschlagen sondern gleich mal das 3fache. Ich bin mir z.B sicher, dass eine Zylinderabschaltung keine großen Kosten für das Unternehmen darstellt, VW lässt sich diese jedoch mit 400€ gegenüber dem gleichen Motor ohne Zylinderabschaltung bezahlen und sie ist nicht in der niedrigsten Ausstattung wählbar.

    Viel wichtiger als all diese Spielerein wäre jedoch ein Umdenken bei den Konsumenten.

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    An sich kann man auf dem Automobilmarkt kein Monopol feststellen. Mag sein das es weniger Firmen gibt als vor 100 Jahren, aber insgesamt ist der Wettbewerb hart, nicht zuletzt wegen den enormen Überkapazitäten. Die Automobilhersteller werden also nicht wahllos Preise in den Markt durchdrücken können wie Sie wollen.

    Wieviel eine Zylinderabschaltung kostet - wieviel die Entwicklung kostet kann ich nicht feststellen. Und ich vermute Sie auch nicht. Immerhin sind die Zylinder an einer gemeinsamen Kurbelwelle, ganz trivial ist das ganze sicher nicht, und 400 Euro sind nicht die Welt. Es geht ja gerade darum das der Kunde bereit sein muss für sparsame Autos mehr Geld auszugeben - genauso wie er es für schnellere Autos tut. Anders kann kein Geld für sparsame Autos da sein.

    Ein Sechszylinder kostet ja auch deutlich mehr als ein Vierzylinder. Man könnte ja auch sagen "So teuer werden 2 weitere blöde Zylinder nicht sein".

    Alles in allem halte ich die Grenzwerte für eine unlogische sache. Denn man nehme an man könnte ineffiziente Autos energieeffizient produzieren (weil man konsequent auf lowtech setzt)

    Das wäre ein Umweltfreundliches Auto wenn es wenig gefahren wird. Die Grenzwerte diskriminieren aber dieses Konzept und pushen Autos wie den Hybrid. Letzterer ist aber nur gut für die Umwelt wenn er viel genutzt wird, sonst überwiegen die Umweltschäden durch den Akku.

    Wenn man CO2 reduzieren will ist die alleinige Steuerung über die Zapfsäule besser.

  4. Warum verschweigt die ZEIT die Bremser?: Es war Merkel, der von vielen Medien voreilig-huldvoll ausgerufenen "Klima-Kanzlerin", die die unsinnigen Fahrzeuggewichte für die Berechnung von "Fortschritt" europaweit durchgedrückt hat - um der kurzfristigen Vorteile wegen. Ebenso die absurden "Effizienz-Ampeln", die einen Leopard II effektiver erscheinen lassen als einen Smart. Das Klima dankt herzlich; doch die Lobby bezahlt die nächste Wahlkampagne.
    Das ist das fugenhaft durchgenudelte Thema von Merkel: Den richtigen Ton modulieren, scheinbar vorweg gehen, und Klugkeit durch Kurzfrist ersetzen.

  5. Die Vergleiche im Artikel sind ja mal wieder toll.

    Da wird von 30% Verbesserung zu einem Vorgänger-Fahrzeug gesprochen. Und der Autor glaubt wohl, das ginge immer so weiter. Die meisten schnellen CO2-Bringer sind inzwischen in den Autos drin. Alles was jetzt kommt, tut weh.

    Z.B. Gewicht, da sind 20-30 Euro pro Kilogramm Verbesserung schnell erreicht (heutige Autos sind für ihr Sicherheits- und Komfortniveau schon leicht). Um den NEFZ-Verbrauch besser zu machen, muss man eine Schwungmassenklasse (das sind ca. 100 kg) runter, das kostet dann schnell 2000-3000 Euro...man setze das mal in Relation zum Kaufpreis eines Dacia.

    Aerodynamik ist auch nicht beliebig reduzierbar - es sei denn man sitzt gerne hintereinander oder braucht keinen Kofferraum.

    Den Rollwiderstand der Räder kann man sicherlich noch drücken...wenn man keinen Grip auf nasser Strasse braucht.

    Aber der Autor hat bestimmt noch ein Leichteralsleichtlauföl in der Garage oder schreibt ein paar Lobby-Briefe gegen EU6 (wenn heutige Autos soviel Dreck rausblasen dürften wie in den 70ern wären 90g CO2/km schon lange erreicht).

    Sorry fürs langweilige Fachchinesisch und die Fakten...Fakten sind was für Spießer...

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    bei dem es schon heute kein Problem wäre die 95g zu unterschreiten, ohne das Auto viel teurer zu machen.

    Wenn man ihn genauso groß gemacht hätte wie den Vorgänger, dann haben die Ingeneure von VW errechnet hätte man 100 Kg Gewicht eingespart, statt 12Kg. Dann wären wir bei ca. 1150Kg, ohne Mehrkosten.

    Der 1.4Tsi mit Zylinderabschaltung verbraucht 109gCo2 und wiegt 1270kg. Würde man den 1.2Tsi mit 66Kw(90Ps) mit einem Gewicht von 1150Kg anbieten, was aus dem oben genannten Grund geht und dem Motor eine Zylinderabschaltung genehmigen, dann behaupte ich einfach mal hätte man die 95gCo2 beim Benziner unterschritten.
    Das VW dann 3.500€ weniger verdient, weil das der Preisunterschied zwischen 1.2TSI und 1.4TSI ACT ist wäre jedoch ein großes Problem für die Aktionäre und Herrn Winterkorn.

    Das die Luxushersteller ein wirkliches Problem mit diesen Grenzwerten haben kann ich verstehen, weil die wirklich viel zu große Autos bauen, aber die Brot und Butter Hersteller wie VW, Opel, Ford und so weiter, sollten mit dem Wert keine Probleme haben.

    Redaktion

    Lieber Leser,

    dass weitere Spritverbrauch-Einsparungen - und zwar im genannten Umfang (rund 30 Prozent von 2010 bis 2020) - möglich sind, glaubt nicht nur der Autor dieses Artikels, sondern davon ist auch die Zulieferbranche überzeugt (Verband Clepa), und auch Herr Mock vom ICCT, der sich in der Materie gut auskennt - auch weil er vor seiner Tätigkeit beim ICCT als Ingenieur für einen bekannten deutschen Autohersteller tätig war.

    Beste Grüße
    Matthias Breitinger

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ford | Audi | Europäische Union | Autoindustrie | CO2 | Diesel
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