Dacia LodgyVon wegen Billigheimer

Der Preis macht bei Dacia bekanntlich die lauteste Musik. Doch man täte dem Lodgy unrecht, ihn nur als Discounter-Van für kühl rechnende Familien zu bezeichnen. von Stefan Grundhoff

Dacia Lodgy

Dacia Lodgy  |  © Hersteller

Einen geräumigen Familienvan für unter 10.000 Euro, als Neuwagen? Vor Jahren hätte einem nach einer solchen Frage das laute Lachen des Verkäufers in den Ohren geklungen, oder er hätte einem gar den Vogel gezeigt – welche Automarke auch immer er vertrat. Doch die Zeiten haben sich geändert. Dacia hat die Autowelt umgekrempelt , und trotz aller Sparangebote holt die rumänische Renault-Tochter noch ausreichend Ertrag aus den Discountmodellen heraus.

Die Konkurrenz grübelt, der Kunde frohlockt. Allerdings: Für weniger als 10.000 Euro gibt es den Dacia Lodgy auch nur als Billigmodell mit einfachster Ausstattung und dem 85-PS-Basismotor. Nicht mal ein Radio ist dann an Bord. Wer sich für die beste Variante, den Lodgy Lauréate mit 107 PS starkem Commonrail-Diesel 1.5 dCi entscheidet, muss einiges mehr zahlen. Doch es sind mit 15.490 Euro noch immer weniger als für manche Gebrauchtwagen. Von einem neuen Van aus dem Hause Volkswagen , Opel oder Ford ganz zu schweigen.

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Der 4,50 Meter lange Lodgy punktet neben dem Preis vor allem mit seinem Platzangebot: Es ist wirklich üppig. Vorn sitzen auch groß gewachsene Personen bequem auf den fest gepolsterten Sesseln, die aber etwas mehr Seitenhalt vertragen könnten. Auch in der zweiten Reihe fühlen sich zwei bis drei Mitfahrer wohl. Nur als Notsitze zu verwenden sind dagegen die zwei Klappstühle in der Reihe dahinter – die dritte Sitzreihe kostet 590 Euro Aufpreis.

Mängel bei der Sicherheit

Dann lassen sich jedoch gerade einmal 207 Liter Gepäck mitführen, also zwei größere Taschen. Bei der regulären 2+3-Bestuhlung bietet der Lodgy ein enormes Ladevolumen von 827 Litern. Das lässt sich durch flexibles Umklappen beziehungsweise Ausbauen der Sitze schrittweise auf 1.861 und bis zu 2.617 Liter steigern. Das reicht für den Großeinkauf im Möbelgeschäft, dann allerdings nur zu zweit. Da fallen auch billige Befestigungshaken und wenig schmucke Verkleidungen nicht weiter ins Gewicht.

Luxus darf man auch in der höheren Ausstattungsvariante Lauréate nicht erwarten. Immerhin gibt es dann unter anderem eine manuelle Klimaanlage, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung und Nebelscheinwerfer. Und die Gurte lassen sich in der Höhe verstellen, von den Sitzen allerdings nur der des Fahrers. Im Fond hat der Lodgy tatsächlich noch Fensterkurbeln. Das hat in einem Auto des 21. Jahrhunderts Seltenheitswert. Ein klarer Pluspunkt: Nur 430 Euro Aufpreis verlangt Dacia für ein einfaches, aber ordentliches Bildschirm-Navigations- und Entertainmentsystem. Das kann zu dem Preis kein anderer. Bei der Frage nach Assistenzsystemen wird der Renault-Dacia-Händler nur mit den Schultern zucken.

Für die Sicherheit bietet der Van serienmäßig ABS, ESP, vier Airbags und Kopfstützen rundherum. Seiten- oder Vorhangairbags für die zweite oder dritte Sitzreihe gibt es nicht. Das überzeugt nicht ganz: Im Crashtest der Prüforganisation Euro NCAP zeigte der Lodgy unlängst Schwächen. Beim Frontalcrash verformten sich die Karosseriesäulen oberhalb der Windschutzscheibe, auf der Höhe der B-Säule verzog sich das Dach. Autoteile dringen bei einem Frontalunfall in den Fußraum ein. Außerdem erhöhten die harten Strukturen des Armaturenbretts das Verletzungsrisiko, bemängelten die Prüfer. Der Lodgy erhielt nur drei von fünf möglichen Sternen – jedoch auch deshalb, weil der Testwagen kein ESP hatte. In Deutschland ist der Schleuderschutz aber zwingend dabei.

Leserkommentare
  1. Tja, Deutschland -- Vorreiter im Klimaschutz.

    40% unseres Energiebedarfs hängt vom Verkehr ab. Nur 20% vom Strom. (Die anderen 40% sind Wärme).

    Tempo 130 reicht allemal -- siehe das Ausland. Auf längeren Strecken Zug fahren oder Zeit nehmen.

    Bei Tempo 110 verbraucht der Logan keine 4,4 l.

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    "Auf längeren Strecken Zug fahren oder Zeit nehmen." Zeit nehmen ja, Zug nein. Zug, dreimal umsteigen dann Bus, dann Taxe. Komme ich da an Leihauto nehmen um einzukaufen, das ist alles nix. Auf dem Land gibt es nirgends ein car sharing pool. Es ist meine einzige Verwandte. Sie und Ihre Freundin freut sich unheimlig wenn wir einkaufen. Das ist ganz toll, geht ohne Auto gar nicht. In Busse und Ueberland Zuege einen Rollstuhl, er ist wirklich leicht aber , da ist kein Bahnsteig hoch....

    Energieverbrauchsdaten von 2009, alle anteilig in Prozent:

    Industrie:26.0
    Verkehr: 29.2
    Haushalte: 28.7
    Gewerbe, Handel, Dienstleistungen: 16.2

    Quelle:
    http://www.umweltbewusst-...

    kann ich bestätigen, den Spritverbrauch!
    Im Winter unter 0 Grad mit Winterreifen etwa 4.0-4.4 Liter bei 110.
    Im Sommer deutlicher unter 4 Liter bei 110 km/h (3.5-3.9).

    • Statist
    • 17. Dezember 2012 2:27 Uhr

    Wenn man Ihren Kommentar mit dem Kommentar 8 vergleicht, dazurechnet, dass auch die Quelle des Kommentar 8 keine StatBundesamt-Quelle oder vergleichbar aufweist (und vielleicht bei Verkehr AUCH noch übertrieben ist, weil man mit Öl und Gas so allerhand andere Sachen realisiert), und schlussendlich zur Überlegung kommt, dass bei "Verkehr" auch noch Schiffe, Züge, Busse und LKW enthalten sind, dann frage ich mich ernsthaft, warum Sie mit uns vielleicht über 0,1-0,2 % Unterschied streiten.

    Bei Ihrer Methode, ohne Quellen Werte ungefiltert rauszuhauen frage ich mich, wie gut Ihre Angabe (110 km/h = unter 4,4 l) sein kann.

    Vergleiche ich es mit meiner eigenen Fahrweise (habe auch einen Diesel, anderes Fabrikat, nicht mehr superneu), dann stelle ich fest, dass ich bei 70-90 km/h am verbrauchsgünstigsten fahre - im 6. Gang. Bei 110 liege ich eindeutig schon über dem Normverbrauch. Ich empfehle übrigens ALLEN Normverbrauch-Erwähnern die Lektüre (Wiki Fahrzyklus: http://de.wikipedia.org/w...) zur Ermittlung nach dem NEFZ. Wie man leicht sieht, geht es hier v.a. um Stadt und Überland, ehr gar nicht um Autobahn. Entsprechend werden die Motoren designt, d.h. man wird bei 130 nicht sparen, schon gar nicht mit einem Schrank von Auto.

    Darüber hinaus habe ich (als Fahrer vieler Leiwagentypen) die Erfahrung gemacht, dass etwas mehr Leistung bei moderaten Geschwindigkeiten (Teillast) am Ende sogar weniger Verbrauch bedeuten kann.

    • zfat90
    • 16. Dezember 2012 11:44 Uhr

    "Beim Frontalcrash verformten sich die Karosseriesäulen oberhalb der Windschutzscheibe, auf der Höhe der B-Säule verzog sich das Dach. Autoteile dringen bei einem Frontalunfall in den Fußraum ein."

    Für das Geld bekommt man z.B. einen 2 Jahre alten Passat Variant samt Überlebenschancen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Hickey
    • 01. Januar 2013 8:59 Uhr

    wenn dein Gegenüber mit einem Stadtpanzer ankommt.

    Dessen Motor ist höher und bei einem seitlichen Aufprall hast du trotz Airbags wenig lebenswerte Überlenschancen.

  2. "Auf längeren Strecken Zug fahren oder Zeit nehmen." Zeit nehmen ja, Zug nein. Zug, dreimal umsteigen dann Bus, dann Taxe. Komme ich da an Leihauto nehmen um einzukaufen, das ist alles nix. Auf dem Land gibt es nirgends ein car sharing pool. Es ist meine einzige Verwandte. Sie und Ihre Freundin freut sich unheimlig wenn wir einkaufen. Das ist ganz toll, geht ohne Auto gar nicht. In Busse und Ueberland Zuege einen Rollstuhl, er ist wirklich leicht aber , da ist kein Bahnsteig hoch....

    Eine Leserempfehlung
  3. "von wegen billigheimer" aber dann doch alles billig bzw. wenig in der grundausstattung.

    "früher" wären 10.000 euro 20.000 dm gewesen und "früher" hätte man spätestens für 30.000 deutsche mark locker einen schönen asia-van-bekommen.

    ferner fällt mir nur ein grund ein, warum bei einer familienkutsche 180km/h gerade noch ausreichend sein können: vielleicht um bei nächster gelegenheit seine gesamte familie auszurotten.

    man man man ... was für ein mieser artikel!

  4. ....sonst wäre diese bewegliche Strassensperre gleich durchgefallen.
    Für Interessenten empfehle ich die Tageszulassung eines Kangoo.
    Oder einen vier Jahre alten Passat-Kombi da bleibt dann sogar noch Geld für die Betriebskosten übrig!

    Ansonsten 185km/h in so einem Karton möchte ich nicht ausprobieren!
    Im Fall des Unfalles wird das ein Begräbnis im Gemeinschaftssarg!
    Die Karosserie kollabiert ja schon bei 60 km/h! Da muß man dann nur noch etwas verdichten und passend lackieren, das spart Kosten!

  5. Irgendwie kommt mir der Artikel ein wenig vor wie aus einem vergangenen Jahrhundert... Gibt es wirklich noch Autokäufer diesseits von Porsche, die die Höchstgeschwindigkeit ihres Automobils interessiert? Ist das nicht eher etwas für 10jährige?

    Autohersteller in diesem und jedem anderen einigermaßen rational zu bedienenden Segment sollten weniger Aufwand in Höchstgeschwindigkeiten über 160km/h, als in Spritspar- und Sicherheitsmaßnahmen stecken.

    Aber am Ende heißt es dann doch wieder beim Konsumenten, der durch solche Artikel gebrainwashed wurde: ach, ich nehme lieber die stärkere und schnellere Variante. Um sich dann im Jahr darauf über die gestiegenen Benzinpreise zu beschweren.

    Aber was im einen Land die Waffennarretei ist, ist im anderen der Geschwindigkeitsfetisch (beide übrigens gerne mit Todesfolge).

    Eine Leserempfehlung
  6. Hmmm...

    10.000 (dann gibts doch nicht ganz so viel Auto...) oder doch 15.000 Euronen -> wenig Geld?

    Ich hab' mir im Sommer einen gebrachten Renault Megane Scenic gekauft - für weniger als 2000 Euronen, Erstbesitz, Scheckheftgepflegt, top Ausgestattet. 180.000 km

    Sowas verstehe ich unter "viel Auto für wenig Geld"...

  7. Energieverbrauchsdaten von 2009, alle anteilig in Prozent:

    Industrie:26.0
    Verkehr: 29.2
    Haushalte: 28.7
    Gewerbe, Handel, Dienstleistungen: 16.2

    Quelle:
    http://www.umweltbewusst-...

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