Einen geräumigen Familienvan für unter 10.000 Euro, als Neuwagen? Vor Jahren hätte einem nach einer solchen Frage das laute Lachen des Verkäufers in den Ohren geklungen, oder er hätte einem gar den Vogel gezeigt – welche Automarke auch immer er vertrat. Doch die Zeiten haben sich geändert. Dacia hat die Autowelt umgekrempelt , und trotz aller Sparangebote holt die rumänische Renault-Tochter noch ausreichend Ertrag aus den Discountmodellen heraus.

Die Konkurrenz grübelt, der Kunde frohlockt. Allerdings: Für weniger als 10.000 Euro gibt es den Dacia Lodgy auch nur als Billigmodell mit einfachster Ausstattung und dem 85-PS-Basismotor. Nicht mal ein Radio ist dann an Bord. Wer sich für die beste Variante, den Lodgy Lauréate mit 107 PS starkem Commonrail-Diesel 1.5 dCi entscheidet, muss einiges mehr zahlen. Doch es sind mit 15.490 Euro noch immer weniger als für manche Gebrauchtwagen. Von einem neuen Van aus dem Hause Volkswagen , Opel oder Ford ganz zu schweigen.

Der 4,50 Meter lange Lodgy punktet neben dem Preis vor allem mit seinem Platzangebot: Es ist wirklich üppig. Vorn sitzen auch groß gewachsene Personen bequem auf den fest gepolsterten Sesseln, die aber etwas mehr Seitenhalt vertragen könnten. Auch in der zweiten Reihe fühlen sich zwei bis drei Mitfahrer wohl. Nur als Notsitze zu verwenden sind dagegen die zwei Klappstühle in der Reihe dahinter – die dritte Sitzreihe kostet 590 Euro Aufpreis.

Mängel bei der Sicherheit

Dann lassen sich jedoch gerade einmal 207 Liter Gepäck mitführen, also zwei größere Taschen. Bei der regulären 2+3-Bestuhlung bietet der Lodgy ein enormes Ladevolumen von 827 Litern. Das lässt sich durch flexibles Umklappen beziehungsweise Ausbauen der Sitze schrittweise auf 1.861 und bis zu 2.617 Liter steigern. Das reicht für den Großeinkauf im Möbelgeschäft, dann allerdings nur zu zweit. Da fallen auch billige Befestigungshaken und wenig schmucke Verkleidungen nicht weiter ins Gewicht.

Luxus darf man auch in der höheren Ausstattungsvariante Lauréate nicht erwarten. Immerhin gibt es dann unter anderem eine manuelle Klimaanlage, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung und Nebelscheinwerfer. Und die Gurte lassen sich in der Höhe verstellen, von den Sitzen allerdings nur der des Fahrers. Im Fond hat der Lodgy tatsächlich noch Fensterkurbeln. Das hat in einem Auto des 21. Jahrhunderts Seltenheitswert. Ein klarer Pluspunkt: Nur 430 Euro Aufpreis verlangt Dacia für ein einfaches, aber ordentliches Bildschirm-Navigations- und Entertainmentsystem. Das kann zu dem Preis kein anderer. Bei der Frage nach Assistenzsystemen wird der Renault-Dacia-Händler nur mit den Schultern zucken.

Für die Sicherheit bietet der Van serienmäßig ABS, ESP, vier Airbags und Kopfstützen rundherum. Seiten- oder Vorhangairbags für die zweite oder dritte Sitzreihe gibt es nicht. Das überzeugt nicht ganz: Im Crashtest der Prüforganisation Euro NCAP zeigte der Lodgy unlängst Schwächen. Beim Frontalcrash verformten sich die Karosseriesäulen oberhalb der Windschutzscheibe, auf der Höhe der B-Säule verzog sich das Dach. Autoteile dringen bei einem Frontalunfall in den Fußraum ein. Außerdem erhöhten die harten Strukturen des Armaturenbretts das Verletzungsrisiko, bemängelten die Prüfer. Der Lodgy erhielt nur drei von fünf möglichen Sternen – jedoch auch deshalb, weil der Testwagen kein ESP hatte. In Deutschland ist der Schleuderschutz aber zwingend dabei.