ElektromobilitätElektroauto-Projekt hat mit Politessen zu kämpfen

Um Elektroautos bekannter zu machen, braucht es Pilotprojekte wie "Ruhr-Auto e". Doch die Stadt Essen torpediert das Experiment und lässt die Stromer abschleppen. von Jürgen Rees

Die Elektromobilität und die Elektroautos haben es gerade nicht leicht. Im Jahr 2020 sollen eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Doch davon ist die Branche noch weit entfernt. Das am häufigsten zugelassene Elektroauto, der Renault Twizy , bringt es in Deutschland in diesem Jahr gerade Mal auf rund 1.700 Exemplare. Zum Vergleich: Der VW Golf verkaufte sich alleine im Oktober 2012 fast 22.000 Mal. Die Absatzzahlen von Nissan Leaf , Mitsubishi i-Miev und anderen E-Autos sind mäßig, Audi gab vor kurzem kleinlaut das Aus für einen der ambitioniertesten deutschen Elektroauto-Imageträger, den Audi R8 e-tron, bekannt. Eigentlich hätte der Sportwagen Ende 2012 auf den Markt kommen sollen. Geringe Reichweite, stundenlange Ladezeiten und immense Kosten für den Akku lautet die wenig überraschende Diagnose.

Etwas Aufmunterung könnte die Branche also durchaus brauchen. Und dann das: Statt sich zu freuen, dass durch ihre Stadt fast lautlose und zumindest lokal abgasfreie Autos fahren, lässt die Stadt Essen Elektroautos einfach abschleppen. Wir erinnern uns: Da gab es mal Ideen, für Elektroautos Extraspuren und kostenlose Parkplätze in der City einzurichten, um wenigstens ein paar Anreize für die so teuren wie umweltfreundlichen Gefährte zu setzen.

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Was ist in Essen passiert? Innerhalb von 18 Monaten wollen die Universität Duisburg-Essen, die VivaWest Wohnen GmbH, der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), die EVAG, die Drive CarSharing GmbH sowie die Adam Opel AG gemeinsam den Bürgern der Stadt die Elektromobilität näher bringen. 20 Elektrofahrzeuge bilden derzeit in Wohngebieten und in der Essener Innenstadt ein Carsharing-Netz mit 13 Standorten, die später erweitert werden sollen.

Aber die Macher des Elektroauto-Pilotprojektes Ruhr-Auto e , allen voran der streitbare Professor Ferdinand Dudenhöffer , fühlen sich in Essen nicht willkommen. Der Hintergrund: Die Stadt Essen hat kürzlich eines der Carsharing-Elektroautos von Ruhr-Auto e, einen Opel Ampera, vor dem Hauptbahnhof abschleppen lassen. Der Fahrer hatte den Elektroautos vorbehaltenen Parkplatz am Hauptbahnhof nicht nutzen können, da dort ein Falschparker stand. Der Ampera soll neben der Stromladesäule abgestellt worden sein. Die Abschlepp-Aktion geschah wohl mit Vorankündigung, denn per Mail kam wenige Tage zuvor die Ansage der Stadt "Nächste Woche wird abgeschleppt".

Offenbar stand das Projekt bei der Stadt von Anfang an unter keinem guten Stern: Seit dem Start von Ruhr-Auto e Anfang November sei es immer wieder zu Reibereien mit der Stadt gekommen, sagt Dudenhöffer. Zwar seien mehrfach Falschparker von den sieben Elektroauto-Parkplätzen entfernt worden. Für die zurzeit 20 Elektroautos des Projektes, die nicht auf ihren Plätzen stehen konnten, hätten sie aber "einen ganzen Stapel Knöllchen erhalten". Auch dann, wenn die Autos mit von Witzbolden abgezogenem Kabel an der Stromsäule standen und nicht geladen wurden. Zu kurze Kabel hätten an einigen Stellen das Parken in falscher Richtung erzwungen; auch das sei bestraft worden.

Fingerspitzengefühl scheint nicht die Stärke der Stadt Essen zu sein, und möglicherweise braucht die klamme Kommune das Geld aus den Knöllchen so dringend, dass die Außenwirkung solcher Aktionen den Beteiligten egal ist.

Leserkommentare
  1. in Ordnung oder sollen wir den Konzernen die ausschließlich kommerzielle Interessen vertreten jetzt auch noch Sonderparkplätze einrichten? Und wenn, warum, welcher Ruhrgebietsbewohner kann sich eine so kostspielige Fortbewegung denn per Anschaffung leisten?
    Wenn Elekrofahrzeuge nachweislich ausschließlich Ökoenergie nutzen und in der Anschaffung bezahlbar und in der Reichweite auch im kalten Winter zumutbar sind wird es der Verbraucher auch so merken.

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    "... sollen wir den Konzernen die ausschließlich kommerzielle Interessen vertreten jetzt auch noch Sonderparkplätze einrichten?"

    Wenn ich den Fall im Artikel richtig verstehe, dann ja, denn um ein Elektroauto zu "betanken" braucht man eine entsprechende Säule, und die steht dann wohl an diesen Sonderparkplätzen.

    • timego
    • 03. Dezember 2012 22:01 Uhr

    Gerade weil die _Anschaffung_ teuer ist, stellt ein solches Carsharing-Projekt einen guten Einstieg dar, denn hier kann für den Privatkunden eben darauf verzichtet werden. Gerade darin liegt ja der Reiz des Ganzen.

    Unfassbar welchen Unsinn Sie da ablassen. Ohne Projekte wie dieses gäbe es nicht mal Internet. Und natürlich stehen immer auch kommerzielle Interessen dahinter.

    Aber beim reinen E-Auto ist das gar nicht mal der Fall, denn es verdienen zu viele am schmutzigen Öl - die Ölindustrie sowie die Hersteller selbst, um teure Ersatzteile zu verkaufen. Das reine E-Auto ist ein alter Hut, hierbei handelt es sich auch eher um ein Hybridfahrzeug.

    Warum das Elektroauto sterben musste
    http://www.youtube.com/watch?v=PLf1Is3GA-M

    • Statist
    • 04. Dezember 2012 10:38 Uhr

    man WILL als Stadt an so einem Projekt, dass die Machbarkeit von E-Autos belegen soll, mitwirken, oder man will es nicht.

    Wenn Sonderparkplätze eingerichtet wurden, dann sollte von dort auch jedes andere FAhrzeug umgehend abgeschleppt werden. Da dies die Stadt Essen offensichtlich nicht schafft, scheinbar weder Bürger (eben nicht dort parken) noch Behörden (öfter mal schauen, ob dort jemand steht), scheint keine andere Möglichkeit als anders geartetes Parken in der Nähe solcher Säulen zu bestehen. Sollte das Projekt größer werden, wird es wohl nicht nur eine Säule pro Ort geben, sondern wohl mehrere.

    Ganz böse ist natürlich, wenn auch solche Fahrzeuge mit Knöllchen versehen werden, die an den entsprechenden Säulen gezapft haben, bei denen aber der Stecker herausgezogen wurde von Spaßvögeln. Vielleicht sollte genau an der stelle mal die Realität einsetzen

  2. ach "Wenn Elekrofahrzeuge nachweislich ausschließlich Ökoenergie nutzen und in der Anschaffung bezahlbar und in der Reichweite auch im kalten Winter zumutbar sind wird es der Verbraucher auch so merken."
    Erstens es muss ja mal anfangen. Und das von der Oekoenergie ist ein Traum, der von der Regierung mit einem unueberlegtem Atom Aus total verhagelt wurde

  3. ... mit in der Suppe rührt ...

    • Azenion
    • 03. Dezember 2012 19:13 Uhr
    4. Macht

    Wer Macht hat, Bußgelder zu verteilen, der braucht kein Fingerspitzengefühl.

    Fingerspitzengefühl brauchen umgekehrt die, mit solcherlei ermächtigten Bürokraten umzugehen haben.

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    Da die Stadt ja das Abschleppen angekündigt hat, hat sie aus meiner Sicht sehrwohl Fingerspitzengefühl bewiesen.

    Gern würde ich auch die Sicht der Stadtverwaltung hören. Aber die Argumentation des Artikels, dass man wegen des Fortschritts ein Freifahrtschein braucht, halte ich für nicht Zielführend. Letzten Endes ist die Problematik mit der Parkplatzsituation sogar schon ein Ergebnis der Feldstudie. Man kann auch schauen, ob man dieses infrastrukturelle Problem in den Griff bekommt (da würden mir konkret Dinge einfallen). Das Problem mit den Kabeln sollten die Projektpartner auch in den Griff bekommen können ohne dass man gegen Verkehrsregeln verstoßen "muss".

  4. Öffentlicher Raum ist kostbar. Wenn man für ein "Akzeptanz"-Projekt öffentlichen raum benötigt, dann soll man ihn als privater Betreiber entweder bezahlen oder sich Lizenzen dafür (ähnlich Funkfrequenz-Lizenzen) ersteigern. Diese Kosten sind dann im Rahmen der Akzeptanzanalyse im Rahmen des Projekts zu berücksichtigen. das sollte doch ein BWL-Prof., der unvoreigenommen an die Sache herangeht wissen. Aber Dudenhöfer ist voreigenommen, weil er in seinem Projekt im Sinne seiner Auftraggeber einer Technologie zum Erfolg verhelfen will. Das zur Reputation von Uni-Profs!

  5. Verstehe ich nicht: Wenn dort andere Autos verbotenerweise auf den für die E-Autos reservierten Plätzen standen, warum wurden dann nicht stattdessen diese Falschparker abgeschleppt?
    Zudem hätte man zur Verhinderung der illegalen Besetzung an den Stromtankstellen eine Blockiereinrichtung, z. B. einen mit Schlüssel entfernbaren Poller oder sowas anbringen können. Das wäre doch sicher für ein paar hundert Euro pro Platz machbar gewesen.

    Scheint mir von beiden Seiten kein konstruktives Vorgehen gewesen zu sein.

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    Sonderrechte für Behinderte - ja! Sonderrechte für den Lieferverkehr - ja! Sonderrechte für öffentliche Verkehrsmittel - auch! Und dann hört es auf. Jeder will für sich Sonderrechte. Ein E-Auto ist zunächst ein privates Verkehrsmittel. Es ist gesellschaftlich noch nicht diskutiert, ob die Vorteile des Gebrauchs für die Allgemeinheit so wesentlich sind, als daß Sonderrechte - natürlich immer zu Lasten anderer - gewährt werden können. Nehmen wir einmal an, E-Autos erhalten Sonderrechte für Taxi-Spuren und für Parkplätze an den absoluten Hot-Spots: Die Ehefrau oder die Kinder der 2-4 Autos besitzenden Vorstadtfamilie düsen dann direkt bis vor den Bahnhof und vor das Kaufhaus und dürfen dort mehr oder weniger "ladend" parken. Und dann vielleicht Plug-in-Hybrids auch noch, obwohl sie sich die Ladung selbst "beschaffen" könnten. Immer daran denken, was würde sein, wenn es >>1 Mio. von den Kisten gibt!

    • Flari
    • 03. Dezember 2012 20:38 Uhr

    In den meisten Grossstädten kann es ohne weiteres 15-60min dauern, bis ein "Abschlepper" vor Ort ist.
    Welcher Carsharingteilnehmer will solange warten?

    Ggf. ist der normale Nutzer noch verpflichtet, selber einen "erlaubten" Parkplatz zu suchen, das E-Auto braucht aber seine Ladestation!
    Dessen "Sharer" will aber nicht auf den Abschlepper warten.

    Zur Verhinderung von Falschparkern:
    Wo würden Sie einen Poller hinsetzen, der eine illegale Nutzung verhindert und wie soll der bei einem "Versuchs-Projekt" bedient werden?
    Woher soll auch der "Mietfahrer" wissen, ob der dort stehende Fahrer berechtigt ist oder nicht?

    Ein Projekt mit 1000 Fahrzeugen in Essen würde garantiert zu mehr Akzeptanz führen.
    20 PKW sind albern.

  6. Sonderrechte für Behinderte - ja! Sonderrechte für den Lieferverkehr - ja! Sonderrechte für öffentliche Verkehrsmittel - auch! Und dann hört es auf. Jeder will für sich Sonderrechte. Ein E-Auto ist zunächst ein privates Verkehrsmittel. Es ist gesellschaftlich noch nicht diskutiert, ob die Vorteile des Gebrauchs für die Allgemeinheit so wesentlich sind, als daß Sonderrechte - natürlich immer zu Lasten anderer - gewährt werden können. Nehmen wir einmal an, E-Autos erhalten Sonderrechte für Taxi-Spuren und für Parkplätze an den absoluten Hot-Spots: Die Ehefrau oder die Kinder der 2-4 Autos besitzenden Vorstadtfamilie düsen dann direkt bis vor den Bahnhof und vor das Kaufhaus und dürfen dort mehr oder weniger "ladend" parken. Und dann vielleicht Plug-in-Hybrids auch noch, obwohl sie sich die Ladung selbst "beschaffen" könnten. Immer daran denken, was würde sein, wenn es >>1 Mio. von den Kisten gibt!

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    • Tom S.
    • 03. Dezember 2012 20:31 Uhr

    Für E-Autos die Taxi- bzw. Bus-Spur frei zu geben wäre bei weitem zu viel des Guten, aber ganz ohne Sonderrechte geht es leider nicht, da E-Autos auf Parkplätze mit Ladeabschluss angewiesen sind. Heißt auf jedem öffentlichen Parkplatz muss es (ein paar) Stellplätze geben, die explizit für E-Autos reserviert sind die während des Parkens geladen werden.

    Ein normales Auto welches auf einem "E-Parkplatz" abgestellt wird (heißt länger als 5 Minuten steht) muss m.M.n. umgehend (kostenpflichtig) abgeschleppt werden. Es ist nun mal so, dass auf Grund der geringen Zahl von E-Autos nur sehr wenige solcher Parkplätze zur Verfügung gestellt werden können.

    daß der Platz an der Ladestation von einem Falschparker blockiert gewesen sei, und daß in der Vergangenheit mehrfach Falschparker von den Ladeplätzen abgeschleppt worden seien. Warum also dieses mal nicht, wo der Platz offenbar längere Zeit blockiert war, denn man hatte die E-Auto-Betreiber ja per email vor dem Abschleppen vorgewarnt. Daher verstehe den Artikel wirklich nicht.

    Was Ihr Gepolter gegen für Elektroautos reservierte Parkplätze angeht, das kann nicht nicht nachvollziehen. . In deutschen Städten kann doch mittlerweile jede Kneipe sommers die anliegenden Parkplätze für ihren Außenbetrieb pachten. Warum soll man also nicht ein paar Plätze für Elektroautos vermieten? Daß man als Stadt dafür evtl. einen günstigen oder sogar nur symbolischen Mietpreis vereinbart, weil die Autos ja tatsächlich positiv für das Stadtbild sind und den Dreck in der Innenstadt vermindern, halte ich für völlig legitim. Leider erfahren wir aus dem Artikel nichts konkretes zu den tatsächlich getroffenen Vereinbarungen

    Und was ist mit den Sonderrechten der normalen Autos, Lärm machen und die Luft verpessten zu dürfen.

    Ich kann Ihre Erregtheit eigentlich nicht nachvollziehen, Ihr Argument geht eigentlich in die Leere und zu guter Letzt gegen Ihre eigenes Interesse, dass ja offensichtlich darin besteht unbedingt einen Parkplatz in der Innenstadt zu bekommen. Soweit mir bekannt, ist dies ein Car-sharing Projekt, dass bedeutet also mehrere Fahrer teilen sich ein Auto. Sollte nur ein Teil der Nutzer in der Innenstadt wohnen, bleibt somit Parkraum frei, den dann solche Autofanatiker wie Sie nutzen koennen. Aber statt dankbar zu sein, bricht bei Ihnen der Neid aus. Das ist ein wenig kurzsichtig wuerde ich mal sagen. Im uebrigen bin ich dafuer, dass Autos von Falschparkern sofort und unwiederbringlich konfisziert werden sollten, damit die Leute mal lernen, dass man sich an Regeln haelt.

    • Flari
    • 03. Dezember 2012 20:14 Uhr

    Leider fehlen diverse Daten zur Beurteilung.
    Extraspuren für nicht auf Anhieb erkennbare "Sonderfahrzeuge mit Ausnahmeregelung" sind perse zum scheitern verurteilt, sondern verführen alle anderen Verkehrsteilnehmer zur Nachahmung, bzw. zur illegalen Nutzung.
    Taxen und KFZ des ÖPNV sind für jeden erkennbar, ebenso die KFZ mit dauerhaften Sonderrechten wie Notarzt Polizei und Feuerwehr.

    Kostenlose NUTZUNG von an sich gebührenpflichtigen Parkplätzen ist an sich kein Problem, was viele Carsharingwagen ohne E-Antrieb beweisen, solange sie keine EXTRA-Parkplätze reserviert bekommen und für die Politessen Hinweise im Fronsschreibenbereich vorhanden sind.
    Ansonsten gelten aber die gleichen Richtlinien, wie für PKW-Fahrer mit Behindertenausweis.

    Die allg. Vorschrift: "In Fahrtrichtung zu Parken" hat seine Berechtigung, da ansonsten viele Fahrer auf die Idee kommen, die Strasse mal eben diagonal zu kreuzen.
    Gerade in hochfrequentierten Bereichen eine wichtige Unfallverhütungsmassnahme.
    Zu kurze Kabel sind den Betreibern anzulasten..
    Oder waren die zu kurz, weil die Autos zu weit weg standen?

    Ein von "Witzbolden" abgezogenes Kabel sollte auch eine Politesse erkennen.
    Hier vermisse ich auch eine genauere Darstellung.

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