Elektromobilität : Elektroauto-Projekt hat mit Politessen zu kämpfen

Um Elektroautos bekannter zu machen, braucht es Pilotprojekte wie "Ruhr-Auto e". Doch die Stadt Essen torpediert das Experiment und lässt die Stromer abschleppen.

Die Elektromobilität und die Elektroautos haben es gerade nicht leicht. Im Jahr 2020 sollen eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Doch davon ist die Branche noch weit entfernt. Das am häufigsten zugelassene Elektroauto, der Renault Twizy , bringt es in Deutschland in diesem Jahr gerade Mal auf rund 1.700 Exemplare. Zum Vergleich: Der VW Golf verkaufte sich alleine im Oktober 2012 fast 22.000 Mal. Die Absatzzahlen von Nissan Leaf , Mitsubishi i-Miev und anderen E-Autos sind mäßig, Audi gab vor kurzem kleinlaut das Aus für einen der ambitioniertesten deutschen Elektroauto-Imageträger, den Audi R8 e-tron, bekannt. Eigentlich hätte der Sportwagen Ende 2012 auf den Markt kommen sollen. Geringe Reichweite, stundenlange Ladezeiten und immense Kosten für den Akku lautet die wenig überraschende Diagnose.

Etwas Aufmunterung könnte die Branche also durchaus brauchen. Und dann das: Statt sich zu freuen, dass durch ihre Stadt fast lautlose und zumindest lokal abgasfreie Autos fahren, lässt die Stadt Essen Elektroautos einfach abschleppen. Wir erinnern uns: Da gab es mal Ideen, für Elektroautos Extraspuren und kostenlose Parkplätze in der City einzurichten, um wenigstens ein paar Anreize für die so teuren wie umweltfreundlichen Gefährte zu setzen.

Was ist in Essen passiert? Innerhalb von 18 Monaten wollen die Universität Duisburg-Essen, die VivaWest Wohnen GmbH, der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), die EVAG, die Drive CarSharing GmbH sowie die Adam Opel AG gemeinsam den Bürgern der Stadt die Elektromobilität näher bringen. 20 Elektrofahrzeuge bilden derzeit in Wohngebieten und in der Essener Innenstadt ein Carsharing-Netz mit 13 Standorten, die später erweitert werden sollen.

Aber die Macher des Elektroauto-Pilotprojektes Ruhr-Auto e , allen voran der streitbare Professor Ferdinand Dudenhöffer , fühlen sich in Essen nicht willkommen. Der Hintergrund: Die Stadt Essen hat kürzlich eines der Carsharing-Elektroautos von Ruhr-Auto e, einen Opel Ampera, vor dem Hauptbahnhof abschleppen lassen. Der Fahrer hatte den Elektroautos vorbehaltenen Parkplatz am Hauptbahnhof nicht nutzen können, da dort ein Falschparker stand. Der Ampera soll neben der Stromladesäule abgestellt worden sein. Die Abschlepp-Aktion geschah wohl mit Vorankündigung, denn per Mail kam wenige Tage zuvor die Ansage der Stadt "Nächste Woche wird abgeschleppt".

Offenbar stand das Projekt bei der Stadt von Anfang an unter keinem guten Stern: Seit dem Start von Ruhr-Auto e Anfang November sei es immer wieder zu Reibereien mit der Stadt gekommen, sagt Dudenhöffer. Zwar seien mehrfach Falschparker von den sieben Elektroauto-Parkplätzen entfernt worden. Für die zurzeit 20 Elektroautos des Projektes, die nicht auf ihren Plätzen stehen konnten, hätten sie aber "einen ganzen Stapel Knöllchen erhalten". Auch dann, wenn die Autos mit von Witzbolden abgezogenem Kabel an der Stromsäule standen und nicht geladen wurden. Zu kurze Kabel hätten an einigen Stellen das Parken in falscher Richtung erzwungen; auch das sei bestraft worden.

Fingerspitzengefühl scheint nicht die Stärke der Stadt Essen zu sein, und möglicherweise braucht die klamme Kommune das Geld aus den Knöllchen so dringend, dass die Außenwirkung solcher Aktionen den Beteiligten egal ist.

Kommentare

59 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

das ist doch völlig

in Ordnung oder sollen wir den Konzernen die ausschließlich kommerzielle Interessen vertreten jetzt auch noch Sonderparkplätze einrichten? Und wenn, warum, welcher Ruhrgebietsbewohner kann sich eine so kostspielige Fortbewegung denn per Anschaffung leisten?
Wenn Elekrofahrzeuge nachweislich ausschließlich Ökoenergie nutzen und in der Anschaffung bezahlbar und in der Reichweite auch im kalten Winter zumutbar sind wird es der Verbraucher auch so merken.

@tolerant

Unfassbar welchen Unsinn Sie da ablassen. Ohne Projekte wie dieses gäbe es nicht mal Internet. Und natürlich stehen immer auch kommerzielle Interessen dahinter.

Aber beim reinen E-Auto ist das gar nicht mal der Fall, denn es verdienen zu viele am schmutzigen Öl - die Ölindustrie sowie die Hersteller selbst, um teure Ersatzteile zu verkaufen. Das reine E-Auto ist ein alter Hut, hierbei handelt es sich auch eher um ein Hybridfahrzeug.

Warum das Elektroauto sterben musste
http://www.youtube.com/wa...

Entweder

man WILL als Stadt an so einem Projekt, dass die Machbarkeit von E-Autos belegen soll, mitwirken, oder man will es nicht.

Wenn Sonderparkplätze eingerichtet wurden, dann sollte von dort auch jedes andere FAhrzeug umgehend abgeschleppt werden. Da dies die Stadt Essen offensichtlich nicht schafft, scheinbar weder Bürger (eben nicht dort parken) noch Behörden (öfter mal schauen, ob dort jemand steht), scheint keine andere Möglichkeit als anders geartetes Parken in der Nähe solcher Säulen zu bestehen. Sollte das Projekt größer werden, wird es wohl nicht nur eine Säule pro Ort geben, sondern wohl mehrere.

Ganz böse ist natürlich, wenn auch solche Fahrzeuge mit Knöllchen versehen werden, die an den entsprechenden Säulen gezapft haben, bei denen aber der Stecker herausgezogen wurde von Spaßvögeln. Vielleicht sollte genau an der stelle mal die Realität einsetzen

grrrrrrrr

ach "Wenn Elekrofahrzeuge nachweislich ausschließlich Ökoenergie nutzen und in der Anschaffung bezahlbar und in der Reichweite auch im kalten Winter zumutbar sind wird es der Verbraucher auch so merken."
Erstens es muss ja mal anfangen. Und das von der Oekoenergie ist ein Traum, der von der Regierung mit einem unueberlegtem Atom Aus total verhagelt wurde

Fingerspitzengefühl

Da die Stadt ja das Abschleppen angekündigt hat, hat sie aus meiner Sicht sehrwohl Fingerspitzengefühl bewiesen.

Gern würde ich auch die Sicht der Stadtverwaltung hören. Aber die Argumentation des Artikels, dass man wegen des Fortschritts ein Freifahrtschein braucht, halte ich für nicht Zielführend. Letzten Endes ist die Problematik mit der Parkplatzsituation sogar schon ein Ergebnis der Feldstudie. Man kann auch schauen, ob man dieses infrastrukturelle Problem in den Griff bekommt (da würden mir konkret Dinge einfallen). Das Problem mit den Kabeln sollten die Projektpartner auch in den Griff bekommen können ohne dass man gegen Verkehrsregeln verstoßen "muss".