ElektroautosGefangen im Hype-Zyklus

Manche sagen das Elektroauto tot, doch die Indizien mehren sich, dass das Ende des Stimmungstiefs erreicht ist. Auch die E-Mobilität durchläuft den bekannten Prozess. von 

Das Plug-in-Hybridfahrzeug Fisker Karma beim Start einer Elektroauto-Rallye in Tallinn im Sommer 2012

Das Plug-in-Hybridfahrzeug Fisker Karma beim Start einer Elektroauto-Rallye in Tallinn im Sommer 2012  |  © Ints Kalnins/Reuters

Zerschmolzene Gerippe sind das einzige Überbleibsel von 16 Fisker Karma . Vom Wirbelsturm Sandy im Hafen von New Jersey unter Wasser gesetzt, gingen die luxuriösen Plug-in-Hybride in der Halloween-Nacht in Flammen auf und brannten aus. Und weil der Batteriezulieferer von Fisker bankrott ist, steht die Produktion vorübergehend still .

Das wohlgeformte Fisker-Modell, mit dem Ashton Kutcher eben noch werbewirksam durch die US-Serie Two And A Half Men raste, steht bildhaft für die miese Stimmung bei den Herstellern der Autos mit Ladestecker. Nach der Euphorie folgte der Kater. Elektroautos und Plug-in-Hybride sind gefangen im sogenannten Hype-Zyklus.

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Das Beratungsunternehmen Gartner beschreibt mit diesem Begriff den Prozess, den eine neue Technologie durchläuft, wenn sie an den Markt kommt. Nach einem auslösenden Ereignis schießen die Erwartungen in die Höhe, skeptische Einwände verhallen ungehört. Es folgt der harte Aufschlag in der Realität. Die gefühlten oder echten Versprechungen können nicht erfüllt werden. Dann singen die Kritiker im Chor. Erst nach einer Phase der Ernüchterung kann ein neues Produkt, zurechtgestutzt durch die Wirklichkeit, langsam erfolgreich werden.

Die Amis greifen zu

Die Indizien mehren sich, dass das Elektroauto das Tal in der Hype-Kurve langsam durchschritten hat. Eine Stichprobe von ZEIT ONLINE bei drei Smart-Niederlassungen in Großstädten etwa ergab ein einheitliches Bild. Die Version electric drive des Zweisitzers hat Lieferzeiten. Der Aufpreis gegenüber der Variante mit Verbrennungsmotor interessiert die Käufer offenbar wenig bei einem Auto, dessen Preis ohnehin oberhalb des Rationalen liegt. Der Smart electric drive ist in sich schlüssig. So wollte der verstorbene Erfinder Nicolas Hayek ihn haben: elektrisch, urban und – wie bei car2go – im Carsharing.

Bei Daimler windet sich die Pressestelle zu sagen, seit wann genau der Smart ed ausgeliefert wird und wie hoch der Bestelleingang ist. "Im Herbst", so heißt es, seien die ersten Exemplare in Kundenhand gegangen. Mit der Nachfrage sei man "sehr zufrieden". Ein Flop hört sich anders an.

Positive Nachrichten für Elektroautos kommen ausgerechnet aus dem Mutterland des Spritsaufens, den USA . Hier, wo traditionell ein breites Spektrum der Lebensgestaltung selbstverständlich ist, ist nicht nur der Light-Truck mit Ladefläche beliebt. Auch das Auto mit Ladestecker ist langsam, aber deutlich gefragt. Das zeigt die Entwicklung der Verkaufszahlen . 2010 waren es noch 345 Zulassungen von reinen Elektroautos oder Plug-in-Hybriden. 2011 stieg der Wert auf 17.735, und im laufenden Jahr bis Ende November waren es bereits 44.888.

Leserkommentare
  1. 1. grrrrr

    Deutschland ist wahnsinng kompliziert, verklemmt und verkopft. Es hat keine Gegschwindigkeits Begrenzung wie das Rest Europa. In einem SPON Beitrag zum Prius, gab es: meine Reisegschwindigkeit ist 170 bis 180 Km/h. Mein Auto gibt mir einen fetten Auftritt. Ich kann mit xx einen Golf abledern. Was soll das, bei 165 abgeregelt, das ist ein rollendes Verkehrs Hindernis !! Es ist aber noch besser. Importiere ich mir einen US muscle car oder einen Pickup, (viel Auto fuers Geld) unterstellt man mir eine einfache geistige Haltung oder gleich Zuhaelter oder Horizontale zu sein. Das ist einzig und existiert in US nicht. Nichtmal France oder UK. In Deutschland ist Vmax Die Freiheit.

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  2. Sobald das Elektroauto Preis, Reichweite und Ladezeit eines Benziners hat, stimnme ich Ihnen zu. Aber davon sind wir Jahrzehnte entfernt. Jetzt erst mal ist der Hype vorbei.

    Der ZEIT sei ihre optimistische Sicht auf E-Autos gegönnt; aber ein paar Einzelfälle wie das Fast-Auto Smart als "Ende der Talsole" anzuführen ist wie die sprichwörtliche einzelne Schwalbe, die keinen Sommer macht. Noch dazu einen Plugin-Hybrid in die Wagschale werfen, der doch faktisch ein Benziner ist, scheint mir unredlich.

    Das E-Auto löst das Problem der Blechlawinen ohnehin nicht: Die Zukunft in Megacities heißt Bus und Bahn, Fahrrad und Füße. E-Auto-Staus bringen niemanden voran.

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  3. <em>Solange Kohlekraftwerke am Stromnetz sind, machen Elektroautos keinen Sinn. Der Umwelt hilft es derzeit mehr die Betriebszeit dieser Karftwerke um einige Minuten zu reduzieren, und dafür mit einem Verbrennungsauto zu fahren.

    Die CO2- und Energiemenge zur Batterieherstellung ist enorm, pro 100km echte Reichweite ca. 20% der CO2-Menge aus dem Fahrbetrieb eines effizienten Diesels.</em>
    Irgendwelche Belege für diese Behauptungen?
    Studien, Berechnungen, irgendwas handfestes und nicht nur Glaubenssätze?
    Zum Herstellen von Akkus wird übrigens kein CO2 verwendet, und fossile Treibstoffe werden nicht von freundlichen Außerirdischen in die Zapfsäulen gebeamt sondern müssen durch Energieaufwand gefunden, gefördert, raffiniert und transportiert werden.

    <em>die Substitution eines Dieselautos durch ein Elektroauto -mit regenerativem Strom betrieben- kann höchstens 20 Tonnen CO2 Ersparnis einbringen.</em>
    Solche schwammigen Behauptungen sind typisch für Elektrophobiker.
    Auf was z.B. ist denn die angebliche Ersparnis von "höchstens 20 Tonnen bezogen", pro 100 oder 1000km, pro Fahrzeug, pro Jahr, auf die Gesamtlebensdauer, ...?

    Hauptsache, mit ein paar ausgedachten Zahlen herumwerfen und ein paar Leichtgläubige werden es sicher "vernünftig" und "pragmatisch" finden...

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  4. ...Herr Schmelzer? Wenn die Autoindustrie denken würde wie Sie, dann wären die wohl bald pleite... und weil die Käufer sich beim Althergebrachten bedienen macht die Industrie eben so weiter. Ich bin jedenfalls froh, dass es wenigstens Ansätze gibt Neues zu versuchen. Der Verbrennungsmotor ist doch schon lange obsolet, aber die Industrien, welche bei diesem Konzept verdienen werden sich erst neu definieren, wenn der fossile Treibstoff unhaltbar teuer wird. Bei alledem dürfen wir doch nicht vergessen,dass der Fiskus hier satt mit verdient, ergo auch kein großes Interesse daran hat neue Konzepte anzunehmen. Alles dank den Lobbyisten!

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  5. <em>manche verwechseln das Leserforum mit einer wissenschaftlichen Publikation, und dies mit Absicht!</em>
    Manche verwechseln das Leserforum mit einer Kanzel zum Predigen unbelegter, pseudowissenschaftlicher Behauptungen.

    <em>Der CO2-Aufwand zur Batterieherstellung ist der Durchschnittswert aus mehreren öffentlich zugänglichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu diesem Thema.</em>
    Die alle offenbar streng geheim sind.
    Diese ist es nicht:
    http://www.empa.ch/plugin/template/empa/*/99073/---/l=1

    Und nochmal: CO2 wird in diesem Fall nicht AUFGEWENDET, sondern es ENTSTEHT.
    Soviel zu "wissenschaftlich fundiert" ...

    <em>Eine Autobatterie muss 8 Eigenschaften erfüllen: [...] Kaltstartfähigkeit,[...]</em>
    E-autos haben keinen Starter, der Punkt wurde wohl aus einem Anforderungskatalog für Blei-Starterakkus abgeschrieben.

    <em>Der derzeitige Stand der Batterietechnik im Renault Twizzy, Nissan Leaf, Toyota Prius etc. wird sich in den nächsten 20 Jahren nicht wesemtlich verbessern,</em>
    Solche Prognosen sind vollkommen lächerlich, da niemand wissen kann was es auch nur in den nächsten 5 Jahren für Durchbrüche geben könnte.
    Wer sich noch erinnern kann: vor 20 Jahren waren 14.4 - Modems und 100MB-Festplatten teure Hightech, und Neckermann hatte Schwarzweiß-Röhrenfernseher im Angebot.
    Wer damals den Stand der Technik von 2012 vorhergesagt hätte, über den wären sicher auch die selbsternannten Realitätsanhänger hergefallen.

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  6. <em>Vielleicht nochmals ein Kostenvergleich zur Energiespeicherung in "Großanlagen":
    Batterie 250€/kwh, Gas 1€/10Kwh.</em>

    Der Vergleich ist völlig absurd: es kostet doch nicht jedesmal 250€ eine kWh in einem Akku zu speichern!
    Jedenfalls nicht bei meinem E-Auto, und auch sonst bei keinem mir bekannten.

    "Wissenschaftlich fundiert" wäre es, ökologische und ökonomische Kosten für den Treibstoff (Strom/Gas) und die Speichereinheit (Akku/Druckspeicher) getrennt aufzuführen.
    Aber wer sich seine eigene Realität baut, hat das wohl nicht nötig.

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