Straßenverkehr"Jeder Radfahrer muss ab und zu kampfradeln"
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"Viele Radfahrer sind nicht selbstbewusst genug"

ZEIT ONLINE: Was wollen Sie mit der Initiative konkret erreichen?

Dechert: Neben besseren Ampelschaltungen natürlich bessere Radwege und mehr Platz für Radfahrer, insgesamt gleich viel Raum für alle. Aber es geht uns weniger um das Kleinteilige. Wir wollen ganz grundsätzlich ein anderes gesellschaftliches Bewusstsein für den Rang, den Radfahrer im Verkehr haben.

Siemering: Gerade in den Innenstädten muss ein Umdenken beginnen, aus ökologischen und sozialen Gründen und schlicht aus Platzgründen. Das Fahrrad muss da neben dem ÖPNV eine wichtige Rolle spielen.

ZEIT ONLINE: Haben Sie schon Feedback aus der Politik bekommen?

Dechert: Leider noch gar nicht. Es haben sich zwar viele Leute gemeldet, Politiker oder politische Parteien waren aber nicht darunter. Einzelne Leute vom ADFC unterstützen unsere Kampagne – als Privatpersonen, nicht als ADFC.

ZEIT ONLINE: Der ADFC tritt ebenfalls dafür ein, dass die Verkehrspolitik das Fahrrad als gleichberechtigtes Verkehrsmittel betrachtet und Radfahrer mehr Raum bekommen. Wozu braucht es da Ihre Initiative?

Siemering: Der ADFC ist zu defensiv. Er kritisiert genauso das Fehlverhalten der Radfahrer, ohne zu schauen, warum es dazu kommt. Im Juni sagte eine Sprecherin des ADFC, es gebe gar keinen Krieg auf der Straße, das sei völlig übertrieben. Das sehen wir anders. Der ADFC hat als Lobbyverein natürlich seine Funktion, da kann er für bestimmte Dinge nicht offensiv eintreten. Darum gibt es durchaus Platz für unsere Kampagne.

Dechert: Wir finden es auch wichtiger, dass die Radfahrer sich selbst darüber Gedanken machen und vielleicht mit anderen zusammen eine Aktion planen, statt auf den ADFC zu hoffen oder ihn vom Kopf auf die Füße zu stellen.

ZEIT ONLINE: Sie haben als ein Beispiel für "Kampfradeln" genannt, Sie müssten auf die Straße wechseln, weil der Radweg zugeparkt ist. Sollten Sie nicht einfach fordern, konsequenter abzuschleppen?

Dechert: Ich glaube nicht, dass Massenkontrollen und Bußgelder das Problem lösen. Die Autofahrer müssten von sich aus einsehen, dass sie ihre vergebliche Parkplatzsuche nicht zu einem Problem für die Radfahrer machen können.

Siemering: Letztlich liegt es an den Radfahrern, sich zu emanzipieren und den Autofahrern klar zu machen, dass es Konsequenzen hat, wenn sie die Radwege zuparken. Wir rufen nicht zu Selbstjustiz auf. Aber man kann auch einen ansprechen, der gerade sein Auto auf dem Radweg abstellt, und ihm sagen, dass das nicht geht.

ZEIT ONLINE: Treffen Sie da auf Verständnis?

Siemering: Ich jedenfalls sehr selten. Meistens bahnen sich Aggression und Frust den Weg.

Dechert: Ich bin auch schon hin und wieder auf Einsicht von Autofahrern gestoßen, das Unverständnis überwiegt jedoch. Aber wenigstens hat man das Problem laut ausgesprochen, und der Autofahrer denkt vielleicht später noch drüber nach und fragt sich, ob er es beim nächsten Mal anders macht. Das passiert viel zu wenig, weil viele Radfahrer nicht selbstbewusst genug sind, einen Autofahrer für sein Fehlverhalten zu kritisieren.

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Leserkommentare
  1. besonders gefährlich ist es-wenn diese kampfradler auf fußgängerwegen mit hoher geschwindigkeit einen schneiden und ab und zu die leute auch noch anbrüllen.

    (tatsächlich in köln auf mixzonen /fußgänger+radfahrer zu oft erlebt)

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    • Azenion
    • 14. Dezember 2012 8:05 Uhr

    "diese Kampfradler" haben sich von solchem Verhalten distanziert, wie Sie es beschreiben.

    Ähnlich wie "Raser" ist "Kampfradler" einerseits ein Begriff für jeden Verkehrsteilnehmer, dessen Verhalten man als unangemessen forsch empfindet. Andererseits sind es aber auch Propagandabegriffe für alle, die Regeln verletzen. Nur letzterer Sinn wird von den Interviewten aufgegriffen.

    Herzlich lachen musste ich bei "Wir nehmen Rücksicht, nämlich auf die Fußgänger.". Aber klar doch. Ich muss dann wohl als passionierter Fußgänger immer und ausgerechnet an die falschen Kampfradler geraten. Und ein Blick nach Münster zeigt, was passiert, wenn man tatsächlich eine radfahrerfreundliche Verkehrspolitik macht - man fühlt sich als Fußgänger nicht nur auf der Straße, sondern auch noch auf den Bürgersteigen und in sogennanten "verkehrsberuhigten Zonen" (die natürlich nach Interpretation des Radfahrertums nur zur Beruhigung des Autoverkehrs dienen) unwohl in der Angst vor dem ständig möglichen Zusammenstoß.

    Vielleicht sollte ich zum Kampffußgänger werden. Einfach mal den Ellenbogen ausfahren, wenn Kollege Kampfradler es wieder nötig hat, den Gehweg zur Rennstrecke zu machen.

    Kampfradler ist als Begriff eigentich schon latent aggressiv. Besser als sich durch Nicht - Beachten von Verkehrsregeln hervorzutun wäre es, einen Dialog zu suchen.
    Viele Innenstädte sind aktuell nur dem Auto zuliebe konzipiert und die Ampelschaltungen auch. Sogar in der Fahrradhauptstadt Münster ist dieses so.

    Hier müssen endlich mal Vertreter vom ADFC oder anderen Verbänden mit den Lokalpolitikern an einen Tisch gesetzt werden. Es gibt genug Möglichkeiten, die schwierige Situation zwischen Fahrradfahrern/Fußgängern und Autos zu entschärfen. Warum macht man nicht einfach mal konstruktiv eine Plattform auf, in der die einzelnen Parteien zu Wort kommem.

    Wenn unsere lieben Politiker die sich immer noch zum großen Teil mit Staatskarossen ala S-Klasse durch die Gegend fahren lassen ( vorbei am Stau ) endlich mal wieder Bodenhaftung bekommen würde, könnten Sie auch die Notwendigkeit einer Lösung des Problems nachvollziehen.

    "Kampfradler" tun genau das nicht. Sie weichen auf die Straße aus, wo sie nach StVO auch hingehören.

    der Wirkung der obigen Kapfradel-Ansage. Als ich heute mit dem Auto fuhr und ein Radfahrer etwas zu weit auf der Fahrbahn fuhr, fiel mir die tolle Inititive aus dem Interview ein. Das machte mich wütend und ich fuhr noch näher an dem Radler vorbei, als sonst.

    DAS und nichts anderes bewirkt der, mit Verlaub, "Unsinn" den dieser Siemering und Dechert von sich geben.

  2. Das alles wäre nicht nötig, wenn die Grünen, die mittlerweile in vielen Städten in Koaltionen die Mehrheiten in den Stadträten haben, sich mal auf ihre Wurzeln besinnen und sich für Radfahrer einsetzen würden.

    Doch man beschäftigt sich lieber damit, den völlig überteuerten ÖPNV mit zusätzlichen Busspuren zu unterstützen (das Grüne Wohlstandsklientel hat ja auch wenig Probleme mit den ÖPNV-Preisen), als dass mal irgendwo Radwege ausgebaut oder gegen das Parken durch Autos abgesichert werden.

    Davon abgesehen halte ich als passionierter Radfahrer mal so gar nichts von Kampfradeln, denn Aggression erzeugt nichts anderes als Gegenaggression, die im Zweifelsfalle der nächste Verkehrsteilnehmer abbekommt, der nichts mit der Sache zu tun hatte. Autofahrer auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen ist ja wohl auch kein Kampfradeln...

    Der Verkehr teilt sich eben nicht nur in Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger, sondern in Rücksichtslose und Rücksichtsvolle. Und die Rücksichtslosen gehen mir so oder so auf den Sack, ob nun per Auto oder per Rad. Insbesondere seien hier auch die Spezialisten erwähnt, die sich in voller "Kampfmontur" ins Radfahrvergnügen werfen und wirklich der Meinung sind, sie seien im Krieg - aber mit allem und jedem, nicht nur mit den Autofahrern. Von diesen fühle ich mich mindestens genauso gefährdet wie von einem passiv fahrenden Autofahrer.

    2 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Argumenten. Danke. Die Redaktion/kvk

    passiv fahrenden Autofahrer???

    Genau das ist es was mein Fahrlehrer mir beibringen wollte: nicht so defensiv fahren, wie ein Radfahrer.

    Wo findet der Kampf also statt?

    Hinter dem Steuer eines Autos.

    wenn bei uns die Sonne lacht,
    hat's die CDU gemacht.
    Fallen Regen oder Schnee,
    sind's Linke, Grüne, SPD.

    • Hickey
    • 14. Dezember 2012 11:40 Uhr

    Mir gehen die "Hans-Guck-in-die-Luft" Leute aufn Sack.

    Eine Menschentraube betritt völlig unbedarf, obwohl mich ein Teil der Gruppe sieht, den Fahrradweg...tut mir leid, da lass ich gerne den Kampfradler raus und nehme keine Rücksicht, auf die Planlosen Brain-AFK`ler.

    Grund:

    Ich fahre sportlich, was nicht verboten ist und hab keine Lust jedesmal auf 25kmh zu beschleunigen.

    Wo ein Radweg ist, hat ein Fußgänger nix verloren, auf die Straße trauen sich diese Menschen nämlich nicht.

    Aber einen Fahradfahrer kann man ja getrost behindern.

    • Marone
    • 15. Dezember 2012 0:08 Uhr

    Ich finde es unsinnig, ÖPNV und Fußgänger als Gegner der Radfahrer zu betrachten. Der meiste Platz und und praktisch alle Ampelschaltungen werden vom Autoverkehr beansprucht. Um den zurückzudrängen, mussen alle Alternativen so attraktiv wie möglich sein. Außerdem nutzen gerade Radfahrer flexibel verschiedene Mobilitätsarten.

    • Azenion
    • 14. Dezember 2012 7:58 Uhr

    Überregulierung unterminiert *immer* die Glaubwürdigkeit der Obrigkeit, indem sie entweder zum direkten Regelverstoß zwingt oder aber ein Übermaß an Fällen der konkreten Unangemessenheit produziert. Eine überregulierende Obrigkeit erklärt den Bürger zum Feind und wird dann umgekehrt auch als Feind wahrgenommen.

    Ich denke, genau das passiert dem Radfahrer wie kaum einer anderen Bevölkerungsgruppe, ganz einfach weil die Verkehrsregeln nicht für ihn, sondern für den Autofahrer gemacht sind.

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    Es gibt übrigens die einen Ampeln und die anderen Ampeln.

    Die einen sind die Ampeln die den Verkehr sinnvoll regeln. In der Regel fahren Radfahrer in Berufsverkehr (Profiradler) da nicht drüber, aber deppen gibts immer.

    Die anderen sind die, bei denen eine kleine, fast nicht befahrene Strasse, in eine große Straße mit (dem üblicherweise schlecht zu sehenden) Radweg mit Fahrradampel kreuzt.

    Der "natürliche Feind" des Radfahrers ist da der Rechtsabbieger. Beide haben grün, der Radfahrer hat hinten keine Augen der Rechtsabbieger (oft ein weiser Transit) sieht von hinten rechts den Radfahrer nicht kommen.

    Meiner ansicht nach ist das die Hauptursache für Unfälle, und beide hatten Grün.

    An einer solchen Ampel bedeutet Grün Lebensgefahr und Rot die sichere weil kontrollierbare Überquerung der Straße.

    Genau an diesen Ampeln stehen dann natürlich gerne Polizisten um an das Geld der Radfahrer zu kommen (an der Sorge um die sicherheit der Radler kanns nicht liegen). Sie stehen da WEIL die Überregulierung offensichtlich ist und Radfahrer das nicht annehmen.

    Wers nicht glaubt fährt nicht Rad.

    • Azenion
    • 14. Dezember 2012 8:05 Uhr

    "diese Kampfradler" haben sich von solchem Verhalten distanziert, wie Sie es beschreiben.

    Ähnlich wie "Raser" ist "Kampfradler" einerseits ein Begriff für jeden Verkehrsteilnehmer, dessen Verhalten man als unangemessen forsch empfindet. Andererseits sind es aber auch Propagandabegriffe für alle, die Regeln verletzen. Nur letzterer Sinn wird von den Interviewten aufgegriffen.

    • Pterry
    • 14. Dezember 2012 8:08 Uhr

    ...wird der Radweg, wenn er direkt neben der Straße verläuft, generell nicht geräumt, sondern der Schnee von der Straße genau dahin geschoben.

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    • lufkin
    • 14. Dezember 2012 8:51 Uhr

    Das ist hier in Aachen auch so.
    Im letzten Winter war es besonders schlimm. Es gibt hier in der Innenstadt mehrere Stellen, an denen der Radweg zwischen den Autospuren verläuft. Der Schnee wurde dann von den Autospuren auf die Radspuren geschoben und dort liegen gelassen. Dann taut es mal und überfriert wieder und schon hat man auf der Spur nur noch blankes Eis. Die Radspuren waren absolut unbenutzbar. Sogar noch zwei Wochen nachdem der (Rest)Schnee auf den Autospuren und Fußwegen schon von selbst getaut war, waren die Radwege oft noch unbenutzbar.
    Dazu kommen hier überall fehlende oder kaputte Radwege, unsinnige Ampelschaltungen (grüner Pfeil für Autos aber eine extra Radfahrer-Ampel die rot bleibt, Radler die auch rechts abbiegen wollen müssen also auf die Hauptampel warten)...

    • leser72
    • 14. Dezember 2012 14:49 Uhr

    ... weil unbenutzbar. Fahren Sie halt auf der Fahrbahn UND bitte NICHT auf dem Gehweg - gut ist . Aber bitte nicht "in der Gosse", sondern mit 0,75 bis 100cm Abstand zu den geparkten Autos / dem Bordstein. Das dürfen Sie nicht nur, dass müssen Sie sogar. Öffnet sich nämlich plötzlich eine Autotür und Sie fahren rein, bekommen Sie schnell eine Mitschuld wegen zu geringen Sicherheitsabstand. Da gibt es gerichtliche Urteile zu. Und das "Rechtsfahrgebot" gibt es auch nicht her, dass Sie mit 10cm Abstand zum Bordstein fahren müssen. Das sagt nur "möglichst weit rechts". Was möglich ist, entscheiden Sie! Eine gute Linie ist die Spur, die die Autos mit dem rechtsseitigen Rädern hinterlassen. Sagt mittlerweile sogar die Polizei.

  3. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Argumenten. Danke. Die Redaktion/kvk

    Antwort auf "Das alles..."
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    Wer denn sonst, wenn nicht die Grünen?

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