Sie wirken auf den ersten Blick aufgeräumt und intuitiv bedienbar: mit zahllosen Bildschirmen, aber wenigen bis gar keinen Schaltern. Vor allem sehen sie futuristisch aus, gern genommen sind Flügeltüren. Design- und Studienfahrzeuge stehen auf jeder Automesse der Welt, um Aufsehen zu erregen und die Besucher in Scharen anzulocken. Mit einem Erscheinungsbild, das im heutigen Straßenverkehr für spontane Blitzlichtgewitter sorgen würde.

Die Modelle entführen ihre Betrachter in eine Welt von morgen, oft aber auch in eine Welt, in der dieses Fahrzeug nicht einmal morgen zu kaufen ist. Denn so schön oder auch bisweilen ganz praktisch das eine oder andere Zukunftsmobil auch ausschauen mag: Nur wenige von ihnen finden tatsächlich als Serienmodell den Weg auf unsere Straßen – und wenn, dann nur in stark veränderter Form.

Die Umsetzung hängt stark von dem jeweiligen Fahrzeug ab. Wichtigster Punkt hierbei: Handelt es sich um eine Konzept- oder Designstudie? Konzeptfahrzeuge sind für einen Hersteller ein wichtiges Medium zur seriennahen Visualisierung des kommenden Designs. Eine Designstudie hingegen soll lediglich eine Vision darstellen, die von sonst geltenden Produktionszwängen befreit ist.

"Deutlich expressiver"

Ein typisches Beispiel: der Biome von Mercedes-Benz . Die Karosse des Sportwagens, 2010 auf der Los Angeles Motor Show präsentiert, soll aus genetisch programmierten Samen wachsen – diese Art der Produktion ist jedenfalls aus heutiger Sicht reine Science Fiction. Zumindest das Design des Biome wirkt weniger spinnert als der ökophilosophische Ansatz um das Fahrzeug herum.

Futuristisch ist die Optik dennoch. Das darf bei solchen Studien, die gern unter der Kategorie Showcar laufen, auch so sein. Innovationsdesigner könnten bei solchen Konzepten "deutlich expressiver, sprich kreativer sein", sagt der Showcar-Designer Patrick Verhée von Ford Europa . 60 bis 70 Prozent einer Studie sollten seiner Einschätzung nach aber tatsächlich umsetzbar sein.

Doch wie entsteht, angesichts einer solch großen Experimentierfläche, das Showcar überhaupt? Für jede Konzept- oder Designstudie wird bei den Autoherstellern ein interner Wettbewerb ausgeschrieben. Aus den eingereichten Themen und Skizzen wird dann ausgewählt. "Der Designer, der den ausgesuchten Sketch entworfen hat, bekommt die Verantwortung, ihn dann auch umzusetzen – selbstverständlich in enger Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Design-Direktoren", erläutert Verhée.

Vom weißen Blatt Papier bis zur fertigen Studie durchläuft ein Konzept rund 15 Stufen. Sie führen von den reinen Zeichnungen über 3-D- und Tonmodelle bis zum endgültigen und oft auch fahrbereiten Fahrzeug. Ob die Studie letztlich aber in die Öffentlichkeit rollt oder nicht, darüber entscheidet ein Führungsgremium aus ranghohen Managern unterschiedlicher Unternehmensbereiche.