AutoherstellerKonzeptautos sind schön, aber unbrauchbar

Auf jeder Automesse sorgen Designstudien und Showcars für Aufsehen. Woher kommen sie eigentlich? Und warum sieht man sie später kaum auf der Straße? von Marcel Sommer

Sie wirken auf den ersten Blick aufgeräumt und intuitiv bedienbar: mit zahllosen Bildschirmen, aber wenigen bis gar keinen Schaltern. Vor allem sehen sie futuristisch aus, gern genommen sind Flügeltüren. Design- und Studienfahrzeuge stehen auf jeder Automesse der Welt, um Aufsehen zu erregen und die Besucher in Scharen anzulocken. Mit einem Erscheinungsbild, das im heutigen Straßenverkehr für spontane Blitzlichtgewitter sorgen würde.

Die Modelle entführen ihre Betrachter in eine Welt von morgen, oft aber auch in eine Welt, in der dieses Fahrzeug nicht einmal morgen zu kaufen ist. Denn so schön oder auch bisweilen ganz praktisch das eine oder andere Zukunftsmobil auch ausschauen mag: Nur wenige von ihnen finden tatsächlich als Serienmodell den Weg auf unsere Straßen – und wenn, dann nur in stark veränderter Form.

Anzeige

Die Umsetzung hängt stark von dem jeweiligen Fahrzeug ab. Wichtigster Punkt hierbei: Handelt es sich um eine Konzept- oder Designstudie? Konzeptfahrzeuge sind für einen Hersteller ein wichtiges Medium zur seriennahen Visualisierung des kommenden Designs. Eine Designstudie hingegen soll lediglich eine Vision darstellen, die von sonst geltenden Produktionszwängen befreit ist.

"Deutlich expressiver"

Ein typisches Beispiel: der Biome von Mercedes-Benz . Die Karosse des Sportwagens, 2010 auf der Los Angeles Motor Show präsentiert, soll aus genetisch programmierten Samen wachsen – diese Art der Produktion ist jedenfalls aus heutiger Sicht reine Science Fiction. Zumindest das Design des Biome wirkt weniger spinnert als der ökophilosophische Ansatz um das Fahrzeug herum.

Futuristisch ist die Optik dennoch. Das darf bei solchen Studien, die gern unter der Kategorie Showcar laufen, auch so sein. Innovationsdesigner könnten bei solchen Konzepten "deutlich expressiver, sprich kreativer sein", sagt der Showcar-Designer Patrick Verhée von Ford Europa . 60 bis 70 Prozent einer Studie sollten seiner Einschätzung nach aber tatsächlich umsetzbar sein.

Doch wie entsteht, angesichts einer solch großen Experimentierfläche, das Showcar überhaupt? Für jede Konzept- oder Designstudie wird bei den Autoherstellern ein interner Wettbewerb ausgeschrieben. Aus den eingereichten Themen und Skizzen wird dann ausgewählt. "Der Designer, der den ausgesuchten Sketch entworfen hat, bekommt die Verantwortung, ihn dann auch umzusetzen – selbstverständlich in enger Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Design-Direktoren", erläutert Verhée.

Vom weißen Blatt Papier bis zur fertigen Studie durchläuft ein Konzept rund 15 Stufen. Sie führen von den reinen Zeichnungen über 3-D- und Tonmodelle bis zum endgültigen und oft auch fahrbereiten Fahrzeug. Ob die Studie letztlich aber in die Öffentlichkeit rollt oder nicht, darüber entscheidet ein Führungsgremium aus ranghohen Managern unterschiedlicher Unternehmensbereiche.

Leserkommentare
  1. Und dafür muss man Träume verkaufen. In der Axe Dose stehen ja auch keine Telefonnummern von fotogenen allein stehenden Damen. Von Davidoff cool Wather gibts weder einen Sixpack noch einen Badeurlaub.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Infamia
    • 13. Dezember 2012 7:41 Uhr

    Auf Modeschauen werden doch auch überwiegend Klamotten gezeigt, die man später kaum auf der Straße sieht. Erklären konnte mir das noch niemand, findet aber jedes Jahr statt.

  2. Etwas mehr Mut auch einmal solche als Kleinserien herzustellen, würde dem "Designeinerlei" gut zu Gesicht stehen.

    Wenn etwas aber zu Weg gebracht wird, sind es meistens "nur" leistungsaufgeladene Serienfahrzeuge mit besonderem Zubehör/Ausstattung; beispielsweise:
    http://www.handelsblatt.c...

    Mehr Mut zu mehr Wagnis ist einfach nicht drin.
    Das ist schade, da jede andere Lösung so lange mainstreamartig durchkaut wird, dass meistens nur "Langeweile" oder "Massengeschmack" herauskommt. Würde die Natur so regiert haben, hätte sich wohl ein Mensch nie entwickelt. Autohersteller denken halt in "Geschäftsmodellen" und "ROI´s". Hier kann halt ein Standard POLO, der einfach etwas "aufgeblasen" wird, mit geringem Kostenaufwand noch Gewinne erzielen.

    Ein Konzeptautorealisierung als Kleinserie, wäre da schon deutlich teurer. Es stände zwar der Marke gut zu Gesicht, aber der Kostenaufwand ist halt spürbarer dar.

    Es stünde aber im Fall des POLO´s VW gut zu Gesicht, wenn BEIDES gemacht werden würde: Eine innovativste futuristische Kleinstserie & das Konzept der "aufgeblasenen" Autos. Nicht das Eine ODER das Andere sollte zählen, sondern beide Ansätze von Kleinserien.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Das ist schade, da jede andere Lösung so lange mainstreamartig durchkaut wird, dass meistens nur "Langeweile" oder "Massengeschmack" herauskommt. Würde die Natur so regiert haben, hätte sich wohl ein Mensch nie entwickelt."

    auf genau diese art und weise hat der mensch sich entwickelt.

  3. "warum sieht man die nie auf der Strasse ?" Das fragen sie im Ernst? Bei dem Bild ?
    Ich roll mich weg...
    Grüße ;-)

  4. meine ich...

    • nik--
    • 12. Dezember 2012 20:10 Uhr

    unserer Zeit und letztlich Spiegel unserer Gesellschaft. Marketing, Schein und Glanz sind wichtiger als alles andere, die Konzerne binden jede Menge kreativen Potentials und letztendlich auch Geldmittel, um nutzlose Attrappen zu entwickeln, statt die Energie in die Umsetzung eines innovativen und nachhaltigen Produkts zu stecken. Und auf der anderen Bühne stellt dann Opel die Produktion ein. Irgendwas stimmt nicht in unserem System.

    So, jetzt aber Schluss mit deprimierender Kapitalismuskritik, schnell alle rein in die Autosalons und Messen, um sie die Nasen an den funkelnden „Visionen“ plattzudrücken. Und vom Eintrittsgeld bezahlt Daimler dann seine Vorstände..

  5. "Doch woher kommen sie eigentlich? Und warum sieht man sie später kaum auf der Straße?"

    a) nur Marketing
    b) daher völlig untauglich im Alltag
    c) kein Unternehmergeist, neue Ideen wirklich umzusetzen

    Die Showcars dienen nur der Befriedigung der kreativen Designabteilungen, mal Abwechselung in den schnöden Einheitsdesignbrei zu bringen. Sonst wandern die noch ab, die Designer.

  6. Sind wie der Laufsteg eine Modenschau. Es geht nicht um das Auto, sondern um Trends: Formen, Design, Farben, Technologie - alles verpackt in einem Auto und meist unterstützt von einer erhobenen Studie.

    • Infamia
    • 13. Dezember 2012 7:41 Uhr

    Auf Modeschauen werden doch auch überwiegend Klamotten gezeigt, die man später kaum auf der Straße sieht. Erklären konnte mir das noch niemand, findet aber jedes Jahr statt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Yulivee
    • 14. Dezember 2012 16:58 Uhr

    Und Kunst muss nicht tragbar sein.

    Es gibt genau so viele Modeschauen mit Kleidung, die man sehr gut auf der Straße tragen kann.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ford | Audi | BMW | Autohersteller | General Motors | Mercedes-Benz
Service