ElektromobilitätNissan setzt seine Händler unter Druck

Nissan versucht, seine Elektro-Limousine Leaf mit aller Gewalt in den Markt zu drücken. Händler, die nicht mitziehen wollen, bekamen jetzt die Kündigung. von Wolfgang Gomoll

Nissan Leaf an einer Ladesäule

Nissan Leaf an einer Ladesäule  |  © Hersteller

Bei der Elektromobilität hört für Nissan offenbar der Spaß auf. Der japanische Autohersteller hat jetzt 15 deutschen Händlern das Vertragsverhältnis zum 31. Dezember 2014 gekündigt, weil diese das Elektroauto Nissan Leaf nicht verkaufen wollen. Nissan hatte ihnen eine Zusatzvereinbarung vorgelegt, die vorsieht, den Leaf ins Verkaufsprogramm aufzunehmen. Doch die Händler weigerten sich, die Vereinbarung zu unterschreiben.

Vincent Wijnen, Geschäftsführer von Nissan Center Europe, sagt zwar, er könne das Sträuben der Händler nachvollziehen. Schließlich gebe es Regionen, in denen die Akzeptanz für Elektromobilität nicht besonders ausgeprägt sei. Die Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes bestätigen diese Annahme: Derzeit sind hierzulande nur etwa 75.000 Elektro-Fahrzeuge registriert. Gerade einmal 421 Exemplare des Nissan Leaf wurden in diesem Jahr bis Ende November in Deutschland zugelassen, das entspricht einem Marktanteil von 0,7 Prozent. Rund 250 entfallen davon auf den Handel oder sind von Nissan selbst.

Anzeige

Für Wijnen ist das aber kein Grund, von seiner harten Linie abzuweichen. "Der Leaf ist für unsere Marke ein sehr, sehr wichtiges Auto", sagte der Niederländer. "Händler, die das nicht verstehen, können unsere Marke nicht länger vertreten." Eine klare Ansage. 15 von 222 Händlern ließen sich aber trotz mehrerer Versuche nicht überzeugen. Darauf folgte die Vertragskündigung.

"Fahrzeug noch nicht reif für den Markt"

Für den Nissan-Manager ist der Verlust verschmerzbar. Die Abweichler stünden nur für 2,5 Prozent des Umsatzes, sagte er. Zudem seien die Investitionen für die Händler überschaubar: Sie müssten lediglich zwei Ladestation für zusammen 6.000 Euro und einen Nissan Leaf anschaffen, den man zu günstigen Konditionen bekommt. Dazu komme die Schulung der Mechaniker an jeweils fünf Tagen.

Die gefeuerten Nissan-Vertragspartner sehen das anders. Sie machten ihrem Unmut Luft: "Jetzt werden wir wegen eines Fahrzeugs, das derzeit noch nicht reif für den Markt ist, gekündigt", schrieb ein Händler und verwies gleichzeitig auf die hohen Anforderungen, die der japanische Autobauer an sein Händlernetz stellt. Demzufolge sollte man im Frühjahr eine größere Menge Autos abnehmen.

Nissan-Händler Christoph Schaller stimmt dem nur teilweise zu. "Auf der einen Seite übt Nissan schon eine Diktatur aus, aber ich stehe hinter dem Leaf", sagt Schaller. Für den Landsberger ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Elektromobilität durchsetzt. "Sobald der erste deutsche Hersteller ein Elektroauto in seinem Portfolio hat, wird sich die Wahrnehmung ändern", prophezeit Schaller. Der Protest von Händlern verhallte bei Nissan allerdings nicht ungehört. Beim ursprünglichen Plan wären mindestens 75.000 Euro pro Händler fällig gewesen, um den Leaf einzuführen. Das ist vom Tisch.

Außer Frage steht aber, dass der Leaf zum Erfolg verdammt ist. Nissan kann nicht mehr zurück: Das Unternehmen hat immerhin rund vier Milliarden Euro in die Elektromobilität investiert, im April 2013 läuft die Produktion des Leaf im britischen Sunderland an. Die Autos müssen unters Volk, damit die Investitionskosten wenigstens teilweise wieder hereinkommen. Zumal die Kapazität des englischen Werkes bei bis zu 50.000 Einheiten pro Jahr liegt. Doch diese Zahl in naher Zukunft zu erreichen, erscheint angesichts der E-Skepsis vieler Kunden und der nahenden Offensive der deutschen Autobauer mehr als schwierig.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Nur weil "E-Themen" beim Auto "in" sind, muss nicht alles einen gewichtigen Stellenwert erhalten.

    Ein NISSAN Händler, der sich Programmanteilen verweigert, zieht zurecht Kritik auf sich. Es kann diskutiert werden, ob nicht Herstellerauflagen für Händler "zu hart" sind und ob dem Händler genügend Profit bleibt, um sich zu engagieren. Auch Showroominvestitionen sind fordernd. Internethandel drücken dagegen die Margen und erschweren lokalen Händlern mit ein bißchen eine Kundenbasis. internethändler müssen schließlich nicht in Showroom, Angestellte, Werkstatt, etc. zu investieren. Schreibtisch, Computer und Telefon reichen.

    Wenn NISSAN Händler sich in Einzelfällen verweigern das Programm abzubilden,müssen sie schlicht damit rechnen, den Händlerstatus zu verlieren. Das ist eine legitime Konsequenz. Eine Konsequenz, die aber NICHTS mit Elektromobilität zu tun hat, sondern mit der Programmverweigerungshaltung.

    BMW-Händler wollten damals nicht beim C1-Roller mitziehen und nicht jeder Mercedes Händler mag einen SMART dazustellen. Händler wollen Renditebringer verkaufen und keine Pflichtmobilitätsdinge der Zentrale, die wenig Rendite bringen. Händler sind aber keine politische Instanz, die sagen, was unter der Marke verkauft werden darf und was nicht.

    6 Leserempfehlungen
    • spamme
    • 19. Dezember 2012 17:00 Uhr

    Soso, verzockt hat sich der Ghosn ... ich denke, er hat eher ein schlechtes Timing (Finanzkrise). Außerdem seh ich bei den schlechten Verkaufszahlen auch ein gewisses Maß an Mitschuld bei den Medien:
    Man erinnere sich an das große Tamtam, als nach einen extremen Unfall in China ein E-Fahrzeug gebrannt hat ... komisch, aber ich glaube ich habe schon mehr Benziner am Straßenrand gesehen, die in Brand gerieten und ausgebrannt sind, und das zum Teil ganz ohne Unfall.
    Selbiges, wenn man sich an den Volt erinnert, der nach einem Crashtest in den Staaten Feuer gefangen hat. Ursache: die Batterie wurde unsachgemäß im Fahrzeug gelassen, welches irgendwo im Hof abgestellt wurde. Großes Geschrei der Medien "oh wie gefährlich!" und es folgte ein Einbruch bei den Verkaufszahlen.
    Dritter Fall: mögliche Undichtigkeit an den Bremsschläuchen des Twizy - Rückruf durch Renault. Medien titeln "Wie gefährlich ist der Twizy?" - und bauschen das Thema auf, untermalen es mit dem fehlenden ABS und ESP etc. Rückrufe anderer Hersteller normaler Autos werden mal nebenbei erwähnt oder bekommen eine größere Schlagzeile, falls was wirklich, wirklich Schlimmes kaputt ist.

    Deutsche Medien sind beim Thema Auto zu sehr "Deutsch"-gefärbt (oder auch: bezahlt) und somit wird das Runterschreiben der E-Autos wohl auch erst dann aufhören, wenn der Medien liebster Zahlmeister, VW, ein eigenes Produkt auf dem Markt hat

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Für diese - aus meiner Sicht richtige Unterstellung - bin ich neulich aus dem Forum geflogen. Ich beobachte das Thema E-Mobilität beruflich seit 2002, als zu einem Zeitpunkt, als noch niemand darüber gesprochen hat. Meine wahrnehmung ist, das in der "ökologisch korrekten Presse" mindestens soviel "pro"-Artikel, wie "contra"-Artikel erschienen sind. Aber was soll es: Niemand hat staatlich oder über die Medien das Smartphone oder das Internet herbeigeredet: Der Kundenvorteil hat von allein für Verbreitung gesorgt. Ich denke, daß bei steigenden Spritpreisen (>>2 €/l)zunächst Erdgas als Alternative in Frage kommt. Erdgas gibt es auf dem Weltmarkt in Hülle und Fülle! Und jetzt spinne ich: Auch Ergas kann man mit Hybrid verbinden. So ab Spritpreisen von 2,50 € aufwärts! immer noch preiswerter als E-Fahrzeuge, und immer noch mit Reichweite und Heizung!

    • spamme
    • 19. Dezember 2012 16:53 Uhr

    so, wie damals die ganzen deutschen Hersteller beim Kat nach Steuersubventionen geschrien haben? Und danach auch beim Diesel-Kat ... Oder die Abwrackprämie, Dienstwagenbesteuerung und was ich nicht alles der Industrie versteckt in den Allerwertesten geschoben wird ... Aber keine Sorge, die deutsche Autoindustrie fragt ja nicht nach einer Subvention für E-Autos - warum auch, sie würden ja nicht davon profitíeren ...

    Apropos Katalysator ... ich warte immer noch drauf, dass die deutsche Industrie mir den Motor zeigt, der ohne Kat weniger Emissionen ausschleudert als ein anderer mit.
    Wurde doch bei Diesel und Benziner immer so proklamiert: da braucht mein keinen Kat, dass können wir auch mit innermotorischen Maßnahmen, Und das wöre dann ja viel besser als so ein Kat ... nun, liebe deutsche Autoindustrie, könnt ihr, oder könnt ihr nicht?

    3 Leserempfehlungen
  2. Dieses Beispiel zeigt sehr schön, mit welchen Bandagen gekämpft wird. Das E-Auto ist ja nur ein Beispiel.Den Händlern, die sich dem Diktat gebeugt haben sitzt die schiere Angst im Nacken. Ohne Vertrag kündigen die Banken die Kreditlinie. Dann können die meisten gleich zum Konkursrichter gehen. Freiwillig hätte keiner dieser Händler sich auch nur einen Leaf auf den Hof gestellt. Alle - insbesondere die grün angehauchten - sind zwar interessiert, nur kaufen tut keiner. Die Zeit ist eben noch nicht reif. So jetzt bekommen die Manager Fracksausen, weil ihre Megainvestitionen drohen den Bach herunter zu gehen. Jetzt wenden die in dem Konzern die "Nord-Koreanische Lösung" an. Im gleichen Konzern, d.h. bei Renault wurden doch vor 4 Jahren etliche Selbstmorde im Entwicklungszentrum publik. Hier hat wohl der gleiche Geist eine Rolle gespielt. Hersteller sollten wissen: Was Händler partout nicht wollen, wollen Kunden auch nicht. Ist das so schwer zu verstehen? Bei einem fabrikat, daß Händler so behandelt, würde ich nicht kaufen. Wie behandeln die mich im Zweifel bei einem Kulanzantrag?

    Eine Leserempfehlung
  3. Was haben Visionen mit diesem Thema zu tun. Vom Hybrid war keine Rede. es geht um das reine E-Auto, daß selbst bei einer Förderung von 7000 € die Leute in Frankreich nicht kaufen. Und es ging um den Druck, der auf kleine Händler ausgewirkt wird, weil sich die großen Strategen, voran der CEO Gohsn völlig verzockt haben. Seit vier Jahren werden zum E-Auto Märchen erzählt. Es gibt objektive Gründe, daß niemand sie kaufen will! Wenn man sie trotzdem produziert, dann erzeugt man Edelschrott! Das ist Umweltfrevel!

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    erhöhen sie die Förderung auf 20.000 € wie in Norwegen, dann werden E-Autos auch gekauft.
    Hybride erwähne ich deshalb, weil sie die Konkurrenz sind, mit denen das E-Auto künftig auf dem Markt konkurrieren wird. Der V8 Big Block wird es hingen nicht sein. Und ich gehe davon aus, dass die verschiedenen Hybride in diesem Wettrennen noch 10-15 Jahre lang die NAse vorn haben werden.

    Jetzt verstanden?

    • spamme
    • 19. Dezember 2012 17:00 Uhr

    Soso, verzockt hat sich der Ghosn ... ich denke, er hat eher ein schlechtes Timing (Finanzkrise). Außerdem seh ich bei den schlechten Verkaufszahlen auch ein gewisses Maß an Mitschuld bei den Medien:
    Man erinnere sich an das große Tamtam, als nach einen extremen Unfall in China ein E-Fahrzeug gebrannt hat ... komisch, aber ich glaube ich habe schon mehr Benziner am Straßenrand gesehen, die in Brand gerieten und ausgebrannt sind, und das zum Teil ganz ohne Unfall.
    Selbiges, wenn man sich an den Volt erinnert, der nach einem Crashtest in den Staaten Feuer gefangen hat. Ursache: die Batterie wurde unsachgemäß im Fahrzeug gelassen, welches irgendwo im Hof abgestellt wurde. Großes Geschrei der Medien "oh wie gefährlich!" und es folgte ein Einbruch bei den Verkaufszahlen.
    Dritter Fall: mögliche Undichtigkeit an den Bremsschläuchen des Twizy - Rückruf durch Renault. Medien titeln "Wie gefährlich ist der Twizy?" - und bauschen das Thema auf, untermalen es mit dem fehlenden ABS und ESP etc. Rückrufe anderer Hersteller normaler Autos werden mal nebenbei erwähnt oder bekommen eine größere Schlagzeile, falls was wirklich, wirklich Schlimmes kaputt ist.

    Deutsche Medien sind beim Thema Auto zu sehr "Deutsch"-gefärbt (oder auch: bezahlt) und somit wird das Runterschreiben der E-Autos wohl auch erst dann aufhören, wenn der Medien liebster Zahlmeister, VW, ein eigenes Produkt auf dem Markt hat

  4. erhöhen sie die Förderung auf 20.000 € wie in Norwegen, dann werden E-Autos auch gekauft.
    Hybride erwähne ich deshalb, weil sie die Konkurrenz sind, mit denen das E-Auto künftig auf dem Markt konkurrieren wird. Der V8 Big Block wird es hingen nicht sein. Und ich gehe davon aus, dass die verschiedenen Hybride in diesem Wettrennen noch 10-15 Jahre lang die NAse vorn haben werden.

    Jetzt verstanden?

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...was kaum jemand braucht ? Bentleys kauft schließlich auch kaum jemand wegen des hoher Herstellungspreises, sollten die nach Ihrer Logik etwa auch gefördert werden ? Wer nach Öko schreit soll auch dafür löhnen, damit´s zumindest etwas glaubhafter wird.

  5. ...was kaum jemand braucht ? Bentleys kauft schließlich auch kaum jemand wegen des hoher Herstellungspreises, sollten die nach Ihrer Logik etwa auch gefördert werden ? Wer nach Öko schreit soll auch dafür löhnen, damit´s zumindest etwas glaubhafter wird.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Ganz einfach"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • spamme
    • 19. Dezember 2012 16:53 Uhr

    so, wie damals die ganzen deutschen Hersteller beim Kat nach Steuersubventionen geschrien haben? Und danach auch beim Diesel-Kat ... Oder die Abwrackprämie, Dienstwagenbesteuerung und was ich nicht alles der Industrie versteckt in den Allerwertesten geschoben wird ... Aber keine Sorge, die deutsche Autoindustrie fragt ja nicht nach einer Subvention für E-Autos - warum auch, sie würden ja nicht davon profitíeren ...

    Apropos Katalysator ... ich warte immer noch drauf, dass die deutsche Industrie mir den Motor zeigt, der ohne Kat weniger Emissionen ausschleudert als ein anderer mit.
    Wurde doch bei Diesel und Benziner immer so proklamiert: da braucht mein keinen Kat, dass können wir auch mit innermotorischen Maßnahmen, Und das wöre dann ja viel besser als so ein Kat ... nun, liebe deutsche Autoindustrie, könnt ihr, oder könnt ihr nicht?

  6. um sich ein Spielzeug wie den Leaf für 36.000€ in die Garage zu stellen. Wenn sie etwas Sparsames und umweltfreundliches , dann nehmen die einen gebrauchten Kleinwagen wie einen Corsa C mit Dreizylinder-Motor und einem Co2 Ausstoß von 127g/km. Der Kostet dann auch nur 5.000€, es wurden eine Menge Ressourcen gespart, weil das Auto schon vor 6 Jahren gebaut wurde und ist damit 100% mehr öko als der Leaf. Weil die "Ökos" das wissen zahlen die auch keine 36.000€.

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Auto | Autohersteller | Elektroauto | Elektromobilität | Euro | Fahrzeug
Service