AutokaufMühsame Suche nach dem rechten Oldtimer-Preis

Klassische Autos sind Liebhaber-Stücke und haben ihren Preis. Doch welcher ist realistisch? Nicht selten verlangt ein Anbieter Mondpreise. von Heiko Haupt

Ford Capri von 1971

Ford Capri von 1971  |  © Ford

Für einen "einzigartigen" Mercedes Strich-Achter werden 25.000 Euro verlangt, ein Ford Capri 2300 GT, Baujahr 1969, steht zum Preis von 38.000 Euro zum Verkauf, und sogar ein 1988er Fiat Panda 4x4 wird für selbstbewusste 7.990 Euro angeboten. Die Preise für mehr oder minder klassische Automobile scheinen unaufhörlich in die Höhe zu schnellen. Selbst was gestern lediglich als automobile Randnotiz galt, ist nach dem Wunsch der Verkäufer heute eine Rarität. In diesem Zustand unvergleichlich und rasant im Preis steigend.

Doch was die Inserate der Fachmagazine oder der Online-Autoportale vorgaukeln, hat oft nichts mit der Realität zu tun. Zahlreiche Anbieter setzen Mondpreise an, in der Hoffnung, es werde sich schon ein Dummer finden. Das Problem: Wie findet man überhaupt heraus, welcher Preis realistisch ist? Das Internet gilt Interessenten als ideale Recherchebasis. In verschiedenen Portalen kann man die Preise vergleichen, sodass Klarheit entsteht, was für ein bestimmtes Fahrzeugmodell auszugeben ist. Wichtigstes Kriterium ist der Pflegezustand.

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Doch so transparent, wie die Sache auf den ersten Blick wirkt, ist sie nicht. Vielfach lässt sich zum Beispiel nicht überprüfen, wie lange ein Auto schon zum Verkauf steht. "Es gibt immer wieder auch Karteileichen", sagt Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic-Car-Tax. Das wortreich angepriesene Sahnestückchen kann also durchaus ein Ladenhüter sein. Marius Brune von Classic Data weist zudem darauf hin, dass ein Angebot auch vorgetäuscht sein kann. Etwa um Interessenten glauben zu machen, dass sie für einen bestimmten Fahrzeugtyp schon ziemlich viel hinblättern müssen.

Problematische Preislawine

Wie verwirrend die Angebotslage selbst im seriösen Lager teilweise ist, erklärt Brune anhand eines Triumph TR2. Der Briten-Roadster ist tatsächlich ein gesuchter Oldtimer – aber auch einer, der sich nicht für jeden Preis an den Liebhaber bringen lässt. Schon gar nicht, wenn der Verkäufer ein aufwändig restauriertes Exemplar mit 77.000 Euro ansetzt. "So ein Auto wurde über vier Monate angeboten, ohne dass es einen Käufer fand. Der verlangte Preis entsprach also nicht dem Markt", sagt Brune. Vergleichbare TR2 werden für Preise um die 37.000 Euro verkauft.

Derart überteuerte Angebote sind ein Problem, denn sie können eine kleine Preislawine lostreten. Andere Anbieter verfallen womöglich der Versuchung, sie könnten höhere Preise erzielen: Wenn dieser eine TR2 mehr als 70.000 Euro bringen soll, dann könnte man selbst es für seinen TR2 doch mal mit 50.000 statt der ursprünglich erwarteten 35.000 versuchen. Dem einen Testpreis-Anbieter folgen weitere. Interessenten bekommen dann schnell den Eindruck, das Modell steige gerade rasant im Wert. Irgendwann bricht diese Aufwärtsspirale natürlich wieder zusammen, weil sich keine Käufer finden – bis es nach einer Weile von vorn losgeht.

Auch dass bestimmte Klassiker vergleichsweise häufig und dann noch zu hohen Preisen zum Verkauf stehen, ist nicht automatisch ein Zeichen für deren Liebhaber- und tatsächlichen Verkaufswert. Es könnte sich auch um ein Auto handeln, das erst mal eine hohe Anziehungskraft hatte – ansehnliches Design, starker Motor, moderater Preis – aber im Alltag mit unerwarteten Zicken auffiel. Der Wagen säuft wie ein Loch, die Ersatzteilpreise sind horrend, und an die Kosten der nächsten Inspektion mag der Eigner gar nicht denken.

Nun ist die Liebe auf den ersten Blick erloschen, der Halter will das Auto wieder losschlagen. Und natürlich möchte er am liebsten den gezahlten Preis plus die Ausgaben für Wartung und Ersatzteile vom Käufer erhalten. Als Beispiel für Autos, die einerseits begehrt, wegen ihrer Zicken und Kosten aber auch gefürchtet sind, stehen etwa Jaguar mit Zwölfzylinder. "Der Jaguar XJS ist so ein Auto, vor dem jeder Angst hat", sagt Frank Wilke.

Leserkommentare
  1. Mein Oldie verbraucht 12 l/100 km. Falls der Kraftstoff dann wirklich mal 3 €/l kosten sollte, dann bezahle ich für meine Jahresfahrleistung von 3000 km ca. 1000 € . Da bezahlen andere für ihren Parkplatz mehr - also so what!
    Selbst bei 5€/l werde ich dieses Hobby nicht aufgeben. Segeln war schon vor 20 Jahren teurer!

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Kein Garagengold"
  2. ...der eben nicht in der Szene drin ist, der Autos nach dem Spritverbrauch taxiert und nicht nach dem Flair, das die alten Recken haben. Mir ist es VÖLLIG gleichgültig, ob meine 3 Oldies an Wert gewinnen oder verlieren, da ich sie nicht unter dem Aspekt des Wertzuwachses gekauft habe und daher - wenn überhaupt - nur an einen Gleichgesinnten wieder verkaufen würde. Der Spritverbrauch ist mir sowas von bums, da ich nur überschaubare Kilometer damit fahre und für diese ist es mir wert. Punkt.
    Wer die Autos nach dem Spritverbrauch beurteilt, der hat auch keinen Blassen, WIE billig gute Oldtimer sein können, wenn sie denn gepflegt sind. Eine vom TÜV bemängelte Rückleuchte bei einem 2005er-Passat, wo der LED-Kranz teilweise ausgefallen ist (hat man gern mal), kostet beim freundlichen VW-Händler 39,-, weil vergossen und daher nur komplett tauschbar. Bei meinem Strich-8 kostet das eine Rücklichtbirne von nicht mal zwei Euro. Elektronikprobleme kennen meine Oldies nicht, weil Elektronik gibts da nicht. Selbst wenn man keinerlei Wertzuwachs hat, hat man doch zumindest keinerlei Wertverlust. Das kann man von einem 2005er-Passat nicht behaupten - der ist nach ein paar Jahren allenfalls noch eine verwahrloste Plastikwanne ohne jeden Wert. Und ohne jeden Charme.

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    Antwort auf "Kein Garagengold"
    • genius1
    • 18. Dezember 2012 12:19 Uhr

    mit der Preisfindung bei der Kunst!

    Was für den Einen ein Mondpreis ist, ist für den Anderen Preiswert!

    Abhängig auch von den finanziellen Möglichkeiten. Ein noch Reicherer wird mehr Zahlen können, als nur ein Reicher.

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  3. Zunächst einmal gilt festzustellen, dass der Wert - zumindest für echte Enthusiasten - darin liegt, wie stark der persönliche Bezug zu einem bestimmten Fahrzeug ist und welche Erinnerungen, Sehnsüchte, Erfahrungen sowie Projektionen und dergleichen sich aus diesem ergeben.
    So las ich über eine Frankfurterin, die ihren Alfa Romeo Junior nach 20 Jahren Gebrauch mit ca. 60tkm Fahrleistung jährlich(!) für eine Summe, die wir gar nicht wissen wollen, restaurieren ließ, weil sie auf keinen Fall einen anderen Wagen wollte.
    Andere leisten sich im fortgeschrittenen Alter das Auto ihrer mobilen Frühphase. Das darf dann gern klein, unbequem und spartanisch sein, denn das erscheint frech, frei und jugendlich - Restauriertes Blech als Therapie gegen den unrestaurierbaren Verfall des eigenen Körpers.
    So kostet dann beispielsweise ein 1960er Fiat 500 das Dreifache eines kürzlich auf ebay angebotenen, in nur 1100 Exemplaren gebauten und superseltenen Fiat 2100 Speziale aus dem selben Baujahr. Der ist nur alt und unbekannt und transportiert keine begehrten Bilder.

    Es ist gerade schön, innerlich Abstand von dem Diktat des finanziellen Betrachtungswinkels zu nehmen. Der verdirbt das Eigentliche und zwingt uns, Kriterien anzusetzen, die für uns gar nicht relevant wären.

    Bei mir haben sich mit der Zeit 6 alte Fahrzeuge angesammelt. Am Längsten habe ich einen 1978er Honda Civic, vor 12 Jahren um 300 DM gekauft. Er übersiedelte mit mir erst nach Spanien und dann nach Österreich. Unbezahlbar.

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  4. Die ganze Szene, die Menschen die es aus der Leidenschaft tun, leisten einen wichtigen Beitrag dem gesamten kulturellen Erbe.

    Das Auto ist zwar schon über 100 Jahre jung, aber die Zeit vor seiner Erscheinung und erst die Zeit die vor ihm steht, wird immer mehr die Neugier der künftigen Generationen wecken. So gesehen werden die heutige Investitionen erst in kommenden Jahrzehnten ihren wahren Preis erhalten und der wird sicherlich mit keinen (nur) kommerzielen Kriterien bemessen werden können.

    Die Menschen, die es mögen, können und sich ein wenig Platz und viel unbezahlbarer Zeit leisten können, tun der Allgemeinheit, besonders den nachkommenden Genrationen einen mit Geld nicht bezahlbaren Dienst.

    Die konservierte Stückschätze werden in ihrer Bedeutung nicht mit dem Geld bezahlt werden können. Dass man in der Branche immer versucht das Geld zu verdienen, ändert nicht viel an Seele und Herz der wahren Liebhaber, weil es tickt nicht wegen Technik und Marktwert des Blechs, sondern viel mehr mit der Zeit wann dieses oder anderes Modell die Leidenschaften der Welt bewegte.

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  5. ...ob der allerdings bezahlt wird ist eine ganz andere Geschichte, ob nun bei Autos, Briefmarken oder Münzen. Die einschlägigen Preistabellen können nur eine Orientierungshilfe sein. Individuell kommt es immer auf das begehrte Objekt und seinen Zustand an. Wie ich schon mal an anderer Stelle schrieb, bei den Brot- und Butterautos der 60er, 70er und frühen 80er Jahre ist der höhere Preis füe 3+ Zustand und besser häufig auch die bessere Wahl, da sich bei guten Fahrzeugen weitere Investitionen eher in Grenzen halten und sie in der kommenden Saison sofort einsatzbereit sind. Eine grundlegende, vernünftige Restauration rechnet sich bei diesen Fahrzeugen nämlich nie. Als Hobby macht eine eigene Restauration allerdings Spaß, was ja mit Geld bekanntlich nicht immer aufzuwiegen ist. Wem die reine Pflege und Erhaltung reicht, sofort den Fahrspass geniessen möchte, der sollte sich auch ruhig Objekte mit überhöhtem Preisniveau anschauen. Was dann hinterher gezahlt wird ist bekanntlich Verhandlungssache.

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  • Schlagworte Ford | BMW | Fiat | Auto | Euro | Jaguar
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