WerkschließungDas langsame Sterben von Opel

Die Verantwortlichen für die Opel-Krise sitzen nicht in Rüsselsheim, sondern bei GM. Sie hatten nie eine Strategie – jetzt ist die Zeit vorbei. von 

Die meistverkauften Automodelle in Europa heißen VW Golf, VW Polo, Ford Fiesta, Renault Clio, Ford Focus und Peugeot 207.

Opel ist nicht darunter.

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Damit ist das ganze Problem der deutschen General-Motors-Tochter schon beschrieben. Mercedes , BMW und Porsche finden sich zwar auch nicht unter den Topsellern – aber sie sind eben auch keine Massenhersteller. Opel dagegen baut schon lange keine Oberklasse mehr.

Opel muss die Masse erreichen, wenn es überleben will – doch das gelingt der Marke schon lange nicht mehr. Die Zeiten von Marktanteilen von 20 Prozent, die Opel in den siebziger Jahren in Deutschland erreichte, sind schon lange vorbei. Derzeit schafft der Konzern gerade einmal sieben Prozent.

Der Grund dafür sind in erster Linie Managementfehler, auch von der amerikanischen Mutter General Motors (GM): Opel hat inzwischen in Deutschland ein miserables Image. Der Konzern entwickelte Modelle komplett an den Bedürfnissen der Kundschaft vorbei. Kürzlich präsentierte Opel etwa den Kleinwagen Adam , dessen Design cool daherkommt und dem Mini von BMW und dem Fiat 500 Konkurrenz machen soll. Nur: Seit wann steht Opel für schicken Lifestyle?

Eigene Fehler treffen auf Wirtschaftskrise

Ähnlich die Situation beim Hybridmodell Ampera : Es mag ja innovativ sein und von technischem Know-how zeugen, ein elektrisch angetriebenes Auto im Portfolio zu haben. Bloß kauft zurzeit so gut wie niemand den Wagen.

Seit Jahren schon zieht sich die Zitterpartie um Opel dahin. Im Jahresturnus tauscht die GM-Zentrale in Detroit den Chef in der Europazentrale Rüsselsheim aus. Mit anhaltender Regelmäßigkeit sorgen Umstrukturierungen und eventuelle Verkäufe für Schlagzeilen. Wer kauft sich ein Auto von einem Hersteller, der womöglich bald verschwindet?

Das alles sind hausgemachte Probleme . Eines kommt hinzu: Opel leidet – wie andere Massenhersteller – unter der aktuellen Wirtschaftskrise. In ganz Europa halten sich die Autokäufer zurzeit zurück. Opel verkauft daher längst nicht so viele Fahrzeuge wie nötig, um seine Werke voll auszulasten. Die Kapazitäten zu verringern – also ein Werk zu schließen – ist ein richtiger Schritt, um sich an die aktuellen Entwicklungen anzupassen. Ähnliches droht auch einem Werk von Peugeot/Citroën bei Paris .

Leserkommentare
  1. Da ging die sprichwörtlich Zuverlässigkeit vor die Hunde , weil an Pfennigartikeln wie Wasserpumpe und Zahnriemen gespart wurde und die Pannenhäufigkeit exponentiell anstieg.

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    • spalter
    • 11. Dezember 2012 16:58 Uhr

    Opel hat die Qualitätsprobleme zwar später wieder in den Griff gekriegt, aber der Ruf war nachhaltig ruiniert.

    Die schlimmste Zeit war ja auch die unter dem verrückten "Top"manager Lopez, der natürlich von GM installiert wurde.

    Das ist zeitlich ziemlich genau auf den Punkt gebracht. Vor allen Dingen der Wechsel an der Spitze erinnerte an die italienischen Regierungswechsel. Mehr aus Zufall ist mir aus dem Umfeld meiner Familie ein fast neuer, d. h. kaum gefahrener Opel-Rekord Bj. 1979 in die Hände gefallen. Das war 1993. da ich mit der Branche zu tun hatte, war es ein Leichtes, Erkundigungen einzuholen! Wäre die Kiste nur zwei Jahre älter gewesen (Plastik-Verschandelungen) hätte ich den Wagen weiter gegeben. Der Nachfolger Omega (ab 1985) hatte mehr Fehler, als ein Hund Flöhe. Ich fahre den alten, fast neuen Rekord im Sommer heute noch! Gut, der Benzinverbrauch ist abartig. Aber sonst: Zuverlässig, wie ein Schweizer Uhrwerk. Das war noch Opel. Die Oldtimer-Szene der Opel-Liebhaber ist unheimlich gut vernetzt und besteht aus vielen ehemaligen Mitarbeitern der Opel-Service-Organisation. Was man da alles hört...
    Es ist eine Schande, wie diese Firma heruntergewirtschaftet wurde. Ein lehrbuchartiges Beispiel für jahrelanges Mismanagement. Das konnte nur Daimler-Benz unter Reuter und Schremp noch besser. Aber die haben sich über ihr Premium-Image (bisher) noch retten können. Wie man es richtig gut macht, zeigen auf der Premium-Seite BMW und Audi und auf der Volumen-Seite Kia und Hyundai!

    • spalter
    • 11. Dezember 2012 16:52 Uhr

    Opel darf forschen und entwickeln, Buick dann billiger verkaufen. Das allein wäre noch normal, macht VW ja letztlich mit seinen eigenen Autos auch, aber indem man der Marke außerdem verbietet, außerhalb Europas zu verkaufen, wird der Absatz gezielt klein gehalten.

    Ich habe nicht den Eindruck, dass GM noch großen Wert darauf legt, dass Autos made by Opel verkauft werden. Die Technologie greift man gerne ab, um die grausig schlechten eigenen Modelle zu verbessern (oder man nimmt eben gleich das ganze Auto), aber wenn die Opel-Fahrzeugproduktion überleben soll, sollen doch bitte deutsche Steuerzahler dafür aufkommen. Die damit dann gleichzeitig die Entwicklung amerikanischer Autos mitfinanzieren.

    Deutsche Arbeiter und Markentradition jucken die Chefs in Detroit nicht. Und wenn irgendwann der letzte Rest rausgepresst ist, wird Opel weggeworfen.

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    Mit billig oder teuer hat das erst einmal nichts zu tun. Nur mit dem Image von Opel.

  2. Ich erinnere an den Opel Sintra.
    Opel Antara wird auch als Opel verkauft.

    Vivaro und Movano gibt's identisch bei Renault/Nissan.

    Der Opel Combo ist eigentlich ein Fiat Doblo und, was vielleicht nicht jeder weiss, auch der Opel Meriva steht auf derselben Plattform wie der Fiat Doblo.

    All das trägt nicht dazu bei, das Markenprofil zu schärfen, wenn ich das mal so sagen darf.

    Antwort auf "kein Wunder"
    • r0me
    • 11. Dezember 2012 16:52 Uhr

    ... ab und zu über den Tellerrand schauen und mit Erschrecken feststellen, dass selbst der schicke Adam viel zu spät auf einen nahezu gesättigten Markt kommt. Die Strategie des "Fast Followers" könnte man an dieser Stelle als "Slow Follower" deklarieren ohne hämisch wirken zu wollen.

    Damit hat man konsequenterweise wenig oder gar keinen Erfolg. Ich will damit nicht sagen, dass der Adam eine Totgeburt ist, jedoch kann er weder technisch innovativ sein (siehe Motorenpalette), noch erlaubt seine Preisgestaltung eine führende Position. Die hat Fiat mit dem 500 inne.

    Zusätzlich fehlt dem Adam ein historischer Bezug. Der 500 und der Mini können damit aufwarten und sich so - übertrieben gesagt - selbst zur Legende stilisieren.

    Antwort auf "Lächerlich!"
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    • Mr.Opel
    • 11. Dezember 2012 17:46 Uhr

    Wenn man nur auf die Motoren achtet muss man sich bis 2013 gedulden wenn die neue Motorengeneration im Adam erscheint.

    Innovationen hat der Adam dennoch und ich greife hier mal nicht zur Opel-Allzweckwaffe FlexFix-Fahrradträger, wenn es darum geht sich von anderen zu unterscheiden, (den es sogar für den Adam gibt), sondern nenne hier mal einen automatischen(ja automatisch man lässt das Lenkrad los und er parkt alleine) Parkpilot (nicht zu finden im Fiat 500 oder Mini)ein 7 Zoll Touchdisplay, welches das Smartphone integriert Apps verwenden kann für gerade mal 300Euro Aufpreis. Das sind nur zwei Beispiele für innovative Technik.

    Und auch was den Preis angeht müssen sie sich noch einmal infomieren. Der Adam liegt bei nahezu identischer Grundausstattung 100 euro unter dem Fiat 500 vom Mini fange ich garnicht erst an. ;)

    • spalter
    • 11. Dezember 2012 16:58 Uhr

    Opel hat die Qualitätsprobleme zwar später wieder in den Griff gekriegt, aber der Ruf war nachhaltig ruiniert.

    Die schlimmste Zeit war ja auch die unter dem verrückten "Top"manager Lopez, der natürlich von GM installiert wurde.

  3. 22. ach nee

    es wird immer vom E Auto geschrieben, der Prius hochgelobt, vom Ampera schreibt niemand......das mit der brennenden Battrie war ja auch sowas, wer bei einem Crash das E system nicht kappt braucht sich bei keinem Hybridxzu wundern

  4. Ich gehe auch davon aus, das GM von der Entwicklungsarbeit von Opel mit seinen anderen Marken profitiert.

    Nur hat dies nichts damit zu tun, dass es fertigungsseitig erhebliche Überkapazitäten im Markt gibt. Die Frage ob die F/E-Kosten die Opel für den Konzern hat berücksichtigt werden hat allenfalls beim Spartenergebnis Relevanz. Nicht aber bei der Frage, ob man 1-3 Werke weniger braucht.

    Ach ja. Wir Verbraucher profitieren im Augenblick von dieser Überkapazität. Denn ohne deise würde es keine 25%-Rabatt-Plakate in den Schaufenstern der Kfz-Händler geben... Damit wäre es m.E. schlagartig vorbei, falls Opel als Marke total ausfallen würde...

    Antwort auf "Opel als Weltauto"
    • Mr.Opel
    • 11. Dezember 2012 17:29 Uhr
    24. FALSCH!

    Meriva und Doblo teilen sich keine Platform der Meriva basiert auf der selben Platform wie der Astra.

    Antwort auf "kein Wunder"
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    • spalter
    • 12. Dezember 2012 2:09 Uhr

    Der Meriva B teilt sich die Plattform mit Corsa D (nicht Astra) und vielen Fiat-Modellen, u.a. dem Doblo 2. Die Liste ist lang, auch der Alfa Mito hat die Plattform, sowie ein Peugeot und ein Citroen.

    Der alte Meriva basierte auf dem Corsa C, und der Van auf Astra-Basis ist der Zafira.

    http://de.wikipedia.org/w...(Automobil)#GM.2FFiat

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  • Schlagworte BMW | Ford | Mercedes | Opel | Peugeot | Renault
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