Parkhäuser : 2,30 Meter Breite reicht modernen Autos kaum

Autos sind seit Jahrzehnten gewachsen – die Stellplätze in Parkhäusern nicht. Der ADAC fordert neue Richtwerte, Behörden sehen aber keinen Handlungsbedarf.
Eine Frau parkt ihr Auto in einem Parkhaus. © ADAC

Der aktuelle VW Golf fährt mit einer Breite von knapp 1,80 Meter vor. Der erste Golf, den Volkswagen 1974 auf die Straße schickte, war gerade einmal 1,61 Meter breit – jeweils ohne Außenspiegel gemessen. Außerdem ist inzwischen eine Armada von SUV im Straßenverkehr unterwegs, mit Abmessungen, die in den siebziger und achtziger Jahren noch völlig ungewöhnlich waren.

Am Zuschnitt der öffentlichen Pkw-Stellplätze hat sich jedoch kaum etwas geändert. "Die Politik hinkt den Entwicklungen auf den deutschen Straßen um Jahre hinterher", beklagt deshalb der Bundesverband vereidigter Sachverständiger (BVS). "Nötig wäre ein groß angelegtes Verkehrsinfrastrukturprogramm für Autobahnen, Bundesstraßen, Städte und Gemeinden", fordert BVS-Präsident Roland Vogel.

Bei der Planung von Stellplätzen richten sich Architekten und Bauherren in der Regel nach den Richtwerten, die die Bundesländer in ihren Garagenordnungen festgeschrieben haben. Diese stammen zum Teil noch aus den 1970er Jahren und wurden seither nie aktualisiert, kritisiert der BVS.

ADAC fordert 2,50 Meter Breite

Die Sachverständigen sehen sich durch eine aktuelle Untersuchung des ADAC in ihrer Forderung nach großzügiger bemessenen Stellplätzen bestärkt. Der Autoclub hatte in seinem Parkhaus-Test kürzlich 40 Parkhäuser in zehn deutschen Städten bewertet. Dabei bekam keiner der Kandidaten die Note sehr gut. Acht Parkhäuser wurden mit mangelhaft, zwei mit sehr mangelhaft beurteilt.

Vor allem die unzureichende Parkplatzbreite in vielen Parkhäusern mache den Autofahrern zu schaffen, stellten die Tester fest. Bei den mies bewerteten Objekten seien auch Einfahrten zu eng, Rampen und Fahrbahn zu schmal, die Parkplätze obendrein "mit vielen Pfeilern garniert". Der ADAC fordert darum wie der BVS die Politik auf, den Richtwert für PKW-Stellplatzbreiten von derzeit 2,30 Meter auf 2,50 Meter anzuheben.

Ganz anders beurteilt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) die Sache: Er sieht die Welt nicht nur aus Autofahrerperspektive, sondern will auch den Interessen von Fußgängern und Radfahrern gerecht werden. "Wir fordern die Industrie seit Jahren auf, kleinere und sparsamere Autos zu bauen", sagt VCD-Sprecherin Anja Smetanin. "Die Richtwerte für Stellplatzgrößen heraufzusetzen wäre definitiv das falsche Signal."

"Autos wie Smart zeigen die Gegenbewegung an"

Handlungsbedarf im Sinne von ADAC und BVS sieht man auch in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt nicht. Es gebe derzeit keine Notwendigkeit, sich für die Fahrer großer Autos stark zu machen, ist aus der Behörde zu hören. Bei der Forderung gehe es auch nicht um Bestandsflächen, sondern um künftige Bauvorhaben – doch eine Ausweitung des Parkplatzangebots sei ohnehin nicht geplant.

Eine ähnliche Ansicht vertritt die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen . "Bei der Planung von Stellflächen können wir nicht nur die aktuelle Situation betrachten, sondern müssen die Entwicklung der nächsten Jahre berücksichtigen", sagt Maik Grimmeck vom NRW-Bauministerium in Düsseldorf . "Autos wie der Smart zeigen doch auch eine Gegenbewegung an." Mittelfristig werde es eine Trendwende geben, "weg von den Spritfressern und hin zu kleinen, sparsamen Citycars".

Parkhausbetreibern sei es ohnehin freigestellt, Stellflächen mit großzügigeren Abmessungen zu schaffen, fügt Grimmeck hinzu. "Eine Möglichkeit wäre, spezielle SUV-Etagen mit extragroßen Stellflächen anzubieten. Für diese Plätze müssten Kunden dann eben entsprechend mehr bezahlen."

Das vom ADAC aufgezeigte Problem der zu dicht gesetzten Pfeiler wird sich in vielen Parkhäusern allerdings kaum beseitigen lassen. Die Statik fordert diese Stützen. Hier bietet die Autoindustrie jedoch diverse Hilfsmittel an – von der Rückfahrkamera bis zum selbstständigen Einparkassistenten.

Kommentare

109 Kommentare Seite 1 von 15 Kommentieren

Kampfradeln

Da verweise ich doch auf den Radfahrer-Artikel von letzter Woche.
SUVs habe ich nie verstanden. Die früheren Geländewagen fand ich schon merkwürdig. Warum müssen Autos denn immer breiter werden? Gibt es dafür wirklich eine Nachfrage?
Parkhäuser und Parkplatzprobleme gibt es doch eh meist in Innenstädten. Ist man mit der Einrichtung von Umweltzonen nicht ohnehin auf dem Weg zu AUTOFREIEN Citys? Damit würden sich solche Forderungen von selbst erledigen. Und den Radfahrer wären auch Genüge getan ;)

Im Prinzip ja

Aber realistischerweise müssen Sie am Rand einer solchen Zone (die ich jederzeit mit Blasmusik und zwanzig Bengalischen Feuern begrüssen würde) für Parkraum sorgen, der dann auch irgendwie so sein muss, dass die real existierenden Autos drauf parken können.

Ich würde auch vorziehen, dass es bessere Radwege, mehr ÖPNV, sowie weniger und kleinere Autos gibt, aber ganz kann man die Realität nicht beiseite lassen, sonst verödet eben die Innenstadt.

Aufleben, nicht veröden

Sie irren, ohne Autos veröden Innenstädte nicht - sie leben wieder auf. Innenstädte die an Autos ersticken lassen Fahrradfahrern und Fußgängern keine Chance. Der Autofahrer sollte sich nach dem Fußgänger richten und nicht andersherum. Ersterer wird mit Auto nämlich tausendfach schneller und stärker - aber keinen Deut intelligenter.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit in Frankfurt a.M. Innenstadt liegt mit dem Auto bei ganzen 30 km/h. Das liegt einerseits an der schieren Menge der Wagen und andererseits an dem Fakt, dass Autos schlichtweg nicht für meist enge Städte gebaut sind. Diesem Problem ließe sich mit einer autofreien Stadt und dem Ausbau des ÖPNV abhelfen. Seien Sie sich bewusst, dass 75 Menschen entweder in 60 Autos (!) oder in einem Bus fahren (Quelle: http://www.autofreie-stad...).

Und endlich mal ohne Lärm und Abgase im Café draußen sitzen hat schon was..

Bei mir rennen Sie da offene Türen ein

Hab ja geschrieben, dass ich auf jeden Fall für die Autofreie Zone wäre.

Wenn man sie aber einführt, ohne entweder die Welt insgesamt zu ändern, oder aber für eine zufahrts- und parkfreundliche Peripherie zu sorgen, dann werden die Autofahrer eben einen Umweg zur nächsten Autozone in Kauf nehmen. Ich schliesse nicht aus, dass es trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung wäre, nur wird der Einzelhandel plattgemacht sein, bevor wir irgendwo angekommen sind. Und dann haben wir NUR NOCH Amazon, Ich-bin-doch-nicht-blöd sowie Chips und Cola von der Tanke.

Ich will das nicht. Die Gefahr, dass das passiert, ist schon so gross genug.

Die richtige Frage gestellt

Warum werden, wenn die Anzahl der beförderten Passagiere gleich bleibt, Autos breiter?

Und warum "antwortet" ein ADAC darauf mit der Forderung, die Parkplätze zu verbreitern, anstatt sich zu fragen... wohin das führen soll?

Das Luxusproblem Auto fordert mehr Platz. Dass man den Nahverkehr darben lässt, Neuwagen oft genug als "Geschäftswagen" verkauft werden und man den heiligen Individualverkehr auf Teufel komm raus am Leben erhalten möchte, fällt sicher niemandem auf. Oder doch?

Es spricht nichts gegen ein Auto im Einzelfall, doch warum man sich, statt der Konzentration auf die eigentliche Fortbewegung, in Lifestyleprodukten im Bereich oberhalb von 1500kg von A nach B bewegen muss und dann auch noch mehr Parkraum fordert, das leuchtet wohl nur Fans ein.

Es wäre Zeit, dem Auto dieselbe Rolle wie dem Motorrad zu verpassen. Die alltägliche Fortbewegung, speziell in dichten Städten, ließe sich mit Nahverkehrskonzepten und deren Förderung bewerkstelligen und nur ein kleiner Teil wäre auf die Flexibilität des Autos angewiesen.

Doch die Vorstellung dürfte die Automobilindustrie erzürnen. Dieselbe Industrie, welche die Fuhrparks der "Volksparteien" sponsert. Cui bono?

Ist ein echtes Problem

und zwar nicht nur für die Fahrer überbreiter SUVs. Wenn in einer Nische mit drei Plätzen ein SUV und ein Golf stehen, und nicht perfekt platzsparend ausgerichtet sind (und das sind sie natürlich nie, denn wer will schon mit dem Anzug die linke Fahrzeugflanke putzen), dann bleibt ein Platz übrig, der für mich zwat mit etwas Geduld noch zum Reinfahren genügt, aber nicht mehr zum Aussteigen. Da hilft auch kein elektronischer Einparkassistent.

Resultat ist, dass draussen noch soundsoviel freie Plätze angezeigt sind, in Wirklichkeit jedoch nur noch dreiviertel Plätze vorhanden sind, die so viel nützen wie der Schnee vom vorigen Jahr.

Vorschlag zur Güte,

wie wäre es, wenn die Parkhausbetreiber unterschiedliche Tarife für schmale, normal breite und überbreite Fahrzeuge einrichten würden. Dann müßte ein SUV Besitzer, der zwei Parkplätze belegt eben das doppelte an Parkgebühren zahlen.
Und genau das gleiche System könnte bei den Parkplätzen auf der Straße angewendet werden: wer viel Platz braucht zahlt viel, wer wenig Platz braucht zahlt entsprechend weniger.

Mich nervt als Fußgänger, daß immer weniger auf die StVO geachtet wird und sich Fahrzeuginhaber an den Straßenrändern selbst in den "Zonen" breit machen, die laut StVO freizuhalten sind.
Wenn nun als Begründung angeführt wird die neuen Autos bräuchten mehr Raum, dann laßt die Kosten für die Knöllchen und die Kosten für die Parkplätze in den Innenstädten expotential mit der Größe des Autos ansteigen. Dann rechnen sich die großen Wagen nicht mehr und die Autoindustrie wird vielleicht kleinere Modelle auflegen. Mir wär's recht ;-)

Von Noa lernen ...

Wer in beengten (Innenstadt-)Verhältnissen lebt, kann beobachten, dass die Menschen sich hier ganz bewusst (wieder) für kleinere Autos entscheiden. Weil es einfach nervt, mit einem Dickschiff an einer kleinen Parklücke vorbei zu fahren und weitere Runden um die Häuserblocks zu drehen.

Nur bei der deutschen Autoindustrie und ihren beiden großen Lobby-Organisationen – dem VDA und dem ADAC – ist diese Erkenntnis noch nicht angekommen.

Hätte Noa auf seiner Arche Platz für Dinosaurier geschaffen – der Kahn wäre entweder nie fertig geworden oder elendig abgesoffen. Heute regelt das eben der Markt.