Parkhäuser2,30 Meter Breite reicht modernen Autos kaum

Autos sind seit Jahrzehnten gewachsen – die Stellplätze in Parkhäusern nicht. Der ADAC fordert neue Richtwerte, Behörden sehen aber keinen Handlungsbedarf. von Susanne Kilimann

Eine Frau parkt ihr Auto in einem Parkhaus.

Eine Frau parkt ihr Auto in einem Parkhaus.  |  © ADAC

Der aktuelle VW Golf fährt mit einer Breite von knapp 1,80 Meter vor. Der erste Golf, den Volkswagen 1974 auf die Straße schickte, war gerade einmal 1,61 Meter breit – jeweils ohne Außenspiegel gemessen. Außerdem ist inzwischen eine Armada von SUV im Straßenverkehr unterwegs, mit Abmessungen, die in den siebziger und achtziger Jahren noch völlig ungewöhnlich waren.

Am Zuschnitt der öffentlichen Pkw-Stellplätze hat sich jedoch kaum etwas geändert. "Die Politik hinkt den Entwicklungen auf den deutschen Straßen um Jahre hinterher", beklagt deshalb der Bundesverband vereidigter Sachverständiger (BVS). "Nötig wäre ein groß angelegtes Verkehrsinfrastrukturprogramm für Autobahnen, Bundesstraßen, Städte und Gemeinden", fordert BVS-Präsident Roland Vogel.

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Bei der Planung von Stellplätzen richten sich Architekten und Bauherren in der Regel nach den Richtwerten, die die Bundesländer in ihren Garagenordnungen festgeschrieben haben. Diese stammen zum Teil noch aus den 1970er Jahren und wurden seither nie aktualisiert, kritisiert der BVS.

ADAC fordert 2,50 Meter Breite

Die Sachverständigen sehen sich durch eine aktuelle Untersuchung des ADAC in ihrer Forderung nach großzügiger bemessenen Stellplätzen bestärkt. Der Autoclub hatte in seinem Parkhaus-Test kürzlich 40 Parkhäuser in zehn deutschen Städten bewertet. Dabei bekam keiner der Kandidaten die Note sehr gut. Acht Parkhäuser wurden mit mangelhaft, zwei mit sehr mangelhaft beurteilt.

Vor allem die unzureichende Parkplatzbreite in vielen Parkhäusern mache den Autofahrern zu schaffen, stellten die Tester fest. Bei den mies bewerteten Objekten seien auch Einfahrten zu eng, Rampen und Fahrbahn zu schmal, die Parkplätze obendrein "mit vielen Pfeilern garniert". Der ADAC fordert darum wie der BVS die Politik auf, den Richtwert für PKW-Stellplatzbreiten von derzeit 2,30 Meter auf 2,50 Meter anzuheben.

Ganz anders beurteilt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) die Sache: Er sieht die Welt nicht nur aus Autofahrerperspektive, sondern will auch den Interessen von Fußgängern und Radfahrern gerecht werden. "Wir fordern die Industrie seit Jahren auf, kleinere und sparsamere Autos zu bauen", sagt VCD-Sprecherin Anja Smetanin. "Die Richtwerte für Stellplatzgrößen heraufzusetzen wäre definitiv das falsche Signal."

Leserkommentare
  1. Und auch nicht mehr in Produktion :-)

  2. Vielen Dank an alle Kommentarschreiber, die in altbewährter Weise

    - ihr Abneigung gegenüber SUVs in teilweise prolliger Weise zum Ausdruck bringen;
    - neue Fahrzeuge erfunden haben wollen (1 Sitz vorne);
    - Autos eh abschaffen wollen;
    -

    Sie alle haben mein Herz erfreut und ich konnte kräftig über diese sich ständig wiederholenden Kommentare (auch bei ähnlichen Artikeln) lachen.

    Schade ist nur, dass viele dieser Kommentatoren von Wirtschaft keine Ahnung haben, von EU-Zulassung keine Ahnung, von Exportmöglichkeiten nichts wissen wollen (so viele Lehrer kann es doch gar nicht geben), ...

    Lachen kann ich über diese Äusserungen deshalb, weil ich (u.a.) einen BMW X5 besitze/fahre. Der ist schon ganz schön breit. Dshalb habe ich erst einmal alles einbauen lassen, was es zu kaufen gibt. Also auch Rundum-Kameras und Abstandswarner.

    Trotzdem sind manche Parkhäuser, bzw. die Parkbuchten dort, einfach zu eng für das Ding. Da gibt es aber Lösungen: Bei der Einfahrt in's Parkhaus einen Blick auf die Frauenparkplätze werden (liegen meist einfahrtsnah). Die sind in der Regel breiter, als die normalen Parkplätze. Falls frei - hinstellen (seit dem Gerichtsurteil über die Unisex-Tarife habe ich dabei überhaupt kein schlechtes Gewissen mehr). Alternativ: Gleich ganz nach oben fahren, weil dort die Chance, dass zwei nebeneinanderliegende Parkplätze frei sind, einfach grösser ist. Dann die Mitte dieser beiden Parkplätze anpeilen und die Breite des Autos schön auf diese beiden Plätze verteilen.

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    „Vielen Dank an alle Kommentarschreiber, die in altbewährter Weise
    - ihr Abneigung gegenüber SUVs in teilweise prolliger Weise zum Ausdruck bringen [...]
    Lachen kann ich über diese Äusserungen deshalb, weil ich (u.a.) einen BMW X5 besitze/fahre. Der ist schon ganz schön breit. Dshalb habe ich erst einmal alles einbauen lassen, was es zu kaufen gibt. Also auch Rundum-Kameras und Abstandswarner.“

    Ja nee, is' klar, Atze. :)

  3. „Leute, die sich in die Mitte von 2 Parkplätzen stellen, verstehe ich deswegen nun auch.“

    Ich verstehe sie auch, finde so ein Verhalten aber trotzdem unsozial. Wer meint, ein riesiges SUV fahren zu müssen oder zu faul ist zu rangieren, muss halt zur Not weiter weg parken.

    Zu fordern, die Stellplatzbreite müsste - als Beispiel - verdoppelt werden, ist dabei nicht weniger unsozial als gleich zwei Plätze zu belegen. Als Resultat würde sich nämlich die Anzahl der auf der gleichen Fläche verfügbaren Stellplätze für alle - also auch die Fahrer sinnvoll dimensionierter PKW - halbieren.

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    ... was ich alles als "unsozial" empfinde und trotzdem inkauf nehmen muss, dann würden Sie verstehen, dass mir das ziemlich gleichgültig ist.

    Auch hätte ich überhaupt nichts dagegen, wenn die Parkbuchten auf 1,50 Meter verbreitert würden - bei entsprechenden Anhebung der Parkgebühren.

    "Ich verstehe sie auch, finde so ein Verhalten aber trotzdem unsozial. Wer meint, ein riesiges SUV fahren zu müssen oder zu faul ist zu rangieren, muss halt zur Not weiter weg parken."
    -------------------
    Seit wann gehört der Golf (Artikel) zu den SUVs?

  4. „Vielen Dank an alle Kommentarschreiber, die in altbewährter Weise
    - ihr Abneigung gegenüber SUVs in teilweise prolliger Weise zum Ausdruck bringen [...]
    Lachen kann ich über diese Äusserungen deshalb, weil ich (u.a.) einen BMW X5 besitze/fahre. Der ist schon ganz schön breit. Dshalb habe ich erst einmal alles einbauen lassen, was es zu kaufen gibt. Also auch Rundum-Kameras und Abstandswarner.“

    Ja nee, is' klar, Atze. :)

    Antwort auf "Vielen Dank!"
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    ... auf den Fuchsschwanz habe ich verzichtet. Das bringt mich zu einen anderen Kritikpunkt an modernen Autos: Keine Antenne mehr, an denen das Ding befestigt werden könnte.

    (P.S.: Übrigens ein lustiger Name, Atze, den Sie da führen.)

  5. „Kennen Sie ein einziges aktuelles PKW-Modell mit nennenswerter Zulassungszahl und 1,7m Breite oder weniger zwischen den Spiegeln?“

    Kommt drauf an, was man unter „aktuell“ versteht. Der Opel Meriva A (bis 2010) kommt noch mit 1694 mm aus. Vielleicht ist er u.a. deswegen bei Großstadtbewohnern (auch gebraucht) so beliebt.

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    • Flari
    • 20. Dezember 2012 19:15 Uhr

    "Der Opel Meriva A (bis 2010) kommt noch mit 1694 mm aus. Vielleicht ist er u.a. deswegen bei Großstadtbewohnern (auch gebraucht) so beliebt."

    Ich hatte extra nach der Breite MIT Spiegeln gefragt.
    Ansonsten:
    Bei mir vor der Tür steht so einer als Zugfahrzeug:

    http://up.picr.de/923784.jpg

    Der ist (auch ohne Spiegel) nur exakt einen Millimeter breiter...
    Also auch das ideale Stadtfahrzeug.. *lol

  6. ... was ich alles als "unsozial" empfinde und trotzdem inkauf nehmen muss, dann würden Sie verstehen, dass mir das ziemlich gleichgültig ist.

    Auch hätte ich überhaupt nichts dagegen, wenn die Parkbuchten auf 1,50 Meter verbreitert würden - bei entsprechenden Anhebung der Parkgebühren.

    Antwort auf "Unsoziale Forderung"
  7. ... auf den Fuchsschwanz habe ich verzichtet. Das bringt mich zu einen anderen Kritikpunkt an modernen Autos: Keine Antenne mehr, an denen das Ding befestigt werden könnte.

    (P.S.: Übrigens ein lustiger Name, Atze, den Sie da führen.)

    Antwort auf "„prollig“"
    • ZPH
    • 20. Dezember 2012 18:23 Uhr

    Werden die Insassen immer fetter? Dann wwäre kein "groß angelegtes Verkehrsinfrastrukturprogramm für Autobahnen, Bundesstraßen, Städte und Gemeinden" nötig, sondern ein groß angelegtes friss-die-Hälfte Programm für überfettete Autofahrer.

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Kommentare, die als Beleidigung verstanden werden können. Danke, die Redaktion/jk

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte ADAC | Volkswagen | Auto | Golf | Landesregierung | SUV
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