ToyotaDer Auris streift die Langeweile ab

Toyota reagiert mit einem geschärften Auris auf den neuen Golf. Und setzt zugleich im Kompaktsegment ein Zeichen: Erstmals ist ein Hybrid günstiger als die Dieselversion. von Wolfgang Gomoll

Der neue Toyota Auris

Der neue Toyota Auris  |  © Hersteller

Vor fünf Jahren startete Toyota mit dem Auris eine Großattacke auf den Volkswagen Golf. Die Japaner waren so überzeugt von ihrem Kompaktwagen, dass sie für eine Unmenge Geld jede verfügbare Werbetafel in Deutschland buchten. Trotz des immensen Einsatzes war der Erfolg aber bisher überschaubar: Rund 13.000 Exemplare des Auris finden jedes Jahr in Deutschland einen Besitzer. Vom VW Golf werden in nur einem Monat schon mehr Fahrzeuge neu zugelassen.

Mittlerweile hat Toyota seinen Werbeumfang wieder deutlich gestutzt – dabei hätte die Neuauflage des Auris durchaus Trommelwirbel verdient. Toyota hat viele Schwächen des Vorgängers getilgt und ein gelungenes Auto abgeliefert. Schon die Optik besticht: Der bestenfalls barocke Auftritt des alten Auris ist einem aufregenden Design gewichen. Die Front mit dem schmalen Kühlergrill und der trapezförmigen unteren Schürze ist deutlich frischer. Dass das Heck ein wenig dem koreanischen Konkurrenten Hyundai i30 gleicht, stört nicht weiter.

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Jetzt muss die Leistung mit dem sportlichen Design aber auch Schritt halten können. Auch hier haben sich die Techniker mächtig ins Zeug gelegt. Die Karosserie wurde entschlackt, ist um bis zu 85 Kilogramm leichter geworden und zugleich verwindungssteifer als bisher. Außerdem liegt der neue Auris 55 Millimeter tiefer als der Vorgänger – eine gute Voraussetzung für dynamisches Fahren. Das Fahrwerk wurde ebenfalls geschärft, der Testwagen hat eine Verbundlenker-Hinterachse verbaut.

Geringe Puste am Berg

Das Ergebnis kann sich zumindest teilweise sehen lassen. Der Auris wankt weniger als der Vorgänger und ist dabei noch komfortabel. Die Lenkung gibt allerdings etwas wenig Rückmeldung. Nicht ganz überzeugen kann dagegen der 132-PS-Benzinmotor, der seine Kraft nur auf dem Datenblatt hat. Im sechsten Gang zeigt das 1,6-Liter-Aggregat bei einer Bergauffahrt schon mal Schwächen. Da helfen auch 160 Newtonmeter Drehmoment wenig. Schaltfaul darf man im Auris also nicht sein.

Dabei kann man es sich im Fahrzeug durchaus gut gehen lassen. Dank der deutlich tieferen Sitzposition hat der Fahrer einen angenehmen Abstand zu Lenkrad und Dach. Die Sitze sind bequem, und auch hinter der ersten Reihe finden Erwachsene ausreichend Platz. Der Kofferraum profitiert am meisten von den drei Zentimetern, um die die Karosserie gewachsen ist: Er hat an Volumen gewonnen und fasst jetzt 360 Liter. Zudem ist die Öffnung breiter geworden, was das Beladen erleichtert. Da stört nur noch die etwas zu hohe Ladekante.

Der Innenraum des neuen Auris macht frühere Billigplastik-Fehlgriffe der Designer vergessen, vor allem in der Topausstattung Executive. Dort wechseln sich unterschäumte Flächen und mit Leder bezogene Armaturen ab. Auch das Lederlenkrad ist dick genug und liegt gut in der Hand. Kleine Schwächen im Detail trüben das positive Gesamtbild nur wenig, etwa die Digitaluhr, die im Jahr 2012 den Retro-Charme eines Atari-Spielcomputers versprüht.

Leserkommentare
  1. ...muß ein Kompaktwagen nicht sein. Wenn ich ein Auto kaufe, interessieren mich folgende Dinge: wie teuer? geringer Verbrauch? viel Platz? gute Qualität? Der Rest ist mir egal. Oder auch nicht: Ich bin sogar der Meinung, daß viele Autos heute überdesigned sind. Eine A-Klasse würde ich mir heutzutage wegen des Yuppi-Images nicht mehr kaufen. Ebensowenig, wie ich mir ein Apple-Produkt kaufen würde. Das sind Hipster-Produkte, die mir mittlerweile zu uncool (weil zu aufgesetzt möchtegern-cool) sind.
    Und wenn Autodesign dann womöglich noch Kofferraumvolumen kostet, verzichte ich gerne aufs Produkt. Auch aggressiv darf das Produkt nicht wirken. Im Straßenverkehr gibt es genug Aggressionen, da muß ich mir nicht noch ein sog. "Überholprestige" vor den Kühler bauen lassen (siehe Audi).
    Ich will nichts gegen Toyata sagen, hoffe aber, daß Herr Toyoda nicht auch noch in die Designfalle tappt.

    • zamm
    • 07. Dezember 2012 15:54 Uhr

    "Im sechsten Gang zeigt das 1,6-Liter-Aggregat bei einer Bergauffahrt schon mal Schwächen"
    Ja, ein herkömmlicher Benzinmotor ohne Turbo hat etwa folgende Eigenschaften:
    - Max. Drehmoment um 4'000 U/min
    - Max. Leistung um 5'500 U/min
    Deshalb muss man (Sie schreiben es richtig) die Maschine hochdrehen, wenn man flott unterwegs sein will, besonders bergauf. Entspricht aber dem Datenblatt völlig!

  2. bergauf? Der Tester ist wohl eher auf dem Trottoir zu Hause!

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    ... O-Ton-Press-Inform-Website: "Die Journalisten von press-inform arbeiten überaus engagiert, hoch kompetent und absolut verläßlich. Durch langjährige Erfahrungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Journalismus verfügen die Mitglieder des Redaktionsteams über ausgezeichnete Kontakte in den einzelnen Themenbereichen und Spezialgebieten."
    Noch Fragen?
    Bei einem Toyota MUSS einfach ein Härchen in die Suppe hineingedichtet werden. Das verlangen die ungeschriebenen Statuten dieser Pressemitteilungsparaphrasieranstalt des teutschen Automobilindustrie.

  3. ... O-Ton-Press-Inform-Website: "Die Journalisten von press-inform arbeiten überaus engagiert, hoch kompetent und absolut verläßlich. Durch langjährige Erfahrungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Journalismus verfügen die Mitglieder des Redaktionsteams über ausgezeichnete Kontakte in den einzelnen Themenbereichen und Spezialgebieten."
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    Bei einem Toyota MUSS einfach ein Härchen in die Suppe hineingedichtet werden. Das verlangen die ungeschriebenen Statuten dieser Pressemitteilungsparaphrasieranstalt des teutschen Automobilindustrie.

    Antwort auf "Im 6. Gang"
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    ... ist artikelbezogen und sachlich, denn das, was über den Verfasser des Artikels (Artikelbezug ...) bzw. dessen Arbeitgeber drin steht, ist allgemein bekannt und wahr.

  4. ... ist artikelbezogen und sachlich, denn das, was über den Verfasser des Artikels (Artikelbezug ...) bzw. dessen Arbeitgeber drin steht, ist allgemein bekannt und wahr.

    • nr-3
    • 07. Dezember 2012 18:59 Uhr

    Schade eigentlich ... denn dieser Motor kommt (fast) ohne Drosselklappe aus

    132 PS (97 kW) bei 6400 U/min.
    160 Nm bei 4400 U/min.

    für einen 1.6 finde ich die 160 Nm stattlich und vom ökonomischen Gesichtspunkt ist eine
    variable Ventilsteuerung >> Turbo (bei Benzinern)

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    #4!

  5. #4!

  6. Dann ist das Streben nach Veränderung und Mut für ein frischeres Design vor extremen Hürden gesetzt. Das ist nicht nur beim AURIS so, sondern auch beim Golf. Erfolg braucht nicht so schnelle Designwandel.

    Wenn etwas erfolgreich ist, wird Design zu Recht zögerlich geändert. KAUFEN ist so immer auch eine Bejahung des Bewährten. Daher ist langweiliges Design auch manchmal eben halt auch megaerfolgreiches Design - wenn die Nachfrage stimmig ist.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Toyota | Volkswagen | Airbag | Design | Euro | Hybrid
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