Verkehr : Kabinentaxis sollen verstopfte Straßen entlasten

Ein US-Start-up will Städte von Verkehrsstaus erlösen – mit schwebenden Kabinentaxis über den Straßen. Die Funktionsweise erinnert an Schwebebahnen.
Computersimulation einer Kabine von SkyTran © SkyTran

Beneidenswert bequem ist das Leben in Neu New York, dem fiktiven Schauplatz der Zeichentrickserie Futurama : Dort steigen die Bewohner morgens in eine Glasröhre, die sich hoch über den Dachfirsten durch die Stadt schlängelt, und lassen sich wie eine Rohrpost-Kartusche direkt vors Büro katapultieren.

Diese schöne neue Cartoon-Welt, in der niemand mehr im Stau oder im verstopften Regionalzug steht, spielt leider im fernen, 31. Jahrhundert. Doch so lange will Jerry Sanders nicht warten. Der Chef des US-Startups SkyTran hofft, schon in zwei Jahren die erste menschliche Rohrpost in Betrieb nehmen zu können. "Die Menschen sind es leid, jede Woche Stunden in Staus zu verbringen", sagt Sanders. Er glaubt: "Für dieses Problem haben wir die beste und preiswerteste Lösung."

Der SkyTran, wie sein neues Transportmittel heißt, hat vor allem eines mit der Futurama -Rohrpost gemeinsam: Das System transportiert jeden Passagier einzeln und auf direktem Weg zu seinem Ziel – ohne Zwischenstopps an Haltestellen oder roten Ampeln. Als Vehikel dienen windschnittige Kabinen, in denen zwei Personen wie in einem Segelflugzeug hintereinander sitzen und die, aufgehängt an einer 45 Zentimeter dicken Metallschiene, sechs Meter hoch über der Straße durch die Luft gleiten.

Die Passagiere steigen an speziellen Halte-Plattformen ein, vergleichbar mit den Stationen der Wuppertaler Schwebebahn . Sobald sie Platz genommen haben, wählen sie auf einem Flachbildschirm ihr Ziel – und schon braust die computergesteuerte Kabine los und schwenkt über eine Weiche in die Hauptfahrstrecke ein. Im dichten Abstand von einer halben Sekunde sausen die Wagen hintereinander her, jeder einzelne wählt innerhalb des weit verzweigten Streckennetzes die kürzeste Route.

Ungestört von Staus oder Ampeln , so die Idee von Sanders, kommen Stadtbewohner damit schneller durch die Rushhour – und enorm umweltfreundlich: Die Kabinen verbrauchen pro Kilometer 15 Mal weniger Energie als herkömmliche Autos.

Bisher fährt das windschnittige Vehikel zwar nur auf einer wenige Meter langen Schiene im kalifornischen Moffett Field: in den Laboren des renommierten Ames Research Center der Nasa . Doch nun plant Tel Aviv eine sechs Kilometer lange Pilotstrecke, ausgehend vom High-Tech-Industriepark Kiryat Atidim über die Universität bis zum Hafen. Bau und Betrieb will SkyTran übernehmen. "2014 können wir starten", hofft Sanders. Auch die israelische Küstenstadt Netanja, 30 Kilometer weiter nördlich gelegen, und der indische Bundesstaat Kerala erwägen eine Trasse.

Gewiss, die Idee eines Kabinentaxis ist nicht neu: So baut das britische Startup Ultra im nordindischen Amritsar gerade eine Acht-Kilometer-Strecke für autonome Shuttles. Dank dieser sogenannten Podcars gebe es künftig "keine Fahrpläne mehr, keine Wartezeiten und natürlich keine Parkplatzsuche", schwärmt der schwedische Podcar-Experte Christer Lindström.

Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Warum so kleinkariert?

So sinnlos ist die Formulierung nun auch nicht! Ein Verbrauch ist immer Streckenbezogen. Also warum soll er nicht explizit eine Streckeneinheit erwähnen?

Was mich viel mehr aufregt, ist die Tatsache, dass wir effiziente Fortbewegungsmöglichkeiten entwickeln und diese nie zum Einsatz bringen. Man muss sich nur mal ausmalen, wenn das konsequent seit den Siebzigern eingeführt worden wäre hier in D. Wo wir dann jetzt wären. Wir könnten die Dinger wahrscheinlich mittlerweile so billig/zuverlässig wie kein Anderer produzieren und installieren.
Und keiner müsste sich über Preissteigerungen bei einer unzuverlässigen DB beklagen!

Ich will ja nicht zukunftsfeindlich sein...

...aber das Konzept verlegt doch den Stau auf der Straße einfach auf die Schiene. Statt einer Person pro Auto, dass übrigens auch bis zu 240km/h fahren könnten - wenn sie nicht im Stau stecken würden :-) - sitzt dann je eine Person im SkyTran-Vehikel, sonst ist nichts anders.
Wir haben nicht mal einen stau-freien Himmel(!), wieviel Chancen hat da eine Magnetschwebebahn mit individuellen Pods?
Der Preis ist sicher attraktiv aber sobald Individualverkehr ins Spiel kommt kann es nur im Stau enden.

Maximalkapazität

Im Artikel stand etwas von " alle halbe Sekunde 1 Pod" pro Schiene.

Macht also 2 Pods bzw.
120 Pods pro Minute
720 pro Stunde

Zum Vergleich: Straßenbahn im 5 Minuten Takt: Kapazität 300Personen/Fahrzeug = 3600 Personen/h

Interessanterweise ist das nicht so viel mehr, wie eine normale, gut ausgebaute Straße verkraftet.

Trotzdem hat das gute Chancen, da es potenziell sowohl schneller, als auch günstiger als ÖPNV/Auto ist.

Ob es sich aber durchsetzt hängt vor allem von Netzwerkeffekt ab, denn je größer das NEtz, desto höher der Nutzen

PRT (Personal Rapit Transit)

Der Fachbegriff für solche Systeme ist PRT und unter diesem Namen findet man im Netz etliche Beiträge. Seit mindesten 50 Jahren werden PRT-Systeme von Universitäten und Startups untersucht und propagiert.

In aller Regel driften Theorie und Praxis dann erheblich auseinander, wenn es etwas konkreter in Richtung Realisierung geht. Die Kosten für Planung, Testphasen, Fahrzeuge und Fahrweg werden grundsätzlich viel zu niedrig angesetzt und im günstigsten Fall schafft man eine kurze Teststrecke auf der einige Fahrzeuge Testfahrten unternehmen. Danach wird die Presse über den baldigen Beginn der Massenproduktion informiert.

Meistens sind die Planer wenigstens so realistisch, dass sie mit relativ niedrigen Geschwindigkeiten rechnen. Die kurzen Fahrzeiten ergeben sich schon, weil PRT-Fahrzeuge kontinuierlich von Start zum Ziel fahren. Hier wird gleich der große Wurf mit Magnetschwebetechnik und 240km/h gewagt. Das kann überhaupt nicht kurzfristig funktionieren. Wenn Geld keine Rolle spielen würde, müsste man sicherlich mindestens 10 Jahre forschen und experimentieren bevor man solche Fahrzeuge in den täglichen regulären Einsatz mit zehntausenden von Fahrgästen geben könnte.

Ein einigermaßen realistischer Versuch ein erstes richtiges PRT-System zu bauen findet derzeit in Masdar (Abu Dhabi) statt. Dort steht richtig viel Geld zur Verfügung und PRT wird von Anfang an in der Stadt-Planung berücksichtigt. Ob es auch funktioniert ist noch unklar.

Sky Tran schon weiter als gedacht?

Wenn ich das richtig verstanden habe, gibt es das Projekt bereits seit 1990. Seit mindestens 10 Jahren wird richtig geforscht und experimentiert. Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, aber wenn eine Strecke ab 2014 in Tel Aviv gebaut werden soll, dann müssten doch zumindest Stadtplaner und Geldgeber das Projekt als zukunftsträchtig und realistisch erachten.

Sollten wir nicht lieber ab und an etwas mehr wagen und investieren? Wenn wir immer auf den nächsten Meilenstein der Forschung warten, ergeht es und wie beim Computerkauf, bei jeder Neuerscheinung lohnt es sich nicht wirklich sie zu erwerben, da die nächste schon in Erwartung ist.

Freundlichst
Der nette Kerl