LeichtbauVW rechnet sich den Golf leicht

Volkswagen reklamiert 100 Kilogramm Gewichtsverlust für den neuen Golf. Dazu muss VW aber mit einer ganz speziellen Berechnungsmethode etwas tricksen. von 

Der neue Golf VII von Volkswagen

Der neue Golf VII von Volkswagen  |  © Volkswagen

Der neue VW Golf verbraucht keinen Zehntel Liter weniger als der Vorgänger – jedenfalls nicht im Vergleichstest der AutoBild . Die Autoren der Zeitschrift fuhren mit zwei Golf 2.0 TDI Highline der Baureihen VI und VII eine definierte Strecke durch die Stadt, über Land und die Autobahn. Beide verbrauchten pro 100 Kilometer 5,4 Liter Diesel. Und das, obwohl der neue im Gegensatz zum alten über eine Start-Stopp-Automatik und eine bedarfsgerechte Steuerung der Lichtmaschine verfügt.

Auch auf der Waage herrscht fast Gleichstand: Der Golf VII ist nur 14 Kilogramm leichter. Der Pressetext von Volkswagen ist da wesentlich optimistischer. "100 Kilogramm weniger Gewicht senken den Verbrauch deutlich", heißt es da wörtlich.

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Ulrich Huber, Professor für Leichtbau und Faserverbundtechnologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW), ordnet diese Zahl ein: "Eine pauschale Verbrauchseinsparung gibt es nicht. Aber die Praxiserfahrung zeigt, dass 100 Kilogramm etwa 0,3 bis 0,4 Liter je 100 Kilometer bringen." Das hängt auch vom Fahrprofil ab, wie Huber erläutert: Bei konstanter Fahrt sei das Gewicht fast bedeutungslos, während es bei ständigem Bremsen und Beschleunigen stark in die Verbrauchsbilanz einfließe.

76 auf 100 Kilogramm hochgerechnet

Das erklärt allerdings noch nicht den Unterschied zwischen der von AutoBild ermittelten Gewichtsersparnis und den von Volkswagen reklamierten 100 Kilogramm. Auch ein Blick auf die offiziellen Zahlen in den VW-Katalogen hilft kaum weiter. Ein Golf VI mit 1.2-TSI-Benzinmotor, 77 kW (105 PS) Leistung und dem BlueMotion-Technology-Paket kam auf 1.234 Kilogramm, die gleiche Version des Golf VII steht mit 1.210 Kilogramm in den Papieren. Ein Golf-VI-Diesel (1.6 TDI) mit gleicher Motorleistung wog 1.318 Kilogramm, der vergleichbare Golf VII bringt 1.295 Kilogramm auf die Waage.

Auf Nachfrage von ZEIT ONLINE, welches Modell die versprochenen 100 Kilogramm verloren habe, nennt Volkswagen den 1.4 TSI mit 103 kW (140 PS) und als Vergleichsmodell den 1.4 TSI mit 118 kW (160 PS) des Vorläufers. Das Gewicht geht laut Katalog hier von 1.346 auf 1.270 Kilogramm. Das ergibt aber auch nur 76 Kilogramm Differenz.

Volkswagen hat dafür eine einfache Erklärung. Diese Zulassungswerte in den Katalogen wurden nach gesetzlicher Regelung bestimmt – genau die kritisiert der Hersteller aber als zu theoretisch: Es werde immer das leichteste bestellbare Fahrzeug zugrunde gelegt. Im Fall des Golfs bedeutet das sogar ohne Klimaanlage. Die ist zwar serienmäßig, kann aber auf Wunsch abbestellt werden. VW hat darum als Vergleichsmaßstab eine Referenzausstattung definiert, die der Lebensrealität näher kommt. Dazu gehören die Klimaanlage, ein Radio und vier Türen, die von 90 Prozent der Käufer geordert werden.

Die zusätzlichen hinteren Türen wiegen laut Volkswagen nicht mehr 29, sondern nur noch 19 Kilogramm mehr. Aus Wolfsburg heißt es weiter, dass alle Motorvarianten um mindestens 50 Kilogramm leichter geworden seien und dass das "im Konkurrenzumfeld ein Riesenschritt" sei. ZEIT ONLINE hat darum den Golf 1.4 TSI mit Zylinderabschaltung sowie den Toyota Auris Hybrid als Testwagen angefragt.

Leserkommentare
  1. Wennn dieser Konzern schon bei derartigen Lapalien seine Kunden belügt, wie ist es denn erst bei wichtigen Fakten?

    Nö Leute, mit mir nicht. Verars**en kann ich mich selber.

    3 Leserempfehlungen
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    • Zack34
    • 21. Dezember 2012 19:40 Uhr

    den Text vor Ihrem Wutanfall gelesen?

    War nur ´ne Frage.

    Da wird nämlich das Kofferraumvolumen mit famosen 565 Litern angegeben. Auf den Wert kommt man aber nur, wenn man die Mulde für das Ersatzrad mit einrechnet. Die wird man aber kaum nutzen können - und da sparen die einem liebenswürdigerweise schon dieses unnütze Reserverad. In Wirklichkeut kommt der Passat nur auf 500 Liter Volumen und erreicht damit gerade mal Klassendurchschnitt und wird von vielen, auch kleineren Fahrzeugen übertroffen.

  2. ich warte schon auf diesen Artikel seitdem der Golf7 vorgestellt wurde. Habe auch schon häufiger in den Kommentaren auf Zeit-Online darauf hingewiesen, dass VW mit den 100Kg Ersparnis mogelt. Endlich wird auch mal kritisch über dieses Vorgehen berichtet.

    Als ich bei dem örtlichen Händler bei der Präsentation des Golf 7 nachfragte, ob diese 100Kg Lüge überhaupt noch erlaubt sei und ob man mir denn zeigen könnte welcher Golf 7 100kg weniger wiegt, hat man mir nur gesagt man hätte keine Prospekte vom Golf 6 mehr und ich sollte doch bitte gehen.

    Wenn der neue Golf nicht gewachsen wäre hätte man die 100Kg vielleicht erreichen können, so lügt man den Kunden weiter in die Tasche.

    3 Leserempfehlungen
  3. Die leichteste Art der Gewichtsabnahme ist übrigens, sich einfach mal eine Größenklasse niedriger umzuschauen als beim bisherigen Fahrzeug.

    Ich bin lange Zeit Opel Astra gefahren - nachdem das aktuelle Modell aber 30cm zu lang un 200kg zu schwer geworden ist, bin ich auf den VW Polo umgestiegen. Der bietet auch kaum weniger Platz, verbraucht als Bluemotion 30% weniger als ein Astra-Diesel und ist auch noch preisgünstiger (vom Wiederverkauf ganz zu schweigen, wenn der Liter Diesel in 5 Jahren 2,50 € kostet).

    Aber so lange es für einen Großteil der Autobesitzer undenkbar erscheint, eine Klasse "nach unten" zu wechseln, so lange werden die Autohersteller das mit immer größeren, schwereren und teureren Modellen ausnutzen.

    2 Leserempfehlungen
    • Zack34
    • 21. Dezember 2012 19:39 Uhr
    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Werbung"
    • Zack34
    • 22. Dezember 2012 13:23 Uhr
    2 Leserempfehlungen
    • spamme
    • 21. Dezember 2012 14:18 Uhr

    ..., wenn die Redakteure Renault/Nissan für die E-Mobil-Initiative loben, aber gleichzeitig die "normalen" Fahrzeuge bewusst niederschreiben? Nicht umsonst werden VAG-Fahrzeuge in allen Tests grundsätzlich mit aktivem Fahrwerk getestet, andere Marken jedoch nicht. Gibt zwar ein paar Abzüge bei der Austattung, oder der Preisbewertung, aber diese werden bei den Fahrwerkskapiteln mehr als nur ausgeglichen. Außerdem kommen die VWs gleich mit breiteren Reifen zum Test, und oh Wunder, haben glänzen dann neben dem Superfahrwerk auch gleich mit den besten Bremswerten.
    Oder es wird mal eben ein Megane mit GT Line-Austattung zum Test genommen (warum auch immer) und dann gleichzeitig die "unnötig harte Abstimmung" kritisiert.

    Die versprochene Gewichtsersparnis beim Golf zu finden dürfte dank MQB sehr schwer werden. Da wird, Baukasten und Standardisierung sei Dank, bei vielen Details mit Kanonen auf Spatzen geschossen, sprich: Überdimensioniertes eingebaut.

    Was heute wirklich interessant wäre, wenn die Medien nur Fahrzeuge in der reinen Basis-Austattung miteinander vergleichen würden.

    Aber, wer heute noch auf die "unabhängige" Autopresse vertraut, ist selber Schuld. Die Fahrzeuge sind heute im Allgemeinen so gut geworden, dass es eigentlich nur Unterschiede im Detail gibt, die den persönlichen Ausschlag geben.

    Eine Leserempfehlung
    • Zack34
    • 21. Dezember 2012 19:40 Uhr

    den Text vor Ihrem Wutanfall gelesen?

    War nur ´ne Frage.

    Eine Leserempfehlung
    • pekka
    • 22. Dezember 2012 9:30 Uhr

    Mann sollte auch lesen können…
    "Bis zu 100 kg leichter"
    So stand es in der Werbung und so haben die meisten Zeitungen das auch übernommen!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Werbung"

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  • Schlagworte Volkswagen | Golf | Europäische Union | Peugeot | Hamburg | Wolfsburg
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