Alternative AntriebeEU will Europa Tausende Strom-Tankstellen verordnen

Das Angebot an Tankstellen für Elektro- und Gasautos in der EU ist gering. Das will die EU-Kommission nun ändern und einen Ausbau des Ladenetzes vorschreiben.

Die EU-Kommission will Europa den Ausbau des Tank- und Ladenetzes für alternative Autoantriebe wie Strom und Gas verordnen. Deutschland müsste die Zahl der Ladestationen für Elektroautos von etwa 2.000 Stationen auf 150.000 bis zum Jahr 2020 erhöhen, heißt es in dem Plan, den Verkehrskommissar Siim Kallas in Brüssel vorstellte. Allerdings müssten nur zehn Prozent davon öffentlich zugänglich sein.

Laut Kommission gab es im Jahr 2011 in Deutschland 1.937 Ladestationen. Die Vervielfachung hält Verkehrskommissar Kallas aber in sieben Jahren für machbar.

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Bisher wurden nicht genug Tankstellen gebaut, weil zu wenige E-Autos fahren. Und umgekehrt ist das Interesse an E-Autos gering, weil es zu wenig Tankstellen gibt und die Autos wegen der geringen Stückzahlen zu teuer sind. Diese Diskrepanz will die Kommission jetzt auflösen. Die Bundesregierung strebt für 2020 das Ziel von einer Million E-Autos auf Deutschlands Straßen an – derzeit sind es aber noch unter 10.000.

Die Kommission schlägt Einheitsstecker vor

Die anderen EU-Ländern müssten ähnlich ambitionierte Vorgaben erfüllen. So soll Bulgarien, das 2011 laut Kommission eine einzige Ladestation für Elektroautos hatte, 2020 rund 7.000 vorweisen. Frankreich müsste 97.000 aus den 1.600 Ladestellen machen, heißt es in der Mitteilung der Behörde. Auch hier gilt, dass jede zehnte öffentlich zugänglich sein soll. Insgesamt würde die EU 2020 ein Netz von etwa 650.000 Ladestationen überziehen, 65.000 davon öffentlich.

Zudem schlägt die Kommission einen Einheitsstecker vor. Nur damit könnte das Elektroauto künftig wirklich zwischen Skandinavien und dem Mittelmeer überall andocken. Durchgesetzt hat sich in der Auswahl der in Deutschland gebräuchliche sogenannte Typ-2-Stecker.

Der EU-Plan betrifft auch andere alternative Antriebe: Für Wasserstoff sollen die in 14 Ländern schon bestehenden Tankstellen in einem Verbundnetz mit gemeinsamen Normen zusammengeschlossen werden. Für komprimiertes Erdgas (CNG) und Flüssigerdgas (LNG) schlägt die Kommission vor, im Abstand von 150 und 400 Kilometern an den wichtigsten Straßen Ladestellen einzurichten.

Das meistgetankte Autogas ist Flüssiggas (LPG), für das es schon 28.000 Tankstellen gibt, deshalb ist ein Ausbau nicht vorgesehen.

Die Kosten für die neue Infrastruktur schätzt Kallas auf 10,5 Milliarden Euro. Dabei verlässt sich der Verkehrskommissar auf private Investitionen, Steuergeld hält er derzeit nicht für nötig.

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Leserkommentare
  1. Was den "Einheitsstecker" betrifft, also eine EU weite Normung, betrifft, macht es sicherlich Sinn.

    Was die - verpflichtende - Anzahl der Privatwirtschaft betrifft:

    Kann und muß - oder besser darf - dies Aufgabe der EU sein?

    Btw: Wie kann denn die EU erklären, daß stationärer, also häuslicher, Verbrauch elektrischer Energie schlecht ist, der - stark einschränkende - mobile Verbrauch elektrischer Energie dagegen gut?

    2 Leserempfehlungen
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    Ihre berechtigte Frage zum häuslichen und außerhäusigen (mobilen) Verbrauch läßt sich am Beispiel des Geschlechtsverkehrs erklären , nur umgekehrt. Wie kann etwas außerhäusig schlecht sein, was zu haus gut ist!

    Zum Ernst zurück: die Kommissare können einen zum Verzweifeln bringen. Das E-Auto funktioniert nicht mal in der Stadt. Jetzt soll ich damit auf Reisen gehen und darf alle 130 km für 2 h nachladen....
    Vielleicht ist es die darin zum Ausdruck kommende Askese, die die Sache gut erscheinen läßt!

    • Hans B
    • 24. Januar 2013 18:35 Uhr

    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen oder in Ruhe darüber nachdenken:
    Die Kommission empfiehlt in Deutschland 150.000 Ladestationen einzurichten und davon müssen 10% öffentlich zugänglich sein.
    Das sind also 15.000 öffentliche Ladestationen für 80Mio. Einwohner, macht also ca. 5000 Einwohner pro Ladestation. Das ist sicher eine breite Abdeckung, die dann dazu führt dass viele E-Autos gekauft werden. Man kann ja dann zusätzlich, ähnlich wie dies auch bei der zukünftigen Mangelverwaltung von Strom als Folge der fossilen Atomwende geplant ist, ein SmartGrid Computernetzwerke einführen. Dann meldet sich eben der Bürger rechtzeitig vorher an wenn er Wendestrom für die Waschmaschine oder Ladekapazität braucht und dann wird eben eine Nutzungszeit zugeteilt!
    Es sind offenbar immer noch Steigerungen möglich:
    Flughafen BER --> Atomwende --> EU-Ladesäulen-Nutzungs-Verordnung !

    Eine Leserempfehlung
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    Nehmen Sie das als karnevalistischen Beitrag des Verkehrskommissars aus dem hohen Nord-Osten. Hat der keine Mitarbeiter, die ihn von solchem Schwachsinn abhalten? Das ist es, was die EU diskreditiert. Und die wollen den Euro retten?

  2. Wenn ich mir vorstelle, dass eine Zapfsäule in, sagen wir mal, fünf Minuten ein Benzinfahrzeug befüllt und eine Elektrosäule zum Laden eines Elektrofahrzeugs zwei Stunden benötigt, dann bräuchte man, unter Annahme einer jeweils optimalen Nutzung, 24 Elektrosäulen je Zapfsäule. In Deutschland stehen ca. 15.000 Tankstellen. Hätte jede Tankstelle auch nur eine Zapfsäule benötigte man für eine ähnliche Abdeckung nach Adam Riese bereits 360.000 Zapfsäulen. ... vom jeweiligen Nutzungsverhalten und der benötigten Fläche mal ganz abgesehen!

    Meiner Meinung nach etwas realistischer: zu Hause aufladen und Range Extender oder externe Stromversorgung auf Langstrecken.

  3. Ihre berechtigte Frage zum häuslichen und außerhäusigen (mobilen) Verbrauch läßt sich am Beispiel des Geschlechtsverkehrs erklären , nur umgekehrt. Wie kann etwas außerhäusig schlecht sein, was zu haus gut ist!

    Zum Ernst zurück: die Kommissare können einen zum Verzweifeln bringen. Das E-Auto funktioniert nicht mal in der Stadt. Jetzt soll ich damit auf Reisen gehen und darf alle 130 km für 2 h nachladen....
    Vielleicht ist es die darin zum Ausdruck kommende Askese, die die Sache gut erscheinen läßt!

    Antwort auf "Teilweise sinnvoll!"
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    Das E-Auto funktioniert nicht mal in der Stadt.
    Komisch, meins funktioniert in der Stadt und auch auf der Autobahn.
    Aber da Sie noch nie eins gesehen haben oder gar gefahren sind, kennen Sie sich selbstverständlich viel besser aus und haben den totalen Durchblick.

    Jetzt soll ich damit auf Reisen gehen und darf alle 130 km für 2 h nachladen....
    Wenn Sie unbedingt so lange warten wollen, von mir aus.
    Für Langstreckenfahrten normaler Fahrer sind aber Schnellladestationen sinnvoller, an denen heutige, dafür ausgestattete E-Autos in 15-25 Minuten geladen werden können.

    Für eine solche Infrastruktur entlang von Hauptverkehrsrouten reichen erstmal ein paar tausend Stationen.
    Während die EU noch Papier produziert und deutsche Auspuffwutbürger erklären warum es nicht geht, fängt Estland einfach mal an:
    http://www.abb.co.uk/cawp...

  4. Nehmen Sie das als karnevalistischen Beitrag des Verkehrskommissars aus dem hohen Nord-Osten. Hat der keine Mitarbeiter, die ihn von solchem Schwachsinn abhalten? Das ist es, was die EU diskreditiert. Und die wollen den Euro retten?

  5. also man muss sich nicht wundern ueber dieses teilweise
    sehr duemmliche Beamtenmonster, weg mit diesem ueberhaupt
    nicht durchdachten Unsinn.

    • gquell
    • 24. Januar 2013 19:59 Uhr

    Da können wir ja dazu ein paar alte Braunkohle- und Atomkraftwerke wieder ans Netz bringen. Schließlich müssen die Elektroautos ja mit Strom versorgt werden.
    Ich kommen mir wirklich wie in einem Karnevalsverein vor.

  6. wurde doch vor Kurzem durch unsere Regierung als effizient verkauft.
    In USA wird beim Antrieb der KFZ angeblich mehr auf Gas gesetzt als auf Strom.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Bundesregierung | Europäische Union | EU-Kommission | Behörde | Elektroauto | Erdgas
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