Autonomes Fahren : Der Wagen lenkt, der Fahrer liest

Autoingenieure erwarten, dass bis 2020 Serienmodelle zumindest teils autonom fahren können. Mercedes tüftelt am Autobahnpiloten – Stefan Grundhoff hat ihn schon getestet.
Der Autor auf dem Fahrersitz – aber nicht am Steuer © press-inform

Nicht auf eigener Achse ist der Mercedes E 500 nach Vic gekommen, rund 70 Kilometer nordwestlich von Barcelona. Die dunkelblaue Limousine reiste auf dem Transporter an. Die Ingenieure von Daimler behandeln den Wagen mit dem Kennzeichen BB – BV 832 wie ein rohes Ei. Kein Wunder: Der E 500 stammt zwar aus der ausgelaufenen Baureihe und sieht aus wie eine ganz normale E-Klasse, ist ansonsten aber ein Prototyp.

Die Limousine kann eine Kleinigkeit, die selbst die im April erscheinende neue E-Klasse nicht auf dem Kasten hat: Sie kann auf der Autobahn autonom, das heißt ohne Zutun des Piloten, fahren. In Katalonien wollen wir den Selbstversuch machen.

Es geht auf die C-25, eine moderne Schnellstraße Richtung Barcelona und Lleida. Sie ist viel befahren, autobahnähnlich ausgebaut und mit einem Tempolimit von 120 km/h versehen. Zu Beginn ist alles wie sonst: Beschleunigen, blinken, auffahren, einscheren – der Fahrer erledigt das Alltagsgeschäft. Doch sobald der Tempomat bedient wird, übernimmt der Autopilot das Ruder.

Spurwechsel an die Technik abgeben

Das Fahrgefühl ist zunächst etwas ungewohnt. Das Auto hält nicht nur – wie bei der neuen E-Klasse – den Abstand zum Vordermann und achtet darauf, dass es sicher in der Spur bleibt. Statt lediglich Warnhinweise zu geben, wenn ein überholendes Auto das Ausscheren gefährdet oder die Begrenzungslinien auf der Autobahn überfahren werden, greift der Prototyp selbsttätig ein.

Der Wagen lenkt selbst, der Fahrer kann die Hände hinter dem Kopf verschränken. Oder sich anderweitig beschäftigen. Lesen? Grundsätzlich kein Problem. Ein paar SMS oder E-Mails schreiben, mit der Frau auf dem Beifahrersitz knuddeln? Geht. Ums Fahren kümmert sich das Auto. In einem weiterentwickelten Automatikmodus überholt die E-Klasse sogar wie von Geisterhand. Sie setzt den Blinker, beschleunigt und fährt an dem grauen Schwerlaster aus Madrid vorbei. Nach dem Überholvorgang schert sie wieder sicher nach rechts ein.

Selbst wenn der Fahrer den Autobahnpiloten nicht aktiviert hat, kann er einzelne Spurwechsel nach links und rechts per Knopfdruck anfordern. Während die Limousine das gewünschte ausführt, überwacht der Fahrer das System.

Kommentare

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Moepp

Autonomes Fahren auf Autobahnen ist nichts neues und kann schon von den Karren diverser Forschungsgruppen (Google, ...*hundert andere*, FZI , FU Berlin,...) schon lange recht gut bewältigt werden. Netter Versuch für Daimler Reklame zu machen aber ich sehe die deutschen Autobauer zu tun hat hinterher hinken.

Computer können im dunkeln Sehen? ist das eine Form der Intelligenz? eigentlich können Nachtsichtkameras und andere Sensoren nur die Umwelt abtasten und ein Array von Werten liefern. Die Algorithmen die dann das weiterverarbeiten sind ungefähr so weit von menschlicher Intelligenz entfernt, wie wir von der Sonne. Spezialaufgaben die auf reinen Berechnungen beruhen können Computer schneller und besser aber Situationserkennen, Dinge die viel Wissn erfordern und das schwer durch Modelle zu beschreiben ist können Menschen sehr viel besser. Es gibt zwar genügend Lernverfahren für Computer (meine Spezialisierung :)) aber die können heute noch nicht mit dem Gehirn verglichen werden (was ohnehin auch eine andere Hardware erfordern würdE)