Autonomes FahrenDer Wagen lenkt, der Fahrer liest
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Noch nicht fehlerfrei

Der dunkelblaue Prototyp fährt sich so zuverlässig, als ob das System mit der Modellpflege der E-Klasse bereits kommen könnte. Doch Ralf Hertwig, bei Daimler verantwortlich für Fahrerassistenztechnologie in der Entwicklung, wiegelt ab: "So weit sind wir noch nicht. Bis zum Ende des Jahrzehnts dürfte es jedoch wohl kommen."

Die Technik muss nicht nur weiter entwickelt werden – es gibt auch noch juristische Hürden. Die Wiener Straßenverkehrskonvention schreibt vor, dass der Fahrer jederzeit die Verantwortung für die Führung seines Fahrzeugs haben muss. Der internationale Vertrag gilt auch in Deutschland. In den USA haben einige Bundesstaaten jüngst das autonome Fahren erlaubt.

Die Sicherheitssysteme an Bord des Prototyps sind mit denen der aufgefrischten E-Klasse und der im Sommer folgenden S-Klasse weitgehend identisch. Eine nach vorn gerichtete Doppelkamera erkennt Fahrspuren und den vorausfahrenden Verkehr. Diese Information wird verglichen mit den Daten des Abstandsradars. Zur Seite überwachen die Radare des Totwinkel-Assistenten.

Keine Technik für die Innenstadt

Zwei zusätzliche Radarsensoren im Prototypen sichern ihn nach hinten ab. Auf der C-25 arbeiten die beiden Rücksensoren gut und halten den Wagen bei nachfolgendem Überholverkehr in der Spur. Probleme bereitet dagegen die Doppelkamera hinter dem Innenspiegel, die scharfe Bilder an die Bordelektronik weitergibt. Doch als die tiefe Sonne blendet, steigt der Autobahnpilot ohne Vorwarnung aus und steuert sanft nach links Richtung Leitplanke. Das Eingreifen des Fahrers verhindert Schlimmeres. "Wir sind von einem Serienstand natürlich noch weit entfernt", sagt Hertwig entschuldigend.

Ein paar Tausend Kilometer hat der Autobahnpilot schon abgespult. Damit liegt Daimler auf Augenhöhe mit der direkten Konkurrenz von Audi, BMW, Toyota, Volkswagen oder Volvo und Unternehmen wie Google, die sich längst auch mit dem autonomen Fahren beschäftigen. Offen ist, wann die ersten Hersteller einen Autobahnpiloten wirklich in Serie bringen. Bei der nächsten Modellgeneration in der Luxusklasse dürfte das durchaus Realität werden.

Derzeit funktioniert der Autobahnpilot nur auf Schnellstraßen und Autobahnen mit baulicher Trennung und bei einer Geschwindigkeit zwischen 60 und 130 km/h. Das ganz langsame Fahren beim Parken oder im Stau und das Fahren auf der Autobahn sind ausreichend kalkulierbar, um gute Systeme für autonomes Fahren zu entwickeln, sagt Hertwig. "In der Innenstadt oder auf der Landstraße ist das alles viel schwieriger." Ein paar Zukunftsvisionen bleiben also.

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Leserkommentare
    • Azenion
    • 04. Februar 2013 9:26 Uhr

    Man wird sich mit dem "autonomen Fahren" eine ganze Welt neuer Unfallursachen erschließen...

    Ohne Intelligenz scheinen mir wirklich flexible Unfallvermeidungsstrategien undenkbar.

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    Ich weiß nicht was ihr Kommentar besagen soll. Dass Menschen besser fahren als Computer? Das ist falsch. Computer können im Dunkeln sehen, sie werden niemals müde, sie können gleichzeitig in alle Richtungen sehen, Entfernungen auf den Zentimeter genau erfassen und schneller reagieren als jeder Mensch. Der Bordcomputer erfasst alles im und außerhalb des Autos gleichzeitig. Er muss nicht den Blick von der Straße abwenden um nach hinten oder zur Seite zu schauen. Er muss nicht Aufmerksamkeit für Unterhaltungen oder den Wechsel des Radios verteilen. Sobald sich autonome Fahrzeuge durchsetzen sehe ich dedizierte Fahrbahnen für sie und Verkehrssteuerung durch einen zentralen Computer. Dadurch werden dann auch Staus der Vergangenheit angehören.

    Wird es auch Unfälle durch Fehlfunktionen geben? Natürlich, nichts was Menschen bauen ist fehlerfrei. Aber sicherer als mit durchweg menschlichen Fahrern ist es allemal. Wir müssen nur noch 10, 15 Jahre Geduld haben.

  1. 2. Schade

    Das wird die Serienreife und rechtliche Akzeptanz wohl erst erreichen, wenn die Kraftstoffpreise das Autofahren fuer die Masse unerschwinglich machen.

    2 Leserempfehlungen
  2. Aber bei GTA (Open World Computerspiel) schaffens die ganzen Autos doch auch durch die Gegend zu tuckern ohne sich dauernd gegenseitig reinzufahren. Viel "Intelligenz" bräuchte so ein Programmgar nicht aufbringen zu müssen. Daran scheitert eher so mancher Autofahrer.

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    Der große Unterschied ist dass bei GTA alles im Computer stattfindet, es gibt keine Interaktion mit der chaotischen Realität. Da müssen die anderen Fahrzeuge nicht innerhalb von Millisekunden ihre Umwelt durch Sensoren erkennen, eine Lösung erstellen und reagieren.

    Im normalen Alltagsverkehr sind autonome Fahrzeuge kein großes Problem. Problematisch, und einer Zulassung im Wege, sind die Ausnahmen. Aber ich bin zuversichtlich, wie die Hersteller, dass sich in den nächsten zehn Jahren viel tun wird.

    Nur, dass bei GTA die Autos auf unsichtbaren Schienen fahren und die Umgebung nicht permanent selbst erkennen müssen :)

  3. Das serienmaessig produzierte autonome Auto mag zwar noch 10 Jahre - fuer den Innenstadtverkehr vielleicht noch 15 Jahre entfernt sein, aber es wird kommen. Spannend empfinde ich, dass spaetestens dann saemtliche Bemuehungen der letzten und der kommenden Jahre intelligente Assistenzsysteme zu bauen (die z.B. die kognitive Belastung des Fahrers beruecksichtigen), vollkommen ueberfluessig geworden sind. Das ist zwar kein Grund diese Entwicklung jetzt schon einzustellen, doch ist bereits absehbar, dass hier ein ganzer Forschungszweig - und mit ihm viele Stellen im Bereich 'Human Factors' - nicht nur wegbrechen sondern z.T. auch komplett ueberfluessig sein wird. Das erinnert mich an das Evolutionsprinzip, da auch hier einzelne Straenge zunaechst zu einem regelrechten Busch ausarten und dann aber schnell und unwiderruflich verdraengt werden. Da ich gerade an so einem Projekt gearbeitet habe, dass in 15 Jahren wohl niemand mehr braucht, macht es auch nicht besser. Anderseits, ich freue mich schon darauf mich irgendwo von meinem autonom fahrenden Auto abholen zu lassen. Schoene neue Welt.
    Aus Melbourne,
    KingKoala

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    Wer schon einmal in Wien oder Paris mit dem Auto unterwegs war, des weiß ganz sicher das dies auch in 20 Jahren noch keine Option ist, denn bei dem dort herrschenden Verkehr und den vorgegebenen Sicherheitsabständen, kämen sie dort noch nicht mal aus der Garage.

  4. Der glotzt wohl eher TV.

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  5. Der große Unterschied ist dass bei GTA alles im Computer stattfindet, es gibt keine Interaktion mit der chaotischen Realität. Da müssen die anderen Fahrzeuge nicht innerhalb von Millisekunden ihre Umwelt durch Sensoren erkennen, eine Lösung erstellen und reagieren.

    Im normalen Alltagsverkehr sind autonome Fahrzeuge kein großes Problem. Problematisch, und einer Zulassung im Wege, sind die Ausnahmen. Aber ich bin zuversichtlich, wie die Hersteller, dass sich in den nächsten zehn Jahren viel tun wird.

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  6. Ich weiß nicht was ihr Kommentar besagen soll. Dass Menschen besser fahren als Computer? Das ist falsch. Computer können im Dunkeln sehen, sie werden niemals müde, sie können gleichzeitig in alle Richtungen sehen, Entfernungen auf den Zentimeter genau erfassen und schneller reagieren als jeder Mensch. Der Bordcomputer erfasst alles im und außerhalb des Autos gleichzeitig. Er muss nicht den Blick von der Straße abwenden um nach hinten oder zur Seite zu schauen. Er muss nicht Aufmerksamkeit für Unterhaltungen oder den Wechsel des Radios verteilen. Sobald sich autonome Fahrzeuge durchsetzen sehe ich dedizierte Fahrbahnen für sie und Verkehrssteuerung durch einen zentralen Computer. Dadurch werden dann auch Staus der Vergangenheit angehören.

    Wird es auch Unfälle durch Fehlfunktionen geben? Natürlich, nichts was Menschen bauen ist fehlerfrei. Aber sicherer als mit durchweg menschlichen Fahrern ist es allemal. Wir müssen nur noch 10, 15 Jahre Geduld haben.

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    Antwort auf "Skepsis"
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    • Martyy
    • 04. Februar 2013 10:47 Uhr

    Autonomes Fahren auf Autobahnen ist nichts neues und kann schon von den Karren diverser Forschungsgruppen (Google, ...*hundert andere*, FZI , FU Berlin,...) schon lange recht gut bewältigt werden. Netter Versuch für Daimler Reklame zu machen aber ich sehe die deutschen Autobauer zu tun hat hinterher hinken.

    Computer können im dunkeln Sehen? ist das eine Form der Intelligenz? eigentlich können Nachtsichtkameras und andere Sensoren nur die Umwelt abtasten und ein Array von Werten liefern. Die Algorithmen die dann das weiterverarbeiten sind ungefähr so weit von menschlicher Intelligenz entfernt, wie wir von der Sonne. Spezialaufgaben die auf reinen Berechnungen beruhen können Computer schneller und besser aber Situationserkennen, Dinge die viel Wissn erfordern und das schwer durch Modelle zu beschreiben ist können Menschen sehr viel besser. Es gibt zwar genügend Lernverfahren für Computer (meine Spezialisierung :)) aber die können heute noch nicht mit dem Gehirn verglichen werden (was ohnehin auch eine andere Hardware erfordern würdE)

  7. Ein interessantes Thema:

    Es steht archetypisch für unser Verhältnis zu Technik. Vor allem der Risikoaspekt dürfte für Diskussionen sorgen. Die meisten heutigen Unfälle resultieren aus menschlichen Fehlern. Bei einer vollständigen Automatisierung würden die Unfälle aufgrund technischen Versagens entstehen.
    Objektiv ließe sich dies relativ einfach bewerten.
    Die "Automatik" ist dann besser, wenn sie im Mittel zu weniger Unfällen führt, die man dann auch noch nach Schwere der Unfälle gewichten müsste.
    Welcher Fahrer würde sich aber in eine Situation begeben, in der ihm vorgegeben wird, dass die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls um 10 % sinken würde. Das wäre an sich ein Riesenerfolg solch einer Technik, aber ich würde mal schätzen, dass dies für die meisten Fahrer nicht ausreichen würde. Dagegen steht einfach das Gefühl, durch eigenes verhalten letztlich gänzlich ohne Unfall durch den Verkehr zu kommen . Selbst wenn also solch ein System die Unfälle auf nur noch 5% drücken würde, gäbe es imme rnoch genügend Leute, denen dies immer noch nicht reichen würde, da sie intern mit einer eigenen 0-% Unfallrate "kalkulieren".

    Es macht halt psychologisch einen Riesenunterschied, ob man sich selbst als verursacher seines Tuns ansehen kann, oder ob man sich als Opfer fremder Mächte betrachten muss.

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    Das Problem bei einem vollautomatisierten Fahrzeug ist nicht die Technik im engeren Sinne, sondern die Menschen, die diese Technik konstruieren resp. programmieren. Letztendlich müsse diese Menschen alle möglichen Situationen, in die solch ein Fahrzeug kommen kann, antizipieren und die richtige Lösung implementieren. Letztendlich sind es die Fehler, die dort genacht werden, die Ursache für das "technische Versagen".

    Letztendlich gilt für so etwas die gleiche Regel, wie für Planungen: Eine komplette Durchplanung ohne Alternativen ist sehr viel anfälliger für Störungen, als eine jeweilige Detailplanung vor Ort. Daher dürfte es sehr langer Weg zurückzulegen sein, bis eine programmierte Maschine besser ist, als eine Person, die vor Ort die richtige Entscheidung treffen kann.

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  • Schlagworte BMW | Google | Volkswagen | Audi | Daimler AG | Toyota
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